„Rudolf, mach einfach!“ 

Wenn ich mich, bevor ich einen Blog-Beitrag beginne, mit der Person und/oder Materie auseinandersetze, finde ich unter Umständen einen anderen Text, den ich nur um- und nicht besser schreiben könnte.

Als ich die Dokumentation von Serpil Turhan über Rudolf Thome (mit Betonung auf dem „e“) sah, kannte ich Harald Mühlbeyers Worte zu diesem Film noch nicht und notierte mir wie immer Gedankenfetzen, kurze Zitate, was man auf die Schnelle eben so mitschreiben kann.

Die wunderbare Beschreibung Harald Mühlbeyers ist mit dem mittleren der untenstehenden Links zu erreichen.

Mein auf die Schnelle Mitgeschriebenes lasse ich jetzt so stehen. Es regt vielleicht auch Euch zum Weiterdenken an, unabhängig davon, ob Ihr Euch die Dokumentation anseht:

Es geht um Vergänglichkeit und Hinterlassenschaft.
Er nimmt wahr, dass er langsam in Vergessenheit gerät.

… ob man sich nicht ausreichend für den Blog interessiert, die Filmkostüme Hannelore Elsners oder alte Filmkopien, „Berge von Filmkopien“…

Film-Idee scheitert an der Finanzierung. Fühlt es sich schlimmer an, wenn vorletzte oder vielleicht vermeintlich letzte Lebensideen scheitern?

Autobiographie (Plan) als „Lebensrettungsmaßnahme“

Bogen zu anderen schlagen, von denen ich weiß, dass sie sich damit auseinandersetzen:
Was wird daraus, woran ein ganzes Leben hing, womit sich ein ganzes Menschenleben befasst hat?

*

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=69426

http://www.kino-zeit.de/blog/berlinale-2016/rudolf-thome-ueberall-blumen-von-serpil-turhan

http://www.moana.de/Blog/Blog.html

*

Advertisements
Standard

„Jeder hat seine eigene Art, sich auszudrücken“ 

https://www.arte.tv/de/videos/059587-000-A/der-dirigent-christoph-eschenbach/

*

Standard

Dreißig! 

Als ich vor 30 Jahren mein Gesicht begründete („Zur Begründung meines Gesichts“, in: „Anthologie ohne Titel“, Berliner Festspiele GmbH, anrich verlag GmbH, Kevelaer 1988) mit einem Text voll ernster Ironie, dachte ich höchstens ein, zwei Jahre weiter, wie das eben so ist mit 20. Mein Thema: die nach meiner damaligen Erfahrung mehrheitlich verlogen gestellte Frage nach dem Befinden. Mein fragendes Anliegen schon damals: wie sinnvoll ist die maskenhafte Begegnung zwischen Menschen, aber inwiefern ist da eine Änderung im Miteinander möglich und: ist die immer sinnvoll?

Mir war zwar bewusst, dass ich mit dem in-die-Welt-Schicken des Textes an einem Wettbewerb teilnahm, aber da ich – bis auf den riesigen Fresskorb bei der Schul-Tombola – noch nie was gewonnen hatte, rechnete ich mir nicht nur nichts aus, sondern vergaß es beinahe ganz. Bis Wochen später folgender Brief ins Haus flatterte:

Erstmal hob ich ihn nur auf, um in Berlin Missverständnissen vorzubeugen; ich hätte jeden verstanden, der mich für eine Hochstaplerin gehalten hätte. Aber das angekündigte nächste Schreiben kam, und so brachen 21 (zwei Teilnehmer kamen von dort) junge Leute aus verschiedenen Bundesländern am 20. November 1987 für vier pickepackevolle Tage nach Berlin auf.

Für mich war es in mehrfacher Hinsicht abenteuerlich: die Bahnreise durch „Feindesland“ – dass es solches war, demonstrierten die Grenzkontrollen eindrücklich -, das Zusammentreffen mit so vielen unbekannten Menschen in der großen mir unbekannten Stadt, das neue nach-außen-dazu-Stehen, was einen bewegt, der intensive Austausch.

Am Nachmittag des 21. war Probe und ich dann an diesem ersten Lesungsabend der Eisbrecher. Das war gut so, denn die Aufregung hätte mir das unbeschwerte Erleben dieser Tage dann doch vereitelt. Hatte ich vor dem Aufrufen des Namens noch gewaltiges Herzklopfen, war das am Mikro auf einmal weg, und ich genoss es beinahe:

Schön, die Menschen mit ihren unterschiedlichen Geschichten kennenzulernen: Ralf mit der Auseinandersetzung zwischen Brüdern, die mir nah ging. Christian, einer der Berliner, mit der nicht minder zu Herzen gehenden Bürgerkriegserfahrung aus der Sicht eines Familienvaters. Stefan ließ eine Fliegerstaffel verschwinden und Lars einen Manfred „den kleinen Tisch beiseite“stellen, der einzige Satz seines Gedichts „Sonntagmorgen“. Felicia Zeller ist mit Theaterstücken später richtig bekannt geworden, auch Ralf schreibt für seine Theatergruppe, und Stefan hat sich in seiner Ruhrgebietsheimat mit Gruselgeschichten einen Namen gemacht. Ralf, Christian, Stefan und ich freundeten uns an.

Ich blieb zwar dem belletristischen Schreiben nicht treu, aber verfasste durch die Jahre weiter nicht-wissenschaftliche Sachtexte rund um Kunst, Kreativität, Gesellschaft – um den Menschen. Ich begann zu bloggen und habe mich in diversen Diskussionszirkeln bewegt, mich in Gesprächen engagiert, daneben immer auch gezeichnet und gemalt.

Die „Anthologie ohne Titel“ könnte der Titel sein für mein kreatives Leben ohne eindeutiges Ziel, eindeutiges Werk. Auch damals hatte ich kein eindeutiges Ziel, auch nicht, was das Schreiben anging. Dieses Ziellose, Unehrgeizige in mir kann eine Karriere, wie sie landläufig verstanden wird, verhindert haben. Ob das Talent gereicht hätte, werde ich nicht erfahren. Aber ich wollte es nie austesten; ich wollte nur immer authentisch leben.

Wir waren damals im zweiten Jahr dabei; den Wettbewerb gibt es immer noch; heute ist der diesjährige Abschlusstag; heute vor 30 Jahren habe ich mich auf den Weg gemacht. Für mich ist es schön zu sehen, dass sich immer wieder junge Leute auf den Weg machen, sich und ihren Platz in der Welt zu suchen, Auseinandersetzung zu suchen.

P.  S.: Meine Einstellung zur „mehrheitlich verlogen gestellten Frage nach dem Befinden“ hat sich durch die Jahre übrigens weiter relativiert 😉 .

*

https://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/bundeswettbewerbe/treffen_junger_autoren/ueber_festival_tja/aktuell_tja/start_tja.php

Standard

Energie und Mittel

„Facebook macht sich mal wieder verzichtbarer denn je – Beiträge von Seiten, die ihr geliked habt, werden Euch in den wenigsten Fällen angezeigt. So geht es auch mir mit meiner eigenen Facebookseite. Die Alternative wäre, dass ich Geld in die Hand nehme, die Facebookkrake also noch mehr füttere, dafür aber meine Beiträge bewerben kann, damit ihr auf diese aufmerksam werdet. Naja, ich gebe mein Geld lieber für Platten und neue Gitarrensaiten aus und die Zeit, die das bewerben dauert, nutze ich lieber, um mich nach Alternativen umzuschauen. Langer Rede kurzer Sinn, dies ist Werbung in eigener Sache mit dem Hinweis, Eure lokalen Künstler zu unterstützen. Unter http://www.facebook.com/unerhoert.blues gibt es nun den ersten von vier Trailern zu sehen (und hören), der zum Altstadtfest 2017 fertig gestellt wurde und sich mit dem Arbeiten hier in der Lausitz beschäftigt. Über einen Besuch würde ich mich freuen! In dem Sinne: Euch einen schönen Wochenteiler und stay tuned! Rock`n`Blues.“ [Der Musiker Max Schmidt, als ‚Unerhoert‘ bei facebook]

*

Max bringt es auf den Punkt. Inwieweit möchte man Energie und Mittel aufbringen, sich selbst zu bewerben?

Ich habe, ähnlich wie Max, für mich die Entscheidung getroffen, möglichst wenig von beidem in Bewerbung und lieber alles ins Denken, Fühlen, Schreiben und Malen zu stecken – die Utensilien sind meine „Gitarrensaiten“, und „die Zeit, die das Bewerben dauert“, für mich gar nicht aufzuwiegen!

Früher, als ich mich noch ab und zu bemüht habe, einen redaktionellen Beitrag in einer lokal vertriebenen Zeitung unterzubringen und mir das ein-, zweimal auch gelang, habe ich festgestellt, dass es mir nicht viel bringt. Denn ich möchte ja nicht in erster Linie bekannter werden, sondern möchte die, die auf mich stoßen, zu Auseinandersetzung anregen, mich mit diesen austauschen, vielleicht neue Denkansätze geben und bekommen. Die flüchtige Aufmerksamkeit, die einem zuteilwird, nur, weil die Nase in der Zeitung war, bezieht sich oft genug auf diesen Umstand und mitnichten auf eine Arbeit, auf eine Leistung, auf eine Haltung. Nach wenigen Tagen, vielleicht schon nach Stunden ist man aus den Gedächtnissen bereits wieder gelöscht, es sei denn, man penetriert die Menschen mit seiner Person oder lässt das tun (das tun-Lassen ist selbst No-Names möglich, meist aber nur mit ganz viel „Vitamin B“).

*

In der letzten Zeit hörte man von den „Paradise Papers“, den neuesten Enthüllungen zu zwar illegitimen, aber legalen Steuersparmethoden und den Anwendern dieser Methoden.

Ich gebe zu, dass das jetzt ein ziemlicher Ruck im Text ist und sich manche/r fragt, was das zuvor Besprochene mit diesen „Papieren“ zu tun hat.

Mein Kopf machte die Verknüpfung, als ich letzte Woche – wieder einmal ü-ber-haupt nicht müde trotz SEHR weit fortgeschrittenen Tages – bei „Markus Lanz“ landete und dieser, der für die Recherche verantwortliche Redakteur der „Süddeutschen“ Bastian Obermayer, der Kabarettist Bodo Bach und große Teile des Publikums zugaben, einen Vorteil höchstwahrscheinlich mitzunehmen, wenn er sich böte. Das fand ich sehr sympathisch, weil wohl allgemein menschlich. Man verlässt also sehenden Auges und fühlenden Herzens schon mal „anständigen Boden“, wenn etwas in irgendeiner Form Bereicherndes winkt. Womöglich trennt man noch in das, was dabei anderen schadet und das, was „niemandem weh“ tut, wobei Letzteres dann noch leichter fällt. Wenn man es denn tatsächlich zuordnen kann, denn manchmal ist der Schaden nicht offensichtlich.

Zu der Zeit, als ich noch aufrichtig froh war, wenn die Bewerbung meiner Person (erst mal nur stattzufinden) gelang, ertappte ich mich, gedanklich schon weitere Möglichkeiten aufzutun, wie und wo es wohl wieder gelingen könnte. Zu diesen Zeiten habe ich definitiv die Sache, die da beworben werden sollte, vernachlässigt, immer. Und immer hatte ich ein schlechtes Gewissen dieser „Sache“ gegenüber, ob es sich um Mal-, Schreib- oder auch „nur“ Denkarbeiten gehandelt hatte, und gerade bei diesen fällt das Vernachlässigen oft allzu leicht…

„Berufsmäßige Künstler“ haben das Problem des „schlechten Gewissens“ dabei nicht; sie müssen sich bewerben oder bewerben lassen; alles andere wäre verantwortungslos. Ich als „Freie“ empfand die Arbeit an der Bewerbung oft als Verrat an der Sache, zumal ich dabei ja tatsächlich Vernachlässigung empfand!

*

Inwieweit erträgt man das Gefühl, eine Sache oder sich selbst, seine Haltung zu verraten, wenn man einen Gewinn oder einen Zusatznutzen wittert? Sind die Dinge vergleichbar? Hat beides mit Gewissen zu tun? Hat es mit Zeitaufwand, mit Lebenszeit zu tun…?

Ich wäre gespannt auf Eure Gedanken, ob Künstler oder Banker…

*

https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-8-november-2017-100.html

*

Der Mönchengladbacher (jetzt Görlitzer) Musiker Maximilian Schmidt und das ‚Unerhoert‘-Logo aus meiner Hand, Acryl und (schwarzer) Buntstift auf Papier, digitalisiert, hier als Plakat

max_unerhoert

Standard

Kunst für Klima

Ein weiteres Beispiel für das breite Wirkungsfeld der Kunst, die sich nicht in um sich selbst kreisendem Blenden erschöpft: die Yes Men auf der Weltklimakonferenz in Bonn:

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-david-gegen-goliath-das-aktivisten-duo-yes-men-beim-klimagipfel-100.html

*

http://theyesmen.org/

*

cof

 

Standard

Den Ursprung aller Besserung wecken: die Hoffnung

Das sagte Max Moor in der Anmoderation zum ttt-Beitrag vom 29.10.2017 über den Regisseur Milo Rau.

Prädikat: sehens- und auseinandersetzenswert.

Wenn Kunst auf Leben trifft:

http://www.ardmediathek.de/tv/ttt-titel-thesen-temperamente/Das-Kongo-Tribunal/Das-Erste/Video?bcastId=431902&documentId=47256386

*

Standard