Die Welt in 100 Jahren

Auch vor dem Hintergrund der auf der Münchner Sicherheitskonferenz offensichtlichen Unsicherheits- und Aufrüstungstendenzen:

Was ist in Zukunft wichtig? Zusammenfühlen, -denken und -arbeiten oder Ausschlussdenken und Konkurrenz?

Jedes Gebiet kann man daraufhin abklopfen: Familie, Kindergarten, Schule, Freundeskreis, Berufsumfeld, Freizeitgestaltung, Gesellschaft, Politik… Ich klopfe hin und wieder „Kunst“ daraufhin ab, inwiefern sie den Menschen dient, gemeinsam weiterzukommen; weiter im Sinn einer empathischen Weiterentwicklung, die tatsächlich niemanden zurücklässt oder ausschließt. Ich stelle fest, dass das beinahe nur noch der Fall ist, wenn diese Menschen Kinder sind oder Kunst zur Therapie eingesetzt wird – selbstverständlich nicht ernst genommen vom weit entfernten Marktgeschehen, aber in meinen Augen im Gegensatz dazu tatsächlich wertvoll.

Menschen, die in eine Welt geboren werden, in der es vorrangig um immerwährendes Wachstum (als gäbe es das!) und Gewinnmaximierung geht, werden kaum Chancen haben, sich dem Einstieg in die Hamsterräder zu widersetzen, wenn da niemand Alternativmodelle anbietet, die zu überzeugen in der Lage sind. In einer Welt, in der die Ungerechtigkeiten so apathisch hingenommen werden, fällt es schwer, daran zu glauben, dass ernsthaft und mit ausreichend vielen Menschen solche Modelle erarbeitet werden und irgendwann zum Einsatz kommen.

Einer derjenigen, der die Anleitung junger Menschen, der Lernen anders denken kann, ist Gerald Hüther:

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„Analoges“ contra Digitales?

Heute möchte ich Euch den Text von Hubertus Kohle empfehlen. Er beleuchtet sehr anschaulich die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn Digitalisierung in Konkurrenz zu herkömmlicher Vorgehensweise ohne Computer-Unterstützung geht, und zeigt andererseits die Chancen, die es hat, wenn man beides in seinen jeweiligen Stärken unterstützt:

https://www.perlentaucher.de/essay/museen-und-digitalisierung-zukunftshoffnung-oder-selbstaufgabe.html

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Selbst-Bewusstsein und Co-Kreativität

Gerald Hüther gibt uns in diesem Gespräch eine Lehrstunde in Gewaltverzicht.

Co-Kreativität meint das Zusammenwerfen von Gefühlen und Gedanken, Fähigkeiten und Wissen frei von Arroganz und Konkurrenz zum Wohl aller.

Wer nicht die ganze Stunde investieren mag, dem empfehle ich besonders die Minuten zwischen der 33. und 37. und die Minuten nach ca. 48:40.

„Wenn wir in der Gesellschaft Co-Kreativität wollen, dann müssen wir Gemeinschaften aufbauen, in denen wir wirklich aufhören, andere als Objekte zu behandeln.“

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CITIZENFOUR

Ich spüre immer stärker, dass Kunst für mich nichts Abgehobenes, nicht „fern von der Welt“ ist. Es gibt natürlich für alle Varianten Beispiele, aber sinnvoll ist für mich nur eine Kunst, die Kontakt sucht, die sprechen möchte, und zwar auch von den verbesserungswürdigen Dingen dieser Welt. Deswegen bin ich derzeit stark angezogen von Menschen, Büchern, Filmen, Dingen im Netz, die das thematisieren.

Als ich vor ein paar Tagen zum ersten Mal Laura Poitras‘ Dokumentation CITIZENFOUR aus dem Jahr 2014 über Edward Snowden sah, war ich wieder konfrontiert mit der Frage „Wie wollen wir leben? Wofür wollen wir streiten? Was ist uns wichtig?“ Weil sich für manchen sicher nicht sofort erschließt, was das Thema mit Kunst zu tun hat, möchte ich es hier sofort sagen: auf den ersten Blick nicht viel.

Gerade habe ich begonnen, „Verflüssigungen“ von Adrienne Goehler zu lesen. Der Autorin geht es um den Dialog zwischen den Disziplinen, um das Aufbrechen alter, festgefahrener Abgrenzungsgedanken. Schon der Untertitel war interessant für mich („Wege und Umwege vom Sozialstaat zur Kulturgesellschaft“), und nach Lektüre des Klappentextes war ich überzeugt, dass das Buch sich für mich zu lesen lohnt.

Der Begriff, der alles verbindet, ist „Freiheit“. Der Mensch kann sich nur wirklich entfalten, wenn er nicht in Denkstrukturen gefangen ist. Jeder von uns kennt das sich-im-Kreis-Drehen, das uns manchmal auf dem Weg zu einer Lösung lähmt. Angst macht unfrei, Abhängigkeit macht unfrei. Sich in Wort und Bild nicht vollkommen unzensiert äußern zu können, ist ein Mangel; wenn wir sogar einen inneren Zensor selbst bestärken, begrenzen wir uns selbst.

Mit Freiheit verbunden ist Verantwortung; die beiden gehen Hand in Hand. Verantwortlich zu denken, zu sprechen und zu handeln ist die Voraussetzung, im sich-Äußern bei sich bleiben zu können, fair bleiben zu können, sich sachlich auseinandersetzen zu können – und sich gegebenenfalls auch jederzeit erklären zu können. Die populäre „Ich muss mich nicht rechtfertigen“-Haltung empfinde ich nicht als hilfreich. Insofern fand ich bei CITIZENFOUR die Auseinandersetzung Edward Snowdens interessant: was möchte ich und warum, wer ist auch betroffen, was löst es unter Umständen aus, welche Konsequenzen hat es in der Welt, welche ganz persönlich für mich? Und zwar alles weit entfernt von der Frage „Wer hat Recht?“, denn es gibt selten ein universell empfundenes Recht.

Kunst ist weder jemals harmlos gleich unbedeutend, noch drückt sie Recht aus, noch steht sie für die moralisch bessere Haltung. Sie ist stete Verhandlung, Dialogangebot, individueller Ausdruck, der einmal ganz persönlich und „klein“ sein kann, einmal groß und bedeutend fürs Weltgeschehen, alles zusammen und alles dazwischen. Nur Hinschauen und Hinhören sind Voraussetzung, Auseinandersetzung, damit sie wirken und beantwortet werden kann. So wie jeder Skandal, so wie jede Enthüllung, so wie jeder Satz und jede kreative Schöpfung eines jeden Menschen. Wie will ich leben? Wofür will ich streiten? Was ist mir wichtig?

Was hat es mit mir zu tun?“

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CITIZENFOUR

https://de.wikipedia.org/wiki/Citizenfour

https://vimeo.com/146807890

Für mich geht es letztlich um die Macht des Staates im Vergleich zu den Möglichkeiten des Volkes, sich dieser Macht zu widersetzen. Ich sitze da jeden Tag und werde dafür bezahlt, Methoden zu entwickeln, um die Macht des Staates zu stärken. Und mir wird klar: wenn sich die Politik verändert, die als einzige den Staat im Zaum hält, dann gibt es keinen Widerstand mehr. Dazu müsste man schon ein absolutes technisches Genie sein. Ich weiß nicht, ob sich noch irgendjemand – egal wie begabt er ist – all diesen Behörden und schlauen Leuten widersetzen könnte. Nicht mal gegen die mittelmäßigen Leute und ihre Hilfsmittel kommt man an. Ich habe gesehen, dass die Versprechungen der Obama-Regierung verraten und verworfen wurden. Man entwickelte die Dinge sogar noch weiter, von denen man versprochen hatte, sie einzudämmen und zu zügeln. Es wurde schlimmer.“ (Edward Snowden)

Da ist was dran. Ich will mich nicht verstecken; das seh‘ ich nicht ein, auch, wenn die Umstände dafür sprechen. Ich finde, es ist ein starkes Signal, einfach zu sagen: ich habe keine Angst. Andere sollten auch keine Angst haben. Ich hab‘ letzte Woche noch neben euch im Büro gesessen. Das geht uns alle an. Es ist unser Land. Das Machtverhältnis zwischen Bürgern und Regierung wird allmählich das von Herrschern und Beherrschten, nicht mehr das von Gewählten und Wählern.“ (Edward Snowden)

Zunächst einmal: die USA rechtfertigen alles, was seit dem 11. September passiert, mit dem Terrorismus. Alles geschieht im Namen der Sicherheit, um unser Volk zu beschützen. In Wirklichkeit gilt das Gegenteil. Viele, viele Dokumente haben nichts mit Terrorismus oder nationaler Sicherheit zu tun, sondern mit Konkurrenz zwischen Staaten und mit der Konkurrenz von Firmen auf industriellem oder finanziellem Gebiet.“ (Glenn Greenwald)

Die Konsequenzen dieser Ausschaltung der Privatsphäre sind schwer abzusehen, aber uns muss klar sein, dass es enorme Auswirkungen haben könnte. Die Möglichkeit der Bürger, zu demonstrieren oder sich politisch zu organisieren, ist stark eingeschränkt, wenn es keine Privatsphäre gibt.“ (Glenn Greenwald)

Wie sie wissen gab es im Juni drei Strafanzeigen gegen Snowden wegen schwerer Verbrechen. […] Dies ist ein sehr ungewöhnliches Mandat, nicht nur für sie alle, sondern auch für mich. Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen Leaks an die Presse im öffentlichen Interesse und dem Verkauf von Geheimnissen an den Feind zur persönlichen Bereicherung. Nach dem Espionage Act schützt es also nicht vor Strafe, wenn die veröffentlichte Information gar nicht geheimhaltungswürdig war oder wenn die Verbreitung im öffentlichen Interesse ist und zu Reformen führt. Selbst wenn ein Gericht entscheidet, dass die aufgedeckten Praktiken verfassungswidrig waren, schützt das nicht vor Strafe. Die Regierung muss die Geheimhaltung nicht rechtfertigen; sie muss nicht nachweisen, dass die Veröffentlichung schädlich war. All das ist irrelevant. Wenn wir sagen, dass es keinen fairen Prozess gibt, meinen wir nicht das, was Menschenrechtler als faire Prozessbedingungen bezeichnen, wir sagen, dass das Gesetz an sich für Snowden jegliche Verteidigung unmöglich macht. Er wird mit einem Spion gleichgesetzt. Aus den drei Anklagepunkten könnten noch hundert oder zweihundert oder dreihundert werden; er könnte für jedes Dokument angeklagt werden, das ein Journalist veröffentlicht. Uns allen ist wohl klar – auch, wenn wir hier als Anwälte diskutieren – dass zu 95 % die Politik und nur zu 5 % das Recht entscheidet, wie diese Sache ausgeht.“ (Ben Wizner)

Es muss schwierig sein, in die Privatsphäre eines Menschen einzudringen, weil es so ein schwerwiegendes Eindringen ist. Weil es so verstörend ist. Wie sollen wir ohne Privatsphäre frei und offen diskutieren? Was nützt uns das Recht auf freie Meinungsäußerung, wenn es nicht geschützt wird? Man kann nicht mehr vertraulich über etwas diskutieren, das einem nicht gefällt. Überlegen sie mal, was das für eine entmutigende Wirkung hat, und was für eine Wirkung auf Länder, die kein Recht auf Privatsphäre haben!“ (Ladar Levison)

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Kunst und Weltgeschehen

Kunst und Weltgeschehen

Mir schien selbst schon länger eine eher unpolitische Haltung bei den meinem Jahrgang nachfolgenden Generationen aufzufallen; nun las ich kürzlich den darauf bezogenen Text von Julia Friedrichs im ZEITmagazin ONLINE: „Entschleunigung – Die Welt ist mir zuviel.“ Im Untertitel: „Und ich selbst bin mir genug.“

Darin beschreibt die Autorin u. a. den großen Zulauf zu Entschleunigungs-Seminaren, den Zuwachs in der Handarbeitsbranche und den Wunsch und dessen Umsetzung, unter einfachen Bedingungen auf dem Land zu leben als eine Realitätsflucht der jungen berufstätigen Bevölkerung. Sei in den 70er- und 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts alles noch einigermaßen überschaubar gewesen, seien das die Bedrohungen der heutigen Zeit eben nicht mehr, sie seien „weltumspannend“. Sie bringt viele Beispiele; mir fielen spontan noch einige mehr ein – jeder kann die Liste vermutlich nach Belieben verlängern.

Was sie schreibt, was sie be-schreibt, ist der Auseinandersetzung wert, und wenn sie sich gegen Ende auf manche Artikel der einschlägigen Presse (ihr Beispiel ist u. a. das Magazin „Flow“) mit den Worten bezieht: „Wer solche Artikel liest, kann plötzlich genug kriegen von all den Anleitungen zur Weltflucht“, bin ich ganz bei ihr. Ich bin ganz bei ihr, wenn ich mir vorstelle, dass es so schwarz/weiß abläuft, dass alle Menschen entweder/oder sind.

Ich kenne von mir selbst, dass ich beim Helfen im elterlichen Garten abschalten kann, obwohl woanders Bomben fallen. Ich mache nicht mehr gerne den Fernseher zu den täglichen Nachrichten an und tu es trotzdem, um (halbwegs und gesteuert, aber) informiert zu sein. Ich gehe zur Wahl, obwohl ich an eine mit der Wirtschaft verheiratete Politik als eine Politik für den Menschen, für’s Gemeinwohl nicht mehr glaube. Ich demonstriere im Internet und beteilige mich an Petitionen, nicht, um mein Gewissen zu beruhigen, sondern weil es mir in diesem Augenblick ein Anliegen und weil es möglich ist. Und dann putz’ ich die Fenster. Oder lese ein Buch. Beispielsweise.

Ich kenne das Gefühl der Zerrissenheit, ob man weiter „gut bürgerlich“ leben oder nicht lieber zum Helfen auswandern soll; ich kenne die Suche nach einem eigenen Weg. Ich weiß, dass es keinen Sinn hat, sich zu etwas zu vergewaltigen, das man nicht leisten kann, ohne krank zu werden, oder zu etwas, das einem nicht entspricht. Und ich weiß auch, dass man, egal, was man geistig oder körperlich Aufreibendes tut, immer auch wieder entspannen muss. Selbst jemand im Widerstand darf die „Flow“ lesen, wenn er oder sie es denn möchte.

Obwohl ich auch eine oder zwei Personen kenne, die von sich sagen, dass Politik sie „nicht interessiert“, gibt es, glaube ich, insgesamt nur wenige, die entweder rund um die Uhr politisch aktiv sind oder rund um die Uhr den Kopf in den Wolken haben. Die Meisten tragen auf ihre Weise die Gemeinschaft mit, in der sie leben, und versuchen das Bestmögliche daraus zu machen. In Europa gibt es Widerstand bei der jungen Bevölkerung, die einerseits nicht weiß, wie sie ihr Leben finanzieren soll und andererseits den neuen „Staatssozialismus der Reichen“ erlebt, wie es der kürzlich verstorbene Soziologe Ulrich Beck in der 3sat-„Kulturzeit“ vom 25. Mai 2012 formuliert hat. „’Freiheit, Gleichheit und Demokratie’ ist sozusagen nur dann zu gewährleisten, wenn die Menschen auch das Gefühl haben, dass diese Perspektive für sie auch umgesetzt wird, dass sie nicht sozusagen wie das jetzt in der Sparpolitik – im Sparzwang muss man eigentlich sagen, für andere Länder – geschieht, in eine aussichtslose, fast aussichtslose Position hineingedrängt werden, wo ganze Bevölkerungsgruppen abfallen, ausgeschlossen werden; die Mittelschichten, die bisher das Rückgrat der Demokratie waren gleichsam geschluckt werden von dieser Krise… also selbst eine existenzielle Perspektive nicht haben und wo nicht sichtbar ist, dass — sozusagen wenn das alles und für eine vorübergehende Phase so sein müsste: wo ist das Licht am Ende des Tunnels? Wenn dieses Licht am Ende des Tunnels nicht wirklich greifbar wird für die Menschen, dann, meine ich, ist das eine wirkliche Selbstgefährdung der Demokratie in Europa.“

Junge Menschen werden durch die Geschehnisse in der Welt nicht unbedingt aufgefordert, sich einzubringen, im Gegenteil. Jeder wird mit elterlicher und eigener Sorge dazu angehalten, seine Schäfchen rechtzeitig ins Trockene zu bringen, um gegenüber der Konkurrenz bestehen zu können. Wenn Menschen dann Atem holen, indem sie sich vorübergehend dem Weltgeschehen verweigern, ist das m. E. nicht nur erlaubt, sondern notwendig. Denn nach der Meditation wird es nicht einfacher sein als vor ihr.

Ein sich-Einbringen des Otto-Normalbürgers scheint von denen, die uns regieren, nicht wirklich erwünscht zu sein. Angeblich gibt es die Sorge, dass, wenn „die Masse“ mit entschiede, damit auch „zu viel Dummheit“ Macht eingeräumt würde. Ich glaube das nicht. Das zeigen z. B. die Gegendemonstrationen zu den Pegida-Demos, bei denen bisher jedes Mal mehr Menschen auf die Straße gingen. Ich glaube, dass mehr Mitbeteiligung der Bürger nicht erwünscht ist, weil das auch bedeuten kann, dass etwas gegen das bestehende System gesagt oder getan wird, und das gefällt einem System, das in erster Linie am Selbsterhalt statt an konstruktivem Weiterkommen ALLER interessiert ist, natürlich nicht. Gegen dieses sich nicht erwünscht-Fühlen nicht mit eigener Abschottung zu reagieren, ist eine Herausforderung.

Julia Friedrichs schreibt: „Vielleicht sollten die Abgeschotteten es lieber mit Martin Luther halten, der sich sein Leben lang am Abgrund wähnte, die Apokalypse vor Augen, und trotzdem nicht aufhörte, zu kämpfen, sich aufzuregen, einzugreifen. Niemals ließ er der Resignation Raum. ‚Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge’, soll er gesagt haben, ‚würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.’ Und damit meinte der Reformator sicher nicht die Gartenarbeit auf der eigenen Scholle.“

Wer weiß. Wer weiß, wo und durch was Martin Luther Kraft getankt hat, denn die hat er mit Sicherheit gebraucht, und irgendwoher musste sie ja kommen.

Für mich ist kreatives Arbeiten eine Möglichkeit, meine Möglichkeit, mich einzubringen. Vom Marktgeschehen losgelöste freie Kunstbetrachtung und unabhängiges eigenes Schaffen sind mein Weg, politisch zu leben, diesbezüglich Dialog zu suchen und anzubieten. Mit dem Glauben, dass alles, was ein jeder von uns denkt, sagt und tut, von Belang ist, weil diese Dinge wirken, glaube ich schon „von Hause aus“, dass es im Grunde unmöglich ist, „unpolitisch“ zu sein. So, wie man auch nicht nicht kommunizieren kann zum Beispiel.

Ich hoffe, dass immer mehr Menschen das bewusst wird. Dass immer mehr Menschen sich zu urteilen und einzubringen trauen, jeder nach seinem Temperament, seinen Fähigkeiten und Neigungen. Dass sie sich, wenn schon nicht wichtig, dann zumindest ernst nehmen in ihrem Fühlen und Denken und dem Impuls folgen, dem Ausdruck zu verleihen. Und wissen, dass sie auch etwas aussagen, wenn sie sich nicht zu Wort melden.

Demonstrieren und Guerilla-Stricken müssen sich nicht ausschließen. Dramatisches Weltgeschehen und Kunst müssen sich nicht ausschließen, im Gegenteil: wir brauchen friedliche Gegengewichte, die das Unfriedliche thematisieren. Solange sie niemandem schaden, brauchen wir alle Formen des menschlichen Ausdrucks als Mittel zum Zweck, ein immer besseres Miteinander hinzubekommen.

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