Zombie

http://www.sueddeutsche.de/kultur/tod-von-cranberries-saengerin-dolores-oriordan-es-bleibt-ein-lied-zum-weinen-schoen-1.3827182

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https://de.wikipedia.org/wiki/Zombie_(Lied)

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https://www.youtube.com/watch?v=o61N93V0IdM

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https://www.youtube.com/watch?v=zvdDjA_CTrw

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http://networking-media.de/musik/the-cranberries-something-else/

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Vielleicht noch mit „Linger“ und „Dreams“ – und Fans der Band „The Cranberries“ werden auch andere Stücke selbstverständlich kennen –, aber Dolores O’Riordan verbindet man besonders mit diesem einen Lied, „Zombie“. Es war der einzige Nr. 1-Hit der Band.

1994, als es erschien, musste es sich einreihen in die Song-Schlangen von Girl- und Boygroups, sich unvergleichlicherweise vergleichen lassen mit Musik von DJ Bobo, Whigfield oder Lucilectric, Nummern ohne tiefere Bedeutung. Hip-Hop gab’s auch noch in den 90ern und Grunge, der mehr und länger hätte Bedeutung haben können, wenn er sich nicht so auf Äußerlichkeiten hätte reduzieren, sich nicht hätte ver-hypen lassen.

„Zombie“ war anders. Es „griff ein konkretes Ereignis der jüngeren Geschichte auf: einen Bombenanschlag der IRA in der englischen Stadt Warrington im März 1993. Zwei Kinder starben, drei und zwölf Jahre alt“, und war damit hochpolitisch.

O’Riordan musste die Motivation zu Text und Musik höchstwahrscheinlich nicht lange suchen; als Irin fühlte sie augenscheinlich eine persönliche Betroffenheit, was das sinnlose Töten in ihrem Land anging. Trotzdem gehört doch eine gewisse künstlerische Haltung dazu, etwas so gegen jeden Trend zu machen. Kann sein, dass das Lied eingängig genug war, den Inhalt vergessen zu lassen; dass es „egal“ zu sein scheint, was die tolle Stimme da singt. Ich denke, dass genau dieser Inhalt Dolores O’Riordan es genau so hat singen lassen, mit Zorn und Trauer und Hilflosigkeit.

Ein beeindruckendes Lied, eine beeindruckende Künstlerpersönlichkeit, die zeigt, dass man zu jedem Zeitpunkt, ob in gerade angesagtem Stil oder eben anders, seine Stimme einbringen kann. Und eine politische Haltung, transformiert in Kunst, dieser nicht schadet – ganz im Gegenteil.

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cof

 

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„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein“ 

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=70095

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„Ansichten eines Anarchisten“

Die christlichen Kirchen in Deutschland haben im Nationalsozialismus versagt und sich schuldig gemacht; darunter leidet der gläubige Heinrich Böll.

Es ist geradezu ekelhaft, wie Widerständler als Gegenargument ins Feld geführt werden, die sich allerdings (nach Böll) ihrem Gewissen und nicht der Kirche gegenüber verpflichtet fühlen.

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„Ich hasse den Krieg […] er ist so völlig sinnlos.“

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Welche Rolle spielen die tragenden Säulen/wichtigen Köpfe der Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg? (Stichwort Funktions“eliten“; es sind nicht auf einmal alle demokratisch gestimmt…) 

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Böll stellt sich gegen Aufrüstung und Wiederbewaffnung, Kanzler Adenauer ist dafür; dieser argumentiert mit Freiheit, und die Kirchen unterstützen ihn, weil sie sich gegen den eher atheistischen Osten behaupten wollen. Es ist also für die Kirche eine Frage der Macht und nicht die einer ethisch korrekten Haltung.

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Die Kirchensteuer verrechtlicht das Verhältnis zur Religion, und Böll verurteilt auch das. Und er kritisiert die „sinnentleerten Rituale“ der Kirche.

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Dass Konsum zur Entsolidarisierung des Menschen führt, nahm in den Wirtschaftswunderjahren seinen Anfang, und diesbezügliche Warnungen wurden wahrscheinlich nur allzu gerne in den Wind geschlagen. Ich will nicht „heute“ sagen, aber durch die Zeit sieht man, was Konsum als „neue Gottheit“ angerichtet hat. Die Entsolidarisierung geht über einzelne Personen hinaus, ergreift ganze Länder und lässt die ganze Welt in ein immer stärkeres Ungleichgewicht kippen.

Wo die Ungleichheit, die soziale Ungerechtigkeit – Lebensentscheidungen in jungen Jahren können sich auch in reichen Ländern später als in diesem Sinne falsch herausstellen, selbst, wenn sie an sich nichts „Falsches“ haben (soziale Berufe: Alten- und KrankenpflegerInnen, Berufssparten, die sich verändern: Verlagswesen, Berg- und Autobau, Versicherungs- und Bankangestellte, um nur ein paar Beispiele zu nennen) – mit Händen zu greifen ist, haben Politiker, die eine totalitäre Haltung vertreten, wieder Chancen.

Bölls Warnung vor Totalitarismus ist hochaktuell; für mich ist wünschenswert, wenn man es als wichtige Warnung begreift und danach spricht und handelt; Stichwort (heutiger möglicher nötiger) Widerstand, der oft als übertrieben gehandelt und daher manchmal an Stellen vermieden wird, wo er hingehört. Als kontraproduktiv empfinde ich dabei allerdings, wenn Menschen sich in Gesprächen weder aussprechen lassen noch dem anderen zuhören; so ist die „rechte Ecke“, die es leider selbstverständlich gibt, ein gern genommener Sammelort auch für Menschen, die unbequeme Wahrheiten ansprechen. Die Kunst liegt darin, echte Fremden- gleich Menschenfeindlichkeit zu erkennen und davon zu unterscheiden. Je länger ein Gespräch dauert, je mehr Zeit man sich nimmt, desto klarer werden menschliche Grundhaltungen.

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„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein“, sagt Heinrich Böll.

Ihm wird Terrorismusempathie unterstellt, weil er die Werte des Grundgesetzes auch auf Terroristen angewandt sehen will, dem Wort also für alle Menschen dieselbe Bedeutung zugesteht. Wie kann er es mit diesem Argument in Diskussionen schwer gehabt haben…? Wie argumentierten seine Gegner?

Vielleicht würde „ein Böll“ heute ganz gut tun, sagt Wolfgang Niedecken, und ich sage: selbstverständlich! Aber ich sage auch: wir hatten immer Mahner und haben sie; der letzte, der mir spontan einfällt und an den ich mich lebhaft erinnere, war Roger Willemsen. Man muss die Mahner nur sehen und hören, wenn sie da sind, und nicht jedes Mal das Gleiche beklagen, als wäre es neu.

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http://signaturen-magazin.de/heinrich-boell–die-sprache-als-hort-der-freiheit.html

Auszug aus einer Rede von 1958:

„Es mag Ihnen merkwürdig erscheinen, daß einer, der sich als leidenschaftlicher Liebhaber der Sprache bekannt hat, hier eine Rede hält, die nur düstere politische Prognosen zu enthalten scheint, aus Vergangenheit und Gegenwart Worte auswählt, die tödlich gewirkt haben oder tödlich wirken können, die Zukunft aus Worten beschwört; aber der politische Akzent solcher Beschwörungen und Erinnerungen, das Mahnende und Drohende, kommt aus dem Wissen, daß Politik mit Worten gemacht wird, daß es Worte sind, die den Menschen zum Gegenstand der Politik machen und ihn Geschichte erleiden lassen, Worte, die geredet, gedruckt werden, und es kommt aus dem Wissen, daß Meinungsbildung, Stimmungsmache sich immer des Wortes bedienen. Die Maschinen sind da: Presse, Rundfunk-Fernsehen, von freien Menschen bedient, bieten sie uns Harmloses an, beschränken sich aufs Kommerzielle, Werbung, Unterhaltung – aber nur eine geringe Drehung am Schalter der Macht, und wir würden erkennen, daß die Harmlosigkeit der Maschinen nur eine scheinbare ist.“

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Rainer Mausfeld: Wie Machteliten Meinung und Demokratie steuern: https://www.youtube.com/watch?v=LBndWYhld40

Philipp Möller: „Ohne Religion wäre die Welt besser dran“: https://www.youtube.com/watch?v=PV8tUv-6X8Q

Iris Radisch zu Roger Willemsens: „Wer wir waren“: http://www.zeit.de/2016/51/roger-willemsen-wer-wir-waren

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Gegen „Die Vergeblichkeit von allem“

Arundhati Roy – Das Ministerium des äußersten Glücks

Die etwas andere Rezension

 

Das Ministerium des äußersten Glücks wollte ich lesen, seit ich wusste, dass es erscheinen würde. Ich habe Arundhati Roys Roman-Debut Der Gott der kleinen Dinge vor 20 Jahren verschlungen und nenne die Geschichte immer noch eine der traurigsten und schönsten, die ich jemals gelesen habe.

 

Einräumen muss ich, dass, wenn ich mir Das Ministerium… nicht als Hörbuch zu Gemüte führen, ich bei der Lektüre wohl scheitern würde; zu vielschichtig sind die Ebenen, zu verwirrend die vielen Orts- und Personennamen. Gabriele Blum, die das Hörbuch eingesprochen hat, hilft mit ihrer ruhigen Stimme und ihren Betonungen sehr, das Beschriebene nachzuvollziehen.

 

Die „Süddeutsche“ schreibt: „Roy ist wie eine Kartografin, die Kaschmirs Geschichte im Maßstab 1:1 darstellen will, scheitert und es dann widerwillig mit 1:10 versucht. Sie häuft Charaktere und Orte an, historische und erfundene Ereignisse, Nachrichten und Halluzinationen, je mehr, desto besser. Doch ihr mimetischer Versuch geht nicht auf. Chaos lässt sich nicht durch literarisches Chaos wiedergeben – und Gewalt nicht durch literarische Aggression anprangern.“

 

ZEIT ONLINE stößt in ein ähnliches Horn: „Doch Arundhati Roy ist es mit dem Glücksthema, mit dem Glücksverlangen vollkommen ernst. Die Schwächen ihres Romans und auch ihres Aktivistinnentums hängen genau damit zusammen: Ihr Bewusstsein der permanenten, brutalen Glücksverweigerung in Indien und sonst auf der Welt ist so scharf, dass die Dokumentation von Unmenschlichkeiten den Erzählfluss verstopft und die moralische Empörung die politische Analyse überwältigt.“ Immerhin untertitelt der Autor des Artikels „Die Chronistin des Grauens“, Jan Roß, mit „Was für ein misslungenes und gleichzeitig großartiges Buch!“ und schließt mit folgenden Worten:

 

„Indien, mit seinem Chaos und seinen Widersprüchen, mit seiner abenteuerlichen Spannweite zwischen quasimittelalterlichem Landleben und hypermoderner IT-Ökonomie, bedeutet die ultimative Überforderung durch eine bedrängende Realität: Die Versuchung, vor dem Angriff der Tatsachen in Deckung zu gehen, sich aus dem unverdaulichen Ganzen bequeme Teilwahrheiten herauszusuchen, ist fast übermächtig. Aber man kennt sie auch außerhalb Indiens. Dem tritt Arundhati Roy mit ihrem Projekt einer schutz- und filterlosen Wahrnehmung entgegen, die vom Antiterrorkampf des frühen 21. Jahrhunderts bis zu den Teeblättern auf der Schnauze eines Hundes alles umfasst. Das Ministerium des äußersten Glücks ist eine Lektion in der Kunst, die Augen offen zu halten.“

 

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Eigentlich wollte ich das letzte Zitat ans Ende meines Beitrags stellen; nun befindet es sich mittendrin. Eigentlich wollte ich persönlicher beginnen; nun befindet sich der „persönliche“ Part ebenfalls mittendrin. Eigentlich wollte ich mit dem Beitrag warten, bis ich zuende gehört habe; nun drängt mich das Viele bereits Gesammelte: Zitate, notierte Gedanken, Gefühle und das Telefonat mit einer Freundin über „die Vergeblichkeit von allem“ sofort an die Tasten.

 

Ich habe Schwierigkeiten, allzu persönlich zu werden in meinen Beiträgen. Ich halte es oft für unnötig. Normalerweise mache ich es so, dass ich mit Stichworten arbeite, die ich mir zu einem Thema, zu einem entstehenden Beitrag notiere. In diesen befindet sich jede Menge auch persönlicher – treffender wäre fast der Begriff „privater“ – Gedanken; persönlich spreche und schreibe ich im Grunde immer. Aber meine Definition von „persönlich“ genügt vielen wohl nicht.

 

Durch das fehlende Private bediene ich kaum Voyeurismus, nicht die Neugier, die Viele erst Blogs verfolgen lässt. Das, was ich mir selbst auf die Fahne sowohl meines Netz- als auch meines „real life“-“Auftritts“ geschrieben habe, für friedliche Offenheit dem Mitmenschen gegenüber zu werben, ist unspektakulär. Es holt kaum jemanden hinter dem oft zitierten Ofen, sprich: aus seiner Komfortzone, hervor bzw. trifft mit meinem Interesse das seine. Ich werde kaum gehört, kaum gelesen, und wenn, erfahre ich es oft nicht. Mir würde es schon genügen, wenn jemand meiner MitleserInnen, der ähnlich empfindet und denkt, mal hinterlassen würde: du bist nicht allein… Stattdessen kommt anscheinend kaum jemand über meine ersten Absätze hinaus, und wenn, dann erlebte ich manchmal sogar Anfeindungen als Reaktion. Ich gebe zu: auch diesmal ist das „Persönlichere“ ein bisschen schwerer zu erreichen, weil der Beitrag nicht gleich damit beginnt. Aber es ist nicht versteckt, und ich habe keine Angst vor einer wie auch immer gearteten Reaktion, wenngleich ich mir natürlich respektvolle wünsche und nur auf solche antworten würde.

 

Ich liebe es, Dinge und Dinge, Dinge und Menschen und Menschen und Menschen miteinander zu verbinden, auch literarisch; das wird oft als Vergleich missverstanden. So vergleiche ich mich nicht mit Arundhati Roy, wenn ich empfinde und ausspreche, dass auch sie bestimmt Gleichgesinnte sucht, sowohl als Schriftstellerin als auch als Aktivistin – wie gern würde ich mit ihr darüber reden, um so viel lieber, als spekulierend zu schreiben! Sie fühlt sich nicht allein, wie sie im NDR-Interview sagt, aber wie geht sie wohl damit um, mit der Hoffnungslosigkeit durch die Jahrhunderte…? Im Gespräch mit Cornelia Zetzsche sagt sie: „Was geschieht mit einer Gesellschaft, die solche Dinge zulässt?“ Sie wird sich vielleicht manches Mal auch fragen: WARUM lassen Gesellschaften immer wieder zu, was Menschen einander an Schlechtem, an Bösem antun, warum lassen die einzelnen MENSCHEN es zu?

 

Meine Freundin tröstet mich am Telefon mit einem weisen Rat, aufbauend auf das, was ich sowieso schon so sehe: Gutes und Schlechtes geschieht gleichzeitig, immerzu. Ich möchte doch versuchen, nach dem Übergeordneten zu suchen, danach, was das Gute und das Schlechte einschließt. Ist es wie in der Natur? Grausamkeiten geschehen, und das bewahrt das Gleichgewicht…?

 

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„Dann kam die Teilung. Gottes Halsschlagader platzte auf die neue Grenze zwischen Indien und Pakistan, und eine Million Menschen starben an Hass. Nachbarn gingen aufeinander los, als hätten sie sich nicht gekannt, sich nie gegenseitig zu Hochzeiten eingeladen und nie die Lieder der anderen gesungen.“ [Arundhati Roy: Das Ministerium des äußersten Glücks; Interpunktion nach Gehör]

 

„Auf ihrem Banner stand: ‚Die Geschichte Kaschmirs: Tot: 68.000, Verschwunden: 10.000. Democracy or Demon-crazy?‘ Keine Fernsehkamera filmte das Banner, nicht einmal versehentlich. Die meisten, die sich für ‚Indiens 2. Freiheitskampf‘ engagierten, empfanden nichts weniger als Empörung über die Vorstellung von Freiheit für Kaschmir und die Unverfrorenheit der Frauen. Manche Mütter waren – wie manche Opfer des Gasaustritts in Bhopal – etwas erschöpft; sie hatten ihre Geschichte auf zahllosen Treffen und Tribunalen im internationalen Supermarkt des Leids erzählt, gemeinsam mit den Opfern anderer Kriege in anderen Ländern. Sie hatten öffentlich und oft geweint, und es hatte nichts genützt.“ [Arundhati Roy: Das Ministerium des äußersten Glücks; Interpunktion nach Gehör]

 

„Ich hastete nach Hause und wartete auf den Schock über das, was ich mit angesehen hatte [einen brutalen Lynchmord]. Seltsamerweise trat er nie ein. Der einzige Schock, den ich verspürte, war der Schock über meinen Gleichmut. Die Dummheit, die Vergeblichkeit von allem widerte mich an, aber irgendwie war ich nicht geschockt. Möglicherweise hatte meine Vertrautheit mit der blutrünstigen Geschichte dieser Stadt, in der ich aufgewachsen war, etwas damit zu tun. Es war, als wäre das Ungeheuer, dessen Anwesenheit wir in Indien ständig und intensiv spüren, plötzlich an die Oberfläche gekrochen, hätte aus tiefster Kehle geknurrt und sich genau so verhalten, wie wir es von ihm erwarteten. Nachdem es seinen Appetit gesättigt hatte, tauchte es wieder ab in seinen unterirdischen Schlupfwinkel, und die Normalität schloss sich erneut darüber. Wahnsinnige Mörder zogen ihre Giftzähne ein und kehrten zu ihren täglichen Aufgaben zurück, als Angestellte, Schneider, Klempner, Schreiner, Verkäufer,… das Leben ging weiter wie zuvor.“ [Arundhati Roy: Das Ministerium des äußersten Glücks; Interpunktion nach Gehör]

 

„Ihr Problem ist nicht Konfusion, nicht wirklich. Es ist eher eine schreckliche Klarheit, die außerhalb der Sprache der modernen Geopolitik existiert. Alle Protagonisten aller Konfliktparteien […] haben diese Verwerfungslinie gnadenlos ausgenutzt. Das ist einem perfekten Krieg dienlich, einem Krieg, der weder gewonnen noch verloren werden kann, einem Krieg ohne Ende.“ [Arundhati Roy: Das Ministerium des äußersten Glücks; Interpunktion nach Gehör]

 

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„Der Kapitalismus ist ein Raubtier, und wir müssen es gemeinsam jetzt bändigen.“ Milo Rau

 

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Auch Kritiker eines Systems befinden sich innerhalb dieses Systems.

 

Arundhati Roy hat später zuvor gewonnene Preise zurück gegeben, aber durch den Gewinn und die daraus resultierende Bekanntheit konnte sie erst wirksam werden.

 

Die Kritik an den Kritikern ist in meinen Ohren oft unberechtigt. Wie soll es für Systemkritiker denn möglich sein, zu agieren, wie machten sie es denn „richtig“? Es geht nur innerhalb der Welt, in der sie, wir alle, leben.

 

Die Kritik des ZEIT-Journalisten an Arundhati Roy, die politische Analyse käme im Ministerium… gegenüber der moralischen Empörung zu kurz, ist einerseits vielleicht gerechtfertigt, aber gibt es nicht schon genug Analysen dieser Art? Das Aufzeigen persönlicher Schicksale, das mitfühlen-Lassen ist sicher doch genau so gewollt!

Die Analysen sind da, die Erkenntnisse sind alle da. Es dürften nicht so viele die Ungerechtigkeiten der Welt hinnehmen, wenn man die Verantwortung der Regierungen ernst nimmt. (Und nimmt man sie nicht ernst, was Mode ist in manchen Gesprächen, was bedeutet dann diese – oft als coole Abgeklärtheit missverstandene – Lethargie?)

 

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Ich kann nicht hinnehmen, was Menschen einander an Grausamkeiten antun, ohne mich dazu zu positionieren. Obwohl so viele sagen, dass sich-Positionieren einem ja erstmal nichts abverlange, wundere ich mich, warum es in meinem Umfeld noch so wenige tun, zumal sie auch nichts darüber hinaus tun. Kann man sich nicht einfach einmal oder erstmal bestärken und damit das „Wir sind Viele“-Gefühl stärken, aus dem erst Widerstand erwachsen kann, Widerstand gegen Feindbilder, gegen Kriegshetze? Wem es mit friedlichem Zusammenschluss ernst ist, braucht nicht unbedingt einen Verein oder gar eine Partei, damit die Idee wirksam wird und Kreise zieht, dessen bin ich mir sicher. Das Problem ist, dass die Menschen es nicht voneinander wissen, dass sie offensiv für Frieden eintreten oder es in Zukunft tun wollen. Und kann man es von jemandem wissen oder weiß es gar, wird für diesen Menschen kaum oder gar nicht geworben.

 

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Unsere Vernetzung ist nicht die Lösung, sondern ein Anfang. Ich möchte die Menschen kennenlernen, vielleicht nur ein kleines ‚hallo‘ bekommen von dem einen oder der anderen, die mit mir auf demselben Weg sind. Ist das zu viel verlangt?
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https://www.br.de/themen/kultur/arundhati-roy-interview-ministerium-des-gluecks-100.html (Cornelia Zetzsche im Gespräch mit Arundhati Roy; auch zum Hören)

http://www.ndr.de/kultur/buch/Arundhati-Roy-Das-Ministerium-des-aeussersten-Gluecks,arundhatiroy106.html

(mit kleinem Film-Portrait der Autorin)

http://www.zeit.de/2017/32/arundhati-roy-das-ministerium-des-aeussersten-gluecks

https://www.femundo.de/urlaub-buch-film/das-ministerium-des-aeussersten-gluecks/

https://www.youtube.com/watch?v=dnXqJWt8ha8 (Gabriele Blum, die das Hörbuch eingelesen hat, im Interview)

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Vor der Wahl

„Wir brauchen alles, was die Menschen können.“ [Alexander Kluge in einem Bericht des WestartMagazins vom 18.09.2017]

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„Wir müssen versuchen, zukunftsgerichtet zu leben.“ [Hilal Sezgin im WestartMagazin-Interview am 18.09.2017]

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„Krieg ist die Widerlegung aller Werte. […] Wann begreifen wir es endlich, dass Krieg kein Problem löst, aber alle bestehenden Probleme nur vermehren kann?“ [Eugen Drewermann im Rahmen der Aktionswoche vom 03. bis 10.09.2017 der Kampagne ‚Stopp Air Base Ramstein‘ in der Versöhnungskirche Kaiserslautern]

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Bei Nichtbeachtung droht vielleicht irgendwann mehr als „Kunstverlust“…

„Ich habe miterlebt, wie Jugendliche, die noch nie etwas mit Kunst zu tun hatten, nie in einem Museum waren, durch einen Kunstworkshop angefangen haben zu strahlen. Sie wirkten plötzlich selbstbewusst, kreativ, individuell und interessiert an allem, was über ihren bisherigen ‚Tellerrand‘ hinausging. Aus diesem Grund müssen wir unseren Blick nach vorne richten und dieses Potenzial stärken, denn ohne Kunst würde unsere Gesellschaft eingehen.“ [Juliane Köhler]

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Warum ist es durch Kunst so niederschwellig möglich, Interesse, gar Selbstbewusstsein zu erleben?

Ich denke, weil jeder einen natürlichen Zugang zu ihr hat oder haben könnte, gerade in jungen Jahren. Mit zunehmendem Alter wird dieser natürliche Zugang immer mehr zugestellt mit Erwartungen der Umwelt, die in die jungen Menschen kriechen und irgendwann als eigene Haltungen erlebt werden. Auch Kunst hat in der Gesellschaft ein Gerüst, einen starren Rahmen, den man schon spürt, wenn man nur die Bezeichnung nimmt: Kunst. Der Begriff ist abstrakt; jeder füllt ihn anders. Ein Teil der Gesellschaft sieht ihn als Qualitätsbegriff an: alles, was so genannt wird, ist durch einen Filter gelaufen, hat „Tests“ bestanden, ist von „Experten“, deren Urteil wir vertrauen, für gut befunden worden, gut genug, diesen „Titel“ zu tragen. Junge Menschen, die mit dieser Begriffsdefinition aufwachsen und sie verinnerlichen, werden, wenn sie „offiziell“ einen zum Beispiel naturwissenschaftlichen Weg einschlagen, kaum wagen, auch noch „Kunst“ zu machen oder auch nur diese Neigung verspüren. Das eigentlich so leicht zu weckende Gefühl, das Juliane Köhler bei ‚KunstVerLust‘ beschreibt und das Menschen sich gut und zufrieden fühlen hilft – zu Frieden – wird leichtfertig weggegeben zugunsten eines Lebens im Wettbewerb.

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Und ist das nicht genau der richtige Ansatz, auch jenseits von Kunst? Zu welchen Themen könnt Ihr Euch Workshops vorstellen, die bereits im Jugendalter ihren Anfang nehmen und über reine „Beschäftigungstherapie“ hinausgehen können? Wie könnten sich Jugendliche – selbstverständlich freiwillig! – einbringen können, ohne ihre kostbare Frei- oder Schulzeit zu opfern; vielleicht gekoppelt an den Unterricht? Kann Unterricht nicht generell anders gestaltet werden? Wie erreicht man Schüler, die ihrer Herkunft (Sprachbarriere, Kulturbarriere) oder Wohnsituation nach benachteiligt sind, wenn man den Maßstab unserer Gesellschaft anlegt?

Wodurch wird der erste Funke für Beteiligungswunsch entzündet?

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http://www.kunstverlust.de/galerie/2015/12/23/juliane-khler

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Zweig in Zitaten

Inspiriert durch die episodisch angelegte Film-Biografie „Vor der Morgenröte“ über den österreichischen Autor Stefan Zweig (1881 – 1942) habe ich hier Zitate zusammengetragen. Sie sollen uns einerseits den Menschen Stefan Zweig näherbringen und andererseits beleuchten, wie sehr Menschen, die zwar körperlich gerettet sind, an Flucht, Exil und Kriegszuständen leiden; umso stärker, je mehr sie zur Empathie fähig sind.
Bei der Recherche fiel mir auf, dass mal mehr, mal weniger Einigkeit herrscht, beispielsweise über die Schwere seiner Depression oder die ihm nachgesagte exhibitionistische Neigung. Einig sind sich alle Schreiber – zumindest die, die ich gelesen habe – darin, dass Stefan Zweig ein hochgradig empathischer Mensch war. Besonders in Maria Schraders Film wird eindeutig, dass das, was Zweig oft als Feigheit ausgelegt wurde, eine Haltung dem Mitmenschen gegenüber war, die sich nicht über diesen stellt.

Ich konzentriere mich hier nicht auf die Produktivität Stefan Zweigs oder auf sein Werk, sondern auf seine pazifistische Haltung und hebe einige Sätze hervor, die die (ständige) Aktualität der Themenbereiche Eine Welt, gebotene menschliche Solidarität, Vertreibung, Flucht und Krieg unterstreichen.

Alle Quellen sind per Link hinterlegt und, solange sie online sind, in Gänze lesenswert. 

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Adam Soboczynski, 15.12.16:

„Dieser Film ist ein Risiko. Wie kann man es wagen, gleich am Anfang einen vollständigen, sehr langen Vortrag zu zeigen? Der Schriftsteller Emil Ludwig tritt auf dem Kongress in Buenos Aires auf, zweite Garde, dafür mit dem Furor der Moral, den es gratis gibt. Zweig hält sich die Hände vor das Gesicht, ein Fremdschämen, das man nur ganz begreift, wenn man weiß, dass er vom literarischen Betrieb als Verräter gebrandmarkt ist, da er sich weigerte, mit der Sprache des Hasses dem Hass zu begegnen. Der Film schlägt sich auf keine Seite, er differenziert die Positionen und Gefühle, die sich lebhaft kreuzen. Es gibt hier keine Helden, nur die Verdammten der Geschichte, die sich im Exil mit Mühe sortieren.“

„Die zweite Episode: […] Zweig, im hellen Tropenanzug, hört leicht amüsiert, wie mühevoll-scheppernd und schief und doch mit Hingabe der Donauwalzer gegeben wird. Die Kamera zeigt sein Gesicht, das sich unmerklich verändert, von leiser Heiterkeit über leeres Entsetzen zur offenen Trauer. Nuancen, die Welten trennen. Was den Kosmopoliten Zweig ergreift, ist in dieser Szene natürlich nicht nationales Pathos. Es ist die untergegangene Weltläufigkeit Europas, die er in Brasilien – das er aufgrund der Friedlichkeit, mit der unterschiedlichste Ethnien zusammenlebten, verehrte – letztlich nur als Abglanz erlebt.“

„[…] Die Geschehnisse sind mehr oder weniger verbürgt, und man kann nur ahnen, mit welch zivilisatorischem Aufwand die Spannungen überbrückt worden sind. Und es ist bewundernswert, wie es Maria Schrader gelingt, diese unterschwellige Nervosität formal zu erzeugen.“

 „[…] und stellt aus Verlegenheit die naheliegendste aller Fragen, was nämlich die Essenz ihres Films ausmache? 

Es sei, sagt Maria Schrader zögerlich, das Zusammenreißen, die Affektkontrolle, die Etikette, der Wille, den Gefühlen nicht immer freien Lauf zu lassen. Kurzum: Zivilisation. Wie sich die Protagonisten abmühten, Form zu wahren im Dreiteiler selbst in der glühendsten Tropenhitze. Und in der Liebeskonkurrenz. Ein Ringen um Fassung. Das sei die Zweigsche Antwort auf die Barbarei – und nicht billige Parolen, Ideologien, falsche Verbissenheit. Nichts sei schlimmer, als ein Sich-gehen-Lassen und opportunistische Bequemlichkeit.“

„[…] Es gibt keinen gegenwärtigeren Film für unsere feindselige Zeit als diesen.“

(http://www.zeit.de/2016/50/maria-schrader-schauspielerin-regisseurin-vor-der-morgenroete )

(http://www.vordermorgenroete.x-verleih.de/ )

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Joachim Lottmann, 22.02.17:

„Er war der größte Pazifist der deutschen Literatur und zugleich ihr bestverkaufender Autor.“

„Nur wir Heutigen stellen uns vor, er sei in der Enge verrückt geworden, habe die Bergvilla in Salzburg vermisst und die Salons in Wien. Ja, die Welt von gestern schon, aber die war ihm bereits im Ersten Weltkrieg vernichtet worden, […] Mit der „Welt von gestern“ meinte er nicht die bequemen Fauteuils, sondern den liberalen Geist der Aufklärung, den Geist Europas.“

„[…] Zweig starb an inhaltlichen Dingen, am Gift des rassistischen Denkens, das sich zwanzig Jahre lang immer weiter ausbreitete. Dass man nun plötzlich sogar seine Bücher „jüdisch“ fand, war eine neue Stufe der Eskalation. Und natürlich eskalierte auch der Krieg.“

„Zweigs Idee, für die er immer gelebt hatte, war die geistige Einheit Europas […]“

„Diese geistige Einheit Europas war das Gegenteil unserer heutigen Europa-Brüssel-Wirklichkeit […]“

„Dieses Haus heißt heute Casa Stefan Zweig und beherbergt die gleichnamige Stiftung. Man zeigt dort alte Filme, Fotografien und Dokumente, macht Veranstaltungen und Diskussionsrunden. Die Leiterin Kristina Michahelles bringt brasilianischen Schülern die Problematik von Exil und Integration nahe.“

(https://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article162270682/Der-wahre-Grund-fuer-den-Selbstmord-von-Stefan-Zweig.html )

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Matthias Röder, Georg Ismar, 23.02.17:

„Überschattet war der Ruf Zweigs seit der Machtergreifung der Nazis 1933 aber von etwas anderem. Der 1934 zunächst nach England geflohene Jude konnte sich nie aufraffen, öffentlich gegen seine Verfolger Stellung zu beziehen. „Ich würde nie etwas gegen Deutschland sagen. Ich würde nie etwas gegen irgendein Land sagen“, teilte Zweig immer wieder mit. Dafür unterstützte er viele Flüchtlinge großherzig und generös finanziell, auch wenn ihn die Flut an Bittbriefen zunehmend belastete und er bald schon nach einem abgeschiedenen Exil suchte. Irgendwann wünschte er sich nur noch, „an einem vergessenen Ort zu leben“, zitiert ihn George Prochnik in seiner gefeierten Biografie „Das unmögliche Exil“.“

„In der Casa Zweig in Petrópolis hängt auch der vom 22. Februar 1942 datierte Abschiedsbrief, in dem er von der geistigen Vernichtung Europas spricht. […] Einige Schriften, das Ringen um den Zusammenhalt Europas, für Toleranz und Frieden, sind in Zeiten von Brexit und weltweiten Verwerfungen hochaktuell.“

(http://www.n-tv.de/leute/Die-drei-Leben-des-Stefan-Zweig-article19714890.html )

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Oliver Das Gupta, 24.02.17:

„Das untergegangene Habsburger-Reich sieht Zweig als Blaupause eines neuen Europas. In der Wiener Hofburg, sagte Zweig bei einem Vortrag 1940, sei

‚immer wieder der Traum eines geeinten Europas geträumt worden. (…) All diese Kaiser dachten, planten, sprachen kosmopolitisch. (…) Weil aus vielen fremden Elementen bestehend, wurde Wien der ideale Nährboden für eine gemeinsame Kultur. (…) Gegensätze zu mischen und aus dieser ständigen Harmonisierung ein neues Element europäischer Kultur zu schaffen, das war das eigentliche Genie dieser Stadt.‘

Zweig beschwört diese geistige Einheit Europas immer wieder, nicht erst, als der Kontinent in den 1930er Jahren auf den Zweiten Weltkrieg zusteuert, sondern schon lange vorher. Für Zweig ist klar: Nie wieder sollte Europa in eine Katastrophe schlittern wie den Ersten Weltkrieg.“

„Der Pazifist Zweig irritiert mitunter aber auch seine Zeitgenossen. So dankt er 1933 dem italienischen Tyrannen Benito Mussolini überschwänglich für die Begnadigung eines Antifaschisten. Auch am zum Diktator verkommenen brasilianischen Regierungschef erkennt er nur positive Seiten, blendet sogar dessen Antisemitismus aus, offenkundig, weil sich Zweig von der Gastfreundschaft blenden lässt.“

(http://www.sueddeutsche.de/politik/ein-bild-und-seine-geschichte-stefan-zweig-staatsbegraebnis-wider-willen-1.3391182 )

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Wikipedia:

„Thomas Mann schrieb 1952 zum zehnten Todestag von Stefan Zweig über dessen Pazifismus: „Es gab Zeiten, wo sein radikaler, sein unbedingter Pazifismus mich gequält hat. Er schien bereit, die Herrschaft des Bösen zuzulassen, wenn nur das ihm über alles Verhaßte, der Krieg, dadurch vermieden wurde. Das Problem ist unlösbar. Aber seitdem wir erfahren haben, wie auch ein guter Krieg nichts als Böses zeitigt, denke ich anders über seine Haltung von damals – oder versuche doch, anders darüber zu denken.“

Stolperstein für Stefan Zweig am Kapuzinerberg 5, Salzburg (https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Zweig#/media/File:Stolperstein_Salzburg,_Stefan_Zweig_(Kapuzinerberg_5).jpg )

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„Viel Achtsamkeit und alles Gute!“

erdbeertorte

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Innerhalb des begrenzten menschlichen Geistes ist Kunst das freiheitlichste Ausdrucksmittel. Kunst funktioniert nur in Freiheit, und Freiheit gibt es nur im Frieden.

Die Fakten, die man aus diesem zweieinhalbstündigen Vortrag mitnehmen kann, sind wichtig. Noch wichtiger ist für mich die Erkenntnis, dass die meisten Menschen in Frieden und Freiheit leben wollen, es aber in der internationalen Politik nie um Demokratie und Menschenrechte geht, sondern um die Interessen von Staaten, wie Egon Bahr es einfach und klar ausgedrückt hat. Und Daniele Ganser formuliert es hier so: „Die Rüstungsindustrie ist eben nicht an Einsichten interessiert, sondern an Umsätzen.“

Für mich sind das historisch belegte Erkenntnisse, die immer mit im Kopf sind, wenn ich mich unterhalte, wenn ich schreibe – nicht unbedingt beim Zeichnen, es sei denn, ich möchte eine Erkenntnis ohne verschiedene Interpretationsmöglichkeiten ausdrücken, und das ist eher selten.

Die meisten Menschen wollen in Frieden und Freiheit leben und sich frei ausdrücken können.

Dass so Viele noch „ihre Freiheit gegen [vermeintliche; Anm. von mir] Sicherheit [tauschen]“ würden, wenn sie im Kopf hätten, dass es ihrer Regierung nicht in erster Linie um sie geht, um ihre Wünsche und Bedürfnisse, glaube ich nicht. Wenn Viele das „alte Muster“ spalten, abwerten und töten – ob Ideen oder Menschen – als bewusst eingesetztes Mittel verinnerlichen würden, könnten sie – aufmerksam – ihre Talente co-kreativ, für ein konstruktives und friedliches Miteinander einsetzen, anstatt sich gegeneinander aufwiegeln zu lassen.

Und welche Rolle Erdbeertorte dabei spielen kann, erfahrt Ihr im Vortrag auch:

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