Haben wir immer nur diesen einen Moment? Und: wer sind wir eigentlich?

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Im kürzlich angelaufene Kino-Film „Your Name.“ ist eines bald kein Geheimnis mehr: zu wissen, dass das Mädchen Mitsuha und der Junge Taki einem Körpertausch unterliegen, der mehrmals in der Woche, aber immer nur für einen Tag geschieht, ist unerlässlich, um die Geschichte verfolgen zu können.

Mir war klar, dass ich den Film mögen würde, und zwar nicht, weil er ein Anime ist; ich fürchtete, dass ich mich zu sehr an die Anime-„Heidi“ meiner Kinderjahre erinnert fühlen würde oder an „Nils Holgersson“. Doch die beiden „alten“ Helden waren rasch vergessen. Ich wunderte mich auch nur kurz, warum selbst asiatische Menschen in einem asiatischen Film kaum asiatisch aussehen… – dann fing mich die Geschichte ein.

Klar war mir, dass ich den Film mögen würde, weil ich das Grundthema kannte: den Gestaltenwandel der Hauptfiguren verbunden mit dem Spiel der Zeitebenen. Beides fasziniert mich, zweitrangig, wie es umgesetzt ist.

Hannah Pilarczyk schreibt bei SPIEGEL ONLINE:

Mit dem Gestaltenwandel macht der Film jedoch nicht vor sich selbst halt. Kaum hat man sich in das bezaubernde Geflecht aus Takis und Mitsuhas Leben verstrickt, wandelt sich Your Name selbst und streift die Hülle der Coming-of-Age-Komödie ab. Was der Film danach wird, soll hier nicht verraten werden, denn es zu entdecken, gehört zu den schönsten Überraschungen, die man seit Langem im Kino erleben kann. Nicht festgelegt zu sein – auf das eine Genre oder die eine Zielgruppe – ist auch das, was Your Name so herausragen lässt.“

Nicht festgelegt zu sein – auch das fasziniert mich in seinen verschiedenen Möglichkeiten. Nicht festgelegt im Denken zu sein, offen für Aspektwechsel zu bleiben, das wünsche ich mir für mich. Nicht festgelegt im Sein zu sein, das wäre schön, denn es veränderte Hoffnung ins beinahe Grenzenlose. Als ein Mensch, der nicht an Wiedergeburt in den gängigen Definitionen glaubt, wäre ich sicher ähnlich erschrocken wie Mitsuha und Taki – oder Sofie Amundsen und Hilde Møller Knag. Jostein Gaarders Sofie muss nach etlichen seiner Romanseiten feststellen, dass nicht sie die reale Person ist, sondern die für Fiktion gehaltene Hilde. So den „vermeintlich sicheren Platz in der Welt in Frage“ stellen zu müssen, wie es die Wikipedia formuliert, kann sicher schockierend sein. Es ab und an freiwillig zu tun, kann nur persönlich zu begreifende, bereichernde Weiterentwicklung sein.

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Das ist musubi, denke ich.

Ob nun Wasser, Reis oder Sake, alles, was man dem Körper zuführt, nennt man ebenfalls musubi.

Denn alles, was in den Körper kommt, stellt eine Verbindung zur Seele her.

An jenem Tag hatte ich mir vorgenommen, mir das zu merken, um es beim Aufwachen noch zu wissen. Versuchsweise sage ich es laut: ‚… sich verdrehen und verwickeln, gelegentlich zurückkehren und sich wieder verbinden. Das ist musubi. Das ist die Zeit.‘ “

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http://www.spiegel.de/kultur/kino/anime-meisterwerk-your-name-in-dir-finde-ich-mein-glueck-filmkritik-a-1186885.html

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http://www.zeit.de/kultur/film/2018-01/your-name-animefilm-makoto-shinkai-japan-bilddaten-your-name-animefilm

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https://www.youtube.com/watch?v=twVtDMVShTs

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https://books.google.de/books?id=ZVMzDwAAQBAJ&pg=PT144&lpg=PT144&dq=was+ist+musubi&source=bl&ots=1ARmeDpfMa&sig=oZzvfGoo76ZIQpGpbewVKSEIL3s&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjA4vDk_4HZAhWIyqQKHWq8Cb8Q6AEIRTAE#v=onepage&q=was%20ist%20musubi&f=false

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Quadro Nuevo & Cairo Steps

Wir hatten am vergangenen Wochenende das Vergnügen, zwei wunderbare Bands mit ihren emotional vortragenden und mitreißenden Gastsängern im Düsseldorfer Savoy-Kino/Theater hören und sehen zu können.

„Zwei renommierte Bands – das mehrfach mit dem ECHO ausgezeichnete Ensemble Quadro Nuevo und Cairo Steps, ein internationales Sufi-Weltmusik-Ensemble – begegnen einander in einer spannenden Mischung aus klassisch arabischer Musik, Tango Oriental, hypnotischen Grooves, Jazz und Improvisation.“

Mulo Francel, der großartige Saxophon- und Klarinettist von Quadro Nuevo, führte zusammen mit Basem Darwisch, dem Oud-Virtuosen der Cairo Steps, gekonnt und unterhaltsam durchs Programm, aufgelockert durch kurze improvisierte Gespräche mit den BandkollegInnen.

Das regelmäßige Zusammentreffen in voller Besetzung zu Konzerten sei gar nicht so einfach zu realisieren, da der „chaotische Haufen“ aus Musikern besteht, die auch solo oder in anderen Gruppierungen unterwegs sind und zudem aus verschiedenen Bundes- oder eben Weltländern kommen.

Quadro Nuevo und Cairo Steps lernten sich bei einem gemeinsamen Auftritt in der Alten Oper Frankfurt kennen, und der kreative Funke sprang über. Sie beschlossen, gemeinsame Projekte zu verwirklichen. Im Januar 2017 reisten die Musiker durch Ägypten, spielten in den Opernhäusern von Kairo, Alexandria und Damanhur und veröffentlichten anschließend ihr Musik-Album Flying Carpet. „Musik als fliegender Teppich – hinweg über die Grenzen von Zeit, Politik und Religion.“ So lag auch in Düsseldorf vorne auf der Bühne ein Teppich, der den Band-Zusammenschluss als „Kult-Gegenstand“, so Francel, auf den Touren begleitet. Er liegt dort stellvertretend für die musikalische Brücke. So ist laut Darwisch die Mission der Cairo Steps auch, eine Verbindung zwischen Orient und Okzident, Muslimen und Christen zu schaffen. Und Matthias Frey, der Ursprungspianist der Steps, erklärt dazu ganz richtig: „Wenn man sich verstehen will, muss man erstmal hören.“

Und so hörte man neben den uns hier geläufigen Instrumenten das Holzblasinstrument Duduk, die Längsflöte Nay, die Kastenzither Kanun und eben die arabische Kurzhalslaute Oud. Und man konnte die schöne Kennenlerngeschichte der Quadro Nuevo-Harfenistin Evelyn Huber mit Matthias Frey hören, die sich nach E-Mail-Kontaktaufnahme trafen und erst einmal zwei Stunden musizierten, ehe sie sich unterhielten.

Auf der Website von Quadro Nuevo ist zu lesen:

„Das Projekt Flying Carpet ist jedoch mehr als die Summe seiner einzelnen Teile. Meditativer Klang und kraftvolle Unisono-Passagen erzeugen einen Auftrieb, dem man sich nur schwer entziehen kann. Der Teppich hebt ab. Getrieben zwischen östlichen und westlichen Winden schwebt er durch neue Klanglandschaften. Er trägt uns hinweg: Über den Bodennebel trivialer Alltagsprobleme. Über die Grenzen von Kulturen und Ideologien. Über die Gräben scheinbar unlösbarer Konflikte.“

Über ihre Konzerte sagen sie:

„Obwohl wir aus unterschiedlichen Kulturräumen kommen, stehen wir voller Respekt füreinander als Freunde auf der Bühne. Wir haben die Vision, mit unserer gemeinsam entstehenden Musik Momente zu schaffen, welche eine Brücke zwischen dem Abend- und dem Morgenland spannen. Ein gemeinsamer Ritt auf dem fliegenden Teppich!“

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https://www.youtube.com/watch?v=MMI6XNpqFKw

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Was hast du gemeint?

https://www.youtube.com/watch?v=LWYefQWVCNs

 

„I don’t like it when people come up to me after my plays and say ‚I really dug your message, man‘ or ‚I really dug your play, man. I cried.‘ You know? I like it when people come up to me the next day, or a week later, and they say, ‚I saw your play… what happened?‘“ (In der deutschen Film-Übersetzung: „… was hast du gemeint?“)

Bill Murray in der Rolle des jungen Theatermachers Jeff Slater in „Tootsie“ aus dem Jahr 1982

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Ich mochte seine Rolle, wie ich auch den ganzen Film mochte und mag (damals auch als mein erst zweites Kinoerlebnis!), und ich mochte diese Szene mit diesen Sätzen. Höchstwahrscheinlich wusste ich damals nicht, was mich daran ansprach, warum die Szene sich mir sofort dauerhaft einprägte. Heute weiß ich, dass ein der Empfindung zeitnahes „Was hast du gemeint?“ ein Geschenk ist, das man nicht oft bekommt.

Allen meinen Begleitern ein herzliches Dankeschön!

Falls Ihr Fragen habt, ob zu einem Text oder einem Gedankengang: bitte scheut Euch nicht, sie zu stellen. Nur Gespräch bringt die Menschen zueinander; ohne Austausch bleibt jedeR allein.

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