Offenheit – Freiheit

Gestern ging die Blogparade des Archäologischen Museums Hamburg, #kultblick, zuende; mein Beitrag dazu erschien hier am 3. Oktober.

Anke von Heyl gab mir in einem Kommentar eine NachDenkSteilvorlage:

„Ich frage mich auch, ob es einen Unterschied zwischen Freiheit und Offenheit gibt? Ich denke, dass der Kreis immer weiter gezogen werden kann.“

In mir arbeitete es sofort! Immer weiter gezogener Kreis… ja, aber weil Freiheit und Offenheit für mich nicht identisch sind, sah ich sie in eigenen Kreisen, die, jeder für sich weiter gezogen, eine Schnittmenge irgendwann unvermeidlich machen, unvermeidlich im besten Sinne.

Wenn ich Offenheit als großes Interesse in alle möglichen Richtungen begreife und Freiheit als Zustand, „ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können“ (Wikipedia), dann bedingt Freiheit Offenheit. Ohne Offenheit sieht man die Möglichkeiten nicht, aus denen man wählen, für die man sich entscheiden kann.

Daraus folgt für mich: wenn uns die Freiheit etwas, vielleicht sogar viel wert ist, müssen wir Offenheit trainieren, Interesse wach halten.

Wenn wir möchten, dass die Kunst frei ist und bleibt, dürfen wir ihr nicht die Möglichkeiten nehmen, in denen sie Ausdruck findet. Das heißt, dass wir ihr möglichst keinen Menschen weg nehmen, der sich ihrer bedient.

*

Advertisements
Standard

„Jetzt bin ich bei mir.“

https://www.youtube.com/watch?v=sT62_1ffv6U&sns=fb

*

Die c/o-Kunstförderung der Stadt Mönchengladbach präsentierte zum parc/ours, dem Wochenende der offenen Ateliers und Kunstorte am 16./17.09.2017, vier Filmportraits von beteiligten Künstlerinnen und Künstlern. Dieses von Claudia Tronicke, Lisa Königs, Leila Matzke und Kanaan Berlin stellt die Mönchengladbacher Künstlerin Menia vor.

Hier lässt sie sich an ihrem Rückzugsort besuchen und erzählt von ihrer Motivation zur Kunst und den Vorteilen des freien Arbeitens.

Wenn man wie sie schon als Kind verschiedene Interessen entwickelt, braucht es etwas Verbindendes:

Das ist so toll an Kunst: egal, womit man sich beschäftigt oder wofür man sich interessiert: man kann alles einbauen. […] Nachdenken über Menschen; wie die sind, was sie machen, warum… warum sie das Schöne zerstören am laufenden Band […] eigentlich Zerstörung des Paradieses […] Ich glaube, Empathie ist etwas sehr Wichtiges und sollte viel mehr zum Thema werden […] Das ist der Grund, warum ich mich damit beschäftige.“

Ihre Aussagen zeigen für mich einmal mehr, dass Kunst nichts Abgehobenes sein muss; dass sie ein Ausdrucksmittel, eine Sprache mehr ist für die Dinge, die Menschen beschäftigen.

*

received_1517941328293991

Standard

Bei Nichtbeachtung droht vielleicht irgendwann mehr als „Kunstverlust“…

„Ich habe miterlebt, wie Jugendliche, die noch nie etwas mit Kunst zu tun hatten, nie in einem Museum waren, durch einen Kunstworkshop angefangen haben zu strahlen. Sie wirkten plötzlich selbstbewusst, kreativ, individuell und interessiert an allem, was über ihren bisherigen ‚Tellerrand‘ hinausging. Aus diesem Grund müssen wir unseren Blick nach vorne richten und dieses Potenzial stärken, denn ohne Kunst würde unsere Gesellschaft eingehen.“ [Juliane Köhler]

*

Warum ist es durch Kunst so niederschwellig möglich, Interesse, gar Selbstbewusstsein zu erleben?

Ich denke, weil jeder einen natürlichen Zugang zu ihr hat oder haben könnte, gerade in jungen Jahren. Mit zunehmendem Alter wird dieser natürliche Zugang immer mehr zugestellt mit Erwartungen der Umwelt, die in die jungen Menschen kriechen und irgendwann als eigene Haltungen erlebt werden. Auch Kunst hat in der Gesellschaft ein Gerüst, einen starren Rahmen, den man schon spürt, wenn man nur die Bezeichnung nimmt: Kunst. Der Begriff ist abstrakt; jeder füllt ihn anders. Ein Teil der Gesellschaft sieht ihn als Qualitätsbegriff an: alles, was so genannt wird, ist durch einen Filter gelaufen, hat „Tests“ bestanden, ist von „Experten“, deren Urteil wir vertrauen, für gut befunden worden, gut genug, diesen „Titel“ zu tragen. Junge Menschen, die mit dieser Begriffsdefinition aufwachsen und sie verinnerlichen, werden, wenn sie „offiziell“ einen zum Beispiel naturwissenschaftlichen Weg einschlagen, kaum wagen, auch noch „Kunst“ zu machen oder auch nur diese Neigung verspüren. Das eigentlich so leicht zu weckende Gefühl, das Juliane Köhler bei ‚KunstVerLust‘ beschreibt und das Menschen sich gut und zufrieden fühlen hilft – zu Frieden – wird leichtfertig weggegeben zugunsten eines Lebens im Wettbewerb.

*

Und ist das nicht genau der richtige Ansatz, auch jenseits von Kunst? Zu welchen Themen könnt Ihr Euch Workshops vorstellen, die bereits im Jugendalter ihren Anfang nehmen und über reine „Beschäftigungstherapie“ hinausgehen können? Wie könnten sich Jugendliche – selbstverständlich freiwillig! – einbringen können, ohne ihre kostbare Frei- oder Schulzeit zu opfern; vielleicht gekoppelt an den Unterricht? Kann Unterricht nicht generell anders gestaltet werden? Wie erreicht man Schüler, die ihrer Herkunft (Sprachbarriere, Kulturbarriere) oder Wohnsituation nach benachteiligt sind, wenn man den Maßstab unserer Gesellschaft anlegt?

Wodurch wird der erste Funke für Beteiligungswunsch entzündet?

*

http://www.kunstverlust.de/galerie/2015/12/23/juliane-khler

*

Standard

Die mögliche Verbindung zum individuellen Wesentlichen

https://www.taz.de/!5396305/

Zitat aus dem Interview: „Wenn sich ein Werk auf Malewitschs Schwarzes Quadrat bezieht, muss man erstens Malewitsch kennen und zweitens wissen, dass er sich auf Ikonenmalerei bezieht. Man muss drei Ebenen erklären. Wir überlegen gerade, wie wir das geknackt kriegen. Im Idealfall hätte man den Multimedia-Guide für jedes Exponat. Das ist ein kostspieliges, langfristiges Ziel.“

Dazu Anke von Heyl am 12. April auf ihrer facebook-Seite:

„Sehr spannendes Interview mit dem Chef der Hamburger Kunsthalle. Ich wage mal die These, dass ein Multimedia-Guide nicht zwingend die Lösung für das Vermitteln äußerst komplexer Zusammenhänge sein muss. Die Frage ist, ob man als Vermittlungsziel das Wissen um alle historischen Bezüge in den Vordergrund stellen sollte.“

*

Inspiriert durch Anke von Heyls Beitrag auf ihrer facebook-Seite und das dortige gute Gespräch dazu, aus dem ich hier nichts wiederholen möchte, steige ich gleich steil ein: Wenn Kunst für alle Menschen ist – wovon ich ja ausgehe – kann Kunstvermittlung dann überhaupt zielgerichtet funktionieren, wenn das Ziel ständig umdefiniert werden muss nach Gruppe und Einzelperson, Alter, Wissensstand, kultureller Herkunft, Interesse (Stichwort „Schülergruppen“) …?

Ist der geringste Anspruch dann der, dass der Mensch, dem vermittelt werden soll, überhaupt erst mal bleibt und weiter zusieht und zuhört, und liegt die Kür dann darin, einem best-vorgebildeten, wissensdurstigen, kunstinteressierten Menschen, der alle Zitate versteht, noch mehr Wissen zu geben in einem „Fach“, das in seinen Inhalten keine allgemein menschliche Objektivität hat, sondern die bestimmt werden durch die jeweiligen Machthaber der einzelnen Kunst-Bereiche und Institutionen, ungeachtet der vielen Einflüsse und Eindrücke drumherum? Ungeachtet der Tatsache, dass das, was innerhalb des Kunstbetriebes, -marktes, -kanons entsteht, für „Kunst“ befunden wird und in diesem Begriff verbleiben darf, immer auch außerhalb gedacht und gearbeitet werden kann und, setzt man dieses voraus, dann sicher auch wird?

Vielleicht liegt der Gewinn von „Vermittlung“ ja gar nicht im (ohnehin überschätzten) „Verständnis“ für eine künstlerische Arbeit. Vielleicht liegt der Gewinn schlicht darin, Menschen, denen das fremd ist zu zeigen, dass Menschen sich über Kunst ausdrücken und das genau so „normal“ ist wie der Ausdruck über jede andere Sprache. Vielleicht bringen Gespräche auf den unterschiedlich möglichen Niveaus, vielleicht bringen die Fragen der Menschen auf den unterschiedlich möglichen Niveaus die – ich glaube, ebenfalls allen – mögliche Verbindung zu ihrem individuellen Wesentlichen.

*

KunstvermittlerInnen leisten gute Arbeit – innerhalb des Systems.

Ich komme immer wieder dazu, mich zu fragen, ob ich in der Ansicht und in der Diskussion radikaler sein muss, was mir total widerstrebt.

Kann ich gleichzeitig sagen:

o.k., das ist der Kunstbetrieb, der so funktioniert, wie er eben funktioniert, mit all seinen Kreativschätzen und dem Bemühen um deren Vermittlung, aber eben auch mit den negativen Auswirkungen: Ausschluss Vieler im Erschaffen und Rezipieren (auch wider alle Vermittlungsversuche), Entwicklung krimineller Energien (Stichworte „Handel“ und „Fälschung“) usw. (die Liste ist beliebig verlängerbar)

und

ich wünsche mir ein co-kreatives Herangehen an Kunst, und zwar an jegliche Kreativarbeit eines jeglichen Menschen?

Passt das? Geht das? Und wenn ja: wie geht das?

Oder geht das einfach nicht zusammen, weil ein co-kreatives Herangehen an jegliches Thema Bewertung verbietet, Belehrung verbietet, und „Lehre“ und „Lernen“ da einfach anders funktionieren…?

Ich habe immer gesagt: die Arbeiten, die heute offiziell zu „Kunst“ zählen, und die wir alle schätzen und bewundern, gehen doch nicht verloren, und sie entstehen auch weiterhin neu.

Aber was ist, wenn wir uns das neu-Entstehen unter anderen, unter co-kreativen Vorzeichen vorstellen? Wie funktioniert dann zum Beispiel Aufmerksamkeit ohne geförderte Bewerbung, wie funktioniert dann überhaupt Förderung – gibt es sie dann überhaupt noch? Muss es sie dann noch geben? Wenn Kunst überall und frei auftreten kann, ohne in den Kontexten gefangen zu sein, in denen wir sie erwarten: Museen, Auftritte, Vernissagen, Midissagen, Finissagen, Konzerte, Ausstellungen, … wie stehen wir dann zum kreativen Ausdruck von Menschen? Wie wird dann geplant, wie wird dann bezahlt (Hallennutzung, Museumsunterhaltung, Technik, Strom, Personal, …)? Wie werden die Kreativen entlohnt? Werden sie entlohnt, oder kann man sich „Bezahlung“ für eine „Leistung“ auch ganz anders vorstellen, auch jenseits von Tauschhandel? Was passiert mit hochpreisigen Umsetzungen von Kunst? Denken Künstler durch etwaige Beschränkung (die ja andererseits durchaus vernünftig sein kann) anders, ohne ihre Idee verraten zu müssen?

Was wäre, wenn „Kunst“ ein „ganz normaler“ zusätzlicher Ausdruck der Menschen wäre?

Vielleicht unterstützte es sie ja im Finden ihres individuellen Wesentlichen, das, wie ich es empfinde, ein wichtiger Beitrag für inneren und äußeren Frieden ist.

*

t_v_bild

Standard

Was gibt’s Neues?

Jeder kennt die Frage, jeder weiß, was er oder sie schon mal darauf geantwortet hat. Manchmal gibt es was augenscheinlich Neues für den Gefragten zu erzählen, manchmal erzählt man es dann, manchmal nicht. Oft sagt man „Och, ’s gibt nichts Neues…“ – aber stimmt das jemals?
Ich für mein Teil stelle fest, dass das meine spontane Hauptantwort ist – und dass sie tatsächlich niemals stimmt.
Übersetzt heißt diese meine Antwort: Es fällt mir schwer, nach kurzer Frage einfach so von mir drauflos zu erzählen, weil ich nicht weiß, was mein Gegenüber interessiert… ich muss wohl in grauer Vorzeit ein paarmal unerwartet geantwortet haben, so dass ich nun vorauseilend vorsichtig bin… Vielleicht ist das Problem auch: ich möchte über Wesentliches sprechen, über das, was meinem Gegenüber und mir wesentlich ist. Das Gespräch an sich ist nicht so schwierig, aber der Anfang eines solchen Austauschs hat es augenscheinlich in sich, scheint mindestens den Betroffenen Respekt abzunötigen.
Ich habe gar nichts gegen Smalltalk; so soll das jetzt hier nicht klingen. Die Grenze ist schwer zu ziehen beziehungsweise: gibt es überhaupt eine Grenze? Denn beim aneinander-vorbei-Gehen ist ein schneller unkomplizierter Satz doch sehr nett und oft die einzige Möglichkeit der freundlichen Kontaktpflege: mit der Kollegin auf dem Büroflur, mit dem Nachbarn auf meinem Weg zum Bus. Aber mit mehr Zeit ist für mich ein Gespräch, das sich in Smalltalk erschöpft – ich gebe es zu – meistens ein verlorenes. Ich ahne jetzt schon, dass einige, nachdem sie das gelesen haben, nicht mehr wissen, ob sie mit mir über’s Wetter reden „dürfen“… oder über’s Zu- und wieder Abnehmen… oder über Rezepte, Frisuren, Urlaub, Alltag… aber selbstverständlich „dürft“ Ihr; nur zu! Redet mit mir über alles, was Euch in dem Moment wesentlich ist, und Ihr habt meine ungeteilte Aufmerksamkeit und meinen Respekt für alle Eure Themen.
Und lasst Euch fragen: was interessiert Euch denn umgekehrt an Eurem Gegenüber? Interessiert sie oder er Euch überhaupt so, dass es für eine ehrliche Frage reicht? Denn vielleicht habe ich früher gar nicht unerwartet geantwortet und den Frager „erschreckt“, sondern dieser war schlicht überhaupt nicht interessiert! Denn wie kann ein Gespräch zwischen zwei Menschen eigentlich jemals langweilig sein oder der eine dem anderen glauben, es gäbe nichts Neues?
Es gibt unfassbar viel Neues, in jedem Moment. Ich entwickele mich vom Betreten dieses Planeten bis zum Verlassen unablässig weiter, werde etwas, werde jemand, werde jemand anderer. Zu viele Menschen, die sich gut, weil lange, zu kennen glauben, verlieren einander auf dem Weg dieses Werdens. Weil sie sich nicht mehr fragen. Sich selbst nicht und nicht den anderen.
Nicht, dass ich das noch nie so gefragt hätte, aber vielleicht ist „Was gibt’s Neues?“ auch gar nicht so zweckmäßig. Bedeutet es doch zwischen den Zeilen, dass das, was da jetzt kommt, mich aber auch bitte zu interessieren hat, wirklich etwas auch in meinem Sinne „Neues“ sein soll. Es stellt mich, den Frager, als Hauptperson hin, als den „zu Unterhaltenden“. Wäre es nicht viel konstruktiver für’s Gespräch, beispielsweise zu fragen: „Womit beschäftigst Du Dich derzeit? Was sind Deine Themen?“ Und: „Wie beschäftigst Du Dich damit, auf welche Weise?“
Manche Gespräche brauchen derlei Kniffe nicht, weil sich die Beteiligten wirklich füreinander interessieren. Ich nehme aber an, dass viele Gespräche durch diese Herangehensweise einen unerwarteten und wunderbaren Dreh bekämen… dass ich versprechen kann, bei Anwendung höchstwahrscheinlich nie mehr sprachlos zu sein… und dass ich für’s nächste Zusammentreffen mit mir hiermit gerne vorwarne. 😉

*

wp-image-1826816665jpg.jpeg

Standard

Alien und andere Filme

Niemand erklärt mir so empathisch und wohlwollend wie meine Freundin Uta, warum ich mich manchmal wie ein Alien fühlen muss. Sei es, dass ich Menschen, die mich im Grunde gut kennen müssten, rechtfertigen muss, warum ich finde, dass ein persönlicher Kampf gegen Ungerechtigkeit nicht nur mir zugute käme, sei es, dass ich erklären muss, dass ich mein Lebensmodell nicht als Konkurrenz verstehe zu ihrem. Dazu kommt, dass ich mich zuhause sauwohl fühle, trotzdem keinen gesteigerten Wert auf schicke gleich teure Möbel lege, aber auch andere Wohnungen behaglich finde, bei deren Einrichtung darauf geachtet wurde. Oder mal nach einem Rezept frage, aber mich trotzdem nicht stundenlang über Küchenthemen unterhalten mag. Und es nach einer längeren Zeit des einander Kennens befremdlich finde, wenn es nicht auch mal darum geht, was mich interessiert.

Uta versteht das gut und kennt so etwas auch. Ich darf das outen, denn das Netz kennt Uta nicht. Wir sind uns einig, dass man ein echtes Interesse aneinander nicht einfordern kann, aber wir beide haben es. Wenn wir uns unterhalten, überschlagen wir uns fast, weil uns so oft so ähnliche Personen und Situationen begeistern, wie kürzlich die Emcke-Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Wir empfehlen uns Filme und liegen immer richtig. Zum Geburtstag bekomme ich einen Brief mit verschiedensten Sprüchen aller möglichen Persönlichkeiten, die (die Sprüche) meistens Bezug nehmen zu irgendetwas, das uns im letzten Gespräch beschäftigt hat. Meistens denke ich ihr zuviel nach, aber das hat mir schon so manchen Tipp eingebracht, dem nachzugehen sich dann natürlich wieder gelohnt hat: „Als ich den/die letztens gehört/gesehen/gelesen hab‘, musste ich gleich an dich denken!“ So etwas ist schön.

Uta meint, so zu sein, mache manchmal eben einsam. Ob ich den Film „Séraphine“ kennen würde (Selbstverständlich; den besitze ich sogar!) oder ob mir der Name „Mirabehn“ etwas sagt (Klar; habe letztens erst nochmal „Gandhi“ geschaut!), aber da sei sie ein bisschen zu süßlich dargestellt; ich solle vielleicht („Nur als Tipp – ist ja kein ‚Muss‘!“) ihre Biografie lesen (Ist vorgemerkt!). Frauen, die auch ziemlich alleine gehen, die anderen oft unverständlich sind, die sich vielleicht selbst manchmal unverständlich sind.

Obwohl das alles wahr ist, bin ich dabei – vielleicht ist das dann besonders „tragisch“ – auch und in besonderem Maße ein „Rausgeher“, ein Austauscher, ein Gesprächsanfänger. Oft wird das nicht beantwortet, aber vielleicht ist das auch nicht das Wichtigste. Vielleicht ist wichtig, nicht aufzugeben, ein Angebot zu sein mit den Dingen, die einen interessieren, weil das, was man eventuell in anderen anstößt, einem oft nicht gespiegelt wird. Man erfährt es schlichtweg nicht, ob irgendjemand „was damit anfangen“ konnte. (Meistens sind leider die beflissener, die einem sagen wollen, dass sie nichts damit anfangen konnten.) Trotzdem ist der Anstoß in der Welt. Und um den zu entwickeln, bedarf es manchmal eben Einsamkeit.

*

Thomas Hermanns als Moderator der ‚Westart live‘ vom 31.10.2016: „Frau Raabe, wenn Sie so am Schreibtisch sitzen und’n neues Buch schreiben, hätten Sie dann manchmal nicht lieber auch’n bisschen Rock’n’Roll, zwischendurch mal?“

Melanie Raabe: „Ehrlich gesagt überhaupt nicht. Tatsächlich bin ich überhaupt niemand, der darunter leidet, an dieser berühmten Einsamkeit am Schreibtisch… ich liebe das, irgendwie, zuhause zu sitzen am Schreibtisch und autark, über Monate oder Jahre hinweg an einer Geschichte zu feilen, …“

*

Filme.jpg

Standard