Was wir alle draus machen

http://www.xing-news.com/reader/news/articles/1079689?cce=em5e0cbb4d.%3AeE_8hx4se20pYOOiFbfnAF&link_position=digest&newsletter_id=28960&toolbar=true&xng_share_origin=email

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Ist es nicht, was wir alle draus machen?

Ich sehe die facebook-Situation so ähnlich wie meine übrigen Sozialkontakte: wenn mehr oder weniger offene Ablehnung stattfindet, setze ich mich sachlich auseinander oder bleibe friedlich weg; es gibt Smalltalk, der richtig nett ist und durchaus nützlich für ein grundsätzlich wohlwollendes Miteinander, und es gibt tiefer gehende, sehr konstruktive Äußerungen, aus denen manchmal – vielleicht zu selten – äußerst fruchtbare Gespräche entstehen.

Mir ist völlig klar, dass facebook ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, das unsere Daten abgreift und nicht an einer „besseren Welt“ interessiert ist. Ich empfinde es aber als schwierig, eine Sache, die alles sein kann, die man als Nutzer so oder anders ausgestalten kann, in Bausch und Bogen zu verurteilen. Insofern klingt Palihapitiyas Bedauern in meinen Ohren überzogen:

„Ich denke, wir haben Tools geschaffen, die die Struktur unserer Gesellschaft auseinanderreißen […] Die kurzen, von Dopamin gesteuerten Feedback-Schleifen, die wir kreiert haben, zerstören, wie die Gesellschaft funktioniert.“

Und weiter heißt es auf Xing: „Durch die Pseudo-Interaktion auf die geposteten Inhalte finde kein ziviler Diskurs und keine Kooperation mehr statt; stattdessen dominierten Fehlinformationen und Unwahrheiten [als] ‚ein globales Problem‘.“

Sind wir nicht alle gefragt, das mitzugestalten? Wie stellen wir uns zu den Dingen; wie leiten wir beispielsweise Kinder und Jugendliche an? Wie gehen wir damit um, dass es überall um Profit geht und alle dem ausgesetzt sind; wie gehen wir beispielsweise mit Werbung für Kinder und Jugendliche um, die legal jeden Tag stattfindet, ob mit oder ohne facebook?

Was tun wir beispielsweise in Schulen dafür, dass es irgendwann vielleicht zwar genauso fies wie heute ist, es mit Social Bots zu tun zu haben, ihnen aber dadurch ein Stück ihrer Macht genommen wird, indem junge Menschen angeleitet werden, weniger impulsiv auf kurze Schlagsätze anzuspringen und das Auseinandersetzen nicht zu verlernen, immer wieder das selbst-Denken zu trainieren, um die Karren erkennen zu können, vor die sie gespannt werden sollen, wenn sie vor solche gespannt werden sollen? (Ich entschuldige mich aufrichtig für diesen Satz!)

Ob „ziviler Diskurs“ stattfinden kann, dazu schaffen doch wir die Bedingungen! Ob wir kooperieren, uns zusammenschließen, das entscheiden doch wir!

facebook ist und bleibt ein kapitalistisches Unternehmen. Ich stelle mir aber vor, wie viel gewonnen wäre, würden all die, die nicht an einer verbalen Prügelei interessiert sind, diese Stränge dort ver- und die Wort-Hooligans unter sich zurücklassen. Und möchte man bleiben: dass man in aufflammender Wut nicht in diesem Gefühl antwortet, sondern den oft wichtigen Zorn in Argumente und Sachlichkeit ummünzt. Wenn möglichst viele darauf achteten, würde das sowohl den Bots als auch den Trolls Macht entziehen. Ich stelle mir vor, dass jeder, der sich dort bewegt, es sowohl thematisch als auch im Umgang miteinander so ausreichend ernst nähme, als sei er nicht virtuell unterwegs, denn für viele macht das einen Unterschied. Doch: kaum jemand käme auf die Idee, sich im Bus in das Gespräch hinter ihm einzumischen, obwohl man jedes Wort versteht. Und machte es eine Einmischung nötig, drehte man sich ja auch nicht sofort mit den Worten ‚Sie Blödmann haben ja keine Ahnung!‘ um.

Es ist so viel Gutes mit diesem Medium möglich, ob Privatunternehmen oder nicht. Und höchstwahrscheinlich ist es nur als Privatunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht in diesem weltumspannenden Umfang realisierbar; wohlmeinende Einzelpersonen, die ein gemeinnütziges Unternehmen dieser Reichweite führten, kämen ja mit der Kontrolle gar nicht hinterher oder wären schon arm geklagt. Niemand würde das auf sich nehmen.

So bleibt uns nur der wache Blick, wieder einmal, wenn wir unsere guten Dinge nicht aus Scheu vor Eigenverantwortung opfern wollen.

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Verändern wir unseren Deutungsrahmen

https://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=68916

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Die sehr sehenswerte Diskussion beschäftigte sich mit dem Framing-Effekt, der bedeutet, dass unterschiedliche Formulierungen trotz gleichen Inhalts den Empfänger unterschiedlich beeinflussen. https://de.wikipedia.org/wiki/Framing-Effekt
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Was mir besonders gefiel: dass es völlig unstrittig – sozusagen die Grundlage der Diskussion überhaupt – war, dass Sprache eine immense Bedeutung hat. In dem Zusammenhang fällt mir die Gender-Theorie als gutes Beispiel ein: die rechtliche Gleichstellung des Menschen ist immer noch nicht geschafft, und Bemühungen, mit Sprache diesbezüglich sensibel umzugehen, werden trotzdem häufig torpediert. Zwar treiben die Bemühungen manchmal auch merkwürdige Blüten, aber diese machen die Unternehmung als solche ja nicht falsch.

„Offen in der Beobachtung zu sein“ und zu bleiben war für mich ein wichtiges Zwischenergebnis der Sendung. Denn obwohl der Anspruch eigentlich klar ist oder sein sollte, wird er häufig nicht gelebt; im Gegenteil haben es Beobachter und Aussprecher des Beobachteten in Gesprächen oft schwer. Die Beteiligten der ‚scobel‘-Diskussion rangen denn auch miteinander, warum das so ist. Soziologe Dirk Baecker sprach den offensichtlichen Zeitmangel der Menschen an, worauf die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Elisabeth Wehling zusammen mit Gert Scobel zurück fragte, warum denn keine Zeit für diese Sorgfalt sei. Wehling schlug vor, dass wir das „politische Denken entschleunigen“ sollten – das halte ich für unser Denken grundsätzlich für einen guten Ansatz! Wenn wir uns Zeit nehmen (nähmen!), Metaphern und Frames zu analysieren und das gesellschaftsfähig, mehrheitsfähig wäre, würden wir den Inhalten der Dinge einen großen Gefallen tun. Es wäre nicht mehr so leicht, andere sittenwidrig zu manipulieren. Es wäre den Gegnern notwendiger gesellschaftlicher Veränderungen nicht mehr so leicht gemacht, Nebenschauplätze aufzumachen und vom eigentlich Wichtigen abzulenken.

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„Offen in der Beobachtung zu sein“, auch und gerade sich selbst gegenüber, manchmal klischeehaft benutzten Metaphern gegenüber, ist auch das Grundthema der Kunst. Dabei dazu zu stehen, wenn das Klischee einfach trifft, hat mit Auseinandersetzung zu tun, WARUM es trifft. Es geht nicht um Ge- oder Verbote. Es geht um Auseinandersetzung. Findet die statt, ist alles erlaubt, was einem anderen nicht seelisch oder körperlich bewusst schadet. Und schadet es unbewusst: dafür gibt es den Dialog. Und ist jemand außerstande für Dialog: dafür gibt es den mitfühlenden Mitmenschen. „Offen in der Beobachtung zu sein“, das beginnt also mit ihm.

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Kunst lassen oder: Die ureigene essenzielle Idee

Vielleicht deckt sich ja das, warum jemand mal mit Kunst (oder der Beschäftigung mit ihr) angefangen, weitergemacht, aufgehört hat, in der Auseinandersetzung mit dem Weg irgendeines anderen Menschen, der mit Kunst gar nichts zu tun hat, rein vom Be-Weg-Grund her… ist das auch für Euch vorstellbar?

Warum beginnt jemand, warum hast DU begonnen – wenn es so ist – Dich mit Kunst zu beschäftigen? Wenn Du ganz zurück gehst in Gedanken… was war Dein Hauptbeweggrund dafür? Ich glaube nicht daran, dass jeder, der beginnt, Kunst zu „machen“, Kunstgeschichte schreiben möchte (wie es ein Freund mal formuliert hat, der es, wenn ich es richtig erinnere, von seinem Professor hatte); dass es beispielsweise um Berühmtheit geht. Aber ich glaube fest, dass jede Person, die damit mal begonnen hat, einen Mitgestaltungsimpuls hat, sich in die Welt einbringen möchte, und das dann bestmöglich. Manchmal aus rein ästhetischen Gründen, um die Welt ein bisschen schöner zu machen, oft aus inhaltlichen Gründen, um die Welt zu bewegen. Ich benutze hier bewusst keine Wertung, obwohl ich finde, dass inhaltliche Auseinandersetzung die Welt oft auch ein Stückchen „besser“ machen kann; „besser“ im Sinne von (und es beginnt immer mit) Bewusstmachung, und Bewusstmachung beginnt ganz oft mit Zeigen, mit Hinweisen auf etwas, das der andere noch nicht (so) gesehen hat.

Warum habe ich im ersten Absatz keinen Unterschied gemacht zwischen anfangen, weitermachen und aufhören? Weil es für die in meinen Augen wünschenswerte und unerlässliche Auseinandersetzung in und mit der Welt egal ist, zumindest im Fall von Kunst. Wenn jemand mal Kunst „gemacht“ hat und das irgendwann nicht mehr tut, dann ist doch da immer noch derselbe Mensch mit seinen Gefühlen, Gedanken und Motivationen in der Welt, die vielleicht kaum anders sind zu den früheren Gefühlen, Gedanken und Motivationen… und Auseinandersetzung und „Geben“ werden einfach anders weiter stattfinden.

Vielleicht hören sich meine Worte nicht schlüssig an für viele, die mich kennen, weil ich andererseits sage, dass ich es wohl niemals lassen wollen werde, mich auch im Malen (oder sonst wie kreativ) auszudrücken. Ich müsste es also abwegig finden, Kunst zu „lassen“, wenn ich irgendwann mal damit angefangen habe.

Was bedeutet „abwegig“? Im landläufigen Sinne irrig, abseitig, ungereimt, fremd, verfehlt, weithergeholt, unmöglich, unbegründet, unlogisch, unsinnig, unhaltbar, unberechtigt, unrealistisch, unzutreffend, falsch, vernunftwidrig, verstiegen, ausgefallen, entlegen, befremdlich, absonderlich, ohne Sinn und Verstand, unausführbar, absurd (mit freundlicher Unterstützung durch ‚wissen.de‘).

Für mich bedeutet es auch neutraler „ab“ zu gehen von einem vertrauten „Weg“. Ich finde Kunst zu „lassen“ weder irrig noch verfehlt, auch nicht unlogisch oder falsch.

Kunst zu „lassen“ ist eine Entwicklung, die man würdigen sollte wie jede andere Entwicklung auch. Man kann sie auch werten, aber sicher nicht einteilen in „richtig“ oder „falsch“. Nachspüren, was der Beweggrund sein könnte für „aufhören“ ist genau so fruchtbar wie das Erspüren des Grundes für „anfangen“.

Ich kann Kunst nicht getrennt sehen von all den anderen Dingen, die in der Welt sind. Ich kann alles, was mit dem Menschen zu tun hat, nur noch ganzheitlich denken. Wann immer Menschen etwas tun oder lassen, sind im besten Fall – wenn Dinge freiwillig geschehen – Überlegungen vorausgegangen, begleitet von Gefühlen und Erlebnissen. Und das hat immer seine Berechtigung. Verantwortung kann man auf verschiedene Arten tragen.

Kunst kann nur nachrangig, höchstens beirangig funktionieren; sie kann nur als bereichernd empfunden werden, wenn sie eingebettet ist in ein ganzheitliches Menschenbild, und der Mensch/die weltlichen Lebewesen, sind das, worum es geht. Und zwar nicht hochherrschaftlich gedacht, sondern kameradschaftlich, für ein gutes, für alle (zumindest in den Grundvoraussetzungen) zufriedenstellendes Miteinander.

Was ist die Essenz dessen, das Dich zu den Dingen bringt, Deine ureigene essenzielle Idee? Und ist es nicht dieselbe Essenz, die Dich manchmal auch wieder weg führt, woanders hin?

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Ich denke, man muss sich entscheiden…

Michael Kröger: „Eine aktuell als Banalität bewertete Form von reproduzierter Wirklichkeit muss nicht auf Dauer banal bleiben. Das bewusst reflektierte Banalisiertwerden eines Phänomens spiegelt nicht nur aktuelle Werte und besonders Vorurteile, sondern immer auch Erwartungen gegenüber einer Sphäre eines noch unbekannten und exklusiven Nicht-Banalen. Gerade mit dieser speziellen Erwartungsfunktion lässt sich weiter spekulieren. Denn spricht man weniger abwertend von Banalisierung, so erkennt man plötzlich sehr vieles in einem anderen Licht.

Wo nur von Banalem und/oder drohender Trivialisierung die Rede ist, entstehen nicht nur Formen von negativer Bewertung und damit eine Ausschließung. Im Gegenteil: Relevantes entsteht jeweils dort, wo erfolgreich etwas Neues als Nicht-Banales zur Sprache kommt.“

 

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Ob etwas „zu“ irgendetwas ist, steht immer in einem Kontext, und der Sprecher definiert diesen. Wenn mir etwas beispielsweise „zu banal“ ist, dann ist es das in Bezug zu meinen Wünschen und Ansprüchen. In der Kunst gilt dieser Begriff (Banalität) mir nichts; er funktioniert da nicht. Auch ich definiere hier; das ist mir bewusst.

 

Ich muss weiter ausholen: wenn wir beim Banalitätsbegriff sind, ist der Qualitätsbegriff nicht weit. Für mich gibt es im künstlerischen Ausdruck keine objektive Qualität; auch hier ist mir bewusst, dass es ketzerisch klingen mag in so manchem Ohr.

 

Und an jeder Stelle sind wir gezwungen, uns zu positionieren, zu definieren. Wenn Kunst Sprache ist, und jemand drückt sich unverständlich aus, heißt das nicht, dass er nicht sprechen kann – er tut es ja! Selbst wenn niemand ihn verstünde… ist seine Sprache wohl noch nicht decodiert. Das Sprechen selbst, seinen ureigenen Ausdruck kann man ihm nicht ab-sprechen. Selbst, wenn andere seine ur-eigenen Belange „banal“ nennen.

 

Die erste Kunst wurde u. a. in Höhlen gefunden – einen Käfig gebaut hat man ihr erst später. Der Käfig ist ein System, das in sich geschlossen schon funktioniert – nur versucht man im System „Kunst“ den Ausschluss dessen, was allen gehört. Und man schließt Menschen einander aus. Ich denke nicht, dass die Frage nach Banalität oder Relevanz sich bei der ersten Kunst des Menschen stellte, egal, ob diese religiös motiviert war, von Trance-Erfahrungen erzählt hat oder doch einfach nur Kontakt zum Mitmenschen herstellen wollte.

 

Ein Kollege sieht die Kunst rein wissenschaftlich – und auch in Dr. Krögers Text ist von „Kunstwissenschaft“ die Rede –; das gelingt mir einfach nicht. Was ist das Ziel der Kunstwissenschaft? Wenn man überlegt, ob eine Documenta es noch bringt, weil es alles schon gab… was ist das Ziel? Man darf gerne auch ein ganz abgedrehtes nennen, z. B. so, als würde die Medizin das Ziel formulieren, dass irgendwann kein Mensch mehr an Krankheit sterben muss…

 

Ich weiß, dass, wäre es überhaupt argumentativ möglich zu erklären, man der Oma in einfachen Worten erklären könnte, warum Leon Löwentraut besser malt als ihr Enkel – mir ist klar, warum das (im sich selbst erhaltenden System „Kunst“) nicht möglich ist. Es greifen weder rein ästhetische Gründe noch die Gedanken des Künstlers; ich habe z. B. ihn in diversen Talkrunden gehört. Wenn sich dann noch der Anwalt der womöglich – ich nehme es jedenfalls an – stinkreichen Eltern sich mit dem Anwalt eines anderen Malers anlegt, wer von wem abgemalt hat, ist der Kunstbetrieb um eine Farce reicher.

 

Ich warte darauf, dass der „Anthropomorphe Kabinettschrank“ von Dali als Fälschung entlarvt wird, um beweisen zu können, dass ich ihn dann noch genau so regelmäßig und gern besuche und bestaune wie davor – nur würde er dann vermutlich abgehängt.

 

Ich finde, all das (und noch viel mehr) sollte man in einer Diskussion um Banalität bedenken. Mich bringt es zum Fazit, dass nichts von irgendwoher gegeben ist, was Menschen als Systeme erfunden haben oder erfinden. Menschen machen die Regeln; alle sind jederzeit änderbar. Definitionen sind änderbar; s. ganz o. das Zitat.

 

Würde Kunst als allgemein gebrauchbarer menschlicher Ausdruck gelten dürfen, dürfte sie genesen. So, wie es aber jetzt ist, bleibt mir nur die Trennung zwischen Markt-Kunst und (einfach) Kunst als jedwedem menschlichen Ausdruck mittels oder jenseits von Verbalsprache, egal ob Marcel, Gerhard oder Lieschen die Erschaffer sind.

 

Das „Problem“ ist die Etikettierung im Gegensatz zu inhaltlichem Austausch.

 

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Tanja Praske: „Überall das gleiche unproduktive Gerangel um Kompetenzen und Deutungshoheit. Hier finde ich Lauras Meinung: „E-Kultur (ernsthafte Kultur) definiert sich über Ausschluss“ sehr treffend. Bei Michael Krögers Post dachte ich umgehend „wer bestimmt denn was banal ist?“ Durch das Web wohl kaum noch eine elitäre Bildungsoberschicht, sondern das Publikum, der User, der sogar auch Content liefert. Entweder moderiert durch die Kulturinstitution oder einfach so, denn das machen die User so oder so, mit oder ohne Moderation.“

 

Ich sehe tatsächlich ein bisschen die Gefahr, dass das Publikum die Rolle des „Banalisierers“ zugewiesen bekommen könnte und die Kunstvermittler die der „Mithelfer“; das ist schon so geschehen in diversen Diskussionen bis hin zur Erkenntnis mancher, dass das Publikum doch eher hinderlich sei bei der Kunstbetrachtung.

 

Ich denke, man muss sich entscheiden: entweder es ist eine Wissenschaft, dann dürfen sich selbstverständlich nur noch die Wissenschaftler unterhalten, oder etwas „für die Menschen“, ohne Ausschluss, ohne Vorurteil, differenziert. Ich für mein Teil kann mir nicht vorstellen, dass sich die Menschen die Freiheit des Ausdrucks und des Sprechens darüber wegnehmen lassen…

 

[Meine Antwort zum Thema „Banalisierung in der Kunst“ im Blog von Tanja Praske vom 02.02.2016]

 

„Die Kunst stirbt niemals. Sie ist ein Teil unseres Ichs.“ Giovanni Segantini

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Salvador Dalí – Der anthropomorphe Kabinettschrank

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Westart live

http://www1.wdr.de/fernsehen/west-art/sendungen/uebersichtwestartlive140.html

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Bereits das erste Sofa-Gespräch ist ein für mich guter Austausch; erst geht es um Schönheit, später um die vermeintliche Unvereinbarkeit von „digitalem“ und „realem“ Leben – Dinge, über die man ohne persönliche Definitionen nicht sprechen kann.

Auch die Bildhauerei, von Thomas Hermanns als ein Beispiel für das „reale“ Leben schlechthin genannt, kann ich aus folgendem Grund nicht als dafür gutes Beispiel gelten lassen: menschlicher Ausdruck ist menschlicher Ausdruck, ob er sich per Computer oder in greifbarem Material zeigt. Inhalt, Auseinandersetzung ist wichtig, damit beides (alles!) keine reine Pose bleibt.

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Der Film „Hidden figures“ (Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=brS10KpcTMY ), der jetzt anläuft, ist in meinen Augen ein wichtiger Tipp. Er handelt von Afroamerikanerinnen in Diensten der NASA zur Zeit der Apartheid (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Hidden-Figures-Frauen-rechneten-fuer-die-US-Weltraumfahrt-3342530.html ).

Hier Zitate der Schauspielerinnen

Octavia Spencer:

„… und ein Blick in die Vergangenheit zeigt uns, was auf dem Spiel steht, und wie wir die Zukunft gestalten können.“

und

Janelle Monae:

„Ich hoffe, der Film ermutigt die Menschen, ihre Träume nicht aufzugeben und immer der Freiheit Vorrang vor der Angst zu gewähren, besonders in Zeiten von Ungerechtigkeit und Diskriminierung.“

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Ich habe den Eindruck, dass einige meinen, dass sich nicht jeder dauernd zu Wort melden sollte. Das stimmt; „dauernd“ ginge nicht gut, denn zwischendurch sollte man die Worte anderer mitbedenken, einfach selbst nachdenklich sein.

Aber warum sollten denn nicht alle an den Verhandlungen beteiligt sein, deren Ergebnisse dann ihr Leben zu großen Teilen mitbestimmen?

Bringt Euch ein, aber FÜR die Menschen, nicht gegen sie. Oder gegen Gruppen, die nur nach einem gemeinsamen Merkmal definiert sind: Frauen, Männer, Amerikaner, Afrikaner, Leistungsbezieher, Millionäre, Gesunde, Kranke, Arbeiter, Wissenschaftler usw. usf. Guckt jeden individuell an, aber fragt Euch, ob nicht einige Wenige große Menschengruppen bestimmen. Fragt Euch, ob das sinnvoll ist. Oder ob es sinnvoll ist, dass die, die wenig haben, auf denen rumhacken, die noch weniger haben, anstatt sich überall, wo es möglich ist, einzubringen für Verbesserungen vieler Benachteiligter. Denn schuldlos Benachteiligte sind jederzeit und allerorten Realität.

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Steine hüpfen lassen… im Hirn 2 oder: Grenzen

Stefan: Zitat 1 [Beitrag vom 09.11.: Steine hüpfen lassen… im Hirn], so ohne jeden Kontext kann nur zu allerlei Spekulationen verleiten.

Ich versuch mal den folgenden Kontrapunkt:

Kapitalisten haben sich noch nie um Grenzen geschert.“
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Lieber Stefan, liebe Mitlesenden,

heute mal ein etwas ungewöhnlicher Beitrag. Er geht mit persönlicher Ansprache los, weil ich Stefan zuerst in den Kommentaren von „Steine hüpfen lassen… im Hirn“ vom 09.11. antworten wollte, es aber dann wieder so komplex wurde, dass ich mich zu einem eigenem Beitrag zum Thema durchgerungen habe. Deswegen jetzt weiter ohne persönliche Ansprache:

Stefan hat mit seinem Kommentar eine offene Tür bei mir eingerannt: beinahe nichts funktioniert mehr aus dem Zusammenhang gerissen oder ohne zusätzliche Erklärung; da bin ich mit ihm einer Ansicht, und ich finde es im Grunde gut. Denn so kommen wir ein Stück weit wieder von Schlagworten oder –sätzen ab, die eher zum Inhalt haben, was der Leser bzw. Hörer interpretiert.

Mein Thema ist aber genau so durch die Jahre, in denen ich mich mit einem theoretischen Kunstbegriff beschäftige, wie man sich noch „ganz normal“ unterhalten können soll, wenn alles vor dem Gespräch und während des Gesprächs von allen Beteiligten ständig erklärt werden muss… es ist nicht möglich.

Aber wir unterhalten uns so. Wir setzen Dinge, Definitionen voraus und hauen die Sätze erst einmal ohne Rücksicht auf Verluste raus.

Wenn man nun wie ich einen fremden Sprecher zitiert – in dem Fall Hermann Arnhold vom LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster: „Künstler haben sich noch nie um Grenzen geschert“ –, dann nehme ich, vielleicht aus oben angesprochenem Grund fälschlicherweise, an, dass das Wort „Künstler“ den Begriff „Grenze“ in einer bestimmten Weise definiert – fälschlicherweise, weil man einen unbestimmten Begriff nicht mit einem anderen unbestimmten Begriff erklären kann. Ich gehe/ging also von sozusagen „ungefährlichen“ Grenzen aus: Grenzen im Kopf, im Denken, die zu ignorieren erst einmal andere (im Grunde zuerst zu definierende) Begriffe: Freiheit, Offenheit etc. zur Folge hätte, was also (in meinem Kopf) durchaus nur von Vorteil wäre.

Stefans Einwand fordert eine genauere Definition des Begriffs „Grenze“. Selbstverständlich ist die kapitalistisch motivierte Grenzüberschreitung weltweit menschlich gefährlich, selbstverständlich wäre es asozial und nicht hinnehmbar, würde ich die persönliche Grenze meines Gegenübers bewusst überschreiten. Da sind Grenzen dann sogar unerlässlich.

Kinder brauchen Grenzen, damit sie ein Gefühl der Sicherheit entwickeln, das für die weitere positive Entwicklung unverzichtbar ist. Dass man über die Art solcher im Grunde „guter“ Grenzen aber auch konstruktiv streiten und manche davon auch einreißen kann, davon spricht zum Beispiel Gerald Hüther oft und gut.

Grenzen um Länder erleichtern die Verwaltung; je kleiner ein zu verwaltendes Etwas, desto leichter. Aber: Ländergrenzen ziehen sich auch durch Köpfe, wo sie doch eigentlich nichts zu suchen haben, da sich das „Gute“ dieser Grenzen doch auf (notwendige) Bürokratie bezieht… trotzdem ist das Eine ein Nebenprodukt des Anderen.

Erleben Künstler Grenzen – wobei ich den Begriff „Künstler“ allgemein verstanden wissen möchte –, dann sind es ganz oft finanzielle (und damit verbunden örtliche) oder solche der fehlenden Inspiration… die Liste ist beliebig verlängerbar. Solcherlei Grenzen sind nicht schnell zu überbrücken, aber Hermann Arnhold habe ich natürlich anders interpretiert. Um die gerade genannten Grenzen muss man sich soger scheren; man kommt gar nicht darum herum. Die Grenzen im Kopf dagegen muss man einreißen, genau wie die, die andere einem mit ihren Vorgaben setzen wollen.

Ich bin sogar der Ansicht, dass das nichts Künstler-Spezifisches sein sollte – wo sollen Grenzen im Kopf etwas Gutes bewirken? Dass man sich etwas „nicht vorstellen“ kann, macht einen noch nicht zu einem sozialen Menschen, genau wie umgekehrt eine überbordende Fantasie, in der „alles“ möglich ist, auch Grausames, denjenigen weder zur Umsetzung zwingt, noch auf den Charakter desjenigen schließen lässt. Verantwortung ist immer mit dabei, idealerweise bewusst.

Freiheit im Kopf ist nichts Künstler-Spezifisches, aber gerade Künstler können nicht darauf verzichten, denke ich, und zwar jenseits jeder „romantischen“ Vorstellung.

So ist meine Schlussfolgerung für heute, dass in dem Arnhold-Zitat doch das Wort „Künstler“ das Wort „Grenze“ in gewisser Weise ausreichend definiert, und der Stein nicht mit der ersten Berührung der Wasseroberfläche untergehen muss… 😉

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Vision

https://www.facebook.com/KenFM.de/videos/10153877883701583/?pnref=story

Der erste Teil des Textes bezieht sich auf dieses facebook-Video von KenFM und auf die Reaktionen, die das Teilen auf meiner privaten, nicht gemeinschaftlichen facebook-Seite https://www.facebook.com/sabine.pint hervorgerufen hat.

Im zweiten Teil schlage ich einen Bogen zur Kunst und zu den Erwartungen an diese.

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Es steht und fällt immer alles mit dem Inhalt einer Sache, den es zu hinterfragen und zu untersuchen gilt.

Es funktionieren nicht mehr kurze Schlagsätze oder gar –wörter, weil dann der Inhalt vom Zuhörer bestimmt wird statt vom Sprecher; alles sollte möglichst differenziert erklärt werden, auch, wenn das Mühe macht und gefühlt die Meisten dann abschalten bzw. weiterklicken statt zuzuhören bzw. zu lesen und sich auseinanderzusetzen.

Ich fand das Ken-Jebsen-Video gut, weil es einen Aspekt der USA-Wahl aufgreift, der bei den üblichen Be- und Verurteilungen der Kandidatin und des Kandidaten in Medien und Sozialen Netzwerken immer noch zu kurz kam: die Wichtigkeit von sozialer Gerechtigkeit.

Ich finde mit ihm, dass etablierte Parteien hüben wie drüben versagt haben, was dieses Thema anbelangt, weil allen etablierten Parteien die Wirtschaft so nah ist und das dann – aus Gier, nicht aus Vernunft, denn nötig ist es nicht – Interessenkonflikte gibt, die zu nahezu 100 % eben der Wirtschaft zugutekommen und nicht dem berühmten „kleinen Mann auf der Straße“. Ich würde ‚Die Linke‘ zwar noch ausnehmen, weil sie noch nie so weit oben war, ihr gegenüber den anderen Parteien sozialeres Wahlprogramm im Praxistest beweisen zu müssen, aber die Geschichte beispielsweise der ‚Grünen‘ gibt Jebsens Ernüchterung recht.

Was bedeutet das für mein Wahlverhalten? Ich möchte niemanden wählen müssen, der einfach nur donnernd bis unverschämt auftritt und mit Inhalten (bislang; in Trumps Fall) geizt, um das Establishment abzuwählen; ich möchte nicht Dieter Bohlen (Jebsens Beispiel) wählen, wenn er sich aufstellen ließe, um niemanden der anderen wählen zu müssen. Gar nicht zu wählen lässt braunen Sumpf steigen und kann daher auch nicht das Mittel der Wahl(!) sein, solange sich nicht ein ganzes Land verlässlich (gleich utopisch) auf Nichtwählen einigt…

Wenn es mir also um Inhalt geht, dann bleibt mir nur die rechtzeitige gleich stetige Auseinandersetzung mit möglichst allen Inhalten, derer ich habhaft werden kann, die dauernde aktive und offensive Begleitung dessen, was in der Welt geschieht. Dazu gehört die (wenn auch verbale, denn ich empfinde das eben nicht als negativ besetztes ‚nur‘) kritische Begleitung unseres herrschenden politischen Systems, das erlaubt, dass Menschen, die einmal durch Wählerbetrug (Stichworte ‚Wahlkampfversprechen‘ und sonstige Affären) an die Macht gelangt sind, nach einer so langen Zeit erst wieder abwählbar sind, in der schon soziale Unverträglichkeiten und Kriegspolitik Fuß gefasst haben. Ich finde, dass sich Menschen in derlei verantwortungsvollen Positionen durchaus auch verantworten müssen, und zwar genau so rechtzeitig und stetig, wie ich mich – so gut es eben geht – zu informieren habe. (Und wenn mir Informationen vorenthalten werden und ich das merke, mich eindeutig zu Wort zu melden.)

Das, was ich am Schlimmsten finde – bei mir fände und bei anderen finde – ist das defätistische „So ist eben die Realität“ ohne zu realisieren(!), dass wir so viel dieser Realität mitbestimmen: sei es im Drogeriemarkt, wo es wahnsinnig mühevoll ist, irgendein Produkt zu finden, dessen Markennamen nicht auf ‚Nestlé‘ als Mutterkonzern zurückzuführen ist, sei es beim Lebensmitteleinkauf, bei dem das komplette Milchregal der fragwürdigen Firma ‚Müller‘ zu gehören scheint, sei es beim Klamottenkauf, der durchweg „fair“ nur als Superverdiener umsetzbar ist.

Es ist an der Politik, für soziale Gerechtigkeit zu sorgen, es ist an jedem von uns, unser Leben verantwortungsvoll auszugestalten.

Was soll ich von Götz Werner (Gründer und Aufsichtsratsmitglied des Unternehmens ‚dm-drogerie markt‘, dessen Geschäftsführer er 35 Jahre lang war) halten, der seinen Mitarbeitern gegenüber ein dialogisches, respektvolles Führungskonzept vertritt, das mich begeistert, aber durch sein Verkaufsangebot so viel ‚Nestlé‘-Unterstützung betreibt, dass ich diesen Aspekt seiner Unternehmensführung ablehnen muss…? Genau: ich muss das trennen. Ich werde also nicht auf den kompletten Menschen Götz Werner schimpfen, genau so wenig, wie ich ihn nur bejubele. Das eine finde ich gut, das andere schlecht. Auf beides muss ich verbal und durch eigenes Handeln reagieren. Zurücklehnen ist keine Option, nicht mehr, nicht heutzutage mit unserem (Geschichts-)Wissen und nicht mit fast fünfzig.

Genau so gilt auch: ich muss aushalten oder immer besser lernen, auszuhalten, wenn Menschen diese Haltung nicht teilen, alles zu schwierig finden, mir und anderen vorhalten, wie wir uns bei all der Komplexität herausnehmen können, eine Meinung (und das auch nicht immer, weil man manchmal mitten in der Meinungsbildung ist – verwirrend!) zu haben, weil Draufhauen Vielen wohl leichter fällt als Auseinandersetzung mit dem Gegenüber… wenn ich (immer noch!) an Demokratie glaube, muss ich aushalten, dass einige Krieg besser finden als Frieden, dass es Menschen gibt, die den Kapitalismus, wie wir ihn leben, gut finden, weil sie als allein denkbares Gegenstück die ehemalige DDR als Argument haben… ich muss die „Leistung muss sich lohnen“-Menschen aushalten, obwohl schwer Schuftende oft die Letzten sind, die sich etwas leisten können, und für die, die es können, ihr Geld arbeitet… ich muss die aushalten, die es gut finden, dass man finanzielle Unterschiede den Menschen ansieht. Die, die sagen, dass Menschen nicht gleich sind und mit Biologie oder Mentalität argumentieren. Die, die rücksichts- und respektlos sind. Und die und die und die.

Und ich halte das auch alles aus, weil’s nur so geht, wenn man an Demokratie glaubt, weil ich ja auch eine bin, die es auszuhalten gilt, wenn man meine Ansichten nicht teilt.

Aber: man kann doch über alles sprechen, oder? Und zwar ohne dem Gegenüber respektlos zu begegnen. Indem man sich bestenfalls nicht über ihn oder sie ärgert, sondern sich mit dem Inhalt dessen auseinandersetzt, was sie oder er sagt oder teilt, und sich gegebenenfalls dann konstruktiv über einen Inhalt ärgert…

Okay, Ken Jebsen ist auch nicht gerade zimperlich. Aber was machen wir, wenn er recht hat, zornig zu sein und keine der etablierten Parteien – schlechtenfalls weltweit – eine Option ist für uns „kleine Leute auf der Straße“? Oder entwickeln wir uns weiter zu einem Land, in dem jeder froh ist, wenn er ein bisschen mehr hat als der Nachbar und sich für die allgemeine soziale Entwicklung daher nicht zu interessieren braucht…?

Hören wir besser auf, uns auszutauschen, weil uns nervt, dass es noch Menschen gibt, die an Austausch und Entwicklung durch Austausch glauben?

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Künstler tauschen aus. Sie schenken sich in einer kreativen Arbeit her, immer persönlich (dann ist es eine gute Arbeit, egal, ob sie „gefällt“) und manchmal sogar privat, und hoffen gegebenenfalls auf ein kleines bisschen Interesse.

Ich, die ich zu beiden Seiten gehöre, zu den Erschaffern eigener und zu den Rezipienten fremder Arbeiten, lebe die Kunst als einen zusätzlichen Ausdruck, wie eine zusätzliche Sprache, zu der alle Menschen grundsätzlich Zugang haben. Grundsätzlich.

Mir ist aber sehr, sehr bewusst, dass es Staffelungen in der Aufnahmebereitschaft gibt, abhängig davon, wo der Mensch auf der Bedürfnispyramide steht. Das alte Schulwissen ist immer noch gültig: wer um sein Leben rennt, bleibt nicht für ein Kunstwerk stehen; wer nicht weiß, wie er über den Monat kommen soll, kauft sicher keine Kunst. Das demütige Wissen um die Realitäten in der Welt steht allen Menschen gut, gleich, wo sie stehen oder womit sie befasst sind.

Trotzdem gefällt mir der Gedanke, dass die Kunst alle Menschen, gleich, wo sie stehen, überraschen kann: jemand bemerkt zufällig das Bild in der Galerie, an der er tagsüber achtlos vorbeiläuft, den Kopf voller Sorgen, nur, weil es ein Winterabend ist und die Galerie hell erleuchtet. Und es geht ihm nicht darum, das zu besitzen, was er da gerade erst entdeckt hat; er will es näher sehen, traut sich in den fremden Raum, nähert sich Schritt für Schritt. Sieht den Namen dessen, der’s gestaltet hat, ist neugierig, wie’s gemacht ist – und fragt sich vielleicht, vielleicht ja, warum dieser ihm unbekannte Mensch das so und nicht anders gemacht hat… und vergisst vielleicht sogar kurz, ganz kurz seine Sorgen.

Vielleicht ist meine Vorstellung romantisch, vielleicht funktioniert es aber sogar eher so als viele der gut gemeinten und auch bestimmt gut gemachten museumspädagogischen Ansätze. Zumindest für Viele, die nicht wissen, wie sie über den Monat kommen sollen.

Mein Wunsch ist aber, das anzugehen: die Realitäten nicht hinnehmen und mit möglichst Vielen mit der gleichen Idee daran arbeiten, dass immer mehr Menschen mindestens die Mitte der Pyramide erreichen. Weltweit daran arbeiten und weltweit erreichen. Wenn wir den Anspruch aufgeben, dass es möglichst allen Menschen gut geht, nur, weil das angeblich unrealistisch ist, haben wir als Menschen alle zusammen verloren. Es ist unrealistisch, weil es nicht von allen getragen und unterstützt wird.

Was hindert Euch? Was wollt Ihr? Was ist Eure Vision?

 

maslow

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