Farben

„Farbe ist ein durch das Auge und Gehirn vermittelter Sinneseindruck, der durch Licht hervorgerufen wird, genauer durch die Wahrnehmung elektromagnetischer Strahlung der Wellenlänge zwischen 380 und 760 Nanometer. Es ist der Sinneseindruck, durch den sich zwei aneinandergrenzende, strukturlose Teile des Gesichtsfeldes bei einäugiger Beobachtung mit unbewegtem Auge allein unterscheiden lassen. In der Alltagssprache werden auch Farbmittel (farbgebende Substanzen) als Farbe bezeichnet, also stoffliche Mittel, mit denen man die Farbe von Gegenständen verändern kann, z. B. Malerfarben.

Die Farbwahrnehmung ist eine subjektive Empfindung, welche nicht nur durch die Art der einfallenden Lichtstrahlung, sondern auch durch die Beschaffenheit der Augen, Empfindlichkeit der Rezeptoren und den Wahrnehmungsapparat bestimmt wird. Andere optische Wahrnehmungsphänomene wie Struktur (Licht-Schatten-Wirkungen), Glanz oder Rauheit sowie psychische Effekte, wie Umstimmung oder Adaptation [Pupillenreflex bei unterschiedlichen Leuchtdichten], sind vom Farbbegriff zu unterscheiden.“ (Wikipedia)

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Das Feld der Farben ist ein weites. Wie relativ Farbeindrücke sind, machen besonders optische Täuschungen deutlich: http://www.illusionen.biz/blog/?page_id=22 .

Hier möchte ich heute auf etwas anderes hinaus.

Als Kind mochte ich womöglich alle Farben, als Jugendliche besonders Blau (was ich mit vielen, auch erwachsenen, Menschen teile). Irgendwann als junge Erwachsene – das weiß ich noch – sagte ich jemandem, dass ich kein Rot mag, noch vor ein paar Jahren jemand anderem, dass ich Gelb schwierig fände. Womöglich hatte ich nur wieder Sorge, zu kompliziert zu antworten 😉 .

Denn wie wunderschön finde ich ein ganz, ganz helles Sonnengelb oder auch Zinkgelb! Wie sehr mag ich Wein- oder Oxidrot und alle dunklen Beerentöne (und übrigens auch ein paar helle)! Im Grün-Spektrum gibt es fast nichts, was mir nicht gefällt, und bei meiner Jugendliebe Blau gefällt mir Baby-Blau nur an Babies und jeder andere helle Blauton, der nicht abgetönt ist wie die meisten Jeans-Varianten, nur bedingt.

Was sind diese Bedingungen? Wann gefällt uns eine Farbe? Beim Thema „Blau“ fällt mir „Das Meer“ des Malers Ulrico ein, das ich besitze und das eben auch alle hellen Blautöne hat, die es braucht, um etwas nicht im wahrsten Wortsinn ein-tönig abzubilden, langweilig und letztendlich nicht „echt“. Manche Farben gefallen uns nicht miteinander; wir empfinden keinen Einklang, sondern es vielleicht nur „schreiend bunt“. Dieselben Farben auf der bunten Blumenwiese werden die meisten wunderschön finden, auch und gerade zusammen.

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Es kommt eben – mal wieder – darauf an. Auf Nuancen, auf die Zwischentöne (Grau hat übrigens auch eine wunderbare Farbpalette 😉 ).

Worauf kommt es bei Euch an? Wann bewertet Ihr etwas einzeln, wann im Zusammenspiel?

Und – von mir aus – denkt gerne auch abseits von „Farbe“… 🙂

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Kunst und Fälschung

Kunst und Fälschung

Ich wollte einmal genauer darüber nachdenken, warum auch ich dazu neige und immer geneigt habe, Kunstfälschung doch als eine Art „Kavaliersdelikt“ zu betrachten, neben aller damit verbundenen Betrügerei. Dabei weiß ich natürlich gerade deswegen, dass „Kavaliersdelikt“ ein unpassendes Wort ist, aber mir fällt – zumindest zu Beginn meines Textes – gerade kein passenderes ein.

Berichte über Kunstfälscher haben mich seit jeher eher amüsiert als entrüstet, und ich denke, dass es damit zusammenhängt, dass ein mit Geld um sich werfendes System betrogen und ausgetrickst wird. Ein System, dem man lange nicht mehr nur glaubt, ein hehres Ziel zu haben. Ich gebe zu, dass ich eine innere Genugtuung spüre, frei nach dem Motto: das hat es verdient! So wird der Fälscher Wolfgang Beltracchi in der 2012 beim WDR erschienenen Dokumentation von Anke Rebbert: „Der große Bluff – Wie man mit Kunst kassiert“ zitiert, dass der Kunstmarkt es ihm „absurd einfach gemacht“ habe. Und das glaube ich ihm auf’s Wort.

In seiner gemeinsam mit seiner Frau Helene verfassten Biografie „Selbstportrait“, die 2014 im Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg erschienen ist, kommen immer wieder Redewendungen vor, die zeigen, dass Fälscher immer auf Moden eingehen, das malen, was „gerade gut ankommt“ – weil es eben in erster Linie um Profit geht. Dass es einem von ihnen „immer nur um’s Malen gegangen“ sei, zweifle ich daher entschieden an, wenn sie nicht das Technische, die Übung an sich meinen. Immerhin gibt Wolfgang Beltracchi zu, dass er es genossen hat, „wenn wieder einmal einem der ‚Großen’ meine Arbeit gefallen hatte“ – auch das kann ein Antrieb sein. Was jedoch fehlt, ist eine Identitätsbildung, wenn das Entstandene und das Entstehende immer nur anderen zugeschrieben werden. Beltracchi spricht man die Möglichkeit einer eigenen Maler-Identität, zumindest einer, die nicht selbstgefälliger Sensationslust entspringt, in großen Teilen sogar komplett ab. In seinem Buch schreibt er auf S. 231:

„Heute lebe ich in einem neuen Spannungsfeld. Die literarische und filmische Auseinandersetzung mit meiner künstlerischen Tätigkeit und mit meinen kriminellen Handlungen zeigt mir, wie schwierig es ist, die eigene Identität, literarisch und malerisch, zu finden und auszudrücken. In mir kämpfe ich Schlachten gegen so manche Schattenwesen und Einflüsterungen; um zu neuer Kreativität zu finden, musste ich mich erst mit meinen Fehlern auseinandersetzen, auch mit der Verurteilung konfrontiert sein. Erst allmählich wird mir deutlich, was meine Malerei künftig leiten könnte. Der Kampf um sich selbst ist für manche Maler ein fortgesetztes Ausprobieren, für andere scheint es nur eine einzige Form zu geben. Ich gehöre zu denen, die die ganze Welt der Malerei benötigen, um sich mitzuteilen. Meine Identität als Maler liegt in meinem geschaffenen Werk, dem ich in Zukunft keinen Tarnmantel mehr überhängen werde.“

Das klingt in meinen Ohren zumindest so, als stelle Beltracchi sich tatsächlich einer Herausforderung, denn er wird in Zukunft daran gemessen, inwiefern sich seine zukünftigen kreativen Arbeiten von den damaligen unterscheiden oder ob ihm auch zukünftig „das Originäre fehlt“, wie es der Journalist Stefan Koldehoff ausdrückt.

Es geht mir nicht darum, z. B. Wolfgang Beltracchi noch eine weitere Bühne zu bauen; Viele, die sich entrüsten, was er getan hat, werden schon die Verdienstmöglichkeiten, die sich ihm nach der Enttarnung neu auftun wie Fernsehauftritte, Buchveröffentlichungen und dergleichen mehr, verteufeln. Es geht mir darum, eine Position für mich zu finden und es anderen gegebenenfalls zu ermöglichen, über die ihre nachzudenken. Wie definiere ich persönlich „Verrat“ oder „Betrug“, hier einmal ganz konkret am Beispiel „Kunst“? Was ist mir dabei wichtig, was eventuell vernachlässigenswert? Welche sind die Werte, die für mich erhaltenswert sind?

Es geht mir hier einmal mehr auch nicht darum, an Kunst kein Geld verdienen zu „dürfen“, sondern darum, was man im Grunde verkauft, wenn es NUR darum geht. René Allonge, Ermittler beim LKA Berlin und maßgeblich beteiligt bei der Verhaftung Beltracchi’s, sagt im Film Folgendes: „… der Anteil der sorgfältigen Sammler, die also ihre Werke auch dauerhaft in Ausstellungen geben, damit sich die Bevölkerung das ansehen kann, das nimmt immer mehr ab, und da liegt eine gewisse Gefahr in diesem Markt; es entsteht Gier und auch ein gewisser Druck mit der ‚Ware Kunst’ zu handeln, und wenn man dann sich diesem Druck beugt und nicht sorgfältig ist, dann passieren diese Fehlerquellen und dann kommt es auch zu solchen Schäden.“

Wie schaut man Kunst in Zeiten des immer wahrscheinlicheren Betrugs aufgrund von Gier an? Darf ich in einem Museum ein Bild bewundern, von dem ich nicht mit abschließender Gewissheit sagen kann, dass es von dem- oder derjenigen stammt, die namentlich daran erwähnt sind? Meine Antwort darauf lautet schon immer: ja, natürlich! Ich sollte das Bild sogar genießen, EGAL, von wem es stammt. Das, finde ich, öffnet die Augen für so manches Lieschen Müller, von dem es immer auch stammen könnte. Fälschergeschichten zeigen immer auch, dass handwerkliches Können auf dem Gebiet der Kunst keinen Erfolg garantiert, sonst würden sie ihre Arbeiten sicher liebend gern unter dem eigenen Namen, der eigenen Identität, veröffentlichen. Und sie (die Geschichten) entlarven, wie sehr „Erfolg“ damit verknüpft ist, welche Bewerbung jemand erhält, welche Bedeutung sein Name bereits hat. Was mittels der Arbeit zu sehen, zu erfahren ist und warum, scheint zweitrangig zu sein…

Im Film wird über die Enttäuschung eines holländischen Privatsammlers gesprochen, nachdem das „Frauenportrait mit Hut“ von Kees van Dongen als Fälschung Beltracchis’s entlarvt wurde. Das Bild hatte ihm doch gefallen! Gefällt es ihm auf einmal nicht mehr, nachdem die Fälschung enttarnt wurde? Sicher, er hat mit den immensen Anschaffungskosten auch den (angeblichen) Namen des Malers bezahlt, und der Verlust des Geldes schmerzt sicher auch Reiche, und manchmal mehr als ärmere Leute, wie es oft und sicher nicht zu Unrecht heißt. Aber es ist immer noch dasselbe Bild…

Im Falle des Ideenklaues, der in Internet-Zeiten immer schwieriger aufzudecken und zu verhandeln ist, liegt die Sache etwas anders, aber eben nur bedingt. Ideenklau wird doch meist nur als „schlimm“ empfunden, wenn der Bestohlene einen messbaren Schaden nimmt, den ein anderer als Gewinn einstreicht. In allen anderen nicht aufgedeckten Fällen wird es durch die allgemeine Beeinflussung schier unmöglich sein, ihn überhaupt zu entdecken, geschweige zu beweisen. Ist es also hilfreich, darüber zu streiten…? Ich finde es zwar dreist und käme selbst nicht auf die Idee, bewusst Ideen zu stehlen, aber ich weiß vermutlich nicht einmal, wie welches Gesehene in mir weiterarbeitet und zu etwas wird, das ohne das – vielleicht Jahre zuvor – Gesehene so nicht entstanden wäre… Ideen dürfen sich in anderen weiterentwickeln und dort zu etwas Neuem werden. Das wirft man Beltracchi vor, dass er das nie getan hätte: Eigenes entwickeln. Er habe immer nur bereits bekannte Motive neu zusammengestellt. Dabei finde ich eines vorstellens- und bedenkenswert: irgendwann einmal hat jemand ein Motiv „neu erfunden“, selbstverständlich beeinflusst durch die Dinge, Personen und Vorkommnisse, denen er zuvor begegnet ist, aber sagen wir: das dort entstandene Motiv ist tatsächlich neu; noch nie zuvor wurde etwas so dargestellt. Das Motiv wirkt in der Welt, bekommt Anhänger, weckt Begehrlichkeiten, wird aber nicht weltberühmt. Nun fälscht es jemand, und, weil es vorher nicht zu Weltruhm gelangt ist, kennt es nicht jeder, und jemand sieht es zum ersten Mal in der Fälschung. Er ist berührt von der Darstellung, es kommen ihm neue Gefühle, Gedanken, er kann nun auch noch aus einer anderen Perspektive auf die Welt blicken – Kunst ereignet sich.

Es kann so geschehen, es wird so geschehen, immer wieder. Die Frage kann daher nicht naiv gestellt werden: darf es das auch, sondern: wie blicken wir mit dieser Erkenntnis fortan auf Kunst? Sicher „mit Sorgfalt“, wie es Klaus Gerrit Friese vom Bundesverband Deutscher Galerien im Film empfiehlt, und für mich, die ich keine Kunst klassifizieren, beurteilen und für ihre „Echtheit“ garantieren muss, bedeutet diese Sorgfalt, dass ich zum einen niemandem absprechen darf, sich künstlerisch so ähnlich wie ein anderer auszudrücken, und zum anderen mich so mit Künstlern zu beschäftigen habe, dass der Gesamteindruck – das Bild, das ich im Großen und Ganzen von ihm oder ihr habe – stimmig ist. Mehr kann ich nicht leisten, und mehr braucht es nicht, um nicht durch eine eventuelle Fälschung, die ich bewundere, aber die eben nicht von dem geschätzten Künstler stammt, so enttäuscht zu sein wie eben jener holländische Privatsammler, von dem im Film die Rede ist. Und es zeigt einmal mehr, dass die „Funktion“, in der ich auf Kunst treffe, eine, wenn nicht die wichtigste Rolle spielt: vielleicht war der Sammler ja doch nur des Prestige-Verlusts wegen enttäuscht…

Um Fälschungen auf dem Kunstmarkt verhindern zu können, sei „ein Ausweichen vor der natürlichen Menschengier“ notwendig, so Friese.

Der Fälscher Wolfgang Beltracchi war berührt von folgenden Worten des Malers Max Pechstein: „ Wir haben und suchen Weltanschauung und geben sie auch in unsere Arbeiten. […] Es ist Notwendigkeit in uns. Diese zwingt uns, so und nicht anders zu arbeiten, und nicht die Sucht, etwas Neues zu schaffen, war und ist der Grund der Art unseres Malens, sondern der Wunsch, ein vollerfülltes Leben zu gestalten.“

Das gelingt nur, indem wir uns im besten Sinne „verschwenden“ und auch verschwenderisch mit unseren Ideen sind, eben jenen Gedankenfunken, die unser Leben lenken und gestalten.

Eine Idee ist nicht zu stehlen, weil sie im besten Fall keinem gehört, nicht mal dem, der sie „hat“. Sie ist nur geteilt, mit-geteilt etwas wert, und das nur spontan, in dem Augenblick, in dem sie zur Situation, den Dingen und Menschen passt, wenn diese nicht warten, bis man sie später vielleicht einmal „gewinnbringend“ anlegen kann und sie sie die ganze Zeit bis dahin eifersüchtig bewachen müssen.

Ich nehme den Kunstmarkt nicht nur nicht ernst, sondern finde ihn mittlerweile lächerlich. Nicht die Arbeiten, keine von ihnen; ich muss einer jeden von ihnen ohne Vorurteil begegnen dürfen, sonst ist das ganze Unterfangen „Kunst“ sinnlos. Aber einen Markt, auf dem Menschen zwar gucken, aber nichts mehr wirklich sehen, der an Intransparenz nicht zu überbieten ist und bei dem „Diskretion“ über alles andere geht, kann ich nur wieder ernster nehmen, wenn nicht eine einzige kreative Arbeit mehr zur Begründung herangezogen wird. Der Kunstmarkt beleidigt jede einzelne künstlerische Leistung jedes Menschen, vielleicht gerade die, der er huldigt. „Das macht ja auch dieses Faszinosum des Kunstmarkts aus: man hat ein immaterielles Objekt aus Farben und Leinwand, deren Wert im Hundert-Euro-Bereich beschreibbar ist, und wenn dann der Richtige davor steht und das Richtige drauf ist, kostet es eben 20 Millionen.“ (Klaus Gerrit Friese)

Insofern ist „Kunstfälschung“ auf solch einem Markt vielleicht nicht einmal mehr ein „Delikt“, sondern Entwicklung – logische Konsequenz. Der Betrug ist nicht eine einzelne gefälschte Arbeit. Der Beginn des Verrats hat viel früher stattgefunden und nur noch kein Ende. Es ist der Verrat an menschlicher Integrität.

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Bis hierhin

Mit dem Malen in Berührung gekommen bin ich durch die Tatsache, dass mein Vater Musterzeichner war, schon früh; ich fand es faszinierend, wie mit wenigen prägnanten Strichen, etwas Farbe und der richtigen Schattierung in Minuten eine Blüte entstand… oder der Kopf eines Löwenbabys. Und alles war erklärbar: was wie wirkte und warum – eine wunderbare neue Welt für das Kind, das ich war, das die reale Welt um sich herum doch erst ansatzweise entdeckt hatte.

Als Halbwüchsige nahm mich das geschriebene Wort gefangen, sowohl das, was ich las, als auch das selbst geschriebene. Wieder eine neue Welt, und für mich war diese sogar noch leichter zu begehen als die der Malerei – so dachte ich zumindest. Viel später stellte ich fest, dass es nicht darum ging, etwas zu tun, was leicht zu erschließen war, sondern um das Bewusstmachen, warum man einen bestimmten Weg wählte und wie man ihn gehen wollte. Erst viel später brachte ich Farbe und Wort in meiner kreativen Arbeit wieder zusammen.

Aus einem in die Wiege gelegten, zum anderen sicher anerzogenen Sicherheitsbedürfnis heraus lernte ich eine Arbeit, die mich ernähren konnte, und verfolgte alles „Schöne“, Kreative, Künstlerische frei, weitgehend autodidaktisch. Mir fiel der Unterschied zur Herangehensweise meines Vaters auf, der auch Autodidakt war, aber ja beruflich malte und sich keine „künstlerische Freiheit“ gönnen konnte, ja oftmals sogar kein Verständnis für manchen Künstler aufbrachte. Ich dagegen wollte jeden Maler fragen, warum er was wie dargestellt hat, und bin bis heute davon überzeugt, dass nur ein entgrenzter Kunst-Begriff wirklich funktioniert, wenn man die Kunst nicht (nur) dazu nutzt, dem Kunstwelt-Menschen zu Rang, Namen und Geld zu verhelfen. Kunst kann sich immer und überall ereignen.

So gehe ich auch mit meiner eigenen Arbeit um: nichts ist für mich festgeschrieben, weder Material, das ich fröhlich miteinander mische, noch Farbe oder Komposition – es kommt auf die Aussage an, die ich treffen möchte. Wenn die in meinem Sinne erreicht wird, ist alles erlaubt. Eine meiner Eigenarten ist, die Bilder nicht mit einer Jahreszahl zu versehen, was eigentümlicherweise Vielen gleich auffällt und mindestens zu Nachfragen führt. Die Antwort lautet: für mich schreiben sichtbare Jahreszahlen etwas im Betrachter fest – so geht es mir – und ich finde, das beeinträchtigt die „freie“ Sicht auf das Bild. Ausnahmen mache ich aber bei Auftragsarbeiten, und bei einem bestellten Hochzeitsgeschenk habe ich das Datum auch schon im Motiv hinterlassen. Ich katalogisiere meine Arbeiten nicht und halte nicht jede im Foto fest – was „weg“ ist, ist also „weg“. So fühle ich die Dinge, die ich erschaffe, und damit mich selbst eher „im Fluss“, und das entspricht meinem Denken auch sonst. Die regelmäßig-unregelmäßigen Zerschneide-Aktionen meiner Bilder – auch die der „erfolgreichen“, bereits ausgestellten übrigens – gehören für mich dazu. Die Bild-Fragmente werden größtenteils zu Grußkarten-Motiven und auf diese Weise in die Welt geschickt… für mich eine der schönsten Arten des in-Dialog-Tretens.

Auf meiner Website (www.sabinepint.de) bin ich dazu übergegangen, alle paar Tage eine Arbeit von mir in einer Wechselausstellung zu zeigen und ansonsten neben der Kreativ-Vita und Ausstellungsliste auch Persönliches zu berichten… Beweggründe für dieses oder jenes oder einfach ein paar Gedanken zur momentanen kreativen Situation. Daneben veröffentliche ich persönlich gehaltene, nicht wissenschaftliche Sachtexte rund ums Thema „Kunst“, die durch die theoretische Auseinandersetzung entstanden sind.

Ich habe das Gefühl, gleichzeitig auf dem Weg und bereits am Ziel zu sein – und das ist ein sehr schönes, frei machendes Gefühl.

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