Paul Klee

 

„Es gibt nämlich auch noch Uranfänge von Kunst, wie man sie eher im ethnographischen Museum findet oder daheim in der Kinderstube (lache nicht, Leser), die Kinder können’s auch, und das ist durchaus nicht vernichtend für die jüngsten Bestrebungen, sondern es steckt positive Weisheit in diesem Umstand. Je hilfloser diese Kinder sind, desto lehrreichere Kunst bieten sie; denn es gibt auch schon hier eine Korruption: wenn die Kinder anfangen entwickelte Kunstwerke in sich aufzunehmen oder gar ihnen nachzuahmen.“

Paul Klee in seinem „Münchner Kunstbrief in die Schweiz“, 1912; aus: „Das Universum Klee“, Staatl. Museum zu Berlin, Hatje Cantz

 

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Ratatouille

 

Rede des Restaurantkritikers Anton Ego nach dem Genuss einer Flasche 1947er Cheval Blanc und einer Portion Ratatouille; aus dem gleichnamigen Film:

Die Arbeit des Kritikers ist in vieler Hinsicht eine leichte. Wir riskieren sehr

wenig und erfreuen uns dennoch einer Überlegenheit gegenüber jenen, die ihr Werk und sich selbst unserem Urteil überantworten. Am dankbarsten sind negative Kritiken, da Sie amüsant zu schreiben und auch zu lesen sind. Aber wir Kritiker müssen uns der bitteren Wahrheit stellen, dass, im Großen und Ganzen betrachtet, das gewöhnliche Durchschnittsprodukt wohl immer noch bedeutungsvoller ist als unsere Kritik, die es als solches bezeichnet. Doch es gibt auch Zeiten, da ein Kritiker tatsächlich etwas riskiert – wenn es um die Entdeckung und Verteidigung von Neuem geht. Die Welt reagiert oft ungnädig auf neue Talente, neue Kreationen. Das Neue braucht Freunde.“

 

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Ein Ausschnitt…

… aus einem in 2010 geführten Interview; komplett zu lesen auf http://www.sabinepint.de

Was hat „Kunst“ mit „Scheitern“ zu tun? Hat es was damit zu tun? Welche Gedanken kommen Euch spontan?

***

P: Es geht ja nicht um „immer wieder“, sondern um das Gefühl dafür, für die Erklärung seines Beweggrundes alles versucht zu haben. Man sollte zwar auch erkennen, wann es sinnlos wird, aber es ist ja eher selten, dass so etwas komplett sinnlos wird. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass bei unterschiedlich eingestellten Menschen das Verständnis für den anderen abnehmen kann, wenn man sich nicht mehr austauscht; zuweilen stark abnehmen kann oder sogar ganz verschwindet. Gespräche helfen fast immer.

I: Und wenn sie nicht mehr helfen?

P: … ist es für mein Verständnis auf jeden Fall friedlicher, das anzuerkennen, dass Worte es nicht mehr bringen. Vielleicht muss man eine Weile ohne den anderen gehen, oder man muss ein bestimmtes Thema ausklammern – alles möglich, ohne den anderen anzufeinden oder bei anderen schlechtzumachen…

I: Was steckt denn Ihrer Meinung nach dahinter, wenn Leute das tun?

P: Ich weiß nicht, ob bei allen dasselbe dahintersteckt – eher unwahrscheinlich. Und womöglich eine Mischung aus Gefühlen, Gedanken… ich bin keine Psychologin, aber ich würde im Zweifelsfall Angst vermuten… ein diffuses Gefühl von Angst… nicht bestehen zu können… in der Welt… gegenüber der anderen Ansicht, gegenüber der anderen Person… vielleicht ein Gefühl von Scheitern

I: Kennen Sie das Gefühl selbst?

P: Ich kenne es bei konkret gestellten Aufgaben, die man nicht bewältigt, aber nicht im Großen und Ganzen, beispielsweise auf ganze Lebensabschnitte bezogen oder gar auf ein ganzes Leben! Die Leute sehen es natürlich unterschiedlich; das liegt an ihren Definitionen. Aber ich kenne in meinem Leben bislang keine Sache, die nicht eine andere Seite hätte. Von ganz schlimmen Schicksalsschlägen oder einer lebensbedrohenden Krankheit war ich bisher verschont, aber ich weiß aus tiefster Seele, dass es kommen kann. Ich habe mich in meiner Jugend immer als Pessimistin bezeichnet, aber eigentlich bin ich optimistische Realistin. [schmunzelt] Ich denke jetzt – ohne dass es gerade besonders schwierig ist in meinem Leben – dass ich diese andere Seite an einer Sache immer sehen würde…

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Kunst und Pfingsten

Kunst und Pfingsten

Ich bin geneigt, an eine Höhere Macht zu glauben, aber mein Glauben schwankt. Meine Konfession war römisch-katholisch, aber religiös bin ich gar nicht, und ich gehöre keiner Kirche mehr an. Ich kann an keines dieser menschlichen Konstrukte wirklich glauben.

Trotzdem haben mich manche Kirchenfeste mehr angesprochen als andere. Das war zum einen das Osterfest, und zum anderen das, das gläubige Christen heute begehen: Pfingsten.

„Vom Heiligen Geist erfüllt zu werden“ oder zu sein habe ich schon als größeres Kind für mich interpretiert, und vermutlich nicht ganz im Sinne der Kirche. Buße und Taufe sind Wege einer Religion, aber es müsste doch auch für Atheisten Wege zu dem geben, was gemeint ist, wenn man diesen Ausdruck braucht: „vom Heiligen Geist erfüllt“. Vermutlich steht dieses Gefühl jedem Lebewesen offen, nur wird es ein jedes anders benennen.

Am besten gefiel mir immer diese Stelle:

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ – Apg 2,1-4 EU

Nicht nur, dass ich das schön dramatisch fand und ein bisschen gruselig – die Fähigkeit, sich auf einmal verständlich machen zu können und andere verstehen zu können, wo das vorher unmöglich war, das war für mich der Kern, das war für mich schon immer die Essenz von „Pfingsten“.

Die Bemühung dazu und den Wunsch ‚ja, so möge es sein!’ habe ich hinübergerettet ins Erwachsenenalter. Ich glaube, ich lebe den Pfingst-Gedanken, wie ich ihn – jenseits religiöser Vorgaben – schon als Kind interpretiert habe: seid und bleibt offen füreinander, für die vielen Ausdrucksformen und –möglichkeiten eines jeden Lebewesens.

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