Ai Weiwei

http://channel.louisiana.dk/video/ai-weiwei-life-danger-every-day

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… und der vorerst letzte Artikel zur Reihe „Kunst und…“

Kunst und Hiltrud Neumann

Die Sammlerin und Mentorin der Mönchengladbacher Kunstszene habe ich gegen Ende der 1990er Jahren kennenlernen dürfen.

Von 1989 bis 2008 lud sie zum „Offenen Wohnzimmer“ ein, was eine Untertreibung war, denn es gab in ihrer Wohnung keinen Raum, in dem sich keine Kunst befand oder der nicht für offene Besucheraugen zugänglich gewesen wäre. Und kein Kunstwerk war mehr als einen halben Meter vom anderen entfernt, oft näher. Wenn man sich im Internet auf die Suche begibt, stößt man auf Bilder, die eine Ahnung geben vom Flair dieses Zuhauses, das heute immer noch genau so aussieht:

http://www.kuenstlermg.de/neumann.htm

In 20 Jahren ist dieses Treffen, das monatlich stattfand und für viele Künstler und Kunstfreunde die Begegnungsstätte war, nie ausgefallen. Ich war auch öfter dort und erinnere mich, dass – selbst nach einem langen Arbeitstag mit schon müden Augen und strapaziertem Hirn – ich dort immer auftanken konnte, egal ob durch Gespräch mit Gast oder Künstler (die sich dort, immer einer pro Freitag, mit ihrer Kunst vorstellten), durch eben deren „Auftritte“ oder durch Hiltrud selbst – ich habe diese Wohnung immer inspiriert verlassen.

So auch heute, als ich sie wieder einmal besuchen durfte, diesmal alleine, ohne den Trubel des „Offenen Wohnzimmers“. Was erstaunlich war: es fehlten Künstler und Gäste, aber trotzdem war alles da: die Schöpfungen all dieser kreativen Köpfe, die Erinnerungen an so manches Gespräch – und natürlich Hiltrud, die dort alles zusammen hielt und hält. Ich habe in diesem schwierigen, weil oft so empfindlichen Bereich „Kunst“ selten so eine offene Herzlichkeit – oder herzliche Offenheit – erlebt wie mit ihr. Selten, dass diese vielbesungene Offenheit nicht nur in Laudationes und Beschreibungen vorkommt, sondern so sehr gelebt wird. Selten, dass in diesem Bereich „Kunst“ bei jemandem, der „sich auskennt“ so gar kein Dünkeldenken vorhanden ist, ja Hiltrud dieses sogar verurteilt, zumindest belächelt. Selten, dass Menschen zusammen gebracht werden, die sich normalerweise auf dem „offiziellen Parkett“ der Kunstszene nie begegnen würden, wenn man von rein physischen Zusammentreffen absieht, und selbst die kommen ja kaum vor.

Wenn sie erzählt, wird deutlich, wie untrennbar ein so einladender Charakter mit Haltung und Handeln verbunden ist. „Ich wollte hier Heimat finden, und das konnte ich nur über die Kunst“, sagt Hiltrud Neumann über ihren damaligen Umzug von Dortmund nach Mönchengladbach, als hier Lehrer gesucht wurden.

Um vermitteln zu können, muss man zuhören können, in der Lage sein, sich immer wieder auf unterschiedliche Menschen einzustellen. Demnach muss Hiltrud eine sehr gute Lehrerin gewesen sein. Klassenraum und „Offenes Wohnzimmer“ haben eine ganze Weile nebeneinander bestanden, und als Hiltrud im Jahr 2000 pensioniert wurde, hörte sie nicht auf, Mittlerin zu sein. Mir und vielen anderen vermittelt sie bis heute, dass Grenzen nur in den Köpfen existieren. Es ist unser Kopf, und es ist an uns, ihn zu öffnen.

Jemand, der auf diese Art und Weise ein Fürsprecher ist, ist es für Mensch und Sache. Es konnte und kann „der Kunst“ – nicht nur in Mönchengladbach – kein größerer Gefallen getan werden, als durch solch einen unbestechlichen Menschen vertreten, gefördert und besprochen zu werden.

Mönchengladbach, 30. Juni 2015

Hiltrud_Kaffee   Hiltrud

Hiltrud_Markise   Die Wohnung über dem Hardter Wald

Hiltrud_Schachbretttisch   Der Tisch mit dem Schachbrettmuster, der gebraucht von Hiltrud übernommen wurde und so wunderbar in dieses Zuhause passt

Hiltrud_Sabine   Ich zeige Hiltrud, was man mit einem Smartphone machen kann 😉

Hiltrud_Schatten   Kunst an Kunst an Kunst an Kunst…

Hiltrud_Ein_kreativer_Kopf   Ein kreativer Kopf

Hiltrud_Sonnenuntergang   Sonnenuntergang

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„Ist das jetzt auch ein Bluff? Lügst du jetzt?“ – Ein Kommentar

In der Juli-Sendung 2015 von „Anke hat Zeit“ hatte Anke Engelke u. a. die Künstlerin Cosima von Bonin zu Gast. Diese fiel von Beginn an mit für die Kunstwelt provokanten Äußerungen auf, die sie allerdings nicht provokant präsentierte, sondern sehr ruhig und gelassen. Ich hatte nicht den Eindruck, eine Frau zu sehen, die darauf aus war, ein Spektakel zu bieten, sondern die im Gegenteil bezüglich ihrer Arbeit Sätze sagte wie “Ich muss irgend so ‘nen spektakulären Quatsch machen, wo die Leute auch hinkommen, gucken.“

Auf der einen Seite wirkte das ehrlich bis zur Schmerzgrenze des Kunstbetriebs, worüber sich das Publikum sicht- und hörbar freute und die Respektlosigkeit der Künstlerin beklatschte. Auf der anderen Seite fragte sicher nicht nur ich mich, was ihre Triebfeder für diesen Auftritt war, denn von Bonin steht ja nicht allein mit ihrer Arbeitsweise, z. B. die kreativen Einfälle von Technikern und Assistenten umsetzen zu lassen, was sie mehrmals als ihr Unvermögen betonte.

Irgendwann hatte ich den Eindruck, dass Engelke beinahe an der (aufgesetzten oder echten) Ehrlichkeit ihres Gastes verzweifelte, da sie doch wohl stolz war, die Künstlerin von Bonin vorstellen zu können, und zunehmend flehte, diese möge sich „doch nicht so klein machen“. Aber von Bonin blieb bei ihrer Selbstdarstellung der Scharlatanin auf dem künstlerischen Parkett: „Die Kunst [ist] von allen, und wir verkaufen es unter meinem Namen.“ „Manchmal ist es ‘ne Idee, und manchmal stehl‘ ich – also oft stehl‘ ich Ideen. Es ist Lug und Trug, aber ich rede darüber, also… ich mach das nicht heimlich.“ „Kunst ist eigentlich nicht wichtig, ‘s is‘ halt ‘n guter Zeitvertreib…“ usw. usf.

Spätestens bei diesem letzten zitierten Satz, der fiel, als das Einzelgespräch beendet war und beide wieder in der Runde Platz nahmen, war es mir zu viel. Nicht zu viel an (hoffentlich ungespielter) Ehrlichkeit – davon kann es gar nicht genug geben –, sondern an Schmähungen ihres „Fachs“. Wozu sollte das gut sein? Der Kunst, die ohnehin bei der Allgemeinheit um Akzeptanz zu kämpfen hat, weil der Mainstream nur die „Großkopferten“ der Szene oder die inhaltslosen Selbstdarsteller wahrnimmt, so einen mitzugeben? Traf, trifft von Bonin damit nicht die Kunst härter als den Kunstbetrieb, den sie eventuell anprangern wollte? Dass sie das wollte war zumindest der Eindruck, den Shermin Langhoff, ein weiterer Gast der Sendung, hatte, und von Bonin bestätigte das nickend.

Langhoff ist Intendantin des Maxim Gorki Theaters in Berlin. Zu ihr leitete Anke Engelke über mit den Worten, dass sie von Bonin doch sicher heftig widersprechen würde, was sie dann zumindest sanft auch tat. Zum einen hatte sie ja den Eindruck von Systemkritik beim Auftritt der Künstlerin, was dem Gewinn abgerungen hätte – hätte diese das deutlich ausgesprochen. Zum anderen sagte Langhoff, dass sie selbst anträte, um Kritik an der Macht zu üben, worin sie die Funktion, die Aufgabe von Kunst sieht und was meilenweit entfernt ist von bloßem „Zeitvertreib“, und auch der Rest der Runde sah einen Sinn in seinem künstlerischen Tun.

Es ist sicher nicht hilfreich, alles bierernst zu nehmen, was, gemessen an vielem anderen in der Welt, vielleicht wirklich „eigentlich nicht wichtig“ ist. Aber was bedeutet es, zu sagen, dass man die Sache nicht wichtig findet, mit der man sein Leben – bis auf weitere Erkenntnisse das einzige, das man hat – zubringt? Gibt mir das nicht einen Respekt vor und daraus erwachsend Verantwortung gegenüber dieser Sache, was nichts zu tun hat mit Vorschriften, wie man nun dieser Verantwortung genau gerecht werden soll?

Cosima von Bonin war für mich nicht einzuschätzen. Denn sie ist trotz ihrer flapsigen Aussagen eine Frau, die sich empören kann. So erzählte sie beispielsweise vom jahrzehntelangen Aufführungs- und Publikationsverbot, das Thomas Bernhard für die Zeit nach seinem Tod verfügt hatte, das aber bereits zehn Jahre danach durch seinen Universalerben (von Bonin meinte, durch „die Regierung“) aufgeweicht und schließlich mit Gründung der Thomas Bernhard-Privatstiftung sogar aufgehoben wurde. „Also da geh‘ ich auf die Barrikaden!“ meinte sie dazu. Einem österreichischen Minister hätte sie „eine klatschen können“, was ebenfalls niemand sagt, der keine Emotionen kennt…

*

Wenn man das, was man zu sagen hat, in irgendetwas umsetzt – in ihrem Fall in Kunst –, kann, sollte man dann nicht unmissverständlich dazu stehen? Und zur Kritik am System Kunst nicht genau so unmissverständlich?

Verquickt man diese beiden unterschiedlichen Dinge, gelingt weder das eine noch das andere.

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Cosima von Bonin im Interview mit Anke Engelke

Heute nehme ich mal wieder Bezug zu einer Fernseh-Sendung, und zwar zur gestrigen Folge „Anke hat Zeit“. Mir hat die ganze Sendung wieder gefallen, aber besonders ans Herz legen möchte ich Euch das Interview von Anke mit Cosima von Bonin ab der ca. 54. Minute; was meint Ihr dazu? Ich kann schon mal versprechen, dass es spaßig und herausfordernd ist:

http://www1.wdr.de/…/videodiezwoelfteausgabederkulturshowmi…

Schauspielerin Katja Riemann bewundert ihre Geschwister und verkündet, welche Pläne sie für ihre eigene Zukunft hat. Die Hornistin der Berliner…
www1.wdr.de
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Oder? :-)

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