Idee – Ideal – Idealismus – Ideologie

Ich bin einmal mehr in einem inneren Konflikt.

Den Begriff der Co-Kreativität kenne ich nun schon einige Zeit; den zugehörigen Inhalt kannte ich gefühlt schon immer. Ohne Konkurrenz- und Dominanzgedanken und zugehöriges Gehabe zusammenwerfen, was jedeR einbringen kann, um sowohl für das Individuum, eine Gruppe oder Sache das bestmögliche Ergebnis im Sinne positiver Entwicklung zu erreichen – das hat mich schon immer begeistert. Ich habe es auch immer gelebt; für mich selbst (was schwierig ist; dazu gleich mehr) oder in kleinen Gruppen, die für eine Weile zusammengearbeitet haben, beispielsweise wenn eine Ausstellung organisiert werden sollte. Im Brotjob arbeite ich hierarchisch und komme damit auch irgendwie zurecht, präferiere aber in jedem Fall das partnerschaftliche Arbeiten auf einer Augenhöhe, die nicht nur Worthülse ist.

Es ist ja immer so, dass, wenn man sich mit einer Sache auseinandersetzt, sie einem auch andauernd begegnet: auf einmal scheint der Begriff überall aufzutauchen; googelt man ihn, stellt man fest, dass die Erforschung kreativer Gruppen und ihrer Prozesse nicht neu ist, dass ihr Einsatz nur zum Beispiel in früheren Firmenkulturen nicht bekannt oder nicht gewollt war. Aber dass ein gemeinsames „Brainstorming“ einer Sache und ihrer Erarbeiter gut tut, hat sich inzwischen herumgesprochen, und was ist das anderes als Co-Kreativität?

Es ist schwierig, damit alleine zu stehen. Zwar kann ich mich aus Konkurrenzsituationen heraushalten so gut es geht, immer wieder für die Idee Werbung machen, dass alle von einer Sache Betroffene sich einbringen dürfen und sollten, um das beste Ergebnis zu erzielen. Aber selbstverständlich wünsche ich mir, jeden Menschen und jede Gruppe um mich herum mit dieser Idee, mit diesem meinem Leitgedanken anzustecken…

Wenn mich diese Idee begeistert, und ich hätte gern, dass alle, die co-kreativ leben und arbeiten wollen, das auch können, und ich mich dafür stark mache, dann hänge ich erst einmal nur einer, dieser, Idee an und setze mich für sie ein. Wenn ich sehe, dass Menschen, die in diesem Sinne frei auf-wachsen dürfen, eher Menschen werden, die eine Gemeinschaft sozial stärken, zu-frieden leben (die Bindestriche sind bewusst gesetzt), und ich das äußere wo ich kann – verbreite ich dann eine Idee oder schon eine Ideologie? Denn selbstverständlich wünsche ich mir, eben weil ich den gesamtgesellschaftlichen Erfolg sehe, dass immer mehr (alle?) Menschen in diesen Genuss kämen…

Zwingen würde ich sicher keine einzelne Person, aber ich spüre schon den Impuls, sie zum Ausprobieren – ja, doch – zwingen zu wollen…

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Zur Wertschätzung seiner Mitmenschen lässt sich niemand zwingen, auch nicht dazu, Wertschätzung einmal „auszuprobieren“. Sie ist nicht angeboren; man wird zu ihr angehalten und trainiert sie, schärft immer mehr den Blick für ihr Vorhandensein oder Fehlen. Einer, dem sie ein Anliegen ist, ist Gerald Hüther. Er hat 2016 die Akademie für Potentialentfaltung initiiert und steht ihr vor. Da ich ihm seit alphabet, der 2013 erschienen Dokumentation des Österreichers Erwin Wagenhofer, im Netz folge, habe ich einmal sein Interview mit Götz Wittneben zu Co-Kreativität gefunden (ich berichtete bereits und habe es mehrmals verlinkt, so wieder im letzten Blog-Beitrag) und andererseits das nicht weniger interessante Gespräch mit Jeannine Mik, das ich heute in den Links anbiete. Am Ende des Gesprächs wird die ‚Würdekompass‘-Initiative beworben, die zum Inhalt hat, dass sich Menschen in ihren Heimatgemeinden finden und gemeinsam einsetzen können, etwas in Richtung diesbezüglicher Zustandsverbesserung zu bewegen.

Was mache ich mit meiner Begeisterung und dem gleichzeitigen Vorsatz, aus schlechten Erfahrungen heraus nie wieder einer egal wie gearteten Vereinigung beizutreten? Nie wieder werde ich einer religiösen Vereinigung angehören, keiner Partei, keinem Sport- und nicht mal einem Schreib- oder Malverein. Wann immer ich Gemeinschaft gesucht habe, habe ich neben dem Positiven immer so viel Ärgernisse erlebt oder mich mit dem Umsetzen der Leitlinie nicht mehr identifiziert, dass es mich die Sache hat verlassen lassen (außer beim Tanzen, wo mein Weggang aus dem Verein einen anderen Grund hatte; obwohl es niemand von diesen lesen wird: liebe Grüße an Regina und die damaligen Mittänzer – es hat immer Spaß gemacht!).

Auf der Website ist unter „Würdekompass-Gruppen“ zu lesen:

„Die Treffen der Würdekompass-Gruppen finden in einer Kultur der Begegnung und des konstruktiven Miteinanders statt. Statt fertige Lösungen zu suchen, stellen die Mitglieder einander Fragen: Was zeichnet einen Menschen aus? Wie erleben wir unsere Subjekthaftigkeit in uns selbst und in unseren Beziehungen zu anderen? Sind wir uns darüber bewusst, was wir mit unserer Lebenszeit anfangen, oder auch wie häufig wir uns von anderen für die Realisierung von deren Absichten benutzen lassen? Was können wir tun, um unsere eigene Würde und die anderer Menschen, oder generell auch die anderer Lebewesen zu bewahren? – Eine erste Version unseres Verhaltenskodexes können Sie hier herunterladen.“

Nicht nur, dass es mich beim Wort „Verhaltenskodex“ gruselt…neben dem Gefühl des eingeladen- und aufgefordert-Seins – motiviert bin ich ja schon – stellt sich noch ein anderes Gefühl ein: wie stellte man sicher, dass jeder Teilnehmer, jede Teilnehmerin dasselbe unter den Begriffen versteht, dasselbe Ziel hat? Selbst bei ein und demselben Verhaltenskodex, dem sich alle freiwillig unterwerfen: wie verhinderte man, dass trotz aller Vorsätze das passiert, was „explizit ausgeschlossen“ sein soll:

„andere als Objekte eigener Interessen oder Bewertungen zu behandeln und ihre persönlichen Absichten über diejenigen der Gruppe zu stellen;

die Würdekompass- und Themengruppen als Sprungbrett für eigenes Business oder eigene Angebote zu benutzen;

durch Expertentum und Dominanz anderen den Raum zu nehmen, sich mit eigenen Ideen einzubringen“?

Ich möchte da bestimmt nichts schlecht reden, und ich hoffe, dass sich ganz viele Gruppen bilden. Aber wie definiert man die Grenzen? Müssen die „persönlichen Absichten“ mit denen der Gruppe unbedingt kollidieren? Was, wenn sich aus der Gruppe eine Verbindung zwischen zwei Beteiligten ergibt, und der eine oder andere in seinem Neben-Gruppen-Leben etwas davon hat, sei es geschäftlich oder privat – verzichtet man dann, und ist das dann in jedem Fall zugunsten der Gruppe…? Wenn sich jemand einbringen will, der zur Dominanz neigt und das gar nicht merkt, das dann, darauf angesprochen, dementsprechend auch gar nicht abstellen kann… wie geht man damit um?

Diese Gruppen – ich bin sicher – werden mit den gleichen menschlichen Befindlichkeiten zu kämpfen haben wie jede andere Gruppierung, jeder andere Verein. Und würden es mehr und mehr, wüchse auch der Dachverband und damit die Bürokratie, was wiederum wachsende Intransparenz zur Folge hätte…

… und was, wenn die Idee so groß würde wie – sagen wir – eine der Weltreligionen…?

Idee… oder Ideologie?

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Durch Offenheit und Durchlässigkeit wachsen Empathie und Vernunft eher als durch Starrheit und Druck, und gelebte Co-Kreativität ist gleich Gewaltverzicht gleich Frieden.

Kann, darf man mehr tun, als mit dem Einsatz seines eigenen Lebens dafür zu werben…?

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Links und Begriffserklärungen:

 

Momente gelingender Beziehungen. Gerald Hüther im Gespräch mit Jeannine Mik (YouTube-Video)

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Link zu „Würdekompass/Gruppen“

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Trailer zum Film „alphabet“

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Homepage von Jeannine Mik „miniandme“

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Wikipedia zum Begriff „Idee“:

„ […] Im heutigen allgemeinen, nichtphilosophischen Sprachgebrauch bezeichnet ‚Idee‘ einen Gedanken, nach dem man handeln kann, eine Vorstellung oder Meinung. Oft handelt es sich um einen Einfall, einen neuen, originellen, manchmal geistreichen oder witzigen Gedanken, den man in die Tat umsetzen kann. In diesem Sinne kann das Wort die Bedeutung von ‚Plan‘ und ‚Absicht‘ erhalten. Als Idee bezeichnet man auch den gedanklichen Entwurf zu einer Erfindung, einem Kunstwerk oder einer literarischen Schöpfung; in diesem Sinne sprach schon Goethe von seinen Ideen. Manchmal ist ein Prinzip gemeint, ein Leitbild oder ein Grundgedanke, der das Denken und Handeln einer Person bestimmt, beispielsweise ‚die Idee der Freiheit‘ oder ‚die europäische Idee‘. In der Musik kommt für ein Kernthema oder Leitmotiv eines mehrteiligen Werks die Bezeichnung ‚Idee‘ vor.“

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Wikipedia zum philosophischen Begriff „Ideal“:

„‘Ideal‘ (von altgriechisch idéa, deutsch ‚Gestalt‘, ‚Urbild‘) ist ein Begriff der philosophischen Ästhetik, Ethik und Wissenschaftstheorie: Es ist der Inbegriff für ein Vollkommenheitsmuster.

Für Immanuel Kant und Friedrich Schiller ist ein Ideal eine individuelle Idee. Beide verwenden den Ausdruck im Sinn der Ästhetik und praktischen ethischen Vernunft (Kants ‚Kritik der Urteilskraft‘ sowie ‚Kritik der praktischen Vernunft‘).

Georg Wilhelm Friedrich Hegel engt den Begriff Ideal auf die Kunst ein: Ihre Aufgabe sei die sinnliche Darstellung der absoluten Idee als Ideal.

Der Philosoph Paul Lorenzen bestimmt das Adjektiv ‚ideal‘ operativ als das Anstreben einer Norm, der man nicht vollständig (sondern nur angenähert) genügen kann. Dabei wird das Substantiv ‚Ideal‘ als Kriterium für das Maß der Annäherung verwendet.“

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Wikipedia zum Begriff „Idealismus“:

„‘Idealismus‘ (abgeleitet von griechisch ἰδέα ‚Idee‘, ‚Urbild‘) bezeichnet in der Philosophie unterschiedliche Strömungen und Einzelpositionen, die ‚hervorheben, dass die Wirklichkeit in radikaler Weise durch Erkenntnis und Denken bestimmt ist‘ bzw. dass Ideen bzw. Ideelles die Fundamente von Wirklichkeit, Wissen und Moral ausmachen. Im engeren Sinn wird als Vertreter eines Idealismus bezeichnet, wer annimmt, dass die physikalische Welt nur als Objekt für das Bewusstsein oder im Bewusstsein existiert oder in sich selbst geistig beschaffen ist.

Im ethischen Idealismus wird davon ausgegangen, dass wir durch vernünftige, verlässliche und verbindliche Überlegungen unser Handeln begründen und regeln können und sollen. Im alltäglichen Sprachgebrauch kann ‚Idealismus‘ z. B. eine altruistische, selbstlose Haltung bezeichnen.“

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Wikipedia zum Begriff „Ideologie“:

„‘Ideologie‘ (französisch idéologie; zu griechisch ἰδέα idéa ‚Idee‘ und λόγος lógos ‚Lehre‘, ‚Wissenschaft‘ – eigentlich ‚Ideenlehre‘) steht im weiteren Sinne bildungssprachlich für Weltanschauung. […]

Der Ideologiebegriff nach Marx, der im westlichen Marxismus eine zentrale Rolle spielt, geht davon aus, dass das herrschende Selbstbild vom objektiv möglichen Selbstbild der jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungsstufe verschieden ist. Da die materiellen Verhältnisse und Interessen das Denken bestimmen, wird nach Marx die Ideologie der Gesellschaft durch die Interessen dominanter gesellschaftlicher Gruppen, z. B. der Bourgeoisie, beeinflusst, um diese zu rechtfertigen. Durch eine Ideologiekritik kann diesen Interessen entgegengewirkt werden, um im Sinne eines allgemeinen Interesses ein nach dem Stand der Erkenntlichkeit korrektes und vollständiges Bild der Gesellschaft zu entwerfen. Eine wichtige Weiterentwicklung erfährt die Theorie der Ideologie bei Georg Lukács, der sie mit einer Theorie des Totalitarismus verknüpft: Die vollständige Vereinnahmung des Individuums durch gesellschaftlich organisierte Aktivitäten und Strukturen führt dazu, dass sich das Individuum nur innerhalb dieser Strukturen verstehen kann und somit selbst eine passende Ideologie entwickelt.

In der Wissenssoziologie hat sich Ideologie hingegen als Bezeichnung für ausformulierte Leitbilder sozialer Gruppen oder Organisationen durchgesetzt, die zur Begründung und Rechtfertigung ihres Handelns dienen – ihre Ideen, Erkenntnisse, Kategorien und Wertvorstellungen. Sie bilden demnach das notwendige ‚Wir-Gefühl‘, das den inneren Zusammenhalt jeder menschlichen Gemeinschaft gewährleistet. Dieser Ideologie-Begriff wird auch auf die Ideensysteme von politischen Bewegungen, Interessengruppen, Parteien etc. angewandt (→ politische Ideologie).
Im gesellschaftlichen Diskurs werden die beiden Ideologiebegriffe oft nicht hinreichend voneinander unterschieden.“

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Der Vorwurf der Ideologie ist schnell gemacht, weil der Weg von Idee zu Ideologie kein weiter ist. Der Film „Das weiße Band“ von Michael Haneke zeigt das anschaulich, furchtbar anschaulich. Obwohl es hier um diesen guten und wichtigen Film nicht in der Hauptsache geht, hilft die Auseinandersetzung beim Positionieren:

[Entfernter Link: ‚Von-einer-Idee-zu-einer-Ideologie-ist-es-gar-nicht-weit‘ bei welt.de]

Michael Haneke, der Regisseur des Films „Das weiße Band“, im faz.net :

„Ich wollte einen Film machen über die Perversion jedes möglichen Ideals durch seine Verabsolutierung (siehe: Video-Filmkritik: „Das weiße Band“).

Dies ist aber nicht nur ein Film über den Weg, der vom Protestantismus zum Faschismus führt. Das wäre mir zu kurz gegriffen. Mir ging es darum, zu zeigen, wie sich die Kinder aufschwingen zu Richtern derer, die ihnen ihre Ideale gepredigt haben, aber nicht so leben. Warum tun sie das? Weil sie in einer unheimlichen Drucksituation leben – durch die Erziehung. Aber nicht nur dadurch, sondern auch durch den Protestantismus. Und auch durch die gesellschaftlichen Strukturen, und so weiter … Und immer, wenn so ein Druck da ist, dann greifen die Menschen nach einem Strohhalm, der es ihnen ermöglicht, sich da herauszuziehen. Und das ist dann meist irgendeine Idee, ein Ideal, eine Ideologie. Das kann Religion sein, aber auch anderes.

Meistens funktioniert das nicht, aber es führt zu unmenschlichen Handlungen. Und das ist das Modell, das sozusagen hinter dem Film sichtbar werden soll. Das können Sie übertragen auf das Paradebeispiel, das im Film anklingt: den deutschen Faschismus. Aber Sie können es auch bis zum Terrorismus unserer Zeit weiterführen oder bis zum religiösen Fundamentalismus aller Couleur – nicht nur, aber natürlich auch zu den Islamisten von heute. Das gesellschaftliche Umfeld ist natürlich immer ganz anders. Es wird andere Formen von Druck geben, von Lieblosigkeit, von was auch immer. Aber dieses Grundmodell ist überall gleich.“

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Mail Art, Teil 1

Ich sende Ihnen einen Gedanken zu. Bitte denken Sie ihn weiter.“ [Robert Rehfeldt]

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Den Begriff der „Mail Art“ kannte ich bereits, und meine Vorstellung davon war eher schwammig, bis ich Ende letzten Jahres den Aufruf meiner Kreativkollegin Heike Sackmann auf deren Blog sah. (Heike ruft schon länger dazu auf; einen Eindruck bekommt man auf ihrer Website; unten ist es der erste Link.)

Irgendetwas muss mich diesmal stärker gezogen haben, so dass ich zum ersten Mal – unfassbar, tatsächlich – mitbekam, dass mehrere Personen an ein und demselben Bild arbeiten und so miteinander in eine Art Gespräch kommen – ein gezeichnetes, gemaltes Gespräch. Ich war sofort entzündet!

Der Quantenphysiker David Bohm, der grundlegend über die Frage, wie unser Denken arbeitet geforscht hat, schlägt den Dialog als Mittel und Möglichkeit vor, wie sich das Denken bei seinem Tun beobachten und verstehen lässt. Bohm verwendet den Begriff Dialog im ursprünglichen Wortsinn: „dia“ heißt „durch“ und „logos“ meint „das bedeutungsvolle Wort“. Der Begriff meint also das Fließen von Sinn und das Erschließen von Bedeutung um und durch uns Menschen. Ein solcher Sinnstrom führt vielleicht zu neuen Einsichten oder zu Verständnis. Im kommunikativen Prozess wird etwas Neues geschaffen, etwas, was weder absehbar noch planbar sondern kreativ ist. Dieser so geteilte Sinn ist das Band, das uns Menschen zusammenhält.“

Ich war also gespannt darauf, ob es tatsächlich zu Kommunikation käme…

In einer Gruppe wird auf diese Weise eine andere Art des Bewusstseins möglich, ein partizipierendes Bewusstsein. Jeder einzelne hat Teil an der daraus resultierenden energetischen Aufladung einer Gruppe, deren Kraft ungleich höher ist, als es der summierten Teilnehmeranzahl entspricht. Bei einer funktionierenden Gruppe ist das gemeinsame Denken ein Prozess gemeinsamer Partizipation. Wenn wir das Denken anderer erkennen, wird es zu unserem Denken, und wir behandeln es, als sei es unser Denken.“

Im aktuellen „Dialoge“-Projekt von Heike wurden mehrere Gruppen gebildet; „meine“ bestand aus Heike Sackmann, Zoé von Neuwirth-Szilágyi und mir. Heike schickte uns beiden Mitteilnehmerinnen je vier neue Pappen im DIN A 4-Format zu; selbst begann sie auch vier Zeichnungen/Malarbeiten.

Bei diesen ersten Bögen waren mir zwei Dinge bewusst: es mussten noch die Arbeiten der beiden folgenden Zeichnerinnen aufs Blatt passen, und ich hatte den Anspruch, obschon ich keine „Serie“ zu zeichnen plante, den Motiven eine Verbindung zu geben.

Auf mein erstes Blatt kam das Augenpaar eines Kleinkindes:

S1_1.jpg

Von den kleinen runden Augäpfeln in blau war es nur ein kleiner Schritt zu etwas Großem Rundem in blau,

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und von diesem Bild wiederum ein kleiner Schritt zu der Situation unserer Welt, die derzeit für mich vorherrschend unfriedlich ist, in vielerlei Hinsicht. Mit der Yoda-Figur entschloss ich mich zu einem Bild, das „die Weisheit“ – ganz weit gefasst als universelle Weisheit, die Weisheit aller Menschen, zu der sie fähig sind – bedroht zeigt:

S1_3.jpg

Als Letztes wollte ich ein Motiv, das man sowohl schön als auch schaurig interpretieren kann, und wählte den roten Blütenregen:

S1_4.jpg

Für meinen Anfang hatte ich Motive gewählt, die unterschiedlich sind und auf den ersten Blick nicht viel miteinander zu tun haben, auf den zweiten aber schon.

Bei einer zeichnerischen Gemeinschaftsarbeit den Anfang zu machen ist relativ einfach; es ist wie der Beginn eines Gespräches, bei dem man selbst das Thema vorgibt. Man spricht eine Einladung aus, sich auf für das Gegenüber mehr oder weniger zusammenhängende Gedanken einzulassen.

Kurz darauf erreichten mich Heikes Erstzeichnungen; welch tolle Steilvorlagen zum Weiterdenken!

Leider kann ich Euch die Entwicklung unserer Gemeinschaftsarbeit und meine Gedanken zu den Vorlagen, die mich erreichten, hier noch nicht zeigen, da die Mappe noch ausgestellt wird. Ich schließe also diesen ersten Teil des Berichts so ab:

„… ich will immer Geschichten erzählen“, schrieb Heike begleitend in der von ihr eingerichteten Messenger-Gruppe zu diesem Dialog, und Zoé kommentierte: „Das ist doch toll!“ Ja, dem konnte und kann ich mich nur anschließen: es war eine tolle neue Erfahrung für mich, so ins Gespräch kommen zu dürfen; ich fühle es so, dass ich tatsächlich Kommunikation erlebt habe. Die Art der Zeichnungen/Malarbeiten zeigen unsere Individualität, aber die Themen griffen direkt so auf eine Art ineinander, reichten sich die Hände, bestätigten einander im Bemühen um Sensibilität menschlichen Themen gegenüber… dass ich mich nur bereichert aus diesem Projekt jetzt weiterbewegen (lassen) kann.

Dankeschön!

WaB

M1

M2

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Es geht nicht um Standpunkte, sondern um innere Bewegtheit, nicht um Auseinandersetzung sondern um Teilhabe.“

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[Entferner Link zu Heikes Blog -> Kollaborationen]

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[Entfernter Link: „Der dialogische Prozess“ auf gemeinschaftserfahrung.de ]

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Der Einstieg

Kunst ist für alle Menschen; für mich ausnahmslos. Es machte keinen Sinn, wenn sie nur für eine Elite wäre, die umeinander kreist und sich nur untereinander verstünde. Das bedeutet, dass sich Kunst mehr, noch viel mehr öffnen müsste, um Menschen einzuladen. Einladen, nicht ausschließen! Das bedeutete, dass alle Menschen, die der Einladung folgten, KUNST LEBEN dürften, egal, ob sie sie erschafften oder sich mit ihr als Betrachter auseinandersetzten oder beide Positionen gleichzeitig lebten. Egal, ob man ihnen offiziell bescheinigt hat, dass sie beides auch „können“, oder eine solche Bescheinigung fehlt. Es dürften sich auch alle, egal wie, eben auf ihre Art dazu äußern, und alle täten gut daran, einander zuzuhören. Für mich müsste sich ein Kunst-Experte (kommt immer aus dem BETRIEB um eine Sache) mit einem Kunst-Laien (kommt immer aus dem LEBEN mit wenig oder ohne direkten Bezug zur Sache) ohne Augenverdrehen unterhalten können und umgekehrt; beide müssten Fragen und Antworten des anderen ernst nehmen, und zwar nicht gespielt, sondern herzlich. (Die Fragen und Antworten des Laien sind übrigens zum Enttarnen mancher Dinge, die der Elite weiter umeinander kreisen hilft, ziemlich wichtig, ähnlich unwiderstehlichen Kinderfragen.)

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