Me too?

http://www.tagesspiegel.de/politik/metoo-debatte-woody-allen-oder-der-bildersturm/20874894.html

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Auseinandersetzenswerte Debatte: inwiefern ist für eine künstlerische Arbeit wichtig, ob der Künstler „moralisch sauber“ ist? Ohne das „me too“-Anliegen zu schmälern, ist das eine ernst zu nehmende Frage, oder?

Auch mich interessiert der Mensch hinter der Kunst, weil sein Denken, seine Einstellung mir manchmal seine kreative Arbeit ein Stück weit erklärt. Inwiefern beeinflusst mich, wenn ich von einem Denken oder Handeln erfahre, das ich ablehne?

Abgesehen davon, dass man warten sollte, bis etwas bewiesen ist, beeinflusst es mich schon. Aber zum Glück nicht beim Betrachten des Films, des Bildes, der Skulptur oder Lesen des Buchs desjenigen, der da beschuldigt wird.

Meine Eingangsfrage stellte Siham El-Maimouni in der letzten ‚Westart‘-Sendung auch Devid Striesow; Interview und übrige Themen sind bei Interesse über den untenstehenden Link zu erreichen.

Wie denken Sie, wie denkt Ihr darüber?

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https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-westart-140.html

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4 Gedanken zu “Me too?

  1. Uwe Henkens schreibt:

    Die Frage, den Begriff Sauberkeit mit Vorstellungen von symbolischer Bedeutsamkeit in Verbindung zu bringen, dass heißt ihn im übertragenen, charakterologischen Sinn auf den Zusammenhang von Kunst und Künstler anzuwenden, stellt sich mir, zumindest anfänglich, nicht.
    Kunst versuche ich abgekoppelt von jeglichen Zusatzinformationen zu betrachten, es auf mich wirken zu lassen, um mir damit mein ganz persönliches Erlebnis zu ermöglichen. Erst wenn es mir notwendig erscheint, Kontexte in den Prozess des „Verstehen“ einbinden zu müssen, betrachte ich auch den Künstler als Person, in seinem Werden, in seinem Tun, in seinem Umfeld…
    Allerdings verliert durch diese Imprägnierung die Kunst ihre Jungfräulichkeit.

    • Ja. Deinen letzten Satz kann ich sehr nachvollziehen.
      Die Frage ist ja eher, ob Kunst, also die Arbeit als solche, das Werk, eingefärbt werden sollte durch persönliche Zusatzinformationen über den ERSCHAFFER, denn eingefärbt ist die Betrachtung ja immer schon durch mich als Betrachter… allerdings ist das die Kombi, die „sein darf“ bzw. sogar sein soll.
      Wenn das Kunstwerk aber mit der sehr persönlichen Betrachtungsweise des Rezipienten korrespondieren darf… warum sollte dann nicht auch die Persönlichkeit des Erschaffers (zumindest) offenliegen (dürfen)?

  2. Uwe schreibt:

    Sicher darf die Persönlichkeit des Erschaffers offen liegen, häufig lässt sich das auch gar nicht verhindern. Jedoch verliert der Blick des Rezipienten dann seine Unabhängigkeit. Insbesondere dann, wenn es um moralische Verfehlungen extremen Ausmaßes geht, kann die Sicht hiermit überlagert werden.

    • Ja.
      In der ‚Westart‘ antwortete Devid Striesow auf die Frage, ob man sich nun z. B. keinen Woody Allen-Film mehr ansehen oder man die Arbeit nicht mehr würdigen dürfe auch ganz eindeutig pro Kunst.
      Vielleicht ist es eine gute Übung, Kunst menschlicher zu sehen. Oder eine Übung darin, sich Menschlichem bewusst zu sein; Kunst, Politik, Geistliches etc. nicht frei von Fehl und Tadel sehen zu wollen. Öffnet auch…

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