(K)eine (Zauber)kunst

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Heute, am zweiten Weihnachtsabend, freue ich mich, dieses wunderschöne Filmchen mit Euch zu teilen, auf das mich ein Freund brachte.

Ich verabschiede mich bis zum nächsten Jahr und freue mich auf viele Eindrücke, Bilder, Worte, Filme, die ich wieder gerne mit Euch teile!

Bis dahin,

herzlich,

Sabine

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Rauhnächte

„Die Weihnachtsvorbereitungen erreichen die heiße Phase, während die Rauhnächte beginnen. Die Weihnachtsmärkte sind besonders voll, denn wer noch keine Geschenke hat, der will sich sputen. […]

Andere planen schon die Silvesterfeier oder freuen sich einfach über ein paar freie Tage.

All dies findet gleichzeitig statt und macht den besonderen Reiz dieser Zeit aus. Für manch einen aber ist das Stress pur.

Dabei ist die Zeit, die jetzt kommt – die Zeit zwischen den Jahren – eine besondere Zeit. Vielleicht können Sie dieses Anhalten spüren, als würde ein riesengroßes Tier zwischen zwei Atemzügen eine Pause einlegen.

Nun sind die Wände zwischen den Welten dünner als sonst, so sagen alte Überlieferungen und hellsichtige Weise. Aber auch jeder von uns kann dies spüren. Wir müssen uns nur darauf einlassen: Was ist in diesem Jahr passiert, was war schön, was kündigt sich neu an, was wächst noch im Verborgenen? Was sind meine Seelenwünsche?

Es ist eine gute Zeit, um nach innen zu schauen. […]“

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Das schreibt das Team von Zinnoberfluss in der letzten E-Mail des Jahres an seine Kunden/Abonnenten, wenige Tage bevor ein LKW in den Berliner Weihnachtsmarkt rast.

Einen größeren Gegensatz kann man sich nicht vorstellen. Auf der einen Seite die friedlichen und inspirierenden Worte, auf der anderen die feindselige und niederdrückende Tat.

Angesichts der Weltgeschehnisse kann man verzweifeln. Sowohl Gewalttaten Einzelner als auch die ganzer Regierungen (wobei man sich stets die „wem nützt was?“-Frage stellen und sich vergegenwärtigen sollte, dass Sender, die landesweit ausstrahlen dürfen, stets das Lied ihrer jeweiligen Regierung singen und nicht unabhängig berichten) sind auszuhalten, wobei das eine Unmenschlichkeit durch tragische Fehlleitung darstellt, das andere aber oft den wirklichen menschlichen Skandal.

In Anbetracht dieser „wirklich wichtigen“ Geschehnisse – meist sind damit Realitäten gemeint – kippen Dinge hintenüber, die zur Herzens- und Gewissensbildung aber ebenso „wirklich wichtig“ sind, wie zum Beispiel Kunst in all ihren Ausprägungen. Das zu vergleichen und gegeneinander auszuspielen wäre ein Fehler.

Alles, was Menschen anderen Menschen gegenüber öffnet oder zumindest das Potenzial dazu hat, hilft mit, Missachtung und Hass kleinzuhalten und ist wirklich wichtig, immer, und zwar jeder Ausdruck eines jeden. Und auch dabei machen Vergleiche keinen Sinn.

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Für meine Gäste, die es begehen, ein schönes Weihnachtsfest, und allen eine friedliche Zeit auf dem Weg ins nächste Jahr!

Ich möchte es meiner Kollegin Andrea gleichtun und Martin Luther King zitieren:

„Darkness cannot drive out darkness; only light can do that.

Hate cannot drive out hate; only love can do that.“

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Ein (fast geführtes) Interview

Vor dem Interview

Sabine: Warum musst/möchtest Du komplett mit Posten aufhören, „nur“ weil Du mit Kunst aufhörst? Wie ist das jetzt mit dem Interview? Darf ich Dir Fragen stellen/schicken? Und darf ich das dann öffentlich machen? Ich würde mich echt sehr freuen… denn ich mache weiter mit dem, was ich so mache… und es wäre mir echt ’ne große Ehre!

Katrin: mir ist aufgefallen, dass wenigstens ein öffentlicher post noch fehlt 🙂 . ich muss noch englisch werden – die verstehen das ja alle gar nicht.

Ansonsten ist genau das der unterschied: privat und geschäftlich. Ich kann als privatperson/ exkunstmacherin ein Interview geben – kannst mir ja die fragen schicken. hast du eine meiner e-mail adressen? noch funktioniert […]. wäre auch mir eine ehre und ein schöner teil eines abschlusses. und na klar kannst du das veröffentlichen. ich werd dich nur damit alleine lassen.

— ja. ab dann musst du dich mit dem zufrieden geben, was an resten noch da ist. meine kunst war sehr privat, aber sie war immernoch kunst. jetzt ist privat privat. du bist hier als eine bekannte mit mir verbunden und ob meine engen freunde auf fb noch was von mir sehen, wissen die wahrscheinlich schon besser als ich. ich nehme die digitale Welt nicht als echt an, das sind alles nur infos, die wahr sein können oder auch nicht – mir fehlt der geruch – insofern kenne ich dich noch nicht.

—- keine ahnung ob und wo ich dann doch wieder auftauche 🙂 ich hab jedenfalls keinen plan. mein leben ist jedenfalls noch nicht vorbei.

Sabine: Hallo Katrin, dankeschön! Ich antworte Dir privat und schicke Fragen. Ein Gespräch hätte ich noch netter gefunden, aber dafür wohnen wir sicher nicht nah genug beieinander…

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Einschub 1: Ich „kenne“ – sprich: verfolge, was sie macht – Katrin, seit mich mein befreundeter Künstlerkollege Stefan (für ihn benutze ich jetzt dieses „K“-Wort, für mich hätte ich ein anderes gewählt, aber auch mit „K“ 😉 ) auf dieses Video

https://www.youtube.com/watch?v=ZEvZbyeYkh0

aufmerksam gemacht hat. Da hatte – für mich zum ersten Mal – jemand in Worte gefasst, was ich für mein Empfinden nicht besser hätte ausdrücken können. Dieses auch von mir gefühlte, gesehene, gehörte, erlebte „viel, viel, viel, viel, viel, …, viel, viel, viel,…, viel, viel, viel,…, viel mehr“ in der Kunst, als es der Kunstmarkt glauben machen könnte, habe ich seither oft genau so zitiert. Und jedem, der es hören wollte oder nicht, Katrins Video ans Herz gelegt.

Und nun hört diese junge und ehemalige angehende studierte Künstlerin Katrin Herzner mit der Kunst auf.

Ich habe so viele Fragen! Dass in ihr ein ambivalentes Gefühl war, habe ich in der Tragweite erst durch die Dilsberg-Videos (https://www.youtube.com/watch?v=vUFpd_CpxPs&list=PLkzFBRIjXJlj1YI3G53L18N0405x-V_qM) richtig begriffen, besonders durch ein bestimmtes. Dass es aber dort und jetzt so endet, hat mich dann doch überrascht. Zum Glück hat sie zugestimmt, dass ich sie befragen darf, und ich hoffe, dass unser „versetzter Dialog“ für Euch, die Ihr Interesse habt, gut lesbar wird.

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Einschub 2: Zu meinem großen Bedauern hat sich Katrin entschlossen, dass das Private SOFORT gilt und sich daher dagegen entschieden, meine Fragen zu beantworten, noch ehe sie sie hatte. Ich habe Verständnis dafür, doch meine Fragen bleiben – im Prinzip an alle, die irgendwann aufhören/aufhören wollen, Kunst zu „machen“. Daher habe ich mich durchgerungen – auch, wenn’s jeck wirkt – diese Fragen zu stellen, in den Äther, irgendwem.

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Das Interview, wie’s geplant war

Sabine: … dann wird das jetzt nichts mehr mit dem gemeinsamen Video, zumindest nicht als „Kunst“ 😉 … hallo Katrin! Wenn Du einem Außerirdischen, der zwar unsere Sprache und Bedeutungen versteht, aber nichts auf der Erde wirklich kennt, Deine jetzige Situation in drei Sätzen schildern solltest: welche wären das?

Sabine: Ich wäre jetzt gerne direkt auf Deine ersten von mir mit Spannung erwarteten Sätze eingegangen, aber weil die Fragen ja erstmal allesamt ohne Deine Antworten auskommen müssen, nun gleich weiter: begreifst Du Deine Entscheidung eher als „scheitern“ oder als „folgerichtige (wert)geschätzte Entwicklung“ oder als etwas ganz anderes?

Sabine: In der Hoffnung, dass das nicht bereits beantwortet ist (mann ist das schwer, auf diese Art zu interviewen!): was hat Dich, wenn Du in Dich hineinhorchst, letztendlich, als Hauptgrund, bewogen, aufzuhören?

Sabine: Es stellt sich mir die Frage, ob Du bezüglich Deiner künstlerischen Ader – die ja nicht plötzlich weg ist, nur, weil Du aufhörst – nun anders lebst… ob Du beispielsweise Impulse, etwas zu erschaffen, unterdrückst… und wenn Du sie nicht unterdrücktest und die Sache erschafftest, wo für Dich der Unterschied läge in der Arbeit, die dann entstehen würde zur Arbeit, die im Kunst-Zusammenhang entstanden wäre – der Unterschied neben der Tatsache, dass dann eine Privatperson etwas Künstlerisches erschaffen hätte…

Sabine: Glaubst Du, erwartest Du, rechnest Du damit, dass Dir das Öffentliche fehlen wird?

Sabine: Ich möchte einmal auf das Posting eingehen, mit dem Du mir bei facebook bestätigt hast, dass ich Dir Fragen schicken darf. Darin sagst Du, dass Du „die digitale Welt nicht als echt“ annimmst… für mich ist sie so echt oder unecht wie die sogenannte „reale“ Welt; in beiden gibt es Authentizität und das Gegenteil davon und alles dazwischen. Stefan „kannte“ ich jahrelang nur per Internet-Austausch, und obwohl ich ihn dann gerne auch persönlich getroffen habe, hat mir in unseren Gesprächen vorher nichts gefehlt… die wären „offline“, „in real life“ (bis auf den Unterschied zwischen Schrift- und Umgangssprache) wohl ganz genau so abgelaufen. Hast Du merkwürdige Erfahrungen gemacht (die gibt es ja immer auch!) oder bist Du einfach vorsichtig? Kristallisiert sich zwischen Internet-Kontakten und Dir nicht im Laufe der Zeit etwas heraus… ein Gefühl für die/den andere/n, das den „Geruch“ ersetzt… ein „digitaler Geruch“ sozusagen?

Sabine: Wenn Du sagst, dass Du mich dann „damit alleine lassen“ willst – heißt das, Du wirst in Zukunft auf gar nichts mehr im Netz Bezug nehmen, oder nur darauf nicht? Ganz unabhängig von facebook: Surfst Du privat? Kommentierst Du sonst manchmal andere Postings oder Beiträge, oder hast Du das, wenn, nur im Kunst-Zusammenhang getan?

Sabine: Du konntest Dich über Deine Kunst gesellschaftlich, gesellschaftspolitisch sehr einbringen; jedenfalls habe ich sie so verstanden. So eine Haltung (wenn man das so nennen möchte) verliert man ja nicht plötzlich. Hast Du denn diesbezüglich Pläne, wie Du das weiter ausleben möchtest? Oder würdest Du das gar nicht so nennen, be-nennen wollen und lässt es auf Dich zukommen? Hast Du Deine Kunst als Haltung empfunden? Und wenn das Wort nicht greift: gäbe es einen Ausdruck, der es treffen würde?

Sabine: Ich möchte noch mal auf Dein [schon oben angesprochenes] Video Bezug nehmen, das zuerst auf der perisphere-Seite zu finden war, da unter „Wie alles funktioniert – Große Kunst“ oder so ähnlich… das gefiel mir ja in seiner- ja: beinahe Widersprüchlichkeit zum Kunstsystem so gut: eine Insiderin wagt zu sagen, wie’s wirklich ist, sozusagen… glaubst du, dass Dein Aufhören auch mit diesem Widerspruch zu tun haben könnte: dass das Kunstsystem sich konzentrieren muss, ausgrenzen muss, um bestehen zu können, Du aber so „viel, viel, viel … mehr“ an Kunst wahrgenommen hast?

Sabine: Du bist viel gereist, bist teilweise bis dicht an Kriegsgebiet geraten (oder sogar hinein?)… ist es möglich, dass Du Kunst als solche in diesem Zusammenhang als gescheitert, nicht ausreichend wirksam, vielleicht gar unpassend wahrnimmst?

Sabine: Es wäre spannend, in Jahren zu gucken, ob sich etwas in Deiner Einstellung zum „Kunst lassen“ gewandelt, verschoben, verstärkt hat… wenn Du erlaubst, frage ich Dich gerne wieder. Einstweilen wünsche ich Dir ganz herzlich viel Glück, Gelingen und bei allen Welt-Enttäuschungen um uns herum auch immer wieder Freude am Tun, was auch immer!

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… und immer wieder Zeit…


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„Und da wird es noch viel Zeit geben

für den gelben Rauch der längs der langen Straßen schleicht,

mit seinem Rücken an den Fenstern schrubbt…

es gibt noch Zeit.

Es gibt noch Zeit, bereit zu werden für die Menschen, die du triffst,

es gibt noch Zeit zu morden und zu schaffen

und Zeit für jedes Werk und Hände, die sich tags erheben und dir eine Frage auf den Teller legen.

Zeit für dich und Zeit für mich und Zeit für hundert Unentschlossenheiten,

für alles, was man sieht und wieder ändert,

bevor man übergeht zu Toast und Tee.“

aus: Wish I was here, USA 2014

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