Me too?

http://www.tagesspiegel.de/politik/metoo-debatte-woody-allen-oder-der-bildersturm/20874894.html

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Auseinandersetzenswerte Debatte: inwiefern ist für eine künstlerische Arbeit wichtig, ob der Künstler „moralisch sauber“ ist? Ohne das „me too“-Anliegen zu schmälern, ist das eine ernst zu nehmende Frage, oder?

Auch mich interessiert der Mensch hinter der Kunst, weil sein Denken, seine Einstellung mir manchmal seine kreative Arbeit ein Stück weit erklärt. Inwiefern beeinflusst mich, wenn ich von einem Denken oder Handeln erfahre, das ich ablehne?

Abgesehen davon, dass man warten sollte, bis etwas bewiesen ist, beeinflusst es mich schon. Aber zum Glück nicht beim Betrachten des Films, des Bildes, der Skulptur oder Lesen des Buchs desjenigen, der da beschuldigt wird.

Meine Eingangsfrage stellte Siham El-Maimouni in der letzten ‚Westart‘-Sendung auch Devid Striesow; Interview und übrige Themen sind bei Interesse über den untenstehenden Link zu erreichen.

Wie denken Sie, wie denkt Ihr darüber?

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https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-westart-140.html

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Laute Kunst

Ich selbst kann mich nicht davon freisprechen, manchmal Schwierigkeiten zu empfinden, mich mit mancher Kunst auseinanderzusetzen. Dann bleibt aber mein Anspruch, es trotzdem zu tun, eben nach dem Motto „Was hat es mit dir zu tun?“ Und in dem Fall eben: was hat die Ablehnung in mir mit mir zu tun?

Im facebook-Netzwerk gab es für mich ein Fundstück, das ziemlich gut beschreibt, was ich anfangs empfinde: setze ich mich mit lauter, brutaler, provokanter,… Kunst auseinander, fühle ich mich quasi „angeschrieen“. Schreit mich tatsächlich jemand an, mache ich sofort klar, dass er/sie den Ton ändern muss, weil ich sonst nicht zur Auseinandersetzung bereit bin. Beim angeschrieen-Werden durch Kunst ist ebenfalls spontan dieses „Nicht in diesem Ton!“ in mir.

Das Überbrücken dieses Gefühls – denn der „Ton“ wird sich bei einem abgeschlossenen Kunstwerk nicht ändern – ist für mich die Aufgabe in den Sekunden nach der ersten Wahrnehmung.

Wer bin ich, der anderen Person vorzuschreiben, wie sie mich „anzusprechen“ hat?

Aber wir tun es im sogenannten „wirklichen“ Leben; wir verbitten uns manchen Ton. Eine gewisse Etikette, ein gewisser Anstand im Zusammenleben ist hilfreich; „gutes Benehmen“ hilft, dass man sich zuhört, erst einmal unabhängig vom Inhalt des Gesagten. Es ist nichts Verkehrtes daran, erst einmal die Form auszuhandeln…

Macht es sich „laute“ Kunst selbst und den Betrachtern schwer? Sicher oftmals. Muss/Sollte sie sich ändern/geändert werden? Keinesfalls! Warum nicht, wenn sie es sich doch ungeändert selbst schwer macht, vielleicht weniger oder keine Augen und Ohren findet? Weil „die Form aushandeln“ im Fall von Kunst nicht funktioniert; die Authentizität des Erschaffers ginge komplett verloren. Und vielleicht empfindet derjenige, dem „laute“ Kunst keine Schwierigkeiten macht, der sie vielleicht sogar selbst erschafft, inneren Widerstand beim Hören leiserer Töne, beim Betrachten zarterer Formen und Farben…

Beides darf sein: der freie Ausdruck und die Ablehnung. Hinderlich wäre lediglich, die faire Auseinandersetzung mit dem Inhalt – eigenem und fremdem – aufzugeben.

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Eines Tages fragte Mahatma Gandhi: „Warum schreien die Menschen so, wenn sie wütend sind?“

„Sie schreien, weil sie die Ruhe verlieren“, antwortete ein Mann.

„Doch warum schreien sie, wenn die andere Person neben ihnen steht?“ fragte Gandhi erneut.

„Wir schreien, weil wir wollen, dass die andere Person uns zuhört“, erwiderte ein anderer Mann.

Gandhi fragte weiter: „Ist es dann nicht möglich, mit leiser Stimme zu sprechen?“ Weitere Antworten folgten, doch keine konnte ihn überzeugen. Nach einem Augenblick des Nachdenkens sagte er: „Wollt ihr wissen, weshalb man eine andere Person anschreit, wenn man wütend ist?

Es ist so, dass sich bei einem Streit die Herzen zweier Menschen weit voneinander entfernen.

Um diese Distanz zu überwinden, muss man schreien. Je wütender die Menschen sind, desto lauter müssen sie schreien, um einander zu hören. Darum lasst es nicht zu, dass eure Herzen sich bei einer Diskussion voneinander entfernen.

Sagt keine Worte, die die Herzen auseinandertreiben, denn der Tag wird kommen, an dem die Distanz so groß ist, dass es keinen Weg mehr zurück geben wird.

Ganz anders ist es zwischen zwei Menschen, die sich lieben.

Sie schreien nicht, sie reden sanft miteinander.

Weshalb wohl? Weil ihre Herzen einander sehr nahe sind. Die Distanz zwischen ihnen ist klein. Manchmal sind sich die Herzen so nahe, dass sie nicht einmal sprechen, sondern nur flüstern. Und wenn die Liebe noch stärker ist, braucht es nicht einmal mehr ein Flüstern. Es genügt, sich anzusehen und die Herzen hören einander. […]“

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Konsequenz

Buntstift und Öl-Pastellkreide auf Skizzenpapier

DIN A 5

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Die NachDenkSeiten über „fühlen“ und „mitnehmen“

Was hat dieser politische Beitrag, den man hier hören kann, mit Kunst zu tun?

Nun, zum einen geht es um Sprache, und Sprache war immer schon auch ein Mittel des künstlerischen Ausdrucks. Die Analyse von Marcus Klöckner macht anhand von Beispielen deutlich, dass Sprache – neben dem Wunsch nach Verständigung und dem Mittel zu ästhetischem Ausdruck – auch als Manipulationsmittel verwendet werden kann, schon immer wurde und wird.

Hier ist sozusagen das offene und wache Ohr gefragt:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=40414

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Dreißig! 

Als ich vor 30 Jahren mein Gesicht begründete („Zur Begründung meines Gesichts“, in: „Anthologie ohne Titel“, Berliner Festspiele GmbH, anrich verlag GmbH, Kevelaer 1988) mit einem Text voll ernster Ironie, dachte ich höchstens ein, zwei Jahre weiter, wie das eben so ist mit 20. Mein Thema: die nach meiner damaligen Erfahrung mehrheitlich verlogen gestellte Frage nach dem Befinden. Mein fragendes Anliegen schon damals: wie sinnvoll ist die maskenhafte Begegnung zwischen Menschen, aber inwiefern ist da eine Änderung im Miteinander möglich und: ist die immer sinnvoll?

Mir war zwar bewusst, dass ich mit dem in-die-Welt-Schicken des Textes an einem Wettbewerb teilnahm, aber da ich – bis auf den riesigen Fresskorb bei der Schul-Tombola – noch nie was gewonnen hatte, rechnete ich mir nicht nur nichts aus, sondern vergaß es beinahe ganz. Bis Wochen später folgender Brief ins Haus flatterte:

Erstmal hob ich ihn nur auf, um in Berlin Missverständnissen vorzubeugen; ich hätte jeden verstanden, der mich für eine Hochstaplerin gehalten hätte. Aber das angekündigte nächste Schreiben kam, und so brachen 21 (zwei Teilnehmer kamen von dort) junge Leute aus verschiedenen Bundesländern am 20. November 1987 für vier pickepackevolle Tage nach Berlin auf.

Für mich war es in mehrfacher Hinsicht abenteuerlich: die Bahnreise durch „Feindesland“ – dass es solches war, demonstrierten die Grenzkontrollen eindrücklich -, das Zusammentreffen mit so vielen unbekannten Menschen in der großen mir unbekannten Stadt, das neue nach-außen-dazu-Stehen, was einen bewegt, der intensive Austausch.

Am Nachmittag des 21. war Probe und ich dann an diesem ersten Lesungsabend der Eisbrecher. Das war gut so, denn die Aufregung hätte mir das unbeschwerte Erleben dieser Tage dann doch vereitelt. Hatte ich vor dem Aufrufen des Namens noch gewaltiges Herzklopfen, war das am Mikro auf einmal weg, und ich genoss es beinahe:

Schön, die Menschen mit ihren unterschiedlichen Geschichten kennenzulernen: Ralf mit der Auseinandersetzung zwischen Brüdern, die mir nah ging. Christian, einer der Berliner, mit der nicht minder zu Herzen gehenden Bürgerkriegserfahrung aus der Sicht eines Familienvaters. Stefan ließ eine Fliegerstaffel verschwinden und Lars einen Manfred „den kleinen Tisch beiseite“stellen, der einzige Satz seines Gedichts „Sonntagmorgen“. Felicia Zeller ist mit Theaterstücken später richtig bekannt geworden, auch Ralf schreibt für seine Theatergruppe, und Stefan hat sich in seiner Ruhrgebietsheimat mit Gruselgeschichten einen Namen gemacht. Ralf, Christian, Stefan und ich freundeten uns an.

Ich blieb zwar dem belletristischen Schreiben nicht treu, aber verfasste durch die Jahre weiter nicht-wissenschaftliche Sachtexte rund um Kunst, Kreativität, Gesellschaft – um den Menschen. Ich begann zu bloggen und habe mich in diversen Diskussionszirkeln bewegt, mich in Gesprächen engagiert, daneben immer auch gezeichnet und gemalt.

Die „Anthologie ohne Titel“ könnte der Titel sein für mein kreatives Leben ohne eindeutiges Ziel, eindeutiges Werk. Auch damals hatte ich kein eindeutiges Ziel, auch nicht, was das Schreiben anging. Dieses Ziellose, Unehrgeizige in mir kann eine Karriere, wie sie landläufig verstanden wird, verhindert haben. Ob das Talent gereicht hätte, werde ich nicht erfahren. Aber ich wollte es nie austesten; ich wollte nur immer authentisch leben.

Wir waren damals im zweiten Jahr dabei; den Wettbewerb gibt es immer noch; heute ist der diesjährige Abschlusstag; heute vor 30 Jahren habe ich mich auf den Weg gemacht. Für mich ist es schön zu sehen, dass sich immer wieder junge Leute auf den Weg machen, sich und ihren Platz in der Welt zu suchen, Auseinandersetzung zu suchen.

P.  S.: Meine Einstellung zur „mehrheitlich verlogen gestellten Frage nach dem Befinden“ hat sich durch die Jahre übrigens weiter relativiert 😉 .

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https://www.berlinerfestspiele.de/de/aktuell/festivals/bundeswettbewerbe/treffen_junger_autoren/ueber_festival_tja/aktuell_tja/start_tja.php

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Verändern wir unseren Deutungsrahmen

https://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=68916

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Die sehr sehenswerte Diskussion beschäftigte sich mit dem Framing-Effekt, der bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen trotz gleichen Inhalts den Empfänger unterschiedlich beeinflussen. https://de.wikipedia.org/wiki/Framing-Effekt
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Was mir besonders gefiel: dass es völlig unstrittig – sozusagen die Grundlage der Diskussion überhaupt – war, dass Sprache eine immense Bedeutung hat. In dem Zusammenhang fällt mir die Gender-Theorie als gutes Beispiel ein: die rechtliche Gleichstellung des Menschen ist immer noch nicht geschafft, und Bemühungen, mit Sprache diesbezüglich sensibel umzugehen, werden trotzdem häufig torpediert. Zwar treiben die Bemühungen manchmal auch merkwürdige Blüten, aber diese machen die Unternehmung als solche ja nicht falsch.

„Offen in der Beobachtung zu sein“ und zu bleiben war für mich ein wichtiges Zwischenergebnis der Sendung. Denn obwohl der Anspruch eigentlich klar ist oder sein sollte, wird er häufig nicht gelebt; im Gegenteil haben es Beobachter und Aussprecher des Beobachteten in Gesprächen oft schwer. Die Beteiligten der ‚scobel‘-Diskussion rangen denn auch miteinander, warum das so ist. Soziologe Dirk Baecker sprach den offensichtlichen Zeitmangel der Menschen an, worauf die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling zusammen mit Gert Scobel zurück fragte, warum denn keine Zeit für diese Sorgfalt sei. Wehling schlug vor, dass wir das „politische Denken entschleunigen“ sollten – das halte ich für unser Denken grundsätzlich für einen guten Ansatz! Wenn wir uns Zeit nehmen (nähmen!), Metaphern und Frames zu analysieren und das gesellschaftsfähig, mehrheitsfähig wäre, würden wir den Inhalten der Dinge einen großen Gefallen tun. Es wäre nicht mehr so leicht, andere sittenwidrig zu manipulieren. Es wäre den Gegnern notwendiger gesellschaftlicher Veränderungen nicht mehr so leicht gemacht, Nebenschauplätze aufzumachen und vom eigentlich Wichtigen abzulenken.

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„Offen in der Beobachtung zu sein“, auch und gerade sich selbst gegenüber, manchmal klischeehaft benutzten Metaphern gegenüber, ist auch das Grundthema der Kunst. Dabei dazu zu stehen, wenn das Klischee einfach trifft, hat mit Auseinandersetzung zu tun, WARUM es trifft. Es geht nicht um Ge- oder Verbote. Es geht um Auseinandersetzung. Findet die statt, ist alles erlaubt, was einem anderen nicht seelisch oder körperlich bewusst schadet. Und schadet es unbewusst: dafür gibt es den Dialog. Und ist jemand außerstande für Dialog: dafür gibt es den mitfühlenden Mitmenschen. „Offen in der Beobachtung zu sein“, das beginnt also mit ihm.

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Selbstmotivation

„Selbstmotivation“ klingt aufgesetzt, angestrengt, so, als müsste man immer wieder mühevoll einen neuen Anlauf nehmen. Es wird Situationen geben, in denen es sich genau so anfühlt, und es wird bestimmt Menschen geben, für die sich das immer so anfühlt.
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Als ich letztens bei Freunden war, lag da eine Zeitschrift aufgeschlagen, und die Worte Markt und Künstler sprangen mich an. Da die Freunde kurzzeitig anderweitig beschäftigt waren, begann ich den Artikel anzulesen, aber viel Zeit wollte ich mir dafür dort nicht nehmen, und so fotografierte ich ihn ab. Die Titelzeilen habe ich nur halb im Bild, da mir der Name des Autors wichtig war: Tim Sommer.

Der Chefredakteur des Kunstmagazins „art“ beschreibt in dem Artikel des Magazins „dbmobil“ auf eindrucksvolle Weise, wie der Weg eines Menschen aussieht, der beschließt, Künstler zu werden. Er lässt nichts aus: „prekäre, konjunkturabhängige Tätigkeit“, „schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie“, „zweifelhaftes Sozialprestige“ sind die Beschreibungen schon im ersten Absatz, einer fiktiven Stellenbeschreibung.

„… der berufsmäßig Andersdenkende, der Lieferant für Alternativen“ startet mit etwa 4999 Mitstudenten jährlich in Deutschland, „macht 50000 Konkurrenten in den nächsten zehn Jahren.“ Er oder sie erprobt Techniken, redet viel und lernt zumindest sich selbst mit „Glück“ „sehr gut kennen“. „Regeln, nach denen eine Arbeit nachvollziehbar als gut oder schlecht bewertet werden könnte“, gibt es nicht.

„Ihr Werk bedeutet nichts, gilt nichts, hat keinen Preis, solange es im Atelier schlummert. Zur Kunst wird ein Gegenstand erst, wenn er durch die Betrachtung Sinn und durch die Diskussion darüber eine Stimme bekommt – frei skalierbar von Ihrem Bekanntenkreis bis zur Weltpresse.“

Nachdem man die 30 überschritten hat, wird es eng mit Atelier-Programmen, Stipendien und Förderpreisen. Es wird schwierig für jemanden, der bis dahin keine Galerie hat, die für ihn mitarbeitet, wobei der Name der Galerie den „Rang“ des Künstlers zum Großteil mit ausmacht.

„Vorausgesetzt, Sie sind wirklich zeitgemäß, fleißig und umtriebig, jetzt in Ihren besten Jahren, dann wird Sie der kreisende Suchscheinwerfer der Geltung hoffentlich treffen. Garantiert ist das keineswegs.“ Wer es bis dahin geschafft hat und auf einem großen Festival, einer Biennale oder der Documenta (weiter) entdeckt wird, kann bald schon wieder im Nebel verschwinden, „weil sich selbst die Berufsauskenner unmöglich alles in ihr Langzeitgedächtnis schaufeln können, was die globalisierte Kunstmaschine wichtig macht.“

Je älter man und frau wird, desto schwieriger wird ein würdevoller Aufenthalt auf dem offiziellen Kunstparkett dem, der unentdeckt bleibt, und kommt es zu später „Wieder- oder Erstentdeckung“, „[schämt] sich [der Kunstbetrieb] dabei nicht ein bisschen seiner Ignoranz durch Abgelenktheit in der Zwischenzeit“.

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Ich habe dieses Beschriebene wohl früh in meinem Leben befürchtet, so dass Kunst für mich nie als „Beruf“ in Frage gekommen wäre; ich habe nie auch nur im Traum mit dem Gedanken gespielt, ein Kunststudium zu beginnen. Vor zehn Jahren habe ich mir den Streit zwischen „Hobby“- und „Berufs“künstlern beherzt und emotional von der Seele geschrieben, ohne jede Rücksicht auf leichte Lesbarkeit 😉 (http://www.sabinepint.de/diskussion.htm).

Immer war in mir der augenscheinliche Widerspruch: wie leben denn die anderen ihre Kreativität? Versteckt? Denn ich kannte von allen, die zwar von Hause aus und teilweise langjährig kreativ waren, nur ein verschämtes ‚ich schreibe ja auch ein bisschen‘ oder ein ‚manchmal male ich auch‘, wenn sie es nicht auf dem „offiziellen“ Weg taten. Aus Sorge, sich zu outen, weil man ja nie und nimmer so „gut“ wie irgendein Ausstudierter sein könne.

Später, als Quereinsteiger in allen möglichen Bereichen Normalität wurden und/oder man immer mehr davon mitbekam, stieg das Selbstbewusstsein mancher Betroffener, aber längst nicht bei allen. Und in mir blieb immer dieser Widerspruch.

Nur: ich wollte mich ihm nicht beugen. Zeigte ein Bild mit 16 und las meinen Text mit 20 vor einem fremden Berliner Publikum. Dachte nicht, dass ich jetzt bekannt würde, sondern lebte genau so weiter: malte weiter, stellte ab und an aus bei dem, der das auch wollte, begann zu bloggen, nachdem ich nicht mehr belletristisch schrieb. Sah und sehe alles als Angebot, das man auch ablehnen kann, genau so, wie ich Dinge ablehne, wenn ich sie gerade nicht „suche“. Kunst ist in meinem Leben; sie ist ein Ausdrucksmittel, eine Sprache mehr, in der ich Kontakt pflegen kann.

Wenn sich Menschen fragten, wie ich motiviert bleiben kann, dann wäre meine Antwort, dass ich mir das nicht aussuche. Mich über Kreativität auszudrücken strengt mich nicht an, sondern ist mir ein Bedürfnis. Ich warte dabei auf nichts. Ich halte es mit Wilfried Schmickler, der in den letzten „Mitternachtsspitzen“ sagte „Leben wir öffentlich!“ und dabei nicht meinte, sich immer und überall selbst gläsern zu machen, sondern zu Haltung aufrief, wie er es meistens tut.

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„Die Welt der Kunst ist der letzte große Freiheitsraum, den die durchrationalisierte Gegenwart zu bieten hat. Eine wunderbare Nebenwelt, die uns die Wirklichkeit verstehen lehrt, indem wir sie verlassen. Hier begegnen wir den extremsten Gestalten, den verstiegensten Ideen, den zartesten Empfindungen und den brutalsten Erkenntnissen, der vollendeten Schönheit und vollendeten Hässlichkeit. Wer sich dieser Zumutung aussetzt, wird sich dabei verändern.“ (Tim Sommer)

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Ich denke, man muss sich entscheiden…

Michael Kröger: „Eine aktuell als Banalität bewertete Form von reproduzierter Wirklichkeit muss nicht auf Dauer banal bleiben. Das bewusst reflektierte Banalisiertwerden eines Phänomens spiegelt nicht nur aktuelle Werte und besonders Vorurteile, sondern immer auch Erwartungen gegenüber einer Sphäre eines noch unbekannten und exklusiven Nicht-Banalen. Gerade mit dieser speziellen Erwartungsfunktion lässt sich weiter spekulieren. Denn spricht man weniger abwertend von Banalisierung, so erkennt man plötzlich sehr vieles in einem anderen Licht.

Wo nur von Banalem und/oder drohender Trivialisierung die Rede ist, entstehen nicht nur Formen von negativer Bewertung und damit eine Ausschließung. Im Gegenteil: Relevantes entsteht jeweils dort, wo erfolgreich etwas Neues als Nicht-Banales zur Sprache kommt.“

 

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Ob etwas „zu“ irgendetwas ist, steht immer in einem Kontext, und der Sprecher definiert diesen. Wenn mir etwas beispielsweise „zu banal“ ist, dann ist es das in Bezug zu meinen Wünschen und Ansprüchen. In der Kunst gilt dieser Begriff (Banalität) mir nichts; er funktioniert da nicht. Auch ich definiere hier; das ist mir bewusst.

 

Ich muss weiter ausholen: wenn wir beim Banalitätsbegriff sind, ist der Qualitätsbegriff nicht weit. Für mich gibt es im künstlerischen Ausdruck keine objektive Qualität; auch hier ist mir bewusst, dass es ketzerisch klingen mag in so manchem Ohr.

 

Und an jeder Stelle sind wir gezwungen, uns zu positionieren, zu definieren. Wenn Kunst Sprache ist, und jemand drückt sich unverständlich aus, heißt das nicht, dass er nicht sprechen kann – er tut es ja! Selbst wenn niemand ihn verstünde… ist seine Sprache wohl noch nicht decodiert. Das Sprechen selbst, seinen ureigenen Ausdruck kann man ihm nicht ab-sprechen. Selbst, wenn andere seine ur-eigenen Belange „banal“ nennen.

 

Die erste Kunst wurde u. a. in Höhlen gefunden – einen Käfig gebaut hat man ihr erst später. Der Käfig ist ein System, das in sich geschlossen schon funktioniert – nur versucht man im System „Kunst“ den Ausschluss dessen, was allen gehört. Und man schließt Menschen einander aus. Ich denke nicht, dass die Frage nach Banalität oder Relevanz sich bei der ersten Kunst des Menschen stellte, egal, ob diese religiös motiviert war, von Trance-Erfahrungen erzählt hat oder doch einfach nur Kontakt zum Mitmenschen herstellen wollte.

 

Ein Kollege sieht die Kunst rein wissenschaftlich – und auch in Dr. Krögers Text ist von „Kunstwissenschaft“ die Rede –; das gelingt mir einfach nicht. Was ist das Ziel der Kunstwissenschaft? Wenn man überlegt, ob eine Documenta es noch bringt, weil es alles schon gab… was ist das Ziel? Man darf gerne auch ein ganz abgedrehtes nennen, z. B. so, als würde die Medizin das Ziel formulieren, dass irgendwann kein Mensch mehr an Krankheit sterben muss…

 

Ich weiß, dass, wäre es überhaupt argumentativ möglich zu erklären, man der Oma in einfachen Worten erklären könnte, warum Leon Löwentraut besser malt als ihr Enkel – mir ist klar, warum das (im sich selbst erhaltenden System „Kunst“) nicht möglich ist. Es greifen weder rein ästhetische Gründe noch die Gedanken des Künstlers; ich habe z. B. ihn in diversen Talkrunden gehört. Wenn sich dann noch der Anwalt der womöglich – ich nehme es jedenfalls an – stinkreichen Eltern sich mit dem Anwalt eines anderen Malers anlegt, wer von wem abgemalt hat, ist der Kunstbetrieb um eine Farce reicher.

 

Ich warte darauf, dass der „Anthropomorphe Kabinettschrank“ von Dali als Fälschung entlarvt wird, um beweisen zu können, dass ich ihn dann noch genau so regelmäßig und gern besuche und bestaune wie davor – nur würde er dann vermutlich abgehängt.

 

Ich finde, all das (und noch viel mehr) sollte man in einer Diskussion um Banalität bedenken. Mich bringt es zum Fazit, dass nichts von irgendwoher gegeben ist, was Menschen als Systeme erfunden haben oder erfinden. Menschen machen die Regeln; alle sind jederzeit änderbar. Definitionen sind änderbar; s. ganz o. das Zitat.

 

Würde Kunst als allgemein gebrauchbarer menschlicher Ausdruck gelten dürfen, dürfte sie genesen. So, wie es aber jetzt ist, bleibt mir nur die Trennung zwischen Markt-Kunst und (einfach) Kunst als jedwedem menschlichen Ausdruck mittels oder jenseits von Verbalsprache, egal ob Marcel, Gerhard oder Lieschen die Erschaffer sind.

 

Das „Problem“ ist die Etikettierung im Gegensatz zu inhaltlichem Austausch.

 

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Tanja Praske: „Überall das gleiche unproduktive Gerangel um Kompetenzen und Deutungshoheit. Hier finde ich Lauras Meinung: „E-Kultur (ernsthafte Kultur) definiert sich über Ausschluss“ sehr treffend. Bei Michael Krögers Post dachte ich umgehend „wer bestimmt denn was banal ist?“ Durch das Web wohl kaum noch eine elitäre Bildungsoberschicht, sondern das Publikum, der User, der sogar auch Content liefert. Entweder moderiert durch die Kulturinstitution oder einfach so, denn das machen die User so oder so, mit oder ohne Moderation.“

 

Ich sehe tatsächlich ein bisschen die Gefahr, dass das Publikum die Rolle des „Banalisierers“ zugewiesen bekommen könnte und die Kunstvermittler die der „Mithelfer“; das ist schon so geschehen in diversen Diskussionen bis hin zur Erkenntnis mancher, dass das Publikum doch eher hinderlich sei bei der Kunstbetrachtung.

 

Ich denke, man muss sich entscheiden: entweder es ist eine Wissenschaft, dann dürfen sich selbstverständlich nur noch die Wissenschaftler unterhalten, oder etwas „für die Menschen“, ohne Ausschluss, ohne Vorurteil, differenziert. Ich für mein Teil kann mir nicht vorstellen, dass sich die Menschen die Freiheit des Ausdrucks und des Sprechens darüber wegnehmen lassen…

 

[Meine Antwort zum Thema „Banalisierung in der Kunst“ im Blog von Tanja Praske vom 02.02.2016]

 

„Die Kunst stirbt niemals. Sie ist ein Teil unseres Ichs.“ Giovanni Segantini

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Salvador Dalí – Der anthropomorphe Kabinettschrank

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