Die NachDenkSeiten über „fühlen“ und „mitnehmen“

Was hat dieser politische Beitrag, den man hier hören kann, mit Kunst zu tun?

Nun, zum einen geht es um Sprache, und Sprache war immer schon auch ein Mittel des künstlerischen Ausdrucks. Die Analyse von Marcus Klöckner macht anhand von Beispielen deutlich, dass Sprache – neben dem Wunsch nach Verständigung und dem Mittel zu ästhetischem Ausdruck – auch als Manipulationsmittel verwendet werden kann, schon immer wurde und wird.

Hier ist sozusagen das offene und wache Ohr gefragt:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=40414

*

Advertisements
Standard

Zombie

http://www.sueddeutsche.de/kultur/tod-von-cranberries-saengerin-dolores-oriordan-es-bleibt-ein-lied-zum-weinen-schoen-1.3827182

*

https://de.wikipedia.org/wiki/Zombie_(Lied)

*

https://www.youtube.com/watch?v=o61N93V0IdM

*

https://www.youtube.com/watch?v=zvdDjA_CTrw

*

http://networking-media.de/musik/the-cranberries-something-else/

*

Vielleicht noch mit „Linger“ und „Dreams“ – und Fans der Band „The Cranberries“ werden auch andere Stücke selbstverständlich kennen –, aber Dolores O’Riordan verbindet man besonders mit diesem einen Lied, „Zombie“. Es war der einzige Nr. 1-Hit der Band.

1994, als es erschien, musste es sich einreihen in die Song-Schlangen von Girl- und Boygroups, sich unvergleichlicherweise vergleichen lassen mit Musik von DJ Bobo, Whigfield oder Lucilectric, Nummern ohne tiefere Bedeutung. Hip-Hop gab’s auch noch in den 90ern und Grunge, der mehr und länger hätte Bedeutung haben können, wenn er sich nicht so auf Äußerlichkeiten hätte reduzieren, sich nicht hätte ver-hypen lassen.

„Zombie“ war anders. Es „griff ein konkretes Ereignis der jüngeren Geschichte auf: einen Bombenanschlag der IRA in der englischen Stadt Warrington im März 1993. Zwei Kinder starben, drei und zwölf Jahre alt“, und war damit hochpolitisch.

O’Riordan musste die Motivation zu Text und Musik höchstwahrscheinlich nicht lange suchen; als Irin fühlte sie augenscheinlich eine persönliche Betroffenheit, was das sinnlose Töten in ihrem Land anging. Trotzdem gehört doch eine gewisse künstlerische Haltung dazu, etwas so gegen jeden Trend zu machen. Kann sein, dass das Lied eingängig genug war, den Inhalt vergessen zu lassen; dass es „egal“ zu sein scheint, was die tolle Stimme da singt. Ich denke, dass genau dieser Inhalt Dolores O’Riordan es genau so hat singen lassen, mit Zorn und Trauer und Hilflosigkeit.

Ein beeindruckendes Lied, eine beeindruckende Künstlerpersönlichkeit, die zeigt, dass man zu jedem Zeitpunkt, ob in gerade angesagtem Stil oder eben anders, seine Stimme einbringen kann. Und eine politische Haltung, transformiert in Kunst, dieser nicht schadet – ganz im Gegenteil.

*

cof

 

Standard

Betreff: Kontakt von Frau Schneider

Gestern fragte eine Galerie an, ob ich nicht Interesse hätte, meine „großARTigen“ Bilder bei ihnen auszustellen; sie würden wunderbar in ihre April-Ausstellung passen. Oder in die von Mai. Oder in irgendeine andere zukünftige, alle schon terminiert und betitelt. Oder ich solle mir doch einfach auf ihrer Website eine aussuchen.

Früher hätte ich geantwortet. Nicht zustimmend, wie manche Leser jetzt vielleicht meinen könnten, nicht in freudiger naiver Erwartung kommender Unterstützung und Wertschätzung, sondern ich hätte gerne ausführlichst erzählt, warum ich mich auch gut selbst verarschen kann. Dazu brauche ich Frau Schneider nicht (die übrigens das Schreiben auch nicht durch ihre Unterschrift geadelt, sondern das man als ansonsten namenloses „Team“ unterschrieben hat).

Heute finde ich meine Antwort im Blog besser aufgehoben.

Was mich am meisten empört, ist die womögliche Geldschneiderei (wie passend!), die mit Menschen versucht wird, die eh keins haben, und wenn, dann sicher nicht durch ihre Kunst. Stellt man als No-Name im Internet aus, ist das einer der allerersten Schritte, sich von künstlerischer Seriosität zu verabschieden. Es wird Kreative geben, die das überrascht; den allermeisten wird diese Erkenntnis aber nicht neu sein. Und über eben diesen Weg habe besagte Galerie mich „zufällig“ gefunden. Man stelle sich das mal vor: zufällig! Und dann passen meine Bilder auch noch zufällig genau in die Ausstellung von April! Oder Mai. Oder in eine der übrigen zukünftig geplanten.

Ob sie tatsächlich Geld nehmen, weiß ich nicht; das geht aus der Website nicht hervor. Man muss aber davon ausgehen, und zwar nicht auf die Art, wie man es kennt: erst muss verkauft werden, ehe Geld geteilt werden kann. Und am Anfang steht eben das Vertrauen einer Galerie in den potenziell Ausstellenden, dass überhaupt Geld aus Kunden-Portemonnaies ins Haus fließt, weil der Kunde/Sammler sich etwas vom Kauf des Werkes verspricht. Und würde keine Arbeit dieser ganzen No-Names je verkauft: wie finanziert die Galerie wohl ihre Räumlichkeiten, den Strom, eventuelle Events, die dazugehören, will sie ihre KünstlerInnen wirklich „betreuen“ (Präsentation, Organisation – inkl. steuerlicher und rechtlicher Fragen – und Vermarktung)? Die Antwort kann nur sein: die armen Naivlinge, die auf bekannter-Werden hoffen, müssen monetär bluten.

Wenn man der Galerie mal zugutehalten will, dass es sich um eine sogenannte Primärmarkt-Galerie handelt, die durchaus neue, unbekannte KünstlerInnen ausstellt und verkauft, bleibt immer noch das Problem, dass sie mit mir jemanden angesprochen haben, der a) 50 Jahre alt ist, b) keine akademische Ausbildung hat, c) von dem sie nicht wissen, wie verlässlich er in welchem Turnus und in welcher Quantität „liefert“ – ja d): sie die Person eben überhaupt nicht kennen! Ich ziehe also das Fazit: weder die Galerie vertraut mir noch ich ihr, Geld ist weder für mich noch für sie zu erwarten, aber wenn, dann eher für sie, nämlich erst mal von mir. Und ich wäre gespannt, zu erfahren, wie diese Galerie potenziellen Käufern gegenüber meine „Marktentwicklung“ einschätzte – was absurd lustig ist, da es diese Entwicklung selbstverständlich nicht gibt, so dass auch potenzielle Käufer dieser Galerie zumindest nicht vertrauen dürften.

40 % der Galerien im deutschsprachigen Raum machen Verluste. Mich würde überraschen, gehörte diese hier nicht dazu. Ernsthaft interessieren würde mich, durch welche Finanzierungsart sie besteht; es steht nicht zu erwarten, bei Nachfragen eine ehrliche Antwort zu erhalten.

Was mich zusätzlich empört, aber worüber ich durch die ganzen Über’n-Tisch-Zieh-Versuche, denen man ausgesetzt ist – ob persönlich, per Telefon oder Mail/Brief – mittlerweile gelassener hinwegsehe, ist die dreiste Unpersönlichkeit der Ansprache.

Man kann nur hoffen, dass den allermeisten Angeschriebenen das auffällt und die dubiose „Galerie“ ihnen gestohlen bleiben kann.

*

Unabhängig von all dem stelle ich durch die Jahre fest: es ist nicht planbar, ob, wie oder wann einen anderen Menschen meine ur-persönliche kreative Arbeit anspricht. Egal, ob sie sich in real existierenden oder in virtuellen Räumen zur Ausstellung befindet. Ob ich seriös, unseriös oder überhaupt nicht beworben werde beziehungsweise mich selbst bewerbe. Ob mich noch so viele loben oder mich monatelang weder Lob, noch Kritik, noch lediglich eine Frage zu meiner Arbeit erreicht.

Mein Bedürfnis, auszustellen, schwand mit dieser Erkenntnis zusehends. Die Menschen, die mich immer mal wieder fragten, „wann ich nochmal ausstelle“ waren sehr oft nicht die, die mir zur Zeit dieser Ausstellungen besonders viel Interesse entgegenbrachten, so dass ich die Frage nicht oder lediglich als Smalltalk verstehen konnte.

Ich habe immer öfter festgestellt, dass es die tatsächlich zufälligen Begegnungen waren, die eine gewisse Auseinandersetzung und manchmal sogar einen kleinen Austausch brachten. Ich bin sicher, dass, wenn etwas in der Erinnerung haften bleibt, es Bilder und Gespräche sind, die durch ein freiwilliges sich-Einlassen aus persönlicher subjektiver Motivation heraus betrachtet und geführt werden.

Ich denke nicht, dass ich noch einmal im klassischen Sinn ausstellen würde.

*

fs_bild

Standard

„… aufpassen, dass es nicht zu schön wird.“ 

http://www.vera-lossau.com/projects.html

*

„Der Dokumentarfilm begleitet die Künstlerin Vera Lossau ein Jahr lang in ihrem Schaffensprozess.
Im Mittelpunkt des Porträts stehen ihre unmittelbaren bildhaften Wahrnehmungen und deren künstlerische Formgebung. Zu entdecken ist dabei die Haltung eines Menschen im Ringen um die Gestalt eines Kunstwerks.
Der Schaffensprozess steht bei Vera Lossau unter einem exemplarischen Außendruck: Fremderwartungen und die ‚Gesetze des Kunstmarktes‘ drohen Einfluss auf den künstlerischen Prozess zu nehmen. Vera Lossau nimmt diese Konflikte sehr bewusst wahr und findet Wege, sie in ihre Arbeit zu integrieren.“

*

… obwohl sie klar sagt, dass das Arbeiten ohne Druck, „dass es was erfüllen müsste“, mehr Freude macht. 

Was mich beim Betrachten der Doku über Vera Lossau fasziniert hat, war ihre Einstellung zum „Scheitern“:

„Also manchmal geht’s, und manchmal geht’s gar nicht, weil man irgendwas vergessen hat, vorher, und genau dann ist es so, dass man nicht aufhören will, bis es irgendwas geworden ist. Und dann denk‘ ich: ja, das ist eigentlich genau dein Thema: irgendwas, was so kurz vor’m Scheitern ist, nochmal umzudrehen.“

Diese Offenheit der eigenen Arbeit gegenüber, die Erfahrung des Vertrauens, dass „immer noch etwas draus werden kann“, das „manchmal sogar besser als vorher“ ist, finde ich zum einen sehr kreativ, zum anderen hilfreich: ich weiß nicht, wie viele Menschen in einem Schaffensprozess nicht abwarten, ob „es noch etwas wird“, weil sie im sich-Bewerten feststecken… oder weil es vielleicht immer noch ein Tabu ist, wenn etwas Künstlerisches (auch) zufällig entsteht und nicht von vorne bis hinten durchgeplant ist – und nach eben dieser Planung dann natürlich auch eins zu eins in der Umsetzung gelingt!

Vera Lossau macht deutlich, dass es ihr um den Prozess geht, der in der fertigen Arbeit durchaus noch sichtbar sein soll. 

Ich mag es sehr, eineN KünstlerIn über den Arbeitsprozess erzählen zu hören, und ich liebe Atelier-Besuche, live und im Film. Ich kann nachvollziehen, dass Vera Lossau das für „so privat“ hält, obwohl sie es zeigt. Ich bin nicht sicher, ob ich, selbst, wenn ich darüber berichten, meine Gefühle und Gedanken halbwegs mitteilen kann, vor einer Kamera so arbeiten könnte, als sei sie nicht da… und ein Kamera-Team, das einen ein Jahr lang begleitet – ein furchtbarer Gedanke 😀 !

Lossau spricht aber auch von den Grenzen, Kreativität zu dokumentieren, da „die Zeit, die es arbeitet und reift“ nicht darstellbar ist: „Das kommt aus ganz anderen Quellen.“

Ein spannender, aufschlussreicher Blick auf die Herangehensweise dieser Kreativarbeiterin! 

*

Standard