Stell Dir vor, es ist Kunst und niemand geht hin

http://thinglabs.de/2017/05/socialmedia-im-kleinformat-am-beispiel-das-seminar/

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Hier lässt uns Stefan Beck teilhaben am Aufwand, den es macht, „einen wesentlichen Teil [seiner] Lebenszeit“ einer „Mitteilungsform“ zu widmen.

„Es scheint, als hätten die wenigen Benutzer vor allem einen persönlichen Gewinn von der Seite, den sie nicht notwendig mit ihren Freunden teilen müssten.“

Das zum einen sicherlich, aber zum anderen gilt doch auch: die Interessierten haben nicht viele Freunde, mit denen sie das SINNVOLL teilen könnten. Mir ist es in Deinem und meinem Sinne wichtig, aber ich weiß, dass es aus meiner „Follower“schaft kaum jemanden hinter’m Ofen hervorlocken wird – wie die allermeisten meiner Beiträge das nicht tun. Vielleicht bekommt es ein Like; ich rechne nicht mit einer sachlich interessierten Wortmeldung.

Bei uns beiden gäbe es sicher „reichlich Gedanken“ zu entdecken und auch zu besprechen; wie Du es ausdrückst: man gibt „sich selbst“; wie im sogenannten „real life“ ist und bleibt es ein Geschenk, wenn eine Person an einer anderen ein aufrichtiges Interesse hat.

Ich gebe es um meinetwillen nicht auf: „die Bereitstellung einer Struktur und den Willen, sich dauerhaft in ihr aufzuhalten.“

Dank‘ Dir für Dein Engagement!

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Bild: Cover des ‚thingbook‘, einer Info-Broschüre zu ‚The Thing Frankfurt‘, einem sozialen Netzwerk für Kunst und Kultur außerhalb von Galerien und Institutionen

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Im Dialog

https://www.youtube.com/watch?v=wjPJIwI-M2g

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Michael Hirz im Gespräch mit Richard David Precht

 

Der Philosoph macht deutlich, dass es keine absolute, sondern nur gefühlte Gerechtigkeit gibt, was den Begriff an sich schwierig macht. Zudem schwankt unsere Gesellschaft zwischen zwei Modellen: der liberalen Gerechtigkeit, in der jede/r die gleichen Chancen hat, und der sozialistischen Gerechtigkeit, in der jede/r am Ende das gleiche bekommt. Es drängt mich, zu ergänzen: Wir mögen schwanken, aber leben in unserer Gesellschaft keine der beiden Formen.

Wenn nun Parteien hingehen und mit diesem undefinierten Begriff Wahlkampf machen, noch dazu solche, die viele konkreten Ungerechtigkeiten erst losgetreten haben, ist es klar, dass das Vertrauen weiter erschüttert werden muss; „von der AfD gar nicht zu reden“. (Volker Pispers sagt dazu: „Sie bekommen in unserer Demokratie bei einer demokratischen Wahl keine Mehrheit für eine Politik, von der 80 % der Bevölkerung wirtschaftlich profitieren würden; kriegen Sie keine Mehrheit für. Sie kriegen jederzeit eine Mehrheit für eine Politik, von der die reichen 10 % profitieren, denn die Politik wird seit 40 Jahren gemacht und gewählt. CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne sind wirtschaftspolitisch eine Einheitspartei.“ Und Rudolf Dreßler dazu, warum davon enttäuschte Menschen die AfD wählen: „Weil sie nicht wissen, was die AfD programmatisch denn eigentlich anbietet. Bei der SPD sehen sie und empfinden nichts mehr, und bei der AfD glauben sie zur Zeit, dieses finden zu können, und es wird für sie auch eine schlimme Entwicklung sein, ein Erwachen sein, wenn sie merken, dass diese Partei in ihrer Programmatik, wenn man das mal liest, was die eigentlich will, genau das Gegenteil von dem anbietet, was genau diese Wählerklientel erwartet.“)

Precht kommt recht schnell weg von der Parteienpolitik hin zu dem, wohin die Gesellschaft – selbstverständlich nicht ohne Politik! – kommen müsste, um mit den neuen Herausforderungen (nicht mehr genug Arbeit für alle, Strukturumbruch durch Digitalisierung) zurechtzukommen.

„Was macht das eigentlich mit einer Gesellschaft, wenn [sie] bislang daran orientiert war, dass möglichst jeder in Arbeit und Brot kommt und dass der Wert von Menschen danach gemessen wird, was sie leisten und was sie verdienen?“

Dass er nicht sehr optimistisch ist, wenn dieser gesellschaftliche Wandel nicht gestaltet wird, die an sich gute freie Zeit nicht auch gut genutzt wird („gut“ im Sinne von sinnvoll für den, der sie nun übrig hat), daran lässt er keinen Zweifel. Und die Politik bietet mit keiner Partei etwas an, das die Menschen in diesen Umbruchzeiten stärkt und stützt; Precht drückt es so aus, dass „die Parteien keine Szenarien dafür entwerfen, und dass sie es schon aus dem Grund nicht zum Wahlkampfthema machen, weil sie Angst haben, den Leuten Angst zu machen. Also lieber lullen sie sie ein und versprechen – mit Raute oder schönen warmen rhetorischen Worten – ein Gefühl von Sicherheit, von Beständigkeit und dass alles weitergeht wie bisher, aber damit werden Kartenhäuser gebaut, während die Erde Risse bekommt.“

Er empfindet es so, dass wir durch die und mit den Parteien schwanken zwischen „Retropien“ und Dystopien; dass unsere Zukunftssorge uns zurückgezogen und rückwärtsgewandt sein lässt, anstatt uns an Zukunftsvisionen arbeiten zu lassen, die uns zumindest weniger Angst machen. Und wir in Wahlkämpfen mit „Kinkerlitzchen-Themen“ abgelenkt werden von diesem Wesentlichen.

„Wer etwas erreichen will, der sucht sich Ziele, und wer etwas verhindern will, der hat Gründe. Und wir leben in einem Land, in dem, verstärkt durch die Medien, eine Diktatur der Gründe über die Ziele vorliegt. Und weil die Politiker das wissen, gehen sie immer den risikolosesten Weg.“

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„Wie viel Angebote die Gesellschaft bereitstellt“, damit ein Mensch etwas mit seiner Zeit anzufangen weiß, und wie er von Kleinkindbeinen an gut angeleitet wird, seine Potenziale zu entfalten und den Wunsch entwickelt, Gesellschaft mitzugestalten, das ist seit längerem ja auch mein Überlegungsfeld.

Dass ich dabei alles das, was trennt statt zu verbinden, das ausschließt statt einlädt sehr kritisch sehe, ist für die, die mich begleiten, kein Geheimnis; im Gegenteil werbe ich sehr offensiv für co-kreatives, disziplinenübergreifendes Miteinander.

„Das ist eine elementare Herausforderung an ein Bildungssystem. Wir haben ein Bildungssystem, das funktioniert über extrinsische Belohnung, also: in der Schule lernen sie für Noten, und später im Leben arbeiten sie für Geld.“ Wenn aber so viel Arbeit schon weggefallen ist und weiter wegfallen wird, „… dann müssen auch die anderen genug Pläne und Ideen haben…“

Das, was Richard David Precht im Interview ausstellt, ist ein Armutszeugnis für diejenigen, die unsere Gesellschaft führen und leiten und die Bedingungen schaffen.

Solange sich Menschen nicht nur abgehängt fühlen, sondern es im Vergleich mit anderen definitv auch sind, herrscht Verbesserungsbedarf. Solange Regierungsvertreter diese Menschen weniger im Blick haben als sich selbst, herrscht Skandal. Solange die wesentlichen Punkte bewusst unter den Teppich gekehrt werden, ebenfalls.

Wir sollten uns alle bemühen und „diese Entwicklung nicht mit geschlossenen Augen machen, sondern sehenden Auges, und das heißt, dass wir all die wichtigen politischen und sozialen Umgestaltungen aktiv angehen, die wir angehen müssen, damit wir auch in Zukunft in einer lebenswerten Gesellschaft bei uns in Deutschland und in Europa leben.“

Precht schlägt als Beispiel schon mal – im Gegensatz zum Modell, Arbeit zu besteuern – eine Finanztransaktionssteuer vor, die, prozentual angelegt, schon an sich mehr (konkrete) Gerechtigkeit brächte.

Was kann die/der Einzelne beitragen?

Dazu zählt für mich die Besinnung auf unsere ureigenen Bedürfnisse. Diese Besinnung muss man selbst als wacher, kritischer Erwachsener ständig trainieren bei all dem, was uns als „Must-haves“ verkauft wird, worauf das Scheinwerferlicht für uns gerichtet wird. Sollten wir zu dem Schluss kommen, dass unsere Bedürfnisse nicht viel mit dem zu tun haben, worauf sich unsere Aufmerksamkeit richten soll, sollten wir widerstehen, oder nicht?

Ich bin dafür, dass wir Kindern (eigenen, denen, die uns anvertraut werden in offiziellen und inoffiziellen Patenschaften und denen, die wir nur kurz und vielleicht nur zufällig begleiten) vorleben, dass Talente wertvoller sind als Äußerlichkeiten, und dass wir vorleben, dass man anderen Menschen erst mal zuhören und das Gehörte im Sinne des Sprechenden verstehen muss, ehe man antworten kann. Jugendlichen und Erwachsenen kann man zum Beispiel prima vorleben, dass es auf Feiern, bei denen man neue Menschen kennenlernt, andere erste Fragen als die nach dem Beruf gibt…

Ich glaube, dass eine Gesellschaft, die sich nicht ablenken und abspeisen lässt, anders lebt und anders wählt. Ich wünsche mir den nächsten Schritt von den Mausfeld’schen Erkenntnissen, „warum die Lämmer schweigen“ hin zum konstruktiven Angehen der inneren und äußeren Schweinehunde. Und beim nächsten Zusammentreffen mit neuen Leuten… na, Ihr wisst schon… 😉

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Ohne Toleranz kein künstlerisches Leben

„Viele Jahre war die Kunsthalle der einzige Ort in Düsseldorf, an dem aktuelle Kunst gezeigt wurde. Zum 50jährigen Bestehen schaut man auf spannende Ausstellungen und leidenschaftliche Debatten zurück.“ (WDR)

 

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-duesseldorf/video–jahre-kunsthalle-duesseldorf-100.html

 

„Ich meine, dass wir den Werken der Architektur eben so viel Toleranz entgegenbringen sollten wie Werken der modernen Malerei oder anderen Schöpfungen der Bildenden Kunst. Ohne Toleranz, meine Damen und Herren, gibt es kein künstlerisches Leben. Es ist natürlich das gute Recht eines jeden Einzelnen von uns, den neuen Bau nicht schön zu finden und dem öffentlich Ausdruck zu geben.“ Willi Becker, OB Düsseldorf, zur Eröffnung der Kunsthalle 1967

 

https://de.wikipedia.org/wiki/Willi_Becker

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Veränderung ist möglich

  

http://www1.wdr.de/fernsehen/west-art/beuys-regisseur-andres-veiel-100.html 

http://www1.wdr.de/fernsehen/west-art/dokumentarfilm-beuys-102.html 

Schon am 17. Februar habe ich in meinem Beitrag „Ein spannendes Menschenbild“ Andres Veiel zitiert: „Beuys ist nicht von einem abstrakten Politiksystem ausgegangen, sondern er ist vom Menschen selber ausgegangen. Er hatte die These ‚Jeder Mensch ist ein Künstler‘, das heißt, jeder Mensch ist durch seine Fähigkeiten befähigt, Gesellschaft mitzugestalten. Diese Unterstellung ist ja erstmal ein sehr spannendes Menschenbild, weil es heißt: Wir müssen politische Verantwortung nicht delegieren, sondern wir können sie selbst erstmal wahrnehmen, indem wir uns mit Politik beschäftigen und dann auch eingreifen.“

In der vergangenen ‚Westart live‘ (s. Links) fand ich die Aussage des Dokumentarfilmers bemerkenswert, Beuys habe ihm „gezeigt […], was Kunst alles kann.“ Joseph Beuys: „Ich will das Bewusstsein der Menschen erweitern; ich will es vor allem ausweiten auf die reale politische Situation.“

Und im Einspieler zum „genial montiert“en Film, der am Donnerstag anläuft, heißt es: „Veränderung ist nur möglich, wenn jeder Mensch seine Kreativität einsetzt, um die Welt mitzugestalten.“​

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„So frei wie nie zuvor im Leben“

Ich kenne die Schweizer Schriftstellerin Milena Moser nicht wegen ihrer Bücher; das, was ich mal von ihr gelesen habe, war ein (im Rahmen des Themas bemerkenswerter) Text zum Ergrauen bei Frauen (netter Reim, fällt mir gerade auf… 🙂 ).

Da ich aber gerne Biographisches lese, fiel mir zuletzt ein Interview mit ihr in die Hände, worin sie Folgendes auf die Frage einer Freundin, warum sie ihrer Ansicht nach so viel von sich preisgebe, antwortete:

„Weil ich nichts anderes zu geben habe als mich selbst. Ich habe keine Angst, zu viel von mir preiszugeben. Warum auch? Ich bin doch kein kostbares Gut, das es eifersüchtig zu hüten gilt. Ich bin nichts Besonderes. […] Was mich von anderen unterscheidet ist nur, dass ich diese Dinge in Worte fasse.“

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Identität

Heute habe ich es schwer, über die letzte ‚Westart live‘ zu berichten, die für mich schwierig begann…

In der Assoziationsrunde zum Thema „Frankreich“ sollte – so gab es Siham El-Maimoudi vor – Politik ausgenommen werden. Das würde mich nicht weiter gestört haben, wenn der Theatermacher Thomas Ostermeier nicht etwas später (als Politik nicht mehr vermieden werden sollte und wohl auch nicht länger konnte) für seine Macron-Skepsis etwas unsanft abgewürgt worden wäre und auch sein leiser Widerspruch nicht fruchtete. Selbstverständlich sind alle, denen die braune Soße zuwider ist, froh, dass nicht Marine Le Pen Frankreichs Präsidentin wird, aber ob ein „Aufatmen“ angebracht ist, das versuchte als einziger Thomas Ostermeier kritisch zu hinterfragen. Er machte (sehr wichtig!) sehr deutlich, dass Kritiker der EU nicht zwangsläufig europafeindlich eingestellt sind; oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Wenn aber nur die Stärksten von einem System profitieren, ist Kritik in meinen Augen nicht nur verständlich, sondern notwendig. (Ich hinterlasse unten einmal Oskar Lafontaines Worte zur und vor der Frankreich-Wahl; Quelle www.nachdenkseiten.de)

„Das Theater ist eine Kunst des Konflikts.“

Hannelore Hogers bester Satz war für mich: „Nett? Nein. Man muss nur aufrichtig sein.“

Auch gefiel mir das Credo des Tanz-Performance-Kollektivs Richter/Meyer/Marx: „gemeinsam etwas gestalten“, das u. a. mit DJs zusammenarbeitet.

Der Kino-Tipp war diesmal ‚You’ll never walk alone: auf den Spuren der Fußball-Hymne‘. „André Schäfer hat eine Doku über die Entstehung […] gedreht. Sein Freund Joachim Król, Schauspieler und bekennender Fußballfan, hat die Rolle des Erzählers übernommen und zeichnet den Weg des Liedes nach: von einer Budapester Theaterbühne Anfang des 20. Jahrhunderts über den Broadway ins Stadion des FC Liverpool an der Anfield Road, von dort zum BVB nach Dortmund und auf die Fußballtribünen in aller Welt.“

Klasse fand ich den Beitrag über das ‚Zentrum für Internationale Lichtkunst‘ in Unna, wo noch bis zum 3. September faszinierende Lichtkunst zu sehen sein wird. Ich werde auf jeden Fall einen Besuch planen!

Und beim Einzel-Interview mit der Sängerin Y’akoto kam ich mit dem Mitschreiben gar nicht mehr mit, so vieles war in meinen Augen zitierwürdig! Wenn ich heute etwas dringend empfehlen kann, dann ist es dieses Interview und sind es ihre Gesangseinlagen!

„Das müsste reichen für mich als Künstler“ – Y’akoto über das Dankbarkeitsgefühl, dass trotz Überangebot sich Menschen entscheiden, eben ihrer Band zuzuhören, und über ihre Haltung, von ihrem Publikum keine bestimmte Reaktion zu erwarten.

„Darin liegt die Herausforderung, einen gemeinsamen Nenner zu finden…“

„Ich möchte ein Lebensgefühl einfangen, und das ist unabhängig von Nationalität.“

„… Menschen um sich zu scharen, die einen bereichern.“

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http://www1.wdr.de/fernsehen/west-art/sendungen/uebersichtwestartlive160.html

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http://www1.wdr.de/fernsehen/west-art/yakoto-106.html

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http://yakoto.de

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„Wäre es nicht so ernst, dann wäre es fast komisch mit anzusehen, wie deutsche Politiker den Franzosen Tipps für die Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag geben. Die Franzosen sind regelrecht „begierig“ darauf, zu erfahren, was deutsche Politiker, von denen die meisten in Frankreich völlig unbekannt sind, zu Macron oder Le Pen meinen.

Sie können es nicht lassen und haben nichts begriffen. In vielen Ländern Europas wird die deutsche Bevormundung schon länger als unerträglich empfunden, und die wirtschaftlich Informierten wissen, dass das deutsche Lohndumping Menschen in Europa arbeitslos gemacht hat und dass die deutschen Sozialabbau-Diktate via Brüssel vor allem in Südeuropa viele in Armut und Elend gestürzt haben.

Auch unsere „Qualitätsmedien“ raten – von einer Minderheit abgesehen – zur Wahl des Investmentbankers Macron. Dass viele französische Intellektuelle davor warnen, weil die Wahl Macrons zu einer weiteren Stärkung des Front National führt, interessiert nicht. Dass demnächst in Frankreich Parlamentswahlen sind und Jean-Luc Mélenchon mit seiner Bewegung „La France insoumise“ versuchen muss, unter den schwierigen Bedingungen des französischen Mehrheitswahlrechts möglichst viele Sitze in der Assemblée nationale zu erobern, um dem Neoliberalismus eines Präsidenten Macron Widerstand entgegenzusetzen, interessiert auch nicht.

Mélenchon, der seine Anhänger beschworen hat, in keinem Fall Le Pen zu wählen, mit deutscher Herrenreiter-Mentalität nötigen zu wollen, auch zur Wahl Macrons aufzurufen, kommt der Aufforderung gleich, sich ins eigene Knie zu schießen. Ein solcher Rat hieße, Mélenchon solle seine Anhänger jetzt verärgern, indem er ihnen empfiehlt, den Mann zu wählen, gegen dessen Politik er schon heute mit Blick auf die Parlamentswahlen im Juni mobilisieren muss.

Régis Debray, Weggefährte Che Guevaras und Berater Mitterands sagte in der Zeitung „Le Monde“: „Zwischen einem Finanzkapital, dem alles erlaubt ist, und einem Sozialismus, der sein kleines Einmaleins vergessen hat, hat sich eine große Bresche geöffnet, und der Luftzug, der von da kommt, treibt seit 20 Jahren die Mühlen Le Pens an. Wer dies fühlt, hat wohl das Recht… sich zu fragen, ob man dem Teufelskreis entkommt, wenn man in den Sumpf zurückkehrt, um dem Regen auszuweichen.“ Die französische Linke muss sich jetzt versammeln, um den Luftzug, der seit 20 Jahren die Mühlen Le Pens antreibt nach der sich abzeichnenden Wahl Macrons nicht zu stark werden zu lassen.“ (Quelle: Oskar Lafontaine via Facebook)

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Kunst lassen oder: Die ureigene essenzielle Idee

Vielleicht deckt sich ja das, warum jemand mal mit Kunst (oder der Beschäftigung mit ihr) angefangen, weitergemacht, aufgehört hat, in der Auseinandersetzung mit dem Weg irgendeines anderen Menschen, der mit Kunst gar nichts zu tun hat, rein vom Be-Weg-Grund her… ist das auch für Euch vorstellbar?

Warum beginnt jemand, warum hast DU begonnen – wenn es so ist – Dich mit Kunst zu beschäftigen? Wenn Du ganz zurück gehst in Gedanken… was war Dein Hauptbeweggrund dafür? Ich glaube nicht daran, dass jeder, der beginnt, Kunst zu „machen“, Kunstgeschichte schreiben möchte (wie es ein Freund mal formuliert hat, der es, wenn ich es richtig erinnere, von seinem Professor hatte); dass es beispielsweise um Berühmtheit geht. Aber ich glaube fest, dass jede Person, die damit mal begonnen hat, einen Mitgestaltungsimpuls hat, sich in die Welt einbringen möchte, und das dann bestmöglich. Manchmal aus rein ästhetischen Gründen, um die Welt ein bisschen schöner zu machen, oft aus inhaltlichen Gründen, um die Welt zu bewegen. Ich benutze hier bewusst keine Wertung, obwohl ich finde, dass inhaltliche Auseinandersetzung die Welt oft auch ein Stückchen „besser“ machen kann; „besser“ im Sinne von (und es beginnt immer mit) Bewusstmachung, und Bewusstmachung beginnt ganz oft mit Zeigen, mit Hinweisen auf etwas, das der andere noch nicht (so) gesehen hat.

Warum habe ich im ersten Absatz keinen Unterschied gemacht zwischen anfangen, weitermachen und aufhören? Weil es für die in meinen Augen wünschenswerte und unerlässliche Auseinandersetzung in und mit der Welt egal ist, zumindest im Fall von Kunst. Wenn jemand mal Kunst „gemacht“ hat und das irgendwann nicht mehr tut, dann ist doch da immer noch derselbe Mensch mit seinen Gefühlen, Gedanken und Motivationen in der Welt, die vielleicht kaum anders sind zu den früheren Gefühlen, Gedanken und Motivationen… und Auseinandersetzung und „Geben“ werden einfach anders weiter stattfinden.

Vielleicht hören sich meine Worte nicht schlüssig an für viele, die mich kennen, weil ich andererseits sage, dass ich es wohl niemals lassen wollen werde, mich auch im Malen (oder sonst wie kreativ) auszudrücken. Ich müsste es also abwegig finden, Kunst zu „lassen“, wenn ich irgendwann mal damit angefangen habe.

Was bedeutet „abwegig“? Im landläufigen Sinne irrig, abseitig, ungereimt, fremd, verfehlt, weithergeholt, unmöglich, unbegründet, unlogisch, unsinnig, unhaltbar, unberechtigt, unrealistisch, unzutreffend, falsch, vernunftwidrig, verstiegen, ausgefallen, entlegen, befremdlich, absonderlich, ohne Sinn und Verstand, unausführbar, absurd (mit freundlicher Unterstützung durch ‚wissen.de‘).

Für mich bedeutet es auch neutraler „ab“ zu gehen von einem vertrauten „Weg“. Ich finde Kunst zu „lassen“ weder irrig noch verfehlt, auch nicht unlogisch oder falsch.

Kunst zu „lassen“ ist eine Entwicklung, die man würdigen sollte wie jede andere Entwicklung auch. Man kann sie auch werten, aber sicher nicht einteilen in „richtig“ oder „falsch“. Nachspüren, was der Beweggrund sein könnte für „aufhören“ ist genau so fruchtbar wie das Erspüren des Grundes für „anfangen“.

Ich kann Kunst nicht getrennt sehen von all den anderen Dingen, die in der Welt sind. Ich kann alles, was mit dem Menschen zu tun hat, nur noch ganzheitlich denken. Wann immer Menschen etwas tun oder lassen, sind im besten Fall – wenn Dinge freiwillig geschehen – Überlegungen vorausgegangen, begleitet von Gefühlen und Erlebnissen. Und das hat immer seine Berechtigung. Verantwortung kann man auf verschiedene Arten tragen.

Kunst kann nur nachrangig, höchstens beirangig funktionieren; sie kann nur als bereichernd empfunden werden, wenn sie eingebettet ist in ein ganzheitliches Menschenbild, und der Mensch/die weltlichen Lebewesen, sind das, worum es geht. Und zwar nicht hochherrschaftlich gedacht, sondern kameradschaftlich, für ein gutes, für alle (zumindest in den Grundvoraussetzungen) zufriedenstellendes Miteinander.

Was ist die Essenz dessen, das Dich zu den Dingen bringt, Deine ureigene essenzielle Idee? Und ist es nicht dieselbe Essenz, die Dich manchmal auch wieder weg führt, woanders hin?

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