Bei Nichtbeachtung droht vielleicht irgendwann mehr als „Kunstverlust“…

„Ich habe miterlebt, wie Jugendliche, die noch nie etwas mit Kunst zu tun hatten, nie in einem Museum waren, durch einen Kunstworkshop angefangen haben zu strahlen. Sie wirkten plötzlich selbstbewusst, kreativ, individuell und interessiert an allem, was über ihren bisherigen ‚Tellerrand‘ hinausging. Aus diesem Grund müssen wir unseren Blick nach vorne richten und dieses Potenzial stärken, denn ohne Kunst würde unsere Gesellschaft eingehen.“ [Juliane Köhler]

*

Warum ist es durch Kunst so niederschwellig möglich, Interesse, gar Selbstbewusstsein zu erleben?

Ich denke, weil jeder einen natürlichen Zugang zu ihr hat oder haben könnte, gerade in jungen Jahren. Mit zunehmendem Alter wird dieser natürliche Zugang immer mehr zugestellt mit Erwartungen der Umwelt, die in die jungen Menschen kriechen und irgendwann als eigene Haltungen erlebt werden. Auch Kunst hat in der Gesellschaft ein Gerüst, einen starren Rahmen, den man schon spürt, wenn man nur die Bezeichnung nimmt: Kunst. Der Begriff ist abstrakt; jeder füllt ihn anders. Ein Teil der Gesellschaft sieht ihn als Qualitätsbegriff an: alles, was so genannt wird, ist durch einen Filter gelaufen, hat „Tests“ bestanden, ist von „Experten“, deren Urteil wir vertrauen, für gut befunden worden, gut genug, diesen „Titel“ zu tragen. Junge Menschen, die mit dieser Begriffsdefinition aufwachsen und sie verinnerlichen, werden, wenn sie „offiziell“ einen zum Beispiel naturwissenschaftlichen Weg einschlagen, kaum wagen, auch noch „Kunst“ zu machen oder auch nur diese Neigung verspüren. Das eigentlich so leicht zu weckende Gefühl, das Juliane Köhler bei ‚KunstVerLust‘ beschreibt und das Menschen sich gut und zufrieden fühlen hilft – zu Frieden – wird leichtfertig weggegeben zugunsten eines Lebens im Wettbewerb.

*

Und ist das nicht genau der richtige Ansatz, auch jenseits von Kunst? Zu welchen Themen könnt Ihr Euch Workshops vorstellen, die bereits im Jugendalter ihren Anfang nehmen und über reine „Beschäftigungstherapie“ hinausgehen können? Wie könnten sich Jugendliche – selbstverständlich freiwillig! – einbringen können, ohne ihre kostbare Frei- oder Schulzeit zu opfern; vielleicht gekoppelt an den Unterricht? Kann Unterricht nicht generell anders gestaltet werden? Wie erreicht man Schüler, die ihrer Herkunft (Sprachbarriere, Kulturbarriere) oder Wohnsituation nach benachteiligt sind, wenn man den Maßstab unserer Gesellschaft anlegt?

Wodurch wird der erste Funke für Beteiligungswunsch entzündet?

*

http://www.kunstverlust.de/galerie/2015/12/23/juliane-khler

*

Advertisements
Standard

KAWUMM!

http://www.youtube.com/watch?v=h0Uf8oeEeRc

*

KAWUMM im GOP. Essen

„Wir müssen schrei’n, wir müssen schrei’n.

Öffnet Euren Mund und öffnet Euer Herz, sonst bleibt nur noch der Schmerz.

Öffnet Euer Herz und öffnet Euren Mund –

es gibt wieder einen Grund.“

Vergangenen Mittwoch sahen wir im GOP.-Varieté-Theater Essen „Die wundersame Geschichte vom dicken Mann, der beinahe nichts konnte“.

Markus Pabst als „Herr Mutzmann […] tritt auf die triste Büro-Bühne, entfaltet ein Feuerwerk der Attraktionen und verpackt noch eine politische Botschaft. In hochexplosiven Zeiten predigt er Toleranz, spricht sich für Vielfalt aus, kritisiert Kirche und Staatsgewalt“, schrieb Dagmar Schwalm am 21.05.17 in der WAZ.

Für mich stellt sich die Frage nicht, ob Kunst politisch sein „darf“ – mir geht das Herz auf, wenn sie es ist. Und zwar nicht für eine Organisation oder Partei, sondern FÜR DIE MENSCHEN. Wenn aufgezeigt wird, dass Fantasie, Poesie, sich-Einbringen und sich-Ausdrücken in jedem Menschen sind und wir das in Sicherheit und Frieden stärken sollten, anstatt uns gegeneinander aufhetzen zu lassen.

Die Show ist noch bis nächsten Sonntag im GOP. an der Essener Rottstraße zu sehen (Karten unter 247 93 93) und zieht dann weiter nach Bad Oeynhausen (09.11. – 14.01.18).

*

Standard