Sprechen über Kunst 2007

Damaliges Thema: Eigene Kunstausstellung

Linwen2s Beiträge waren Zitate aus ihrem letzten Posting in diesem Strang, meine waren meine damalige abschließende Antwort darauf:

Linwen2: „Ja liebe sabine du könntest auch behaupten, dass Kunst nur aus rosa Krepprosen zu bestehen hat und so könnte das Gepräch weiter gehen..ich habe alles gesagt..Pia auch sehr viel..und im alten Strang stand weiteres..“

Sabine: „Ja, ich habe auch alles gesagt.“

Linwen2: „ich wünsche Dir noch viel Spaß mit Deinen Werken..“

Sabine: „Dankesehr! Mit meinen und mit all den anderen, die vielleicht an einer Uni, auf einem Dachboden oder an einem Tisch in der VHS entstanden sind. Ich werde die Augen immer offen halten.“

Linwen2: „Alles was Du schreibst, spiegelt einfach, dass Du Dich eben nicht akademisch mit Kunst auseinandergesetzt hast..“

Sabine: „Das ist richtig. Ich habe nichts anderes behauptet.“

Linwen2: „Was Du erwartest, dass man Dir hier eine Art Nachhilfe gibt, wenn man Dir immer wieder ( lange im alten Strang ) Antworten gibt.. ist Recht viel verlangt..“

Sabine: „Das ist falsch. Ich erwartete keine Nachhilfe.“

Linwen2: „Du weigerst Dich Dich weiterzubilden und möchtest auf Deinem “ lockeren Niveau “ diskutieren und das funktioniert nicht.“

Sabine: „Ebenfalls falsch und eine Unterstellung.“

Linwen2: „Du muss Dir zugestehen, dass Du von manchem redest von dem du keine Ahnung hast, sonst könntest Du Dich in den Gesprächen anders präsentieren.. Das ist einfach so.“

Sabine: „Ich habe von den Dingen, von denen ich rede, Ahnung. Vielleicht hast Du aus Deiner Sicht der Dinge heraus einfach nicht „gehört“. Das kommt vor, erlaubt aber noch lange keine Feindseligkeiten. Hier reden mir zuwenige Leute insgesamt mit, um mich ernsthaft „mich wie ein Alien fühlen“ zu lassen. Es war ein Gespräch zwischen Leuten mit unterschiedlichen Definitionen und unterschiedlichen Ansichten. Nicht mehr und nicht weniger.“

Linwen2: „Man spricht mit Dir . aber Du weigerst Dich zu verstehen..magst aber auch nicht genau hingucken : wünscht Dir aber GEHÖR..und das ist einfach absurd..“

Sabine: „Unterstellungen. Und man spricht nicht mit mir, man möchte mich widerlegen und erziehen. Auf arrogante Art auch noch.Ich gucke ziemlich genau hin und beschäftige mich recht ausführlich mit den Dingen. Lernen tu ich aber nur, wenn ich vorher eine ganz normale Akzeptanz zwischen Erwachsenen spüre, und da sehe ich zwischen uns beiden wenig Chancen.“

Linwen2: „Normalerweise wird sich überhaupt niemand mit Hobbykünstler so weit und so ausführlich auseinandersetzen..Sofo tat sich dereinst den Tort an..lange und lieb und ausführlich..“

Sabine: “ „Kunst“ ist ohne allgemeingültige Definition, aber die Akademiker besitzen die Arroganz, sich trotzdem dem Gespräch zu verweigern? Ich würde sagen: was zu beweisen war…“

Linwen2: „Wenn Du in den Genuss kommen solltest, von jemandem der GEHÖRT wird ( Kunsttheoretiker, Kritiker ) kritisiert zu werden, ob negativ oder positiv, dann wärest Du schon weit : aber das passiert gar nicht . Warum : es wurde schon geschrieben und erklärt.. Und wenn Du Dich auf den Kopp stellst :-))“

Sabine: „Du hast mich auch in diesem Punkt, auf den Du Dich da wohl beziehst, falsch verstanden. Wieso sollte das ein Genuss sein? Auf was bezieht sich denn die Kritik dann wohl? Meine Ansicht solltest Du eigentlich kennen; dann hättest Du das aber nicht so formuliert.“

Linwen2: „Du glaubst doch nicht im Ernst, dass sich namhafte Kunsttheoretiker und Kunstkrtiker mit jeder Ausstellung in jeder Kreissparkasse befassen muss ?“

Sabine: „Nein, das glaube ich nicht. Habe ich auch nie behauptet.“

Linwen2: „Du argumentierst krud und willst einfach nicht verstehen..“

Sabine: „Du wirfst Behauptungen hier rein, aber gehst nicht wirklich auf die Dinge ein. So krude sind meine Argumente nicht. Sie fußen nur alle auf einer Definition, die vom etablierten Kunstbetrieb nicht geteilt wird. Du hast kein einziges Argument gebracht, was meine Ansicht bezüglich dieses abstrakten Begriffes „Kunst“ widerlegt. Ich kenne die Auffassung vieler Akademiker bezüglich der Nicht-Akademiker. Aber kein einziger hat sich bisher auf das dünne Eis begeben, mir zu sagen, was für ihn Kunst ist. Ich denke, auf Deiner persönlichen Definition, die gerne auch auf Auffassungen des etablierten Betriebes fußen kann, hätten wir noch einmal ein Gespräch aufbauen können.“

Linwen2: „Es wurde Dir schon alles erklärt .. Du schreibst so wirr, es wäre eine Sisyphosarbeit auf jeden Gedanken einzugehen…“

Sabine: „Auch ein schönes Argument, ja….. und wieder mit wunderbar arrogantem Einstieg.“

Linwen2: „In einfachen klaren Sätzen erklärte Pia Dir alles..und Dein Insistieren ist nur Plauderei über das sich Leute, die sich ernsthaft mit Kunst beschäftigen, nur lächeln werden..Warum : es wurde Dir schon erklärt : zig Male..“

Sabine: „Auch Pia schrieb über den etablierten Kunstbetrieb und wie es dort funktioniert. Sie schrieb nicht über „Kunst“. Die „ernsthafte Beschäftigung“ lediglich an einem Studium festzumachen, ist mir persönlich zu wenig. Ich möchte Euch nicht zu nahe treten, aber es „erklärt“ mir nichts. Es erklärt mir Eure Haltungen, nicht weniger, aber auch nicht mehr.“

Linwen2: „Wenn Du das nicht verstehst, dann liegt es daran, dass Du Dich weigerst, Dich überhaupt auskennen zu müssen..Du möchtest dabei sein, mitreden, Anerkennung ohne Vorwissen..“

Sabine: „Das ist eine falsche Behauptung im Eingang, und zum „Mitreden“: nur da, wo ich das kann. Und ein abstrakter Begriff ohne allgemeingültige Definition sagt zu mir und allen Menschen: Du kannst. Und wenn Du Dich auf den Kopf stellst und „uns“ hundertmal bescheinigst, dass wir nicht können.“

Linwen2: „nur weil Dir das was Du tust “ Spaß “ macht.. und Du glaubst, dass sich namhafte Leute, ernsthafte Krtiker jetzt bitteschön aber auch einmal mit Dir befassen MÜSSEN..“

Sabine: „Nein, das glaube ich nicht, und auch das habe ich nie so behauptet, nicht mal zwischen den Zeilen.“

Linwen2: „und : Eine MEINUNG steht Dir zu ja:aber man kann erkennen, worauf diese gründet..“

Sabine: „Kennen wir uns?“

Linwen2: „Du hast Dich also lt Deiner Auskunft unterhalten und “ etwas erlebt “ ja..und dennoch, ganz ehrlich : es reicht nicht, um Dich dem zu stellen, was Du anstrebst..das ist zu offensichtlich..“

Sabine: „Ein Totschlagsargument. Ich sage Dir: es reicht. Für mich reicht es. Und was strebe ich denn an? Ganz ehrlich: so oft, wie Du Dich in der Einschätzung mir gegenüber vertust und so oft, wie Du alleine in diesem Posting schon einfach nur behauptet hast… ne, Du…“

Linwen2: „Ich mag nun wirklich nicht mehr..Du bist beratungsresistent..“

Sabine: „Vielleicht, weil ich keine „Beratung“ wollte, sondern ein Gespräch…? Erinnere Dich an mein erstes Posting hier in diesem Strang: ein Gespräch, ein Dialog ist nicht möglich. Wir haben es hiermit beide bewiesen.Du gehst mit dem, was Du sagst, eher auf Dich ein als auf mich. Du stellst unsere Positionen klar (Du über mir, ich unter Dir), aber Du „unterhälst“ Dich nicht. Und „unterhalten“ setze ich jetzt nicht mit „Spaß haben“ gleich.“

Linwen2: „Du wolltest doch eine Nische für Hobbykünslter : machst Du sie auf : ich verspreche : ich komme nicht vorbei..dort kannst Du und andere dann locker über Kunst und das persönliche Dilemma der Hobbykünsler sprechen und ihre Träume und die Ungerechtigkeiten..und überhaupt..Vielleicht wäre das schön für Dich..“

Sabine: „Nein, das ist es nicht, was ich wollte, nicht, wie Du es beschreibst. Und wieder: die Ironie ist fehl am Platze. Du akzeptierst die Herangehensweise der „lockeren Hobbykreativen“ nicht, ich sehe keine „Definitionsgewalt ohne Definition“ beim etablierten Markt – und das ist es einfach. Nicht mehr und nicht weniger.“

Linwen2: „Dir alles Gute!“

Sabine: „Dir auch! P.S.: Pia wurde nicht ganz so persönlich – fand ich besser. P.P.S.: Und ich sehe es übrigens auch wie RobinHut – wer hätte das gedacht. So funktioniert es, und so funktioniert es gut. Viele Grüße, Sabine“

image

Advertisements
Standard

Kunst als Religion?

Borgeest war schon einmal Thema zum Thema auf: http://thinglabs.de/2015/10/warum-fragen-wir-die-kuenstler-nicht-einfach/ ; ein Gespräch dazu gibt’s bei den Kommentaren,

http://thinglabs.de/2015/11/kunst-als-religion/ ,

und das Thema auch beim ’seminar‘: http://www.stefanbeck.de/das-seminar/mp3/das_seminar_13-11-2015_live_RadioX.mp3

und auf der facebook-Seite des ’seminar’s https://www.facebook.com/dasseminar/?fref=ts :

Stefan: „Wenn es keine rationale Begründung für Kunst geben kann, ist die Kunst eine der Religion ähnliche Glaubenssache.
Was sind die Folgen?
Können wir uns eine Zeit nach der Kunst vorstellen?“

Sabine: „Ich kann es verstehen, dass man solche Vergleiche zieht… Wenn in 100 Jahren keiner mehr erklären kann (unabhängig davon, dass er es rein physisch nicht kann, weil er tot ist 😉 ), was ihn mit Kunst verbunden hat, dann bleibt der Charakter des Statussymbols (Marktwert) und – eventuell daher rührend – der Modeerscheinung (als gesellschaftlicher Zwang; die und die Ausstellungen dieser und jener Berühmtheiten der Szene muss/te man gesehen haben).
Das, was man auch in 100 Jahren noch verstünde: persönliche Begeisterung aus persönlich erklärter gleich begründeter Betroffenheit, wird ohne die Menschen, die das erzählen, weit nachfolgenden Generationen kaum vermittelbar sein.“

 

Mich hat das Bild, das Stefan bei seiner Radiosendung auf den Borgeest’schen Essay bezogen verbal gemalt hat, beschäftigt: Es könne sein, dass in 100 Jahren nicht mehr nachvollzogen werden könnte, warum Menschen in ein Museum gegangen seien, um sich ehrfürchtig Exponate anzusehen, und ebenso wäre es denkbar, dass man kein Verständnis mehr hätte für eine private Sammlung heute als wertvoll geltender Bilder.

Auch ich kann mir dieses Szenario vorstellen, aber nicht ohne eben dieses „aber“, das schon in meiner facebook-Antwort angeklungen ist.

Man stelle sich das Bild einer Warteschlange vor den Toren eines Museums vor; die Ausstellung ist eine international stark beworbene Tournee. Nun zoomt man näher ran und befragt stichprobenartig, aber in regelmäßig unregelmäßigen Abständen die Wartenden, warum sie die Ausstellung gerne besuchen würden. Für mich ist es relativ unvorstellbar, dass nicht alles an Antworten dabei wäre, das man sich vorstellen kann; es wird die komplette Bandbreite sein zwischen dem „mitlaufenden Laien“, der sich anguckt, was da auf Plakaten, in der Zeitung, im Fernsehen usw. groß beworben wird und ansonsten erst einmal keine Erwartung hegt, vielleicht auch nur gerade vor dem beginnenden Regen flüchten will, und dem neugierigen Kunstverständigen, der noch dazu einen Platz im „System Kunst“ besetzt.

Bildwechsel: eine vollbesetzte Kirche. Erst einmal steht nur eine Sache fest: alle derzeit sichtbaren Menschen befinden sich in dieser Kirche. Zoomt man näher ran, wird bald klar: ein Agnostiker begleitet seinen Enkel, der bald zur ersten Kommunion geht, ein junges Paar ist gerade erst wieder einer Religionsgemeinschaft beigetreten, weil es kirchlich heiraten möchte, einer ist dort jeden Tag und überlegt, in ein Kloster einzutreten, jemand ist dort, weil er ein Fan von Holzschnitzereien ist; er ist zufällig in die Messe geraten und wartet sehnsüchtig auf deren Ende…

Erst der Zoom zeigt, ob und wie jemand seine derzeitige Gruppenzugehörigkeit mit Leben füllt, und erst dieses Leben zeigt, zeitigt Authentizität oder eben nicht.

Gäbe es in 100 Jahren nur noch Bilddokumente von riesigen Warteschlangen vor Museen, und gäbe es keine Menschen mehr, die ihre Begeisterung für Kunst für andere Menschen mit Leben füllen, wären diese Bilddokumente in der Tat skurril.

Für mich ist eher vorstellbar, dass sich die Menschen in Jahrhunderten durch zunehmende Aufklärung und Säkularisierung zumindest vom Zwang einer gemeinschaftlichen Gottesanbetung befreien als dass sie aufgeben, sich untereinander auszutauschen, und Kunst ist für mich die freiheitlichste Idee eben dieses Austauschs. Dieser ist eine der rationalsten Begründungen, die ich überhaupt denken kann. Die Bedingungen des „Systems Kunst“ können noch oft geändert werden; ich kann Kunst auch denken ganz ohne den Betrieb um sie. Deswegen ist es nicht mal Zuversichtlichkeit zu nennen, dass ich der Überzeugung bin, dass es immer Kunst geben wird. Vielleicht – hoffentlich – eines Tages ohne jegliche zusätzliche Etiketten.

 

wordpress

Standard

Mönchengladbacher Kanon der Literatur

Mönchengladbacher Kanon der Literatur

100 Mönchengladbacher zwischen 11 und 80 Jahren haben auf Initiative der Buchhandlung Degenhardt nach der Idee der Edition Schmitz den MÖNCHENGLADBACHER KANON DER LITERATUR mitgestaltet. Ich freue mich, dabei zu sein und damit die Offenheit gegenüber Vielgestaltigkeit und Gleichwertigkeit des persönlichen Ausdrucks mit unterstützt haben zu können.

Der Kabarettist Jochen Malmsheimer hadert auf seiner facebook-Seite angesichts der aktuellen Terroranschläge in Paris mit seinen berufsbedingt humorigen öffentlichen Auftritten und erhält in den Kommentaren viel Unterstützung im Gefühl und Ansporn, weiter zu machen.

Hilflosigkeit und Ansporn – das war sicher bei allen Anwesenden dabei, als gestern die kleine nette Buchvorstellung bei Degenhardt war, liebevoll vorbereitet und umgesetzt.

Wir können alle gar nicht anders, als weiter zu machen und solange es uns gibt, uns mit Gleichgesinnten einzusetzen für Lebewesen, deren friedliches Miteinander und Vielfalt im Ausdruck. „Das Gute“ gewinnt vielleicht nie. Nicht dafür zu kämpfen mit allen friedlichen und kulturellen Mitteln, die wir haben, kann allerdings keine Option sein.

Standard