Ausstellung_2008_10

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Ausstellung 2008/Projekt 2013/10

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Ausstellung_2008_9

Ausstellung 2008/Projekt 2013/9

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Reibung

Was mir manchmal fehlt, ist Reibung, Reibung im besten Sinne.

So lange schon mache ich bestimmte Statements öffentlich, und selten erreicht mich ein kritischer Kommentar. Dabei muss es sie da draußen geben, diese kritischen Kommentare!

Vor ein paar Jahren habe ich erlebt, dass meine Haltung sogar Feindseligkeiten hervorrufen kann, die damals von der anderen Seite schriftlich und öffentlich ausgelebt wurden … so etwas meine ich nicht, wünsche ich nicht und würde wie damals ein solches „Gespräch“ auch wieder abbrechen. Aber niemals abbrechen würde ich ein schönes, konstruktives, bereicherndes Pro und Contra, das allen beim Weiterdenken hilft.

Ich habe Angst, dass ich stecken bleibe. Ich möchte offen sein: selbstverständlich bin ich derzeit von meiner Haltung überzeugt, dass Kunst für alle Menschen gleichermaßen gedacht ist (auch wenn der eine oder die andere Kreative vielleicht wirklich nur für ein bestimmtes Publikum arbeitet), weil sie in meinen Augen sonst wenig Sinn machte. Wäre sie nur für einen kleinen akademischen Kreis, dann wäre sie einer Geheimsprache vergleichbar, die nur Eingeweihte verstünden, und was ist der Sinn einer Geheimsprache? Abschottung, Ausgrenzung. Dafür baut man doch keine Museen, lädt Kinder zum Arbeiten in Museumsgärten ein, wo ihre Arbeiten später ausgestellt werden oder holt Hauptschüler durch ein Kunstprojekt aus der Verweigerungshaltung, wie zuletzt in Krefeld geschehen, nur, um den Museumsbesuchern, den Kindern nach dem Ferienprogramm und den Hauptschulabgängern mit 17 zu sagen, dass alles nur „Verarsche“ war … dass sie gar nichts von Kunst „verstünden“. Dass man auf Hobbykünstler-Märkten niemals auf Kunst treffen könne, dass die Anwaltsgattin, die in der Kanzlei des Ehemanns ausstellt, nur eine „gefühlte Künstlerin“ sei und niemals ehrliche und ernst zu nehmende künstlerische Absichten hege. Niemals. Ohne Ausnahme.

Wenn sich aber alle einig sind, dass Kunst keine Geheimsprache ist und den verschiedensten Menschengruppen dient – und ich meine jetzt nicht den Dienst am Geldbeutel der bekannten und etablierten Mitgliedern der Szene, des Betriebs -, dann verstehe ich einerseits, dass mich wenige kritische Kommentare erreichen, aber nicht, dass nicht das Entgrenzen, das Einladen zur Kunst (sowohl zum aktiven Gestalten als auch zum Betrachten ohne Angst vor jeglicher sich eventuell stellender Frage) wie eine unwiderstehliche wunderbare Welle über die Menschen schwappt.

Wenn sich doch alle einig sind, warum stellt sich noch immer die Frage, ob diese oder jene Kunst „gut“ oder „schlecht“ zu nennen ist, ob dieser oder jene Preis für eine Arbeit „ausreichend angemessen“ ist. Wenn sich doch alle einig sind, warum kommt der Wald- und Wiesen-Journalist nicht mit aufrichtiger Neugier auf den Hobby-Markt und schreibt, was er denkt und fühlt, sondern erwähnt nur alle irgendwie, als Aufzählung … vielleicht könnte er ansonsten den Kultur-Redakteur noch überraschen mit seiner ehrlich wertschätzenden Haltung und den verständlichen Worten …

Wo ist der Mensch, der mir erklären mag, warum Kunst nur für eine Elite ist, die umeinander kreist? Der mir sagt, warum es seiner Ansicht nach auf Hobby-Märkten niemals Kunst geben könne und warum jede Anwaltsgattin dieser Welt niemals Konzeptkünstlerin sein könne, ob er sie kennt oder nicht, nicht ihren Hintergrund, nicht ihr Wissen und nicht ihre kreative Absicht.

Nur, um Missverständnissen vorzubeugen: ich bin keine Anwaltsgattin. Aber ich breche eine Lanze für alle kreativen Lieschen Müllers und Otto Normalkunstrezipienten; ich weiß, dass es da draußen jede Menge Menschen gibt, die in keine Schublade passen, denen kein Etikett gerecht wird. Die von keinem Etablierten in den Kunstzusammenhang gesetzt werden und so, wenn sie es selbst tun, belächelt und/oder beleidigt werden. Von denen behauptet wird, sie hätten nichts zu sagen, nur, weil man nicht hinhören und sich auseinandersetzen mag; sie hätten nichts Sehenswertes zu zeigen, nur, weil niemand mit Rang und Namen für sie die Werbetrommel rührt und daher niemand darauf kommt, sie anzusehen.

Ich hätte so gerne einmal Gegenargumente, die darüber hinausgehen, dass ich nichts davon verstünde ohne akademischen Hintergrund; ich würde mich so gerne einmal mit jemandem mit diesem Hintergrund unterhalten, der wirklich etwas erwidert, der sich meinetwegen herablässt auf die Ebene eines Gesprächs nur vor dem Hintergrund des „gesunden Menschenverstandes“. Dieser Jemand dürfte mich argumentativ richtig rund machen (oder wahlweise lang), er möge nur bitte direkt auf meine Argumente eingehen. Sie direkt entkräften. Mir sagen, warum sie nicht ziehen, woran es hapert.

Warum es nicht stimmt, dass das, was der Kunstmarkt ist, nichts oder zumindest wenig zu tun hat mit den Arbeiten der Kreativen, und zwar auch nicht mit denjenigen Arbeiten, die auf diesem Markt gehandelt werden. (Ich kann mit schwurbeligen Worten alles hypen und dasselbe niederreden; Professor B lässt jemanden zum Studium zu, der von Professor A mit denselben Arbeitsbeispielen abgelehnt wurde; eine Galerie arbeitet mit einem Ausstudierten, der zuvor von einer anderen abgelehnt wurde und macht ihn weltberühmt usw. usf.)

Warum der „normale Menschenverstand“ nicht ausreicht, sich über den abstrakten, nicht klar definierten Kunstbegriff unterhalten zu dürfen.

Warum es heißt, man sei bei der Kunstbetrachtung immer auf sich zurück geworfen, obwohl man gar nicht alles als Kunst ansehen darf … was wäre z. B., wenn eine Arbeit der Anwaltsgattin mich erfolgreich auf mich zurück werfen würde, d. h. mir einen neuen Gedankenimpuls geben könnte, ich sie aber leider nie zu Gesicht bekomme, außer die gute Frau ist wie einige andere bereit, sich auf einer privat ausgerichteten und beworbenen Veranstaltung lächerlich zu machen …

warum es verkehrt oder nicht sinnvoll wäre, auf Gerhard Richter und Lieschen Müller gleich offen zuzugehen und die Arbeiten beider gleich offen anzusehen … und apropos „Gerhard Richter“: zu etabliert ist auch nicht gut; es werden schon länger Stimmen laut, die seine angebliche „Unantastbarkeit“ beklagen… warum wird der Markt nicht als der Markt gesehen, die Börse nicht als die Börse und ein Bild Gerhard Richter’s nicht einfach als ein Bild Gerhard Richter’s, obwohl es an der Börse gehandelt wird … ?

Ich brauche jemanden, der mir die Argumente des Marktes verständlich macht, solange dieser versucht, eine angebliche Spreu vom angeblichen Weizen zu trennen – oder einen Angehörigen des Marktes, der mir beipflichtet.

Und auch, wenn das hier ein Blog ist … :

auf jeden Fall brauche ich Auseinandersetzung, Gespräch.

Viele Grüße,

Sabine

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Ausstellung_2008_8

Ausstellung 2008/Projekt 2013/8

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Kunst kann man nicht „machen“ oder „lernen“. Kunst „geschieht“.

Zu dieser Erkenntnis bin ich für mich gekommen, und der Weg dahin war noch nicht einmal besonders lang. (Ob dieser Weg bereits zu Ende gegangen ist, vermag ich nicht zu sagen…)

Die Erkenntnis ist eine für mich logische Schlussfolgerung aus meinem Sehen und Erleben, aus dem mannigfaltigen kreativen Ausdruck der Menschen seit jeher bis heute – und aus ihrem hoffnungslosen Versuch, eine allgemeingültige Bewertbarkeit herzustellen, etwas, das einzuordnen und zu bezahlen ist.

Kunst ist unbezahlbar.

Auch das ist eine Erkenntnis, die erwachsen ist aus meinem Erleben, aus den Diskussionen mit anderen, die der Ansicht sind, die Gesellschaft müsse ihnen bezahlen, dass sie kreativ tätig sind… zu meinen Nachfragen, wie das funktionieren solle, bekam ich nie eine Antwort. Ob jeder, der kreativ für die Gesellschaft tätig ist (denn das ist er dann: für die Gesellschaft tätig. Zwar sehr individuell und subjektiv, aber er leistet offensichtlich einen Teil), von ihr bezahlt werden müsse? Und falls nicht jeder bezahlt werden könne, wie man dort eine gerechte Verteilung gewährleisten wolle? Großes Schweigen.

Es ging denen, die da und so sprachen, nicht um die Versorgung aller Kreativer, denn zu anderen Zeiten machten auch sie Unterschiede, verurteilten hier die Keilrahmen und dort die „gefühlten Künstler“ — wie sie die Spreu vom Weizen trennen wollten, verrieten sie nicht.

Das Geheimnis ist keines: es gibt nicht die Spreu und nicht den Weizen, es gibt nur die ganze Pflanze. Alles an ihr ist perfekt so, wie es ist. In ihrer Natur ist sie in vollkommenem Gleichgewicht. Sie verträgt sich mit allem um sie her, verdrängt es weder, noch weicht sie selbst davor zurück. Sie ist da, um genutzt zu werden, und zwar in allen ihren Teilen, aber wenn niemand es tut, geht sie zurück in den selbstverständlichen Kreislauf der Natur.

Eine Bezahlung muss auf diesem Gebiet freiwillig sein und bleiben, ob bei 100 oder 100 000 EURo. Weder der Wunsch nach diesen Beträgen noch deren Bezahlung ist zu verpönen, denn es ist Ausdruck von irgendetwas, das mit der Arbeit an sich nicht das Geringste zu tun hat. Es ist der Markt oder der zu kleine Geldbeutel, Größenwahn oder realistische Einschätzung – es ist nie die Arbeit. Der, der viel bezahlt, hat nicht mehr davon außer vielleicht an der Börse, aber von diesem Mehr spreche ich hier nicht. Der, der wenig bezahlt, hat nicht weniger. Beide haben die Kreativität eines Menschen unterstützt, und es ist egal, ob dieser Mensch Gerhard Richter heißt oder Lieschen Müller.

Es kann nur so funktionieren, will man sich nicht als jemand outen, der am Ende doch nur seine Sichtweise, seine Beweggründe durchgesetzt sehen will… es kann nur so funktionieren, wenn es um die Kunst geht, nicht um den Betrieb um sie.

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Berufung

Berufen ist zu eigen, dass in vergleichbaren Sparten Wettbewerb stattfindet. Die Menschen vergleichen das Angebot und entscheiden sich dann: für diesen Tischler, für diesen Anwalt, für diesen Hundetrainer, für diesen Supermarkt. Das, was sie erkaufen, hat doch meistens einen sehr direkten Nutzwert – sie „brauchen“ etwas oder meinen, dass sie es brauchen.

Kunst geht über einen direkten Nutzwert hinaus; selbst den gesellschaftlichen Nutzen würden Viele, Viele noch bestreiten. Wenn ich diese Leute ernst nehmen und mich dem Gespräch nicht verschließen möchte, dann sind sie mein Gradmesser für die Sichtweise auch auf meine eigene Kreativität: ich kann keine „Bezahlung“ für sie „einfordern“, da es mein Anliegen ist, sich jetzt da so auszudrücken – niemand hat es erbeten und niemand darauf gewartet. Ich fühle mich auch zu nichts „berufen“. Es ist mir ein Anliegen.

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Ausstellung_2008_7

Ausstellung 2008/Projekt 2013/7

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