Sprache

Karin Rottmann macht hier im Gespräch mit Anke von Heyl deutlich, was Sprache in der Kunstvermittlung (und überhaupt) bedeutet. Ich kenne von mir, dass ich ganz kribbelig werde, wenn ich spüre, dass ich etwas nicht haargenau so ausdrücken kann, wie es in mir ist. Und dass ich immer öfter sage, dass ich meine Muttersprache wirklich brauche, um mich in Nuancen ausdrücken zu können… was ist Eure Ansicht?

http://www.kulturtussi.de/sprache-als-basiskompetenz/

 

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Der goldene Mittelweg

Erstmals vom „goldenen Mittelweg“ gehört habe ich vermutlich damals von meiner Mutter. Als Kind und Jugendliche war ich lange ohne bestimmte Meinung dazu, obschon natürlich durch die Erziehung meiner Eltern geprägt. Aber erst in den letzten Jahren weiß ich diesen goldenen Mittelweg bewusst zu schätzen.

Was ist am „Mittleren“ schon Besonderes, fragt man sich wohl unbewusst in seinem ersten Lebensdrittel (das sich durch die Jahre ja erst als solches herausstellt und dadurch in Abgrenzung erlebt wird zu dem, was schon war oder was noch kommt). Kinder und sehr junge Leute sind meist kein Fan vom Mittelweg. Und später werden die als in der Mitte des Lebens empfundenen Jahre – also die nach dem ersten bewusst empfundenen Drittel – manchmal als schwierig erlebt: man sucht sich vielleicht neu und findet sich nicht sofort… Midlife-Crisis… schon wieder ist die „Mitte“ unbeliebt.

Das Mittlere von drei Kindern ist weder das Älteste, das die meiste und längste Aufmerksamkeitsspanne abbekommt, noch das ewig niedliche Nesthäkchen. (Dass dieses familiäre Dazwischensein ebenfalls schwierig sein kann, musste ich mir als ältere Schwester in einer Zweier-Geschwisterbeziehung von anderen erzählen lassen.) Auf einer Feier sticht bei den Frauen meist die mit den hellsten Haaren heraus oder die mit den dunkelsten, bei den Herren der größte oder kleinste. In Klassenräumen erinnert man sich noch nach Jahrzehnten an den Schlauesten und an den, bei dem der Groschen immer erst später fiel. Die mit der extremen Haltung bleiben länger im Gedächtnis als die mit der ausgewogenen, der Laute, die „Rampensau“ wird eher erinnert als die Leise, es sei denn, es ist die leiseste und schüchternste Person, die einem je begegnet ist. Oder man kämpft mit Klischees: „Für eine Frau ist sie aber ziemlich…“, „Für einen Mann ist er aber ziemlich…“, wobei die Sprecher meist nicht bedenken, dass sie gerade einen Menschen in eine Schublade zurückstopfen, aus der er sich ihnen durch sein Unerwartetes entgegenreckte.

Es ist wohl menschlich, dass wir das bevorzugt wahrnehmen, was sich uns aufdrängt. Genau so, wie viele von uns einfache Lösungen bevorzugen. Daneben denken und gucken ist mühevoll. Es kostet manchmal Anstrengung, sich ein Urteil zu bilden und dieses Urteil jederzeit revidieren zu können, es kostet manchmal enorme Anstrengung, das – sich – zu erklären. Derzeit fällt es schwer, zu erklären, warum man gleichzeitig gegen Terror und die Methoden eines Überwachungsstaates sein kann; warum man gleichzeitig jedem Flüchtling helfen möchte und die Politik Merkels trotzdem nicht gutheißt.

Ich möchte keinen extremen Standpunkt einnehmen müssen, um gehört zu werden, oder herausragend aussehen, um sichtbar zu sein. Ich möchte nicht von Menschen geführt werden, die einer Parteiräson unterliegen, sondern von den vernünftigsten, die wir haben, die weder nur auf sich noch nur auf andere achten. Ich möchte das Beste aus Sozialismus und Kapitalismus, das Beste aus etabliert und independent.  Es geht nicht um Etiketten oder Benennungen, sondern um Inhalte. Ich möchte privat mit Menschen zu tun haben, die mir immer wieder neu begegnen; auf die ich mich verlassen kann, aber die sich trotzdem verändern dürfen, denn auch das ist kein Widerspruch. Und ich möchte selbst so ein Mensch sein dürfen.

Es gibt nicht nur Juwelen oder Modeschmuck, nicht nur Arte oder RTL, nicht nur schwarz oder weiß.

Im Programm PULS des Bayerischen Rundfunks, das als Webradio vorrangig für die jüngeren Zuhörer konzipiert ist, heißt es dazu unter dem Hashtag „mehrgrau“:

„Wir brauchen das langweilige Abwägen. Klar: Mittelmaß ist unpopulär. Das bekommt auf Facebook keine Likes. Das wird nicht retweetet. Dafür wird man auf keiner Party gefeiert und in keine Talkshow eingeladen. Aber genau das ist es, was uns hier so verdammt gut leben lässt.“

*

Ein Mensch fragt auf Facebook „What is the purpose of life?“ Was ist der Sinn des Lebens? Für mich ist das nicht nur eine Sache, an der es dann hängt, ob das Leben gelungen oder missraten ist. (Sowie es keine durchweg gelungene oder komplett missratene Leben gibt; Krieg oder Krankheit von der Wiege an jeweils ausgeschlossen, Geschehnisse und Schicksale, die uns bisher nicht Betroffene den Kopf immer wieder zurechtrücken können.) Es muss nichts Spektakuläres passieren, ich muss es nur für mich als sinnvoll erachten. Ich verleihe Sinn, jeden Tag neu. Dazu gehört, dass ich alles versuche zu sehen und zu hören, was mir begegnet, um mich dazu in Relation setzen, mich mit den Dingen verbinden zu können. Es wäre ein Wunder, wenn ich alles sofort und glasklar einsortieren könnte. Es wäre fatal, wenn ich das auch nur versuchen würde.

Alles und jeder muss individuell angeschaut werden, immer, mit all seinen Facetten.

Genau so funktioniert auch Kunst.

 

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Lesenswert!

Neues Jahr, neue Reihe. Meine Gespräche zur Kunstvermittlung

 

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Improvisation

Die Wikipedia schreibt zum Stichwort „Improvisation“ Folgendes:

Improvisaton bedeutet, etwas ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif dar- oder herzustellen. […]“

Heute nur eine Frage: glaubt Ihr, glauben Sie mit dem Jazzer Wolfgang Dauner, dass es nicht erlernbar ist, zu improvisieren?

Was, wenn man voraussetzte, dass zumindest Training auf diesem Gebiet möglich ist… wie könnte man das angehen, auch jenseits von Musik?

http://www.a-tempo.de/article.php?i=201512&c=2

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Schnittmenge

Bitte stellen Sie sich doch einmal Folgendes vor:

Zwei gleich große Kreise stehen auf gleicher Höhe nebeneinander. Der Linke stellt den Kunstbetrieb dar, der Rechte alles, was sich außerhalb des Kunstbetriebes befindet. Am linken Rand des linken Kreises befindet sich der anerkannte Künstler mit akademischer Ausbildung, am rechten Rand des rechten Kreises eine bastelnde Hausfrau ohne weit reichende Ausbildung, und stellen wir uns vor, sie bastelt schlecht 😉 . (An dieser Stelle ist mir wichtig zu sagen, dass ich weder etwas gegen Hausfrauen habe noch gegen basteln, nicht mal etwas gegen schlechtes basteln; ich möchte nur gerne den in der Gesellschaft empfundenen Unterschied deutlich machen.)

Haben Sie das Bild der zwei Kreise? Nun schieben Sie im Geiste den linken auf den rechten zu und den rechten auf den linken und haben Sie keine Scheu, die beiden, wenn sie sich berühren, weiter zu schieben… schieben Sie so lange, bis in der Mitte eine zu den Seiten ungefähr gleich große Schnittmenge entsteht.

Betrachten Sie jetzt bitte das Bild in Ihrem Kopf.

Danke, und ein Frohes Neues Jahr!

P.S.: … lässt sich übrigens mit allen „Kreisen“ machen, die man sich mit ihren unterschiedlichen Inhalten vorstellen kann… durchspielen unbedingt erwünscht! 🙂

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