Beuys, Teil 3

Max Bense will von Beuys wissen, ob es für ihn auch Kunstwerke gäbe, die nicht politisch motiviert sind, und die aber genauso Kunstwerke seien. Beuys schließt – wie zu erwarten war, wenn man vorher zugehört hat – jede menschliche Produktion, also auch alle entstandenen und entstehenden Kunstwerke, ein, da der Mensch seines Erachtens nicht unpolitisch sein kann. Alles „macht“ etwas, alles macht etwas aus. Ich pflichte ihm absolut bei. Bense gibt die Frage weiter an Max Bill; dieser antwortet: „Ich bin der Auffassung, dass jeder Mensch politisch denken soll, sich politisch engagieren soll. Ob er sich als Künstler, wenn er das ist, politisch engagieren soll, das ist eine ganz andere Frage. Ich bin der Auffassung, dass Kunst genau so gut wie Physik oder irgendetwas anderes etwas ist, was man […] erarbeitet, ein Problem weiterentwickelt […]“

Arnold Gehlen, dem nach einigem Hin und Her, u. a. gekennzeichnet durch Wiederholungen das Wort erteilt wird: „Es gibt kein ungeeigneteres Instrument zur Revolution als die Kunst“, weil eine eindeutige Revolution durch Kunst kunstgeschichtlich nicht nachgewiesen worden sei. Wirkmächtiger sei da Literatur, „Brecht zum Beispiel.“ Ja, denke ich, die Literatur Brechts ist vielleicht konkreter als manche Bildende Kunst, und genau so wie Beuys‘ aktuell bis in die heutige Zeit, aber wo sind die Erkenntnisse und ihre Weitergabe bei dem einen wirkmächtiger als beim anderen? Sind nicht bisher alle, die versucht haben, soziale Missstände für die, die ihr Opfer sind, zu verbessern, gescheitert an den herrschenden Geld- und Machtverhältnissen? Nein, ich glaube nicht, dass das irgendwann ausgestanden sein wird; jede Generation muss erneut für Freiheit und Gleichwertigkeit ihrer Spezies eintreten.

Gehlen sagt, es fiele ihm schwer, in der Gesellschaft ein „drängendes Bedürfnis nach Kunst“ zu entdecken; ja, das glaube ich für damals so, wie ich es heute empfinde. In Gesellschaften, in denen zunehmend ein nicht-kommerzieller künstlerischer, ein nicht-kommerzieller kreativer Ausdruck verdrängt wird zugunsten des Geldwettbewerbs, wird dieses „drängende Bedürfnis nach Kunst“ niemals für eine sicht- und hörbare Mehrheit gelten. Und die Minderheit, die es verspürt, lebt ihr Bedürfnis in Nischen. Ihr Bemühen, freie Kunst als einen wichtigen und schützenswerten Bestandteil unseres Menschseins zu verankern, wird lächerlich oder gar zunichte gemacht, wenn die künstlerische Arbeit nicht augenfällig „schön“ ist oder sich nicht sofort erschließt.

Bei Beuys läuft der Schweiß mittlerweile in Strömen. „Instinktiv weiß jeder Mensch, dass ein Mensch nicht lebensfähig ist ohne Kunst […] dass also ein Mensch ohne eine künstlerische Erziehung wahrscheinlich verdorren würde […] von welchen Kräften wird er [der Mensch] ernährt? […]“ Durch diese geistige Nahrung gestärkt, würde der Mensch „besser rationalistisch denken können“, was nach ein paar weiteren Sätzen verdienten Applaus gibt. Selbstverständlich ist da die Beweisführung schwierig! Ein Beweis ist kurz gedacht und ohne langzeitige und kritische Betrachtung der Gesellschaftsentwicklung gar nicht zu erbringen! Der Kunst und dem Menschen wird kein Gefallen getan, indem das zwischendurch immer und immer wieder gefordert wird.

Das Podium kommt langsam zur Schlussfolgerung, dass Kunst und Antikunst keine Gegensätze seien und man den Begriff der Antikunst eigentlich streichen könnte – ich klatsche innerlich Beifall.

Beuys möchte den Begriff noch nicht so schnell streichen, weil viele noch nicht begriffen hätten, „dass sie in einer Kultur leben, die nicht abgeschlossen ist; dass wir uns in eine Kultur hineinbegeben werden, die ganz andere Fragen zur Diskussion stellt, zum Beispiel […] dass man nicht nur physisch die Mondfahrt begeht“, sondern man auch psychisch die Bewegung, die sich körperlich nach außen vollzieht, nachvollziehen müsse. Für mich ein ganz wunderbarer Vergleich, gerade wo im Augenblick Alexander Gersts im Juni anstehende ‚Horizon‘-Mission zur Internationalen Raumstation in aller Nachrichten-Munde ist… und die Erkenntnisse derer, die die Erde mit Abstand betrachten, wieder kein Umdenken im Beuys’schen Sinne auslösen werden…

„Ohne Kunst verarmt die Menschheit als Ganzes“, sagt auch Max Bill. Er geht davon aus, dass man sich nicht entscheiden könne, ob man Kunst konsumiert oder nicht, sondern dass der Mensch es ganz selbstverständlich, wenn auch manchmal unbewusst tut. Das kann ich teilen. Dann stellt auch er allerdings die Qualitätsfrage mit dem guten Hinweis, dass man sich darüber „sehr schlecht unterhalten“ könne, „weil wir einfach diese Qualitätsmaßstäbe nicht ohne Weiteres anlegen können.“ Man müsse den Künstlern quasi vertrauen, dass sie aufrichtig, „aus einem Verantwortungsbewusstsein heraus“ arbeiteten, „dann wird es wohl wirken.“

Max Bense ist „noch nicht soweit zu akzeptieren, dass es eine Kunst lediglich als ihren Prozess gibt“, er will die Arbeiten, will Ergebnisse sehen und diese als solche bewerten. Kunst als Produkt oder als Prozess – ob es so oder so zu betrachten ist, verdichtet Wieland Schmied als Frage. Dadurch, dass die Kunst immer offenere Werkkunst geworden sei, die Werke unabgeschlossen geworden seien, wäre dadurch die Rolle des Betrachters gewachsen; er würde immer mehr einbezogen. Das sei vielleicht, anders als Arnold Gehlen sagt, kein „Spiel“, sondern der Versuch, „dass Kunstwerke geschaffen werden […] die erst, wenn ein Betrachter auftritt, alle ihre Qualitäten enthüllen können“. Jawohl; genau so empfinde ich es.

„An welchem Punkt entsteht die Imagination und wodurch entsteht sie?“ fragt Beuys. Ist der Mensch größer als die irdischen Verhältnisse, die ihn umgeben, kann er weiter, kann er über sich hinaus denken? Die Kunst stelle die erkenntnistheoretischen Fragen, die die Wissenschaft nicht stelle, empfindet Beuys. „Um etwas wirklich aussagen zu können über den Menschen – erst dann kann man wissen, wie soll man einen Menschen erziehen. Soll man einen Menschen […] nach den politischen praktischen Notwendigkeiten erziehen, die die Politiker festlegen, ja? So wird es doch heute wohl gemacht im Großen und Ganzen! Warum haben wir kein freies Schulwesen? Die Politiker glauben heute festlegen zu können, was der Mensch braucht, um erzogen zu werden.“

Der Widerspruch von Max Bill, Beuys glaube es also „besser zu wissen“ und dessen Ausruf, dass „in diesem Gespräch alles doppelt gesagt“ würde zeigen langsam die Ungeduld, die es mit sich bringen kann, wenn Positionen grundlegend unterschiedlich sind. „Ich habe nicht gesagt, die Politiker sind ‚nichts wert‘; so einfach habe ich es mir wieder nicht gemacht. […] Ich habe eingangs gesagt, wenn man nach dem politischen und revolutionären Programm gefragt wird, handelt es sich um Selbstbestimmung. Um Selbstbestimmung, zu jedem einzelnen Punkt! Es handelt sich nicht darum, dass irgendeine revolutionäre Gruppe […] wieder eine Regierung bildet; das ist doch das Dilemma, dass wir immer Regierungen bilden wollen!“ Bei „Es darf gar keine Regierung mehr geben!“ folgt der erwartete Protestaufschrei aus dem Publikum; mir wird immer klarer, warum Joseph Beuys damals von der eigenen Partei fallen gelassen wurde. Klar zu radikal, aber auch zu radikal klar seine Haltung der eigenen Spezies gegenüber… mir fällt ein Wort ein: unbestechlich.

„Der Mensch ist soweit, sich heute selbst zu verwalten; der Mensch ist soweit, sich selbst zu bestimmen.“ Beuys möchte die Verhältnisse so vieler Menschen nicht durch eine Minderheit bestimmt wissen, die, einmal gewählt, sich weder den Bürgern gegenüber verantworten muss noch schnell wieder abgewählt werden kann.

Max Bill schätzt das eine „Gebiet, auf dem wir wirklich die Freiheit haben, […] und das ist das Gebiet der Kunst.“ Es wird zunehmend deutlich, dass Beuys‘ Gegner – und sicher nicht nur die am Tisch – den Gedanken, dass menschliche Disziplinen nicht zu trennen sind, grundsätzlich ablehnen und sich das Gespräch daher im Kreis dreht. Selbst, wo man aufeinander eingehen kann, sich beipflichten kann, bleibt der gravierende Unterschied in der grundsätzlichen Haltung dem menschlichen Zusammenleben gegenüber: „nur“ geführt von einigen Wenigen, die selten aus hehren Gründen und mit hehren Zielen an die Weichenhebel gelangt sind oder sich mit allem, was man denkt, sagt und tut verantwortungsvoll einbringen als genau so gestaltendes Gesellschaftsmitglied wie jedes offiziell gewählte.

Joseph Beuys stellt als Künstler die Grundsatzfrage nach einem für alle funktionierenden Gesellschaftssystem, „um auf der Welt bessere Verhältnisse zu erarbeiten.“ Dabei sieht er den Menschen als zwar individuelles, aber eben auch Gemeinschaftswesen in ständiger Verhandlung mit den umgebenden Mitmenschen: „Das ist mein Vorschlag; wie stehst du dazu?“

Er spricht beispielhaft die Notstandsgesetze an, die die Grundrechte aushebeln; der Bürger lässt es geschehen. „Er muss doch allmählich erkennen, dass er sich selbst bestimmen kann, dass er also das, was im Grundgesetz steht, auch anwenden kann. […] Er muss allerdings auch wissen, dass er Gleichberechtigung praktizieren muss, dass also nicht eine Revolution sein darf, die sozusagen wieder eine Minderheit zum Zuge kommen lässt, und die Besiegten dann sozusagen an die Wand stellt, wegputzt, sondern dass Gleichberechtigung herrscht für jede Meinung, und das muss sich bewähren.“

Als nach anderthalb Stunden die Gesprächsrunde zum Ende kommt, fragt Beuys: „Soll das Publikum sich nicht an der Diskussion beteiligen?“ Aber die Zeit ist um; Max Bill murmelt mit leicht verschmitztem Gesicht etwas von „Licht aus, Scheinwerfer aus“. „Sollen wir nicht Rücksicht nehmen auf Menschen, die sich melden aus dem Publikum und etwas zu sagen haben?“ fragt Beuys erneut.

Es folgt eine Überblendung, durch die man nicht sieht, ob die Publikumsfragen gehört wurden; Wieland Schmied schließt die Diskussionsrunde.

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Andres Veiel zeigt den Künstler in seiner mit Hilfe unzähliger Bilder montierten „Beuys“-Dokumentation geprägt von Natur- und Kriegserlebnissen, wobei ich es entgegen einer ZEIT ONLINE-Rezension aus dem vergangenen Jahr tatsächlich unerheblich finde, ob, wie viel oder was der Kriegsheimkehrer erfunden hat – er musste Kriegserlebnisse verdauen. Ob alles eine „Lebenslüge“ war, weil er Hitlerjunge war, wie es andernorts heißt… ich wage kein Urteil, ebenso wenig darüber, warum jemand, der Kriegsgräuel gesehen hat, später nicht darüber erzählt. Joseph Beuys hing Rudolf Steiner an, heißt es, und Rudolf Steiner war einer, an dem sich die Geister schieden. Ich weiß zu wenig über beide, um da eindeutig eine völkische Gesinnung zu diagnostizieren (die ich ablehnen würde). Ich kann mir aber vorstellen, dass einiges an menschlich nachvollziehbaren Anregungen so von Steiner zu Beuys geflossen ist, wie jetzt von Beuys zu mir. Ob der Künstler ein guter oder schlechter Pädagoge war – ich kann es nicht sagen, genau so wenig, wie der „Mythos Beuys“ entstanden ist; warum ihm einige geradezu jüngerhaft folgten, wie es immer wieder heißt.

Der Film zeigt einen Menschen, durchlässig und beinahe durchsichtig, eine „offene Wunde“. Rhea Thönges-Stringaris, eine mit Beuys befreundet gewesene deutsch-griechische Kunsthistorikerin, sagt an einer Stelle, wie vernünftig Beuys ihr sofort erschienen wäre: „[…] der erste vernünftige Mensch, den ich überhaupt treffe […] auf den kannst du dich total verlassen.“

Vielleicht ist die angestrebte Durchlässigkeit der Disziplinen das, was Joseph Beuys ihr so vernünftig erscheinen ließ, und vielleicht haben seine Gegner, die das als „Verwässerung“ empfunden haben und empfinden – der Begriff muss gar nicht negativ sein; Adrienne Goehler nennt ihr 2006 erschienenes Buch zum gleichen Thema „Verflüssigungen“ – nur noch nicht das schon damals geltende Gebot der Stunde begriffen: Zusammenhalt und Mitgestaltung. Das politische System der Parteien-Demokratie halte ich mit Beuys für überholt; es zeigt sich jetzt schon jahrzehntelang, wie die Gesellschaften länderübergreifend mit neoliberaler Grundrichtung in Führung und Teilen der Bevölkerung wegdriften von der Idee, es für alle immer besser zu gestalten. Das, was unsere Vorfahren erwirtschaftet und errungen haben kommt weder in Produktionsgütern noch Geldmitteln all ihren Nachfahren zugute, aber das scheint die Meisten nicht zu stören. Es geht sogar so weit, dass schon diejenigen als die mit der exotischen Meinung gelten, die das immer weiter fortschreitende abgehängt-Sein so vieler Menschen nicht als vollkommen natürliche Entwicklung sehen, weil, so das Gegenargument „es immer welchen schlechter gehen muss und eine totale Gleichberechtigung aller Menschen nie zu erreichen“ sei. Es wird aber auch nicht genug für tatsächliche Aufklärung getan, weil tatsächliche Bürgermündigkeit von den Herrschenden offensichtlich nicht gewollt ist. In den Schulen würden nicht mehr die Geschichtsbücher gewälzt, von denen geschrieben, die die Kriege gewonnen haben, sondern es würde neben dem, was in Erinnerung bleiben muss, sehr konkret die heutige Weltpolitik angesprochen, deren Teil unser Land ist. Die Rolle der Medien, hierzulande größtenteils durch nur wenige reiche Familien vertreten, die der Regierung mindestens nahe stehen, hätte eine sehr viel größere Betrachtung nötig, als es offensichtlich der Fall ist; kein Lehrer dürfte irgendjemanden, der zur Aufklärung beitragen möchte, als „VerschwörungstheoretikerIn“ abtun, sondern müsste die unterschiedlichen Ansichten wertfrei diskutieren und die heranwachsenden Gesellschaftsverantwortlichen zum selbst-Denken und sich-Einbringen animieren. Stattdessen wird offensichtlich gerne hingenommen, dass große Teile der Bevölkerung scheinbar auch kein Interesse an einer für sie positiven Veränderung haben – und/oder den Glauben an ihre Wirkmächtigkeit verloren haben.

Es heißt immer, es ginge nicht „von jetzt auf gleich“. Aber wie viele Anläufe sind schon gemacht und verworfen, verraten, verkauft worden? Die Grünen, die Beuys mitbegründet hat, haben sich und ihre Wähler verraten, indem sie von der Friedenspolitik und in Umweltfragen nicht nur abgewichen sind, sondern sogar die Kehrtwende vollzogen haben. Ich bezeichne diese Partei als die für mich bislang größte politische Enttäuschung, nachdem sie so hoffnungstiftend begonnen hat.

Ja, ich verstehe Politikverdrossenheit gut. Aber sie ist nicht die Lösung für eine Gesellschaft, egal, ob man daran glaubt, dass Wahlen etwas verändern oder nicht. Es beginnt bei der Auseinandersetzung jedes Einzelnen und endet nicht bei der Stimmabgabe alle paar Jahre.

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Ich würde selbst nicht – weder bei der Kunst von Joseph Beuys noch der eines anderen – von Antikunst sprechen, genau so wenig von Provokation. Zwar „darf“ sich jedeR selbst das Etikett anhängen, das er oder sie treffend findet, aber ich deute die Begriffe anders als er. Beuys provoziert mich nicht, er stößt mich an, fordert und fördert das Hinterfragen. Das, was er Antikunst nennt, ist einfach nur Kunst in der damalig neuen erweiterten Form. Der Begriff „Antikunst“ schafft eine Trennung, die nicht im Beuys’schen Sinne gewesen sein kann, da sie eben – sie hat’s im Wort – gegen etwas gestellt ist und so scheinbar nicht miteinander etwas schaffen will. Die Verantwortung zu Co-Kreativität ist heute dringender denn je, und Joseph Beuys‘ Anliegen könnten nicht aktueller sein.

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https://www.erziehungskunst.de/artikel/standpunkt/seele-richte-dich-auf/

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http://www.michaelluethy.de/scripts/arnold-gehlen-mensch-maengelwesen-kunst-funktion/

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http://www.deutschlandfunkkultur.de/neu-im-kino-beuys-andres-veiel-schafft-meisterhaftes.2150.de.html?dram:article_id=386448

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https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1813576485360023&id=100001230675879

(„Die Aachener Grünen unterstützen unseren Protest gegen Emmanuel Macron NICHT. Heute ist in der AN zu lesen ‚Die Grünen … wollen hingegen nicht zur Teilnahme an den Protesten aufrufen.‘ ‚Wir begrüßen die Preisverleihung an Macron‘, sagt Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig, wobei man sich vor allem Macrons Europapolitik verbunden fühlt.“ – so ‚Stop Tihange‘ auf ihrer facebook-Seite. Das wird eingeleitet durch folgenden von mir geteilten Kommentar: „#Bündnis90/#DieGrünen – Atomkraft – nein danke! Der Kampf für den Atomausstieg ist doch bis heute das Kernthema der Grünen. Hat sich daran irgendetwas geändert, was unbemerkt an mir vorbeigegangen ist?“)

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https://www.nachdenkseiten.de/?p=40414

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https://kenfm.de/von-krieg-zu-frieden-vortrag-eugen-drewermann/

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Herbert Ehrenberg

„1983 gründete er die Künstlersozialversicherung, die heute fast 187.000 selbstständigen Künstlern und Publizisten einen Zugang zur gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung verschafft.“

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„Allow your instincts to do the work“ 

„Allow your instincts to do the work.“ Michael Stipe

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http://www.ardmediathek.de/tv/Rockpalast/Rockpalast-R-E-M-Hamburg-Gr%C3%BCnspan-1/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=8051040&documentId=48230902

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Als ich vor ein paar Tagen – oder sind es etwas schon wieder Wochen!? – in das Rockpalast-Konzert von R.E.M. geriet, das sie 1998 vor ausgesuchtem Fan-Publikum gegeben haben, ahnte ich noch nicht, wie sehr es mich weiter beschäftigen würde. Ich blieb dran bis in die tiefe Nacht hinein.

Ich habe schon damals R.E.M. gemocht und gehört, zu der Zeit, als ich eher MTV einschaltete als eine CD einzulegen. (Bei „Shiny Happy People“ musste ich aber regelmäßig ausmachen, so nervig fand ich Video und Song!) Aber ich war nie ein Fan im klassischen Sinn, von keiner Band; ich hörte, was und wie’s kam, und wenn ich mitbekam, dass viele Lieder, die ich mochte, auf einem Album versammelt waren, kaufte ich es auch. So geschehen auch bei R.E.M.s „Automatic for the People“, das ich – zugegeben – diesmal besonders wegen einem Lied, „Nightswimming“, unterstützen und besitzen wollte.

Nach diesem 8. Studioalbum von 1992 geriet die Band für mich ein bisschen in Vergessenheit – völlig zu Unrecht, wie ich heute weiß.

Am Tag nach meinem nächtlichen Konzert“besuch“ recherchierte ich weitere Konzertmitschnitte, Musik- und Interview-Videos und geriet in einen regelrechten Sog… wenn man an einer Sache, einer Idee oder Band über Tage dranbleibt, besonders, wenn man stellvertretend eine Person „verfolgt“, meint man sie – zwar von weitem und durch einen Filter, aber doch – ein bisschen kennenzulernen. Das Faszinierende daran war für mich, mir einen Menschen quasi im Zeitraffer über fast 40 Jahre lang anzusehen, was im Fall von Michael Stipe rein äußerlich schon absolut kurzweilig ist!

Unten habe ich Euch eine kleine Auswahl der Links hinterlassen; es ist wirklich nur eine ganz kleine, gemessen an meinem Guck- und Lese-Marathon.

(Vielleicht ist das ja auch eine Beschäftigungs-Anregung für freie Tage, wenn man nicht im Dauerweihnachtsstress ist oder sich mal ausklinken möchte: sucht Euch etwas oder jemanden aus, was/den es schon länger gibt und was/der Euch vielleicht durch die Jahre ein bisschen aus dem Blickfeld geraten ist, und begebt Euch auf die Spur – ein anderes Leben kann unglaublich inspirierend sein!)

Mich fasziniert grundsätzlich, wenn Menschen daran, was sie antreibt, dergestalt dranbleiben, dass sich irgendwann nach Jahren – wie zum Beispiel in diesem Fall – ein Künstlerleben „rund“ anfühlt, abgerundet, vollendet. In der Zeit nach R.E.M. hat Stipe mit dem Erschaffen von Skulpturen und der Fotografie eine andere Richtung eingeschlagen, drückt sich aber dadurch ja weiterhin künstlerisch aus… Und sollte er sich das für sich selbst gar nicht wünschen, ein sich „rund“ anfühlendes kreatives Leben… dann wünsche ich es mir für mich. 🙂

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http://www.fnp.de/nachrichten/kultur/Interview-mit-R-E-M-Unsere-Slogans-von-damals-sind-immer-noch-aktuell;art679,2821762

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http://www.laut.de/R.E.M./Interviews/Meine-eigene-Vergaenglichkeit-war-damals-kein-Problem-13-11-2017-1521

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Energie und Mittel

„Facebook macht sich mal wieder verzichtbarer denn je – Beiträge von Seiten, die ihr geliked habt, werden Euch in den wenigsten Fällen angezeigt. So geht es auch mir mit meiner eigenen Facebookseite. Die Alternative wäre, dass ich Geld in die Hand nehme, die Facebookkrake also noch mehr füttere, dafür aber meine Beiträge bewerben kann, damit ihr auf diese aufmerksam werdet. Naja, ich gebe mein Geld lieber für Platten und neue Gitarrensaiten aus und die Zeit, die das bewerben dauert, nutze ich lieber, um mich nach Alternativen umzuschauen. Langer Rede kurzer Sinn, dies ist Werbung in eigener Sache mit dem Hinweis, Eure lokalen Künstler zu unterstützen. Unter http://www.facebook.com/unerhoert.blues gibt es nun den ersten von vier Trailern zu sehen (und hören), der zum Altstadtfest 2017 fertig gestellt wurde und sich mit dem Arbeiten hier in der Lausitz beschäftigt. Über einen Besuch würde ich mich freuen! In dem Sinne: Euch einen schönen Wochenteiler und stay tuned! Rock`n`Blues.“ [Der Musiker Max Schmidt, als ‚Unerhoert‘ bei facebook]

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Max bringt es auf den Punkt. Inwieweit möchte man Energie und Mittel aufbringen, sich selbst zu bewerben?

Ich habe, ähnlich wie Max, für mich die Entscheidung getroffen, möglichst wenig von beidem in Bewerbung und lieber alles ins Denken, Fühlen, Schreiben und Malen zu stecken – die Utensilien sind meine „Gitarrensaiten“, und „die Zeit, die das Bewerben dauert“, für mich gar nicht aufzuwiegen!

Früher, als ich mich noch ab und zu bemüht habe, einen redaktionellen Beitrag in einer lokal vertriebenen Zeitung unterzubringen und mir das ein-, zweimal auch gelang, habe ich festgestellt, dass es mir nicht viel bringt. Denn ich möchte ja nicht in erster Linie bekannter werden, sondern möchte die, die auf mich stoßen, zu Auseinandersetzung anregen, mich mit diesen austauschen, vielleicht neue Denkansätze geben und bekommen. Die flüchtige Aufmerksamkeit, die einem zuteilwird, nur, weil die Nase in der Zeitung war, bezieht sich oft genug auf diesen Umstand und mitnichten auf eine Arbeit, auf eine Leistung, auf eine Haltung. Nach wenigen Tagen, vielleicht schon nach Stunden ist man aus den Gedächtnissen bereits wieder gelöscht, es sei denn, man penetriert die Menschen mit seiner Person oder lässt das tun (das tun-Lassen ist selbst No-Names möglich, meist aber nur mit ganz viel „Vitamin B“).

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In der letzten Zeit hörte man von den „Paradise Papers“, den neuesten Enthüllungen zu zwar illegitimen, aber legalen Steuersparmethoden und den Anwendern dieser Methoden.

Ich gebe zu, dass das jetzt ein ziemlicher Ruck im Text ist und sich manche/r fragt, was das zuvor Besprochene mit diesen „Papieren“ zu tun hat.

Mein Kopf machte die Verknüpfung, als ich letzte Woche – wieder einmal ü-ber-haupt nicht müde trotz SEHR weit fortgeschrittenen Tages – bei „Markus Lanz“ landete und dieser, der für die Recherche verantwortliche Redakteur der „Süddeutschen“ Bastian Obermayer, der Kabarettist Bodo Bach und große Teile des Publikums zugaben, einen Vorteil höchstwahrscheinlich mitzunehmen, wenn er sich böte. Das fand ich sehr sympathisch, weil wohl allgemein menschlich. Man verlässt also sehenden Auges und fühlenden Herzens schon mal „anständigen Boden“, wenn etwas in irgendeiner Form Bereicherndes winkt. Womöglich trennt man noch in das, was dabei anderen schadet und das, was „niemandem weh“ tut, wobei Letzteres dann noch leichter fällt. Wenn man es denn tatsächlich zuordnen kann, denn manchmal ist der Schaden nicht offensichtlich.

Zu der Zeit, als ich noch aufrichtig froh war, wenn die Bewerbung meiner Person (erst mal nur stattzufinden) gelang, ertappte ich mich, gedanklich schon weitere Möglichkeiten aufzutun, wie und wo es wohl wieder gelingen könnte. Zu diesen Zeiten habe ich definitiv die Sache, die da beworben werden sollte, vernachlässigt, immer. Und immer hatte ich ein schlechtes Gewissen dieser „Sache“ gegenüber, ob es sich um Mal-, Schreib- oder auch „nur“ Denkarbeiten gehandelt hatte, und gerade bei diesen fällt das Vernachlässigen oft allzu leicht…

„Berufsmäßige Künstler“ haben das Problem des „schlechten Gewissens“ dabei nicht; sie müssen sich bewerben oder bewerben lassen; alles andere wäre verantwortungslos. Ich als „Freie“ empfand die Arbeit an der Bewerbung oft als Verrat an der Sache, zumal ich dabei ja tatsächlich Vernachlässigung empfand!

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Inwieweit erträgt man das Gefühl, eine Sache oder sich selbst, seine Haltung zu verraten, wenn man einen Gewinn oder einen Zusatznutzen wittert? Sind die Dinge vergleichbar? Hat beides mit Gewissen zu tun? Hat es mit Zeitaufwand, mit Lebenszeit zu tun…?

Ich wäre gespannt auf Eure Gedanken, ob Künstler oder Banker…

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https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-8-november-2017-100.html

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Der Mönchengladbacher (jetzt Görlitzer) Musiker Maximilian Schmidt und das ‚Unerhoert‘-Logo aus meiner Hand, Acryl und (schwarzer) Buntstift auf Papier, digitalisiert, hier als Plakat

max_unerhoert

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Kunst für Klima

Ein weiteres Beispiel für das breite Wirkungsfeld der Kunst, die sich nicht in um sich selbst kreisendem Blenden erschöpft: die Yes Men auf der Weltklimakonferenz in Bonn:

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-david-gegen-goliath-das-aktivisten-duo-yes-men-beim-klimagipfel-100.html

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http://theyesmen.org/

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cof

 

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Legal und illegal

http://www.wdr.de/programmvorschau/wdrfernsehen/sendung/2017-09-25/42613469/die-stadt-als-leinwand-streetart-in-nrw.html

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„Ich würde sogar sagen, es ist der totale Ego-Trip […]“, sagt ein Streetart-Künstler in der WDR-Dokumentation „Die Stadt als Leinwand“.

Mich fasziniert immer schon die Idee, dass Menschen unerwartet und unvermittelt in Kunst hineingezogen werden, und Streetart ist eine der besten Möglichkeiten dazu. Insofern ist es ein ziemlich zurückhaltender Ego-Trip, da Vorbeikommende es nicht unbedingt zur Kenntnis nehmen müssen, es übersehen können. Manche empfinden es sicher so, dass Streetart sich aufdrängt – meterlang an Tunnelwänden, meterhoch an Hauswänden, gefragt angebracht, ungefragt angebracht, nicht immer gefällig für jedes Auge –, aber „als Kunst“ drängt sie sich nicht auf. Im Gegenteil: ein bisschen führt sie ein Schattendasein; selten ist ein Name über die Szene hinaus bekannt.

Die Künstlerin Barbara. ist da eine Ausnahme, da sie zwar anonym arbeitet, deren Bekanntheit sich aber über facebook verbreiten konnte (https://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_(K%C3%BCnstler).

Agostino Iacurci aus Rom sagt zum Beispiel, dass er jegliche Reaktion der Betrachter gut fände, und: „I don’t believe in message.“ Er verzichtet auf Botschaften und bevorzugt „etwas, das langlebiger, grundsätzlicher sei und täglich aufs Neue entdeckt werden kann.“

Es ist immer ein Erfolg, wenn es Menschen gelingt, andere für ihre Umgebung zu sensibilisieren, denn meines Erachtens schult das die Sensibilität allgemein.

Auch bezüglich des großen Menschenthemas „Zeit“: durch die (während des Anbringens und nachher) bedrohte Verewigung dessen, was nicht für die Ewigkeit gedacht ist.

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