Inhalt und Form

http://www.kulturtussi.de/mehr-inhalt-wenger-kunst/

 

Anke von Heyl inspiriert mich wieder – dafür erstmal Dankeschön! 🙂

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Ihr aktueller Blog-Beitrag ist pickepackevoll mit Infos und Anregungen; hier mein Weiterfragen:

Ist es vorstellbar, dass etwas inhaltsarm ist oder scheint und trotzdem so gut erzählt wird, dass es dadurch an Bedeutung gewinnt? Mir fällt sofort mindestens ein Roman oder Film ein, dem man unterstellen könnte, dass sein Thema nicht neu oder sogar „kitschig“ sei, an dem ich aus irgendeinem Grund aber „dran bleiben“ musste…

Ist es beim Thema „Inhalt“ oder dessen vermeintlichem Gegenteil eventuell so wie bei allen Dingen: dass es auf den Adressaten, den Betrachter, den Rezipienten ankommt, was und wieviel man aus einer Sache „ziehen“ kann? Dass es, sowie sich jemand egal wie äußert – und ich meine jetzt jegliche Äußerung, nicht nur Verbalsprache – Inhalt hat: nämlich den der zuvor erbrachten Gefühls- und Denkleistung des sich Äußernden? Und dass sämtliche Beurteilungen dieses Inhalts dem Gegenüber erstmal nicht zustehen? Dass es auch da wieder „nur“ um Austausch, um Dialog geht?

Kann die Form (in Ankes Beispiel die Kunst des Storytelling) bereits sich selbst genügen, also gleichzeitig Inhalt sein?

Ist Inhalt immer gleich Inhalt, Form immer gleich Form?

Müsste man sich nicht immer und in jedem Fall darüber unterhalten, auch da die Definitionen klären, bevor man urteilt?

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Ich bin gespannt auf Euer Mitdenken und -äußern, und Anke freut sich sicher auch über Besuch… 🙂

 

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Kinder und Kunst

Die natürliche Herangehensweise der Kinder an Kunst und Kultur

 

 

Heute möchte ich mit Euch zusammen erforschen und austauschen, was auf dem Weg vom musizierenden, malenden, tanzenden, bauenden Kind hin zum Erwachsenen geschieht, dem Kunst nicht nah ist.

Wir alle kennen viele Leute, die Kunst irgendwie naserümpfend gegenüberstehen.Vielen ist sie nicht nur nicht nah, sondern sie lehnen die Beschäftigung sogar komplett ab, so, als gäbe es wirklich nur DIE Beschäftigung auf eine bestimmte Art und Weise.

Beinahe alle waren die gleichen spielenden Kinder, die sich unter anderem auch künstlerisch betätigt haben, natürlich ohne es auch so zu nennen oder so benannt zu werden. Der Ausdruck, zum Beispiel mittels Farbe und Form, war eben ganz natürlich. Ausprobieren war ganz natürlich. Niemand käme auf die Idee, ein kleines Kind mit Wachsmalstiften in einem weiß gestrichenen Raum ohne einen Malblock oder mindestens ein (großes!) Blatt Papier zurück zu lassen 😉 .

Benutzen wir als Kinder andere Ausdrucksformen, weil wir noch nicht oder noch nicht gut sprechen können? Warum behalten Menschen eine zusätzliche Ausdrucksmöglichkeit bei, obwohl sie sich irgendwann verbal ausdrücken können, und andere nicht? Wo ist der „Knick“? Schon in der Schule, wo zunehmend Bewertung eine Rolle spielt? Neben der Schule, beim Erwachsenwerden, wo zunehmend Selbstreflexion eine Rolle spielt, wir Scham kennenlernen?

Wie war es bei Euch, zu welcher Gruppe gehört Ihr? Wie erklärt Ihr Euch Ablehnung von und Begeisterung für Kunst als Erwachsene? Kennt Ihr auch Leute, bei denen die Grenze nicht so scharf verläuft?

Ich bin gespannt auf Eure Äußerungen!

Viele Grüße,

Sabine

P.S.: Das Bild hat mein Patenkind Anna mir damals gemalt. Es hatte immer einen prominenten Platz in meinem Wohnzimmer. 🙂

 

kinderkunst

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Kunst „demokratisieren“

Thema: Kunst „demokratisieren“

 

http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-16672257.html

„Der erwachsene Tobias Rehberger, inzwischen ein an der Hochschule ausgebildeter Künstler, sorgte dafür, dass die Werke seines Vaters 1994 Einzug in die Kunstwelt hielten: In einer Frankfurter Galerie stellte er 30 Bilder und Skulpturen aus, alles Reproduktionen im Maßstab 1:4. Das stiftete Verwirrung. Rehberger wolle die „Kunst demokratisieren“, schrieb eine Kritikerin, indem er das Werk eines Sonntagsmalers mit den Arbeiten eines richtigen Künstlers gleichstelle.“

 

http://www.art-magazin.de/kunst/8619-rtkl-auktionen-im-netz-interview-die-digitalisierung-kann-demokratisieren

„Kommt es am Ende zu einem komplett neuen Kunstverständnis durch die Digitalisierung?“

„Der Umgang mit Kunst wird durch die Digitalisierung und die weltweite Verfügbarkeit von Abbildungen sicherlich eine andere. Die Digitalisierung kann demokratisieren und den Zugang zu Kunst erleichtern. Daneben wird die Digitalisierung neue Kunstformen bringen, die sich zum Beispiel nur im Rahmen des Internets oder Apps abspielen.“

 

http://www.wdr3.de/musik/american-pop-art-102.html

„Die Oberhausener Ausstellung präsentiert nun einen Ausschnitt aus seinem rund 3000 Werke umfassenden Fundus. Darin spiegele sich nämlich der „Wunsch der damaligen Zeit nach einer demokratisierten Kunst“ wider. Doch symbolisiert die Sammlung eines einzigen Kunstmäzens nicht vielmehr das Scheitern einer Kunst für die Massen?“

 

http://www.zeit.de/2011/28/Kunstmarkt

„Auf der Art Basel präsentierte Cleveland kürzlich die Betaversion seiner Internetseite. Vor einer exklusiven Schar von vermögenden Kunstsammlern und Händlern sprach Cleveland – in einem etwas zu großen Hemd und mit etwas zu großem Schlips – davon, die Kunst unter das breite Volk bringen zu wollen.“

 

http://www.wiesbadener-kurier.de/lokales/kultur/lokale-kultur/demokratisierung-der-kunst_14354139.htm

„Als mein Mann und ich Lumas gegründet haben, ging es uns primär um den Gedanken, Kunst zugänglich zu machen. Klassische Galerien richten sich in der Regel mit großformatigen Unikaten oder Werken mit Auflagen von maximal zehn Exemplaren zu hohen vier- oder fünfstelligen Preisen an erfahrene Sammler, Institutionen und Museen. Bei der Suche nach erschwinglicher, authentischer Kunst, stießen wir jedoch auf eine große Lücke. Mit Lumas versuchen wir, diese Lücke zu schließen. Wir haben das Prinzip der Editionen adaptiert: Dank Auflagen von 75 bis 150 Exemplaren können wir limitierte, signierte Kunstwerke zu erschwinglichen Preisen anbieten. Heute würde ich es eher als Demokratisierung der Kunst bezeichnen.“

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Das sind nur ein paar der sofort gefundenen Beispiele im Netz zum Thema „Kunst demokratisieren“. Für mich haben sie alle eines gemeinsam; sie werfen die Frage auf: definieren alle, die von „Demokratisierung“ reden, gleich? Im ersten Beispiel werden Künstler einander „angeglichen“, im nächsten wird die Verfügbarkeit von Kunst erhöht, was mehr Menschen den Zugang erleichtert, im dritten ist von Vervielfältigung einer einzelnen Arbeit die Rede.

Wie definiere ich, wie definierst Du, wie definieren Sie „Demokratisierung der Kunst“?

Für mich bedeutet es zwar auch, dass Kunst insgesamt mehr Menschen näher gebracht werden kann; ich habe, auch wenn ich das für meine eigenen Mal-Arbeiten nicht passend finde, grundsätzlich nichts gegen z. B. Kunstdrucke, nichts gegen die Vervielfältigung einer einzelnen originalen Arbeit. Denn sie möchte nichts anderes sein als die Kopie dieses Originals in anderer Form. Ich habe allerdings etwas gegen Reproduktion als Allheilmittel, das verschleudert zu werden scheint, denn das funktioniert nicht. Masse allein bringt nichts wirklich näher; sie bleibt oft Hülle, eine Äußerlichkeit. Ein schickes Poster hinter Glas.

Genau so wenig funktioniert es, einen kreativen, aber namenlosen Menschen neben eine Kreativberühmtheit und damit die Arbeiten gleich zu stellen, wenn das Kunstsystem, der Betrieb um die Kunst diese (tatsächlich vorhandene!) Gleichheit nicht lebt. Das (eigentlich verbotene) Nebeneinanderstellen wird Thema sein, nicht der Inhalt der Kunst.

Beim Thema „Demokratisierung der Kunst“ werden wir ganz schnell auf Grundsatzfragen zurück geworfen: ist sie auf dem etablierten Parkett des Kunstmarkts überhaupt möglich? Die Antwort muss ‚nein‘ lauten; ein ‚ja‘ widerspricht jeglicher Erfahrung.

Wahre Demokratisierung findet statt, wenn allen klar ist, dass, obwohl es nicht alle wollen und tun, jeder sich ohne weitere Etikettierung künstlerisch ausdrücken kann und darf, ob er Gerhard heißt oder Lieschen. Wenn irgendwann vielleicht einmal die ungleiche Bezahlung bei gleicher Leistung von Mann und Frau überwunden ist, Gerhard aber noch immer mehr verdient als Lieschen, kann es an seiner Bewerbung liegen, an seinem offiziellen Markt-Platz und -wert. Denn seine künstlerischen Arbeiten können – rein von der Idee einer demokratisierten Kunst her – objektiv nicht mehr wert sein als Lieschens. Sie hängen oder stehen selbstverständlich nebeneinander. Was das Volk für die Demokratie ist – jedenfalls nach der eigentlichen, heute oft ad absurdum geführten Idee – ist der Mensch für die Kunst. Ein jeder Mensch.

 

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