Orientierung

Ich finde ja, dass die letzte scobel-Diskussion auch sehr viel mit Kunst zu tun hat. Es geht um die Gefahr, die droht, wenn man das selber-Denken aufgibt, um das Dilemma, dass man zwar oft vereinfachen muss, um klarere Orientierung zu gewinnen, man aber dadurch die Zwischentöne und Graustufen vernachlässigt. Es geht um Sinnfelder, Glücksempfinden und Kant’sche Vernunft und darum, dass Weltauffassungen und Lebensformen erst zum Konflikt werden, wenn sie globale Geltung beanspruchen. Kurz: eine gelungene Diskussionsrunde, zu der ich viel Vergnügen wünsche:

http://www.3sat.de/mediathek/index.php?mode=play&obj=47607

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Kunst und Philosophie, Teil 1

Kunst und Philosophie, Teil 1

Erwachsen aus der Erfahrung so mancher KreativkollegInnen sowie meiner eigenen komme ich zu dem Schluss, dass Kunst mit Philosophie mehr gemeinsam hat, als einige vielleicht annehmen werden, und mehr als mit irgendeinem anderen Fach oder einer anderen Wissenschaft. (Warum und dass ich es schwierig finde, Kunst zu einem Studienfach gemacht zu haben, was suggeriert, man könne es studieren und „könnte“ dann „Kunst“, habe ich schon mehrfach hergeleitet und beschrieben und vernachlässige es an dieser Stelle.)

Die Wikipedia schreibt zum Stichwort „Empirie“ Folgendes: „Auch philosophische Reflexion, die nicht streng logisch-formalen Kalkülen folgt, wird meist nur durch bloßes Nachdenken oder Spekulation vollzogen; empirische Beobachtungen werden hierzu bewusst nicht herangezogen.“ Jedenfalls gibt es auch in der Kunst keine wirklichen messbaren Ergebnisse, keinen Versuch, um herauszufinden, wie, auf wen und wann Kunstwerke „wirken“. Und auch kein „trial and error“, um von einem Punkt a zu einem Punkt b zu kommen und damit dann „fortgeschritten“ zu sein im Sinne einer vorher angestrebten Entwicklung. In der Kunstgeschichte wird nur rückblickend erklärt, und nur in der Rückschau sieht man eine Entwicklung entlang eines „roten Fadens“ – oder meint das zu sehen. Fragte man die vielen, vielen zu ihren Lebzeiten verunglimpften Künstler oder könnte das noch, würden einige davon die heutigen Experten, die sie als bahnbrechend und wegweisend über den grünen Klee loben, sicher am roten Faden aufknüpfen wollen…

In der Kunstgeschichte oder auch Kunstwissenschaft werden immer nur in der Rücksicht Zusammenhänge „verstanden“, wobei dieses „Verständnis“ nicht ein allgemeingültiges Begreifen ist, sondern Ergebnis von Verhandlungen im Kunstsystem, auf dem Kunstmarkt. Es handelt sich also um kein Verständnis, mit dem man außerhalb des „Systems Kunst“ etwas anfangen kann. Solange man Museen für jeden Besucher öffnet (und hoffentlich bleibt das so!), gleich welchen Alters, gleich welchem Bildungsweg er gefolgt ist, gleich welchen Geschlechts und gleich, woher er stammt, solange dürfen Menschen meines Erachtens – selbstverständlich auch außerhalb von Museumsmauern – Kunst genießen und ihr Verständnis einsetzen, sich fragen: „Was hat es mit mir zu tun?“

In der Philosophie gibt es den Königsweg auch nicht, weder in der akademischen noch in der „Stammtisch“-Variante. So wird z. B. unterschieden zwischen westlichen und östlichen Anschauungen, die sich schon in den Grundsätzen so stark unterscheiden, dass sich das Denken von Kindesbeinen an ebenfalls unterscheiden muss.

In der Kunst ist mein Lieblingsbeispiel meine Erfahrung mit Vorder- und Hintergrund beim Malen/Zeichnen eines Bildes. Die westlichen Schulen lehren, den Vordergrund heller zu malen, damit er sich deutlich vom dunkleren Hintergrund abhebt und dadurch eben als Vordergrund erscheint. Das funktioniert. In der asiatischen Tuschezeichenkunst wird gelehrt, den Vordergrund dunkler zu gestalten als den Hintergrund, damit er sich deutlich vom helleren Hintergrund abhebt und dadurch als Vordergrund erscheint – und auch da sehen die meisten Menschenaugen das Bild so, wie es vom Maler „gemeint“ ist: sie erkennen Vorder- und Hintergrund „richtig“, egal, woher sie stammen. Selbstverständlich spielen auch Perspektiven und Größen der dargestellten Objekte eine Rolle, aber trotzdem: wie kann das sein? Es kann nur damit zusammenhängen, dass trotz gegensätzlicher Herangehensweisen eine Schlüssigkeit hergestellt werden konnte, eine Stimmigkeit in sich.

Eins meiner Lieblingskapitel in Gert Scobel’s „Warum wir philosophieren müssen“ beschäftigt sich mit dem Phänomen des Widerspruchs. Er sagt, dass das griechisch-abendländische Denken unter anderem auf der Grundfeste beruht, dass mittels Erkenntnissen „zu absolut sicheren, gewissen Sätzen zu gelangen“ sei und dass diesbezügliche Unsicherheiten schlecht ausgehalten würden: „Ein Teil der Geschichte der Philosophie lässt sich als Kampf um Sicherheit beschreiben.“ Und wenig später: „Macht drückt brutal durch, was ihr das Wissen suggeriert – wobei dieses Wissen häufig ein Wissen wider besseres Wissen war und ist. Wer versucht, eine Sicherheit zu garantieren, die im Grunde angesichts der vielen drängenden und ungelösten Fragen nicht herzustellen ist, wird häufig die Grenzen der Menschlichkeit überschreiten. Anders formuliert: Es war und wird immer wieder möglich sein, gerade in unsicheren Zeiten Sicherheit herzustellen; die Frage ist nur, um welchen Preis.“

In der Kunst – gerade in der etabliert gelebten Variante – kommt es mir häufig so vor, als unterwürfe man sich einer Macht, die die Dinge „gesetzt“ hat – und hinterfragt sie dann nicht weiter. Wo die Kunst sich geöffnet hat, wo sie entgrenzt wurde, werden sofort Stimmen laut, die dadurch etwas in Gefahr sehen, etwas bewahren möchten… – aber was? Heraklit’s „Alles fließt“ hat da keine Chance; zumindest darf es für einige nicht ungesteuert fließen…

Ich frage mich seit geraumer Zeit schon bei fast allen Dingen, wodurch sie (die Dinge) den Menschen nutzen können, und zwar nicht einzelnen und nicht im materiellen Sinn, sondern auf eine abstrakte Weise allen. Ich frage mich das im Alltag, im Beruf, im Zwischenmenschlichen, auf die Wissenschaften bezogen… einfach ständig. Im Kunstbetrieb spielt Willkür eine große Rolle; das belegen mir viele Gespräche mit In- und Outsidern. Das „zur rechten Zeit am rechten Ort“-Sein, das Kennenlernen von Menschen, die einem die richtigen Türen öffnen… all das hat mit einer tatsächlichen Arbeit, mit einer tatsächlichen Leistung allenfalls peripher zu tun. Die Schwierigkeit, das als Willkür zu entlarven, besteht darin, dass vorher „Sicherheiten“ geschaffen worden sind, auf denen die Willkür dann legitim ruhen kann. Unser aller Aufgabe sehe ich darin, diese „Sicherheiten“ kritisch zu hinterfragen: wem nutzt was? Vielleicht werden viele der vermeintlichen Sicherheiten dann als Machtinstrument entlarvt, und Menschen erkennen die Manipulation und werden wieder kritischer und freier im Sehen.

„Den Geist und damit den Menschen zu befreien ist die vielleicht letzte Aufgabe von denken und philosophieren“ schreibt Gert Scobel in seinem Buch. Auf dem Weg zu dieser Freiheit könne helfen, die Brille abzusetzen, durch die wir erlernt und nun gewohnheitsmäßig sehen. „In indischen und buddhistischen Systemen sind über die Logik hinaus Verfahrensweisen – Handlungssysteme – entwickelt worden, die es, wie der Systemtheoretiker Niklas Luhmann formulierte, möglich machen, jemanden einerseits weiterhin in Kommunikation und wie im Zen-Buddhismus in eine entsprechende Verfahrensweise oder Übung zu verwickeln, ihn andererseits aber mitten in die Widersprüche und Paradoxien hineinzutreiben. Warum? Um ihn oder sie auf diese Weise zu einer Einsicht zu führen. Diese Einsicht hängt nicht mit einer neuen Erkenntnis zusammen, sondern damit, dem Betreffenden eine […] Erfahrung zu ermöglichen, die gleichsam vor der Akzeptanz des Nichtwiderspruchsatzes liegt. Auf diese Weise wird der Blick freigegeben auf das ‚Prä-differentielle’: auf das, was vor allen Differenzen liegt.“

Wie sieht die Welt aus, in der noch keine begrifflichen Differenzierungen stattgefunden haben? Scobel’s Frage führt mich zurück zur Kunst: gäbe es das „System Kunst“ nicht, hätte sich kein Kunstmarkt entwickelt mit seinen Begriffen und Definitionen, mit seinen Macht-gemachten „Sicherheiten“, hätte das vermutlich nicht die wunderbaren Bilder von Turner oder Caravaggio verhindert, es verhinderte keine Skulptur von Rodin oder Claudel oder dass Menschen geboren werden, bei denen ein Leben für ihren Ideenreichtum nicht ausreicht wie bei Orson Welles oder Walt Disney oder Charles Chaplin. Virginia Woolf wäre zur Welt gekommen und Margot Fonteyn, und die eine hätte schreiben wollen und die andere tanzen, und vermutlich hätte nichts das verhindern können. Wie würden ihre Fertigkeiten, ihre Künste auf uns wirken, wenn nicht ein Marktsystem sie uns auch, gleich einem Qualitätssiegel, nahelegen würde…? Würden wir sie wahrgenommen haben? Nehmen wir unsere Zeitgenossen als Kreative, als Künstler wahr, wenn sie Ähnliches „können“ oder tun, auch, wenn sie von niemandem beworben werden?

Ich sehe die Herausforderung zunehmend darin, dass wir bei gleichgeschalteten Medienmeldungen, bei einer Politik, die sich in erster Linie selbst erhalten möchte und erst in zweiter für ihr Volk eintritt (und auch das oft nur noch, damit es wiederum ihr nutzt), selbst mit denken. Dass wir uns Bandbreite erhalten und nicht soviel vorsortieren lassen. Dass wir für uns eine Philosophie entwickeln, jeder für sich. Dass wir innerlich frei bleiben, beweglich. Dass wir uns bei jedem Menschen fragen, was er oder sie uns eventuell sagen oder zeigen kann, das uns weiterhilft, uns weiterbringt auf dem Weg des Werdens bis zum Vergehen.

Ausblick: Kunst und Philosophie, Teil 2

wird sich beschäftigen mit dem Tetralemma, wie man vom Denken zur Erfahrung kommt und mit Aspekten, Aspektblindheit und Kippbildern – und wie das alles vielleicht mit Kunst zusammenhängt.

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„Es ist genug Platz in der Kunst für alles.“

„Es ist genug Platz in der Kunst für alles.“ (Patricia Kopatchinskaja)

Über den gewissen Augenblick, Etiketten, illegitime Parties, Wegschauen, Improvisieren, Vogelscheiße, Türen im Kopf und über die Lücke zwischen den Bildern… eine wunderbare Sendung mit toller Musik; ich freue mich jetzt schon auf die März-Ausgabe! Und schließen möchte ich, dazu passend, wie ich finde, wieder mit einem Zitat:

„Wenn es nicht jetzt passiert – wann dann?“ (Patricia Kopatchinskaja)

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/anke_hat_zeit/videoankehatzeit120.html

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Kunst und Arbeit

Mit der Idee des bedingungslosen Grundeinkommens setze ich mich jetzt schon ein paar Jahre auseinander. Ich habe viele Argumente dafür und dagegen gehört, Diskussionsrunden gesehen mit nach meinem Dafürhalten vernünftigen und unvernünftigen Ansichten auf beiden Seiten.

Wieso ich überhaupt begonnen habe, mich damit zu beschäftigen, lag nicht in meiner persönlichen Situation begründet, zumindest nicht auf den ersten Blick, denn ich bin erwerbstätig. Wenn ich aber aus dem Fenster sehe, kann ich mich dem Anblick nicht verschließen: aus der Arbeit entlassene Menschen, sich die Finger wund bewerbend und das ab einem gewissen Alter noch dazu absehbar erfolglos, von „Arbeits“agenturen“ verwaltete Menschen, denen man – wider eigenes besseres Wissen – verkaufen will, dass sie irgendwann wieder eine Anstellung auf dem sogenannten Ersten Arbeitsmarkt haben werden, junge Menschen in Südeuropa, die gar nicht erst auf den Arbeitsmarkt kommen. Entweder sie werden beschuldigt, „es nicht wirklich zu wollen, denn sonst hätten sie ja Arbeit“, oder sie werden bedauert im Falle der ganz jungen Arbeitslosen – ändern tut sich nichts. Kann es auch nicht, denn es ist nicht mehr zu tun da. Der Mensch entlastet sich durch Maschinen und immer rationellere Arbeitsabläufe, es wird immer weiter in diese Richtung investiert und geforscht, aber durch diese Entwicklung dann tatsächlich arbeitslos zu sein, ist ein Makel.

Wo noch jede Menge zu tun da ist, versorgen sich erst mal die Konzernvorstände und speisen Mitarbeiter oft mit Hungerlöhnen ab, wenn sie sie nicht entlassen. Krankenhäuser schauen auf eine Art auf Wirtschaftlichkeit, die unanständig ist, weit über das gebotene vernünftige Maß hinaus, das jedes Unternehmen anlegen muss, möchte es bestehen bleiben, und vergessen ethische Grundsätze – auch ihren Patienten gegenüber – manchmal ganz. Dass das Grundeinkommen Menschen in Prekärbeschäftigung stärkt, dass es z. B. einem Pfleger, der eine gesellschaftlich anerkannt wichtige Arbeit verrichtet und trotzdem bislang abgespeist wird, eine bessere Argumentationsgrundlage gegenüber seinem Arbeitgeber gibt, begrüße ich von Herzen! Es machte ein ganzes Stück freier.

Auf den zweiten Blick bin ich auch zumindest mittelbar betroffen von Nachteilen des derzeitigen Verdien-Modells.

Eine Hälfte meines Tages verbringe ich in einem Angestelltenverhältnis, gesellschaftlich anerkannt und bezahlt, die andere Hälfte in einem „Gesellschaftsarbeitsverhältnis“, gesellschaftlich aber lediglich anerkannt als mir vergönnter Müßiggang, denn nur ich selber gebe der Sache Wertschätzung durch verbrachte Lebenszeit. Dabei handelt es sich um Tätigkeiten, für die andere durchaus bezahlt werden; der Unterschied liegt eher im bewusst gewählten Hobby-Status gegenüber einer Profession als in den Dingen an sich. Soll bedeuten: entsteht bei mir ein Text, habe ich deswegen keinen Anspruch auf Geld, der Journalist aber (hoffentlich!) schon. Umgekehrt bekommt der Journalist es eher nicht bezahlt, wenn er mit noch so einem gelungenen Modell seine vielleicht unzähligen Bücher katalogisiert und verleiht.

Ich habe Malerei nicht studiert, aber wollte ein Bild schaffen, das auf einen drohenden Empathie-Verlust auf beiden Seiten (verschiedene vermeintliche Gegensatzpaare sind angedacht; eins ist bisher umgesetzt) hinweist. Es war mir ein Anliegen, es zu schaffen, und es war mir ein Anliegen, es zu zeigen. Da es kein Auftrag von irgendjemandem war, den ich mir selbstverständlich hätte entlohnen lassen müssen (da ich dann ein fremdes Anliegen umgesetzt und ihm meine Lebenszeit gewidmet hätte), war ich einfach glücklich, mich artikulieren zu können. Die Möglichkeit, dass andere sich damit auseinandersetzen können, mit meinem ur-persönlichen Anliegen und Ausdruck, war mein „Lohn“.

Jetzt gerade sitze ich an diesem Text, den Sie lesen, den Du liest, und der mir ein Anliegen ist. Niemand hat ihn bestellt, niemand wird ihn bezahlen, und trotzdem empfinde ich als sinnvoll, dass er entsteht, dass ich ihm Zeit gebe.

Was macht man mit solchen Kreationen, wenn „sie einfach sein zu lassen“ keine Option darstellt?

Menschen, die mich kennen, wissen, dass ich auf der Seite des Arguments zu finden bin, dass Kunst durch ihre Unvergleichlichkeit und durch die Tatsache, dass sie über einen direkten Nutzwert hinausgeht sich einer fairen allgemeinen Bezahlung verschließt (weil sie sich einer objektiven Bewertung verschließt), außer Kreativarbeiter und „Kunde“ schließen einen Vertrag. Und dass ich finde, dass Kunst nicht veräußert werden muss, um zu wirken. Und dass ich nicht finde, dass man mit ihr einem Beruf im klassischen Sinne nachgehen kann, weil das die Kunst unfrei machte. Aber die Diskussion, ob und wie es möglich ist, Kreativarbeit zu bezahlen, kommt ja nicht von ungefähr. Was bietet die Gesellschaft, was bietet unser System Menschen an, die jahrelang eine Sache studiert und durchaus einen bestimmten Beruf im Blick haben, wenn sie in diesem Beruf nachher entweder nicht arbeiten können, für einen Hungerlohn arbeiten oder Werte verraten müssen, aufgrund derer sie den Beruf vielleicht erst angestrebt haben…? Wie schaffen wir es, eine Gesellschaft hinzubekommen, in der alle versorgt sind und alle gleichzeitig akzeptieren, was das Gegenüber für sich als sinnvoll erachtet und womit es sein Leben füllen will?

Wenn die bedingungslose Versorgung aller nicht möglich ist, werden wir weiter auf dem Sinn, den andere sehen, herumhacken, ihn nicht gelten lassen.

Dabei ist die Frage doch auch, wie wir „Arbeit“ definieren. Wird das, was ich in der „unbezahlten“ Tageshälfte mache, nicht als Arbeit angesehen, weil ich nicht genug dafür eintrete, dass es welche ist, oder sind wir nicht alle Gesellschaftsarbeiter, jeder nach seinen Fähigkeiten und Vorlieben, und kämen in Teufel’s Küche, wenn wir jedes Tun als „Leistung“ sehen, die wir sofort in einen Geldwert umrechnen müssen, auch, um anderen mit ihren Leistungen nicht in den Rücken zu fallen? Wenn wir uns für einen Beruf entschieden haben, dürfen in unserer „Freizeit“ dann Dinge entstehen, für die ein anderer in seinem Beruf Geld bekommt, und dürfen unsere Kreationen an die Öffentlichkeit?

Wie schaffen wir es, eine Gesellschaft hinzubekommen, bei der wir keine Trennungen erzwingen müssen, die es „naturgegeben“ sozusagen gar nicht gibt, die es nur gibt, weil wir ein Bezahlsystem und kein Tauschsystem von Waren und Dienstleistungen haben?

Wie schaffen wir es, so frei zu bleiben, dass wir unsere gesellschaftliche Verantwortung angemessen tragen und dabei unser Leben mit den Dingen füllen können, die wir als sinnvoll erachten?

[Der Begriff „Kunst“ will hier wie immer verstanden werden als jegliche Art der Transformation, die Menschen erschaffen, um sich auszudrücken, nicht als Qualitätssiegel. Auch erhebt die Verfasserin wie immer keinen Anspruch auf eine objektive Qualität ihrer Worte oder Haltung.]

[http://thinglabs.de/2014/10/sind-kuenstler-wirklich-gluecklicher/#comments]

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