Markttreiben

Der Begriff „Kreativität“ ist etwas abgenutzt, aber ich finde, er tut’s noch ziemlich gut!
Hier im Blog ist er ein paar Mal zur Sprache gekommen; ich habe hier und anderswo konstruktiv zu ihm gestritten.

Über die Schwierigkeit, den Begriff sauber zu definieren, erzählt u. a. die Wikipedia; der Artikel lässt ahnen, von wie vielen Seiten und unterschiedlichen Aspekten man der Kreativität begegnen kann.

Über das kreative Produkt heißt es dort:

„Eine subjektive Sichtweise jeder einzelnen Person ist in der Bewertung nicht auszuschließen, da jedes Individuum nach eigenen Kriterien bewertet, wenn es keine Normwerte zur Verfügung hat und keine allgemeingültige, weil bekannte und gleichzeitig gültige und verlässliche Definition von Kreativität zur Bewertung herangezogen wird. Das bedeutet, dass durch die mangelnde Definition des Begriffs die Wertung eines einzelnen Individuums fast immer subjektiv ausfällt. Erst durch eine (oft implizite) Einigung auf eine Definition und Maßstäben zur Messung von Kreativität ist eine Gruppe dazu in der Lage ist, Kreativität zu bewerten und zu messen. Dieser Vorgang unterliegt dabei auch immer dem Zeitgeist.“

Objektiv messen lässt sich Kreativität also nur sehr ungern. Aber wir haben alle eine Vorstellung von ihr.

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Kreativität bezeichnet nicht alleine Hobby-Kunst, obwohl diese darunterfällt.
Kreativität ist Lebenseinstellung und Fantasie Sie zeigt sich im Umgang mit schwierigen Kunden und wenn man in der Küche ein Gericht noch mal gerade so rettet. Wenn man in der Lage ist, ein Problem auch noch mal von einer anderen Seite aus anzugehen. Und manchmal lässt sie Bilder entstehen. Oder Bücher.

Die Autorin Melanie Lahmer weist in ihrem Blog deutlich auf etwas Wichtiges hin:
Auf einem Markt wird die Kreativität des Erschaffers, der Erschafferin oft so gelähmt, dass diese mitunter ihre Arbeit aufgeben.

Die Wikipedia schreibt:
„In der Kunst erfordert der hier geltende Innovationszwang, dass Kreativität mit Normenbruch, also dem Verstoß gegen tradierte Normen, einhergeht.“

Melanie Lahmer sagt:
„Alle wollen das neue, große Ding, mit dem man für die nächsten Jahre ausgesorgt hat – aber keiner traut sich aus seiner Komfortzone heraus.
Das führt zu der paradoxen Situation, dass Verlage zwar händeringend nach Neuem suchen, das Neue soll aber bitte nicht zu stark vom Gewohnten abweichen.
Und darunter leiden zuallererst wir Autoren. Denn unsere Figuren und Settings dürfen nicht zu ungewöhnlich sein, wir sollen aktuelle Trends bedienen und trotzdem noch etwas Eigenes einbringen (aber nicht zu viel, bitte!). Diese Vorgaben sind so diffus und gleichzeitig einengend, dass sie immer auch Einfluss auf unsere Geschichten haben. Manchmal fühlt man sich wie ein Pferd, das Hufe scharrend vor dem Gatter steht, das sich niemand zu öffnen traut. Man könnte ja aus Versehen im Galopp irgendetwas umreißen.“

Wohin soll ein Künstler ausweichen, den der Markt entweder gebrochen hat oder der zu den Bedingungen dort nicht arbeiten, aber trotzdem weiter künstlerisch tätig sein möchte? Zu dessen Persönlichkeit es untrennbar gehört, sich auf diese seine Weise auszudrücken?
Von mir selbst kann ich sagen, dass auch mich Schranken einschränken und Normen angleichen. Vorgaben geben auch mir etwas vor; ich kann nichts mehr selbst entwickeln, und unter Druck funktioniere ich allenfalls, aber das Wunder der Kreativität wird sich mit Sicherheit nicht ereignen! Es braucht das Spielen, die Ergebnisoffenheit.

Einem Markt, der auf Gewinn aus ist oder zumindest Verluste vermeiden soll, macht ergebnisoffenes Arbeiten Bauchschmerzen, was ich aus Marktsicht sogar verstehe. Der Markt ist Mechanismen unterworfen, die ihn zu dem System machen, das er ist. Würde er den Wachstums- und Konkurrenzgedanken aufgeben, würden Köpfe und Arme des Marktkörpers sterben.

Handel ist die Bestimmung des Marktes. Doch wie kann etwas so Flatterhaftes, manchmal Flüchtiges, Lehrendes, manchmal im Flow Erlebtes, manchmal hart Erarbeitetes, mit Zeit und auch sonst nicht objektiv Messbares wie Kreativität sinnvoll gehandelt werden?
Es ist, wie Luft an der Börse zu handeln, also entweder unmöglich, oder es braucht fast schon kleinkriminelle Energie, Menschen außerhalb der Gewinnzone die Mechanismen schmackhaft zu machen. KreativarbeiterInnen liegen oft außerhalb jeglicher Gewinnzonen.

Der Gewinn für jemanden, der seine Kunst leben möchte, hat oft nichts mit materiellem Gut zu tun.

Melanie Lahmer: „Für jeden Autor, der einen Vertrag wegen seiner schlechten Bedingungen nicht unterschreibt, kommt ein neuer nach, der ihn zu noch schlechteren Bedingungen unterschreibt und sich dafür eine Flasche Sekt öffnet. Das mit dem Jubel und dem Sekt kann ich natürlich gut verstehen, das habe ich auch gemacht. Aber leider hat man damit schon den ersten Schritt in Richtung Selbstaufgabe und fehlende Wertschätzung getan. Wer sich unter Wert verkauft, setzt damit automatisch auch einen Marker. Dann zeigt man, dass man zu allen möglichen Kompromissen bereit ist, solange man sein Buch veröffentlichen darf.
Denn eines ist klar: Wenn ich diesen Vertrag nicht unterschreibe, bekomme ich möglicherweise gar keinen. Und eigentlich wollen wir doch nur eines: gelesen werden. Und dafür brauchen wir Leser, die wir auf irgendeine Weise erreichen müssen – sei es durch Verlage und den Buchhandel oder ohne Verlag im Internet.“

Das habe ich mich oft gefragt: verraten KreativarbeiterInnen sich und ihre Gabe, wenn sie sie zum Verkauf stellen, Kompromisse machen? Ich tu mich schwer, jegliche Verantwortung bei ihnen zu suchen. Der eine wird es aus guten, gerade zitierten Gründen tun, jemand anderes wird es aus genau so guten persönlichen Gründen lassen. Ich tu mich schwer damit, zu akzeptieren, dass gerade die Energie der KreativarbeiterInnen mit solchen Fragen angefressen wird. Aber ich kenne sie gut…

In Gesprächen habe ich oft ein Szenario aufgemacht, bei dem ich davon ausging, dass man die Absurdität sofort erkennt: alle KreativarbeiterInnen, die nicht gut bezahlt werden, stellen die Arbeit ein. Ein Streik. Der ist nämlich bei der Vielzahl von zum Beispiel AutorInnen mit ihrer unterschiedlichen Haltung und der vielen unterschiedlichen Verlage nicht zu organisieren. Und was sollen MalerInnen tun, die vielleicht – ich weiß es nicht – noch zahlreicher sind? Ein Aspekt des Problems: KreativarbeiterInnen auf dem Markt unterscheiden sich nicht von denen anderswo. Ihr „Endprodukt“ kann das gleiche sein. Unter MalerInnen ist daher „Schwarzarbeit“ ein großes Thema. Doch warum wird das nicht so ernst genommen wie beispielsweise bei Fliesenlegern oder anderen HandwerkerInnen, warum klingt das eher lustig? Weil Kunst in der Gesellschaft noch nicht als akzeptiert angekommen ist? Oder weil Handel mit einer nicht messbaren, nicht objektiv bewertbaren Sache so schwierig ist?

Ich gehe so weit zu sagen, dass fairer Handel auf dem Parkett der Kreativarbeit nicht möglich ist. Weil Unvergleichliches zum Vergleichen – und Handel vergleicht immer – angeglichen wird. Weil Nischenprodukte, die sich nicht verkaufen, aber die es geben muss, um Individualität und Vielfalt zu würdigen, hintenüber fallen, in der wahrnehmbaren Welt nicht mehr vorkommen. Weil mit etwas gehandelt werden soll, das allen gehört wie die Luft, die wir atmen: Fantasie und unser individueller Ausdruck dieser Fantasie.

Melanie Lahmer: „Es ist hart und es bleibt hart und ich bin nicht optimistisch genug, um an eine Besserung zu glauben. Irgendwann fällt das bisherige System in sich zusammen, und dann bleiben vermutlich nur wenige übrig. Aber bis es soweit ist, schreibe ich weiterhin meine Geschichten und versuche, so gut wie möglich davon zu leben.“

Vielleicht – wenn sich der Mensch bis dahin nicht selbst vernichtet, was ich in der letzten Zeit öfter fürchte – gibt es mal eine Gesellschaft, in der unser Versorgtsein nicht an unsere Lebensidee gekoppelt ist. Wir uns nicht entscheiden müssen, ob wir Essen kaufen oder Stifte, ob zum Malen oder Schreiben. Die Kinder fürs Leben lernen und nicht dafür, ihr Leben lang der materiellen Versorgtheit hinterher zu laufen und gesellschaftlicher Ächtung unterliegen, wenn das nicht gelingt, und das Gelingen FÜR ALLE wird immer schwieriger.

Vielleicht, wenn wir alle in einem Punkt zusammenhalten: das, was unser Menschsein ausmacht, nicht zu verraten. Und das individuell, unterschiedlich.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Kreativit%C3%A4t

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https://siegerlandkrimis.wordpress.com/2018/03/23/autoren-unter-druck-ii/

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„… aufpassen, dass es nicht zu schön wird.“ 

http://www.vera-lossau.com/projects.html

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„Der Dokumentarfilm begleitet die Künstlerin Vera Lossau ein Jahr lang in ihrem Schaffensprozess.
Im Mittelpunkt des Porträts stehen ihre unmittelbaren bildhaften Wahrnehmungen und deren künstlerische Formgebung. Zu entdecken ist dabei die Haltung eines Menschen im Ringen um die Gestalt eines Kunstwerks.
Der Schaffensprozess steht bei Vera Lossau unter einem exemplarischen Außendruck: Fremderwartungen und die ‚Gesetze des Kunstmarktes‘ drohen Einfluss auf den künstlerischen Prozess zu nehmen. Vera Lossau nimmt diese Konflikte sehr bewusst wahr und findet Wege, sie in ihre Arbeit zu integrieren.“

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… obwohl sie klar sagt, dass das Arbeiten ohne Druck, „dass es was erfüllen müsste“, mehr Freude macht. 

Was mich beim Betrachten der Doku über Vera Lossau fasziniert hat, war ihre Einstellung zum „Scheitern“:

„Also manchmal geht’s, und manchmal geht’s gar nicht, weil man irgendwas vergessen hat, vorher, und genau dann ist es so, dass man nicht aufhören will, bis es irgendwas geworden ist. Und dann denk‘ ich: ja, das ist eigentlich genau dein Thema: irgendwas, was so kurz vor’m Scheitern ist, nochmal umzudrehen.“

Diese Offenheit der eigenen Arbeit gegenüber, die Erfahrung des Vertrauens, dass „immer noch etwas draus werden kann“, das „manchmal sogar besser als vorher“ ist, finde ich zum einen sehr kreativ, zum anderen hilfreich: ich weiß nicht, wie viele Menschen in einem Schaffensprozess nicht abwarten, ob „es noch etwas wird“, weil sie im sich-Bewerten feststecken… oder weil es vielleicht immer noch ein Tabu ist, wenn etwas Künstlerisches (auch) zufällig entsteht und nicht von vorne bis hinten durchgeplant ist – und nach eben dieser Planung dann natürlich auch eins zu eins in der Umsetzung gelingt!

Vera Lossau macht deutlich, dass es ihr um den Prozess geht, der in der fertigen Arbeit durchaus noch sichtbar sein soll. 

Ich mag es sehr, eineN KünstlerIn über den Arbeitsprozess erzählen zu hören, und ich liebe Atelier-Besuche, live und im Film. Ich kann nachvollziehen, dass Vera Lossau das für „so privat“ hält, obwohl sie es zeigt. Ich bin nicht sicher, ob ich, selbst, wenn ich darüber berichten, meine Gefühle und Gedanken halbwegs mitteilen kann, vor einer Kamera so arbeiten könnte, als sei sie nicht da… und ein Kamera-Team, das einen ein Jahr lang begleitet – ein furchtbarer Gedanke 😀 !

Lossau spricht aber auch von den Grenzen, Kreativität zu dokumentieren, da „die Zeit, die es arbeitet und reift“ nicht darstellbar ist: „Das kommt aus ganz anderen Quellen.“

Ein spannender, aufschlussreicher Blick auf die Herangehensweise dieser Kreativarbeiterin! 

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Energie und Mittel

„Facebook macht sich mal wieder verzichtbarer denn je – Beiträge von Seiten, die ihr geliked habt, werden Euch in den wenigsten Fällen angezeigt. So geht es auch mir mit meiner eigenen Facebookseite. Die Alternative wäre, dass ich Geld in die Hand nehme, die Facebookkrake also noch mehr füttere, dafür aber meine Beiträge bewerben kann, damit ihr auf diese aufmerksam werdet. Naja, ich gebe mein Geld lieber für Platten und neue Gitarrensaiten aus und die Zeit, die das bewerben dauert, nutze ich lieber, um mich nach Alternativen umzuschauen. Langer Rede kurzer Sinn, dies ist Werbung in eigener Sache mit dem Hinweis, Eure lokalen Künstler zu unterstützen. Unter http://www.facebook.com/unerhoert.blues gibt es nun den ersten von vier Trailern zu sehen (und hören), der zum Altstadtfest 2017 fertig gestellt wurde und sich mit dem Arbeiten hier in der Lausitz beschäftigt. Über einen Besuch würde ich mich freuen! In dem Sinne: Euch einen schönen Wochenteiler und stay tuned! Rock`n`Blues.“ [Der Musiker Max Schmidt, als ‚Unerhoert‘ bei facebook]

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Max bringt es auf den Punkt. Inwieweit möchte man Energie und Mittel aufbringen, sich selbst zu bewerben?

Ich habe, ähnlich wie Max, für mich die Entscheidung getroffen, möglichst wenig von beidem in Bewerbung und lieber alles ins Denken, Fühlen, Schreiben und Malen zu stecken – die Utensilien sind meine „Gitarrensaiten“, und „die Zeit, die das Bewerben dauert“, für mich gar nicht aufzuwiegen!

Früher, als ich mich noch ab und zu bemüht habe, einen redaktionellen Beitrag in einer lokal vertriebenen Zeitung unterzubringen und mir das ein-, zweimal auch gelang, habe ich festgestellt, dass es mir nicht viel bringt. Denn ich möchte ja nicht in erster Linie bekannter werden, sondern möchte die, die auf mich stoßen, zu Auseinandersetzung anregen, mich mit diesen austauschen, vielleicht neue Denkansätze geben und bekommen. Die flüchtige Aufmerksamkeit, die einem zuteilwird, nur, weil die Nase in der Zeitung war, bezieht sich oft genug auf diesen Umstand und mitnichten auf eine Arbeit, auf eine Leistung, auf eine Haltung. Nach wenigen Tagen, vielleicht schon nach Stunden ist man aus den Gedächtnissen bereits wieder gelöscht, es sei denn, man penetriert die Menschen mit seiner Person oder lässt das tun (das tun-Lassen ist selbst No-Names möglich, meist aber nur mit ganz viel „Vitamin B“).

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In der letzten Zeit hörte man von den „Paradise Papers“, den neuesten Enthüllungen zu zwar illegitimen, aber legalen Steuersparmethoden und den Anwendern dieser Methoden.

Ich gebe zu, dass das jetzt ein ziemlicher Ruck im Text ist und sich manche/r fragt, was das zuvor Besprochene mit diesen „Papieren“ zu tun hat.

Mein Kopf machte die Verknüpfung, als ich letzte Woche – wieder einmal ü-ber-haupt nicht müde trotz SEHR weit fortgeschrittenen Tages – bei „Markus Lanz“ landete und dieser, der für die Recherche verantwortliche Redakteur der „Süddeutschen“ Bastian Obermayer, der Kabarettist Bodo Bach und große Teile des Publikums zugaben, einen Vorteil höchstwahrscheinlich mitzunehmen, wenn er sich böte. Das fand ich sehr sympathisch, weil wohl allgemein menschlich. Man verlässt also sehenden Auges und fühlenden Herzens schon mal „anständigen Boden“, wenn etwas in irgendeiner Form Bereicherndes winkt. Womöglich trennt man noch in das, was dabei anderen schadet und das, was „niemandem weh“ tut, wobei Letzteres dann noch leichter fällt. Wenn man es denn tatsächlich zuordnen kann, denn manchmal ist der Schaden nicht offensichtlich.

Zu der Zeit, als ich noch aufrichtig froh war, wenn die Bewerbung meiner Person (erst mal nur stattzufinden) gelang, ertappte ich mich, gedanklich schon weitere Möglichkeiten aufzutun, wie und wo es wohl wieder gelingen könnte. Zu diesen Zeiten habe ich definitiv die Sache, die da beworben werden sollte, vernachlässigt, immer. Und immer hatte ich ein schlechtes Gewissen dieser „Sache“ gegenüber, ob es sich um Mal-, Schreib- oder auch „nur“ Denkarbeiten gehandelt hatte, und gerade bei diesen fällt das Vernachlässigen oft allzu leicht…

„Berufsmäßige Künstler“ haben das Problem des „schlechten Gewissens“ dabei nicht; sie müssen sich bewerben oder bewerben lassen; alles andere wäre verantwortungslos. Ich als „Freie“ empfand die Arbeit an der Bewerbung oft als Verrat an der Sache, zumal ich dabei ja tatsächlich Vernachlässigung empfand!

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Inwieweit erträgt man das Gefühl, eine Sache oder sich selbst, seine Haltung zu verraten, wenn man einen Gewinn oder einen Zusatznutzen wittert? Sind die Dinge vergleichbar? Hat beides mit Gewissen zu tun? Hat es mit Zeitaufwand, mit Lebenszeit zu tun…?

Ich wäre gespannt auf Eure Gedanken, ob Künstler oder Banker…

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https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-8-november-2017-100.html

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Der Mönchengladbacher (jetzt Görlitzer) Musiker Maximilian Schmidt und das ‚Unerhoert‘-Logo aus meiner Hand, Acryl und (schwarzer) Buntstift auf Papier, digitalisiert, hier als Plakat

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„Freunde sind oft miese Kunden“ 

Hier könnt Ihr die Gedanken hinter der Überschrift kennenlernen, Euch selbst welche machen und gerne äußern:

http://www.sueddeutsche.de/karriere/freundschaftsdienste-freunde-sind-oft-miese-kunden-1.3716671

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Ingrid Bergman, Margot Käßmann und ich

Wenn man dabei bleibt, sich unter anderem über ein/en Blog auszudrücken, obwohl selten ein „Like“ verteilt wird, noch seltener eine Wortmeldung oder gar ein Wortwechsel stattfindet, dann muss man vom Blog als „guter Idee“ ziemlich überzeugt sein.

Ich weiß nicht, für wen ich schreibe, außer für mich, die ich damit meine Gedanken sortiere, und das mache ich auf diese Weise bereits im vierten Jahr. Nicht, dass das objektiv gesehen eine lange Zeit wäre, aber gemessen an den Rückmeldungen ist es ein relativ einsamer Marathonlauf – oder sogar mehrere. (In diesem Zusammenhang ganz herzlichen Dank an die „Bananenreicher“, die doch ab und zu an der Strecke sind!)

Es ist schwierig, eine gleichbleibend gute Qualität aufrechtzuerhalten unter diesen Bedingungen, immer sorgfältig zu sein, aber neben dem Gedankensortieren treibt mich eines an: es gibt so unendlich viel da draußen, das zu teilen sich lohnt! So kommt es, dass die Vielfalt es gleichzeitig undurchsichtig macht, einige den roten Faden nicht sehen, sich fragen, was so manche gesellschaftspolitische Äußerung mit Kunst zu tun hat – oder von Anfang an durch das Wort „Kunst“ im Blog-Titel abgeschreckt sind. (Für die, die vielleicht zum ersten Mal oder durch Zufall hier reingeraten sind: Kunst ist für mich der freiheitlichste Ausdruck des Menschen und die ungefährliche und niedrigschwellige Möglichkeit, Offenheit gegenüber einem fremden Ausdruck zu üben. Und: ich betrachte Kunst nicht losgelöst von allem anderen, das in der Welt geschieht.)

Auf der anderen Seite macht die Vielfalt es abwechslungsreich. Ich glaube, dass ich die, die tatsächlich interessiert sind, nicht oft langweile. Es ist mir ein Anliegen, neben eigenen Texten und Themen die Beiträge anderer zu teilen, die ich dem Bereich Kunst/Gesellschaft zuordne und die im weitesten Sinne mit offenen Augen und Ohren zu tun haben.

Mir macht es Spaß, dass sich in meinem Kopf sofort Verknüpfungen auf den Weg machen: ich sehe die Biografie „Ich bin Ingrid Bergman“ und schreibe mir Sätze heraus wie „Ich will keine Wurzeln“, „Die Liebe kam direkt durch die Linse“ oder „Es ist, als hätte immer ein Zugvogel in mir gelebt“; einen Tag später sehe ich die ‚Westart live‘ und notiere mit, wenn Hannes Jaenicke die Worte „Herde, Held, Haltung“ für den Beitrag niederschreibt, seine Feststellung „Wir [Deutsche] haben den Hang, den Makel zu suchen“ und Margot Käßmanns Worte „… dann können wir uns nur einmischen, wenn wir selber denken.“ Mich bestärkt Katharina Marie Schuberts Haltung, eine gesunde Demut vor der anderen Ansicht zu haben, oder mich inspiriert die der Raum-Zeit-Piraten, „in der Vergrößerung […] Strukturen zu entdecken.“ Und wenn Adrian Piper im YouTube-Interview sagt, dass sie sich schon gewünscht hätte, dass KollegInnen auch öffentlich sagen, dass sie ihre Arbeit schätzen, aber sich damit tröstet, dass das am Ende nicht, sondern nur die Arbeit zähle, „nur das Werk“ – dann verbinden sich die Dinge in meinem Kopf auf wundersame Weise.

Heute habe ich mich entschlossen, nicht bei den einzelnen Beiträgen in die Tiefe zu gehen, sondern über die Verbindungen zu erzählen, die sich in mir ergeben. Ich weiß nicht, ob das nachvollziehbar ist, ob sich meine Spannung und Freude mitteilen… ich glaube, da ist dieses Mittel hier sehr begrenzt, und ich gehe ja auch recht sparsam mit Ausrufezeichen um 😉 . Vielleicht bin ich auch einfach nur besonders begeisterungsfähig. Als meine Freundin mir vor einiger Zeit von ihrer Workshop-Idee erzählt hatte, muss ich sie sofort angestrahlt und laut losgedacht haben; das sagte sie mir jedenfalls – ihrerseits von meiner Reaktion begeistert – am Ende unseres ersten diesbezüglichen Treffens. (Ich hoffe, da bald von der nächsten Etappe unseres Vorhabens berichten zu können.)

Ja, ich bin gerne begeistert, und ich bin froh, dass sich dieser Zustand in mir herstellen kann, denn ich kann ihn wohl nicht herbeirufen; er muss sich an irgendetwas entzünden.

In Bezug auf die genannten Berichte und Dokumentationen war es das Gefühl, dass es für mich immer einen roten Faden gibt zwischen Personen, Ideen, allgemein menschlichen Gefühlen und Bedürfnissen wie Sicherheit, Versorgtsein und Entfaltung, neben allen individuellen Ausprägungen. Wir sollten uns nicht mundtot machen lassen mit Sätzen wie „davon verstehst du nichts“ oder „auf dem Gebiet kennst du dich nicht aus“, die allzu oft und oft allzu schnell auch von unserem inneren Zensor kommen. Stattdessen können wir sehen, hören und miteinander verhandeln, um die Dinge „ringen“, wie Margot Käßmann sagt, und Privates privat sein lassen, wie vielleicht der Fall Margot Käßmann zeigt, oder auch der Fall Ingrid Bergman, die nicht nur in Kriegszeiten ihrer Kunst nachgehen musste, sondern ebenfalls an gesellschaftlichen Vorgaben (bis hin zur Ächtung) litt, die sie weder erfüllen wollte noch konnte. „Ich tat, was sich richtig angefühlt hat“, hat sie gesagt.

Wenn Ihr die Doku guckt – sie ist zumindest in der 3sat-Mediathek nicht mehr lange online – guckt bis zum Ende (oder nur das Ende 😉 ): die Bergman’schen Familienbilder zum Song von Eva Dahlgren „The movie about us“ – wunderschön! Und die Verknüpfungen gehen weiter… ich informiere mich schon mal über Eva Dahlgren… 🙂

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http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=66821

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart-live/video-westart-live-174.html

https://www.youtube.com/watch?v=_tURuyb76XQ

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Im Dialog

https://www.youtube.com/watch?v=wjPJIwI-M2g

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Michael Hirz im Gespräch mit Richard David Precht

 

Der Philosoph macht deutlich, dass es keine absolute, sondern nur gefühlte Gerechtigkeit gibt, was den Begriff an sich schwierig macht. Zudem schwankt unsere Gesellschaft zwischen zwei Modellen: der liberalen Gerechtigkeit, in der jede/r die gleichen Chancen hat, und der sozialistischen Gerechtigkeit, in der jede/r am Ende das gleiche bekommt. Es drängt mich, zu ergänzen: Wir mögen schwanken, aber leben in unserer Gesellschaft keine der beiden Formen.

Wenn nun Parteien hingehen und mit diesem undefinierten Begriff Wahlkampf machen, noch dazu solche, die viele konkreten Ungerechtigkeiten erst losgetreten haben, ist es klar, dass das Vertrauen weiter erschüttert werden muss; „von der AfD gar nicht zu reden“. (Volker Pispers sagt dazu: „Sie bekommen in unserer Demokratie bei einer demokratischen Wahl keine Mehrheit für eine Politik, von der 80 % der Bevölkerung wirtschaftlich profitieren würden; kriegen Sie keine Mehrheit für. Sie kriegen jederzeit eine Mehrheit für eine Politik, von der die reichen 10 % profitieren, denn die Politik wird seit 40 Jahren gemacht und gewählt. CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne sind wirtschaftspolitisch eine Einheitspartei.“ Und Rudolf Dreßler dazu, warum davon enttäuschte Menschen die AfD wählen: „Weil sie nicht wissen, was die AfD programmatisch denn eigentlich anbietet. Bei der SPD sehen sie und empfinden nichts mehr, und bei der AfD glauben sie zur Zeit, dieses finden zu können, und es wird für sie auch eine schlimme Entwicklung sein, ein Erwachen sein, wenn sie merken, dass diese Partei in ihrer Programmatik, wenn man das mal liest, was die eigentlich will, genau das Gegenteil von dem anbietet, was genau diese Wählerklientel erwartet.“)

Precht kommt recht schnell weg von der Parteienpolitik hin zu dem, wohin die Gesellschaft – selbstverständlich nicht ohne Politik! – kommen müsste, um mit den neuen Herausforderungen (nicht mehr genug Arbeit für alle, Strukturumbruch durch Digitalisierung) zurechtzukommen.

„Was macht das eigentlich mit einer Gesellschaft, wenn [sie] bislang daran orientiert war, dass möglichst jeder in Arbeit und Brot kommt und dass der Wert von Menschen danach gemessen wird, was sie leisten und was sie verdienen?“

Dass er nicht sehr optimistisch ist, wenn dieser gesellschaftliche Wandel nicht gestaltet wird, die an sich gute freie Zeit nicht auch gut genutzt wird („gut“ im Sinne von sinnvoll für den, der sie nun übrig hat), daran lässt er keinen Zweifel. Und die Politik bietet mit keiner Partei etwas an, das die Menschen in diesen Umbruchzeiten stärkt und stützt; Precht drückt es so aus, dass „die Parteien keine Szenarien dafür entwerfen, und dass sie es schon aus dem Grund nicht zum Wahlkampfthema machen, weil sie Angst haben, den Leuten Angst zu machen. Also lieber lullen sie sie ein und versprechen – mit Raute oder schönen warmen rhetorischen Worten – ein Gefühl von Sicherheit, von Beständigkeit und dass alles weitergeht wie bisher, aber damit werden Kartenhäuser gebaut, während die Erde Risse bekommt.“

Er empfindet es so, dass wir durch die und mit den Parteien schwanken zwischen „Retropien“ und Dystopien; dass unsere Zukunftssorge uns zurückgezogen und rückwärtsgewandt sein lässt, anstatt uns an Zukunftsvisionen arbeiten zu lassen, die uns zumindest weniger Angst machen. Und wir in Wahlkämpfen mit „Kinkerlitzchen-Themen“ abgelenkt werden von diesem Wesentlichen.

„Wer etwas erreichen will, der sucht sich Ziele, und wer etwas verhindern will, der hat Gründe. Und wir leben in einem Land, in dem, verstärkt durch die Medien, eine Diktatur der Gründe über die Ziele vorliegt. Und weil die Politiker das wissen, gehen sie immer den risikolosesten Weg.“

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„Wie viel Angebote die Gesellschaft bereitstellt“, damit ein Mensch etwas mit seiner Zeit anzufangen weiß, und wie er von Kleinkindbeinen an gut angeleitet wird, seine Potenziale zu entfalten und den Wunsch entwickelt, Gesellschaft mitzugestalten, das ist seit längerem ja auch mein Überlegungsfeld.

Dass ich dabei alles das, was trennt statt zu verbinden, das ausschließt statt einlädt sehr kritisch sehe, ist für die, die mich begleiten, kein Geheimnis; im Gegenteil werbe ich sehr offensiv für co-kreatives, disziplinenübergreifendes Miteinander.

„Das ist eine elementare Herausforderung an ein Bildungssystem. Wir haben ein Bildungssystem, das funktioniert über extrinsische Belohnung, also: in der Schule lernen sie für Noten, und später im Leben arbeiten sie für Geld.“ Wenn aber so viel Arbeit schon weggefallen ist und weiter wegfallen wird, „… dann müssen auch die anderen genug Pläne und Ideen haben…“

Das, was Richard David Precht im Interview ausstellt, ist ein Armutszeugnis für diejenigen, die unsere Gesellschaft führen und leiten und die Bedingungen schaffen.

Solange sich Menschen nicht nur abgehängt fühlen, sondern es im Vergleich mit anderen definitv auch sind, herrscht Verbesserungsbedarf. Solange Regierungsvertreter diese Menschen weniger im Blick haben als sich selbst, herrscht Skandal. Solange die wesentlichen Punkte bewusst unter den Teppich gekehrt werden, ebenfalls.

Wir sollten uns alle bemühen und „diese Entwicklung nicht mit geschlossenen Augen machen, sondern sehenden Auges, und das heißt, dass wir all die wichtigen politischen und sozialen Umgestaltungen aktiv angehen, die wir angehen müssen, damit wir auch in Zukunft in einer lebenswerten Gesellschaft bei uns in Deutschland und in Europa leben.“

Precht schlägt als Beispiel schon mal – im Gegensatz zum Modell, Arbeit zu besteuern – eine Finanztransaktionssteuer vor, die, prozentual angelegt, schon an sich mehr (konkrete) Gerechtigkeit brächte.

Was kann die/der Einzelne beitragen?

Dazu zählt für mich die Besinnung auf unsere ureigenen Bedürfnisse. Diese Besinnung muss man selbst als wacher, kritischer Erwachsener ständig trainieren bei all dem, was uns als „Must-haves“ verkauft wird, worauf das Scheinwerferlicht für uns gerichtet wird. Sollten wir zu dem Schluss kommen, dass unsere Bedürfnisse nicht viel mit dem zu tun haben, worauf sich unsere Aufmerksamkeit richten soll, sollten wir widerstehen, oder nicht?

Ich bin dafür, dass wir Kindern (eigenen, denen, die uns anvertraut werden in offiziellen und inoffiziellen Patenschaften und denen, die wir nur kurz und vielleicht nur zufällig begleiten) vorleben, dass Talente wertvoller sind als Äußerlichkeiten, und dass wir vorleben, dass man anderen Menschen erst mal zuhören und das Gehörte im Sinne des Sprechenden verstehen muss, ehe man antworten kann. Jugendlichen und Erwachsenen kann man zum Beispiel prima vorleben, dass es auf Feiern, bei denen man neue Menschen kennenlernt, andere erste Fragen als die nach dem Beruf gibt…

Ich glaube, dass eine Gesellschaft, die sich nicht ablenken und abspeisen lässt, anders lebt und anders wählt. Ich wünsche mir den nächsten Schritt von den Mausfeld’schen Erkenntnissen, „warum die Lämmer schweigen“ hin zum konstruktiven Angehen der inneren und äußeren Schweinehunde. Und beim nächsten Zusammentreffen mit neuen Leuten… na, Ihr wisst schon… 😉

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Die mögliche Verbindung zum individuellen Wesentlichen

https://www.taz.de/!5396305/

Zitat aus dem Interview: „Wenn sich ein Werk auf Malewitschs Schwarzes Quadrat bezieht, muss man erstens Malewitsch kennen und zweitens wissen, dass er sich auf Ikonenmalerei bezieht. Man muss drei Ebenen erklären. Wir überlegen gerade, wie wir das geknackt kriegen. Im Idealfall hätte man den Multimedia-Guide für jedes Exponat. Das ist ein kostspieliges, langfristiges Ziel.“

Dazu Anke von Heyl am 12. April auf ihrer facebook-Seite:

„Sehr spannendes Interview mit dem Chef der Hamburger Kunsthalle. Ich wage mal die These, dass ein Multimedia-Guide nicht zwingend die Lösung für das Vermitteln äußerst komplexer Zusammenhänge sein muss. Die Frage ist, ob man als Vermittlungsziel das Wissen um alle historischen Bezüge in den Vordergrund stellen sollte.“

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Inspiriert durch Anke von Heyls Beitrag auf ihrer facebook-Seite und das dortige gute Gespräch dazu, aus dem ich hier nichts wiederholen möchte, steige ich gleich steil ein: Wenn Kunst für alle Menschen ist – wovon ich ja ausgehe – kann Kunstvermittlung dann überhaupt zielgerichtet funktionieren, wenn das Ziel ständig umdefiniert werden muss nach Gruppe und Einzelperson, Alter, Wissensstand, kultureller Herkunft, Interesse (Stichwort „Schülergruppen“) …?

Ist der geringste Anspruch dann der, dass der Mensch, dem vermittelt werden soll, überhaupt erst mal bleibt und weiter zusieht und zuhört, und liegt die Kür dann darin, einem best-vorgebildeten, wissensdurstigen, kunstinteressierten Menschen, der alle Zitate versteht, noch mehr Wissen zu geben in einem „Fach“, das in seinen Inhalten keine allgemein menschliche Objektivität hat, sondern die bestimmt werden durch die jeweiligen Machthaber der einzelnen Kunst-Bereiche und Institutionen, ungeachtet der vielen Einflüsse und Eindrücke drumherum? Ungeachtet der Tatsache, dass das, was innerhalb des Kunstbetriebes, -marktes, -kanons entsteht, für „Kunst“ befunden wird und in diesem Begriff verbleiben darf, immer auch außerhalb gedacht und gearbeitet werden kann und, setzt man dieses voraus, dann sicher auch wird?

Vielleicht liegt der Gewinn von „Vermittlung“ ja gar nicht im (ohnehin überschätzten) „Verständnis“ für eine künstlerische Arbeit. Vielleicht liegt der Gewinn schlicht darin, Menschen, denen das fremd ist zu zeigen, dass Menschen sich über Kunst ausdrücken und das genau so „normal“ ist wie der Ausdruck über jede andere Sprache. Vielleicht bringen Gespräche auf den unterschiedlich möglichen Niveaus, vielleicht bringen die Fragen der Menschen auf den unterschiedlich möglichen Niveaus die – ich glaube, ebenfalls allen – mögliche Verbindung zu ihrem individuellen Wesentlichen.

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KunstvermittlerInnen leisten gute Arbeit – innerhalb des Systems.

Ich komme immer wieder dazu, mich zu fragen, ob ich in der Ansicht und in der Diskussion radikaler sein muss, was mir total widerstrebt.

Kann ich gleichzeitig sagen:

o.k., das ist der Kunstbetrieb, der so funktioniert, wie er eben funktioniert, mit all seinen Kreativschätzen und dem Bemühen um deren Vermittlung, aber eben auch mit den negativen Auswirkungen: Ausschluss Vieler im Erschaffen und Rezipieren (auch wider alle Vermittlungsversuche), Entwicklung krimineller Energien (Stichworte „Handel“ und „Fälschung“) usw. (die Liste ist beliebig verlängerbar)

und

ich wünsche mir ein co-kreatives Herangehen an Kunst, und zwar an jegliche Kreativarbeit eines jeglichen Menschen?

Passt das? Geht das? Und wenn ja: wie geht das?

Oder geht das einfach nicht zusammen, weil ein co-kreatives Herangehen an jegliches Thema Bewertung verbietet, Belehrung verbietet, und „Lehre“ und „Lernen“ da einfach anders funktionieren…?

Ich habe immer gesagt: die Arbeiten, die heute offiziell zu „Kunst“ zählen, und die wir alle schätzen und bewundern, gehen doch nicht verloren, und sie entstehen auch weiterhin neu.

Aber was ist, wenn wir uns das neu-Entstehen unter anderen, unter co-kreativen Vorzeichen vorstellen? Wie funktioniert dann zum Beispiel Aufmerksamkeit ohne geförderte Bewerbung, wie funktioniert dann überhaupt Förderung – gibt es sie dann überhaupt noch? Muss es sie dann noch geben? Wenn Kunst überall und frei auftreten kann, ohne in den Kontexten gefangen zu sein, in denen wir sie erwarten: Museen, Auftritte, Vernissagen, Midissagen, Finissagen, Konzerte, Ausstellungen, … wie stehen wir dann zum kreativen Ausdruck von Menschen? Wie wird dann geplant, wie wird dann bezahlt (Hallennutzung, Museumsunterhaltung, Technik, Strom, Personal, …)? Wie werden die Kreativen entlohnt? Werden sie entlohnt, oder kann man sich „Bezahlung“ für eine „Leistung“ auch ganz anders vorstellen, auch jenseits von Tauschhandel? Was passiert mit hochpreisigen Umsetzungen von Kunst? Denken Künstler durch etwaige Beschränkung (die ja andererseits durchaus vernünftig sein kann) anders, ohne ihre Idee verraten zu müssen?

Was wäre, wenn „Kunst“ ein „ganz normaler“ zusätzlicher Ausdruck der Menschen wäre?

Vielleicht unterstützte es sie ja im Finden ihres individuellen Wesentlichen, das, wie ich es empfinde, ein wichtiger Beitrag für inneren und äußeren Frieden ist.

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