Uneindeutigkeiten

Auch ein Maler lernt erst mal zeichnen; auch der Hobby-Maler sollte das und die allermeisten, die eine Sache mit Leidenschaft tun, tun das immerhin. Übe ich Studien, dann sagt der Lehrer mir zu Recht‚ ’nach der und der Lehrmeinung bzw. Schule musst du das so und so machen; das ist richtig, das ist falsch; setz den Pinsel/Bleistift lieber so an’ – das ist einzusehen und klar, dass das „muss“. Aber in dem Moment, in dem ich mit dem bereits gelernten Handwerk ein Bild beginne – dafür lege ich übrigens meine Hand ins Feuer – kann das Betrachter-Auge nicht mehr unbedingt mein Handwerk dahinter erkennen – ich sage bewusst „nicht mehr unbedingt“. Große Teile der modernen, der abstrakten Kunst haben das zum Charaktermerkmal: den Punkt, dass Laienaugen (und ich behaupte eben: auch Studentenaugen; außer man kennt den Erschaffer) nicht erkennen können: ist das von einem talentierten 14jährigen Schüler oder von Künstler X, der gerade in der und der Galerie hängt. Daher kam doch das ‚Das kann ich auch!’ vieler teilweise entsetzter Kunst-Betrachter, die „Kunst“ bislang über „Können“ definiert hatten (das nach wie vor sichtbar ist und das sie selbst auf keinen Fall haben oder sich relativ rasch aneignen könnten), nicht über die Gedanken des Künstlers, die sich bei dem einen so und bei dem anderen eben anders zeigen.

*

Ich weiß, dass es Kataloge gibt, die die Richtlinien beschreiben, nach denen man Kunst bewertet; ich kann die Richtlinien „kennen“ für jedes einzelne Bild. Wenn das die geltenden Richtlinien wären, die Regeln, nach denen die Kunst auf dem etablierten Markt bewertet wird, dann wäre es o.k. . Jeder, der sich daran halten wollte und könnte, könnte sich daran halten und besäße, innerhalb dieses Systems, das Recht, sich unangefochten „Künstler“ nennen zu können. Ich weiß aber auch, dass Kunst immer auch auf diesem Markt neu definiert wurde, und dass da oft Verkaufsgeschick, Galeristenwollen und ~taktik und Kritikermacht und ~eitelkeit eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. Es muss einen also da nicht wundern, wenn etwas, das gestern noch beschimpft wurde, heute beim Galeristen hängt. (Übrigens ebenfalls und nicht nur einmal in der Realität so geschehen.) Nicht, dass ich es nicht gut fände, dass immer mehr (im Sinne von Verschiedenes) beim Galeristen hängt; nicht verstehen kann ich lediglich die absolute Ablehnung davor

Advertisements
Standard

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s