Me too?

http://www.tagesspiegel.de/politik/metoo-debatte-woody-allen-oder-der-bildersturm/20874894.html

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Auseinandersetzenswerte Debatte: inwiefern ist für eine künstlerische Arbeit wichtig, ob der Künstler „moralisch sauber“ ist? Ohne das „me too“-Anliegen zu schmälern, ist das eine ernst zu nehmende Frage, oder?

Auch mich interessiert der Mensch hinter der Kunst, weil sein Denken, seine Einstellung mir manchmal seine kreative Arbeit ein Stück weit erklärt. Inwiefern beeinflusst mich, wenn ich von einem Denken oder Handeln erfahre, das ich ablehne?

Abgesehen davon, dass man warten sollte, bis etwas bewiesen ist, beeinflusst es mich schon. Aber zum Glück nicht beim Betrachten des Films, des Bildes, der Skulptur oder Lesen des Buchs desjenigen, der da beschuldigt wird.

Meine Eingangsfrage stellte Siham El-Maimouni in der letzten ‚Westart‘-Sendung auch Devid Striesow; Interview und übrige Themen sind bei Interesse über den untenstehenden Link zu erreichen.

Wie denken Sie, wie denkt Ihr darüber?

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https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart/video-westart-140.html

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Die NachDenkSeiten über „fühlen“ und „mitnehmen“

Was hat dieser politische Beitrag, den man hier hören kann, mit Kunst zu tun?

Nun, zum einen geht es um Sprache, und Sprache war immer schon auch ein Mittel des künstlerischen Ausdrucks. Die Analyse von Marcus Klöckner macht anhand von Beispielen deutlich, dass Sprache – neben dem Wunsch nach Verständigung und dem Mittel zu ästhetischem Ausdruck – auch als Manipulationsmittel verwendet werden kann, schon immer wurde und wird.

Hier ist sozusagen das offene und wache Ohr gefragt:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=40414

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Was wir alle draus machen

http://www.xing-news.com/reader/news/articles/1079689?cce=em5e0cbb4d.%3AeE_8hx4se20pYOOiFbfnAF&link_position=digest&newsletter_id=28960&toolbar=true&xng_share_origin=email

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Ist es nicht, was wir alle draus machen?

Ich sehe die facebook-Situation so ähnlich wie meine übrigen Sozialkontakte: wenn mehr oder weniger offene Ablehnung stattfindet, setze ich mich sachlich auseinander oder bleibe friedlich weg; es gibt Smalltalk, der richtig nett ist und durchaus nützlich für ein grundsätzlich wohlwollendes Miteinander, und es gibt tiefer gehende, sehr konstruktive Äußerungen, aus denen manchmal – vielleicht zu selten – äußerst fruchtbare Gespräche entstehen.

Mir ist völlig klar, dass facebook ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, das unsere Daten abgreift und nicht an einer „besseren Welt“ interessiert ist. Ich empfinde es aber als schwierig, eine Sache, die alles sein kann, die man als Nutzer so oder anders ausgestalten kann, in Bausch und Bogen zu verurteilen. Insofern klingt Palihapitiyas Bedauern in meinen Ohren überzogen:

„Ich denke, wir haben Tools geschaffen, die die Struktur unserer Gesellschaft auseinanderreißen […] Die kurzen, von Dopamin gesteuerten Feedback-Schleifen, die wir kreiert haben, zerstören, wie die Gesellschaft funktioniert.“

Und weiter heißt es auf Xing: „Durch die Pseudo-Interaktion auf die geposteten Inhalte finde kein ziviler Diskurs und keine Kooperation mehr statt; stattdessen dominierten Fehlinformationen und Unwahrheiten [als] ‚ein globales Problem‘.“

Sind wir nicht alle gefragt, das mitzugestalten? Wie stellen wir uns zu den Dingen; wie leiten wir beispielsweise Kinder und Jugendliche an? Wie gehen wir damit um, dass es überall um Profit geht und alle dem ausgesetzt sind; wie gehen wir beispielsweise mit Werbung für Kinder und Jugendliche um, die legal jeden Tag stattfindet, ob mit oder ohne facebook?

Was tun wir beispielsweise in Schulen dafür, dass es irgendwann vielleicht zwar genauso fies wie heute ist, es mit Social Bots zu tun zu haben, ihnen aber dadurch ein Stück ihrer Macht genommen wird, indem junge Menschen angeleitet werden, weniger impulsiv auf kurze Schlagsätze anzuspringen und das Auseinandersetzen nicht zu verlernen, immer wieder das selbst-Denken zu trainieren, um die Karren erkennen zu können, vor die sie gespannt werden sollen, wenn sie vor solche gespannt werden sollen? (Ich entschuldige mich aufrichtig für diesen Satz!)

Ob „ziviler Diskurs“ stattfinden kann, dazu schaffen doch wir die Bedingungen! Ob wir kooperieren, uns zusammenschließen, das entscheiden doch wir!

facebook ist und bleibt ein kapitalistisches Unternehmen. Ich stelle mir aber vor, wie viel gewonnen wäre, würden all die, die nicht an einer verbalen Prügelei interessiert sind, diese Stränge dort ver- und die Wort-Hooligans unter sich zurücklassen. Und möchte man bleiben: dass man in aufflammender Wut nicht in diesem Gefühl antwortet, sondern den oft wichtigen Zorn in Argumente und Sachlichkeit ummünzt. Wenn möglichst viele darauf achteten, würde das sowohl den Bots als auch den Trolls Macht entziehen. Ich stelle mir vor, dass jeder, der sich dort bewegt, es sowohl thematisch als auch im Umgang miteinander so ausreichend ernst nähme, als sei er nicht virtuell unterwegs, denn für viele macht das einen Unterschied. Doch: kaum jemand käme auf die Idee, sich im Bus in das Gespräch hinter ihm einzumischen, obwohl man jedes Wort versteht. Und machte es eine Einmischung nötig, drehte man sich ja auch nicht sofort mit den Worten ‚Sie Blödmann haben ja keine Ahnung!‘ um.

Es ist so viel Gutes mit diesem Medium möglich, ob Privatunternehmen oder nicht. Und höchstwahrscheinlich ist es nur als Privatunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht in diesem weltumspannenden Umfang realisierbar; wohlmeinende Einzelpersonen, die ein gemeinnütziges Unternehmen dieser Reichweite führten, kämen ja mit der Kontrolle gar nicht hinterher oder wären schon arm geklagt. Niemand würde das auf sich nehmen.

So bleibt uns nur der wache Blick, wieder einmal, wenn wir unsere guten Dinge nicht aus Scheu vor Eigenverantwortung opfern wollen.

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„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein“ 

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=70095

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„Ansichten eines Anarchisten“

Die christlichen Kirchen in Deutschland haben im Nationalsozialismus versagt und sich schuldig gemacht; darunter leidet der gläubige Heinrich Böll.

Es ist geradezu ekelhaft, wie Widerständler als Gegenargument ins Feld geführt werden, die sich allerdings (nach Böll) ihrem Gewissen und nicht der Kirche gegenüber verpflichtet fühlen.

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„Ich hasse den Krieg […] er ist so völlig sinnlos.“

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Welche Rolle spielen die tragenden Säulen/wichtigen Köpfe der Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg? (Stichwort Funktions“eliten“; es sind nicht auf einmal alle demokratisch gestimmt…) 

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Böll stellt sich gegen Aufrüstung und Wiederbewaffnung, Kanzler Adenauer ist dafür; dieser argumentiert mit Freiheit, und die Kirchen unterstützen ihn, weil sie sich gegen den eher atheistischen Osten behaupten wollen. Es ist also für die Kirche eine Frage der Macht und nicht die einer ethisch korrekten Haltung.

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Die Kirchensteuer verrechtlicht das Verhältnis zur Religion, und Böll verurteilt auch das. Und er kritisiert die „sinnentleerten Rituale“ der Kirche.

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Dass Konsum zur Entsolidarisierung des Menschen führt, nahm in den Wirtschaftswunderjahren seinen Anfang, und diesbezügliche Warnungen wurden wahrscheinlich nur allzu gerne in den Wind geschlagen. Ich will nicht „heute“ sagen, aber durch die Zeit sieht man, was Konsum als „neue Gottheit“ angerichtet hat. Die Entsolidarisierung geht über einzelne Personen hinaus, ergreift ganze Länder und lässt die ganze Welt in ein immer stärkeres Ungleichgewicht kippen.

Wo die Ungleichheit, die soziale Ungerechtigkeit – Lebensentscheidungen in jungen Jahren können sich auch in reichen Ländern später als in diesem Sinne falsch herausstellen, selbst, wenn sie an sich nichts „Falsches“ haben (soziale Berufe: Alten- und KrankenpflegerInnen, Berufssparten, die sich verändern: Verlagswesen, Berg- und Autobau, Versicherungs- und Bankangestellte, um nur ein paar Beispiele zu nennen) – mit Händen zu greifen ist, haben Politiker, die eine totalitäre Haltung vertreten, wieder Chancen.

Bölls Warnung vor Totalitarismus ist hochaktuell; für mich ist wünschenswert, wenn man es als wichtige Warnung begreift und danach spricht und handelt; Stichwort (heutiger möglicher nötiger) Widerstand, der oft als übertrieben gehandelt und daher manchmal an Stellen vermieden wird, wo er hingehört. Als kontraproduktiv empfinde ich dabei allerdings, wenn Menschen sich in Gesprächen weder aussprechen lassen noch dem anderen zuhören; so ist die „rechte Ecke“, die es leider selbstverständlich gibt, ein gern genommener Sammelort auch für Menschen, die unbequeme Wahrheiten ansprechen. Die Kunst liegt darin, echte Fremden- gleich Menschenfeindlichkeit zu erkennen und davon zu unterscheiden. Je länger ein Gespräch dauert, je mehr Zeit man sich nimmt, desto klarer werden menschliche Grundhaltungen.

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„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein“, sagt Heinrich Böll.

Ihm wird Terrorismusempathie unterstellt, weil er die Werte des Grundgesetzes auch auf Terroristen angewandt sehen will, dem Wort also für alle Menschen dieselbe Bedeutung zugesteht. Wie kann er es mit diesem Argument in Diskussionen schwer gehabt haben…? Wie argumentierten seine Gegner?

Vielleicht würde „ein Böll“ heute ganz gut tun, sagt Wolfgang Niedecken, und ich sage: selbstverständlich! Aber ich sage auch: wir hatten immer Mahner und haben sie; der letzte, der mir spontan einfällt und an den ich mich lebhaft erinnere, war Roger Willemsen. Man muss die Mahner nur sehen und hören, wenn sie da sind, und nicht jedes Mal das Gleiche beklagen, als wäre es neu.

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http://signaturen-magazin.de/heinrich-boell–die-sprache-als-hort-der-freiheit.html

Auszug aus einer Rede von 1958:

„Es mag Ihnen merkwürdig erscheinen, daß einer, der sich als leidenschaftlicher Liebhaber der Sprache bekannt hat, hier eine Rede hält, die nur düstere politische Prognosen zu enthalten scheint, aus Vergangenheit und Gegenwart Worte auswählt, die tödlich gewirkt haben oder tödlich wirken können, die Zukunft aus Worten beschwört; aber der politische Akzent solcher Beschwörungen und Erinnerungen, das Mahnende und Drohende, kommt aus dem Wissen, daß Politik mit Worten gemacht wird, daß es Worte sind, die den Menschen zum Gegenstand der Politik machen und ihn Geschichte erleiden lassen, Worte, die geredet, gedruckt werden, und es kommt aus dem Wissen, daß Meinungsbildung, Stimmungsmache sich immer des Wortes bedienen. Die Maschinen sind da: Presse, Rundfunk-Fernsehen, von freien Menschen bedient, bieten sie uns Harmloses an, beschränken sich aufs Kommerzielle, Werbung, Unterhaltung – aber nur eine geringe Drehung am Schalter der Macht, und wir würden erkennen, daß die Harmlosigkeit der Maschinen nur eine scheinbare ist.“

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Rainer Mausfeld: Wie Machteliten Meinung und Demokratie steuern: https://www.youtube.com/watch?v=LBndWYhld40

Philipp Möller: „Ohne Religion wäre die Welt besser dran“: https://www.youtube.com/watch?v=PV8tUv-6X8Q

Iris Radisch zu Roger Willemsens: „Wer wir waren“: http://www.zeit.de/2016/51/roger-willemsen-wer-wir-waren

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Geld Macht Kunst


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„Jede Vermarktung macht die Kunst zur Ware.“

„Um was geht es?“

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Ich denke nicht, dass es um die Diskussion geht, ob man mit Kunst seinen Lebensunterhalt verdienen dürfte – selbstverständlich (und viel zu selten) ist das der Fall.

Ich denke nicht, dass Menschen, die das (im besten Sinne) kritisch sehen, eben weil man dann (mindestens) zwei Herren dient, im Vergleich mit anderen besonders „romantisch“ veranlagt sind und das (Selbst)Bild des armen Künstlers pflegen wollen.

Sondern ich denke, dass in der kritischen Betrachtung der Vermarktung von Kunst das liegt, was der Film zeigt: die Perversion von Vermarktung bis hin zur Unkenntlichkeit der Sache.

In meiner Begriffswelt kann es gar nicht umstritten sein, dass das einen Menschen stören muss, der neben dem Wunsch, von seiner Arbeit leben zu können, auch noch eine – zum Beispiel gesellschaftskritische – Aussage treffen möchte. Die Perversion der Vermarktung reduziert jede Aussagemöglichkeit, höhlt sie aus, kann sie gar ins Lächerliche ziehen. Kann man das wünschen?

Ist es wünschenswert, dass eine Arbeit, die neben dem monetären noch einen anderen, eventuell unschätzbaren Wert hat, für lange, lange Zeit im Genfer Freihandelshafen liegt, wo niemand sie sieht?

Ist Kunst dafür da, von Oligarchen erstanden zu werden, in deren Privaträumen sie dann vielleicht Familie und Freunden zugänglich ist, aber sonst vielleicht nur einer Handvoll (ausgewählter) Menschen?

Ist es sinnvoll, Kunst in hochschwellig zu erreichenden, weil luxuriösen Häusern anzubieten, die für die Allermeisten, die sonst nichts mit Kunst zu tun haben, wie Festungen wirken?

Alles legitime Fragen, die einen Hintergrund haben: für wen ist Kunst? Gehört sie jemandem?

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Wege

weg_geradeaus

Kunst geht über einen direkten Nutzwert hinaus, soll aber im Gegenteil diesen manchmal sogar sofort beweisen.

Das ist so wenig möglich wie die theoretisch denkbare Gegebenheit, nach einer Demo – zum Beispiel gegen die herrschende Klimapolitik – träfen die pseudoverhandelnden Politiker wieder zusammen, um den oftmals sehr vernünftigen Vorschlägen der Bürger sofort Folge zu leisten. Aber trotzdem bleibt ja die Wortmeldung, das sich-Zeigen wichtig, gerade gegen Widerstände, gerade wenn sich Wenige gegenseitig stärken müssen.

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Kunst geht über einen direkten Nutzwert hinaus. Man sieht nicht oder selten, was sie mit Menschen macht. Das macht sie frei. Es gibt kein „Endziel“, das irgendjemand einmal formuliert hätte und das es zu erreichen gölte, und danach müsse es keine Kunst mehr geben. Das ist die Begründung dafür, dass in der Kunst beinahe alles erlaubt ist und lässt überdies die Schlussfolgerung zu, dass es sie immer geben wird.

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Einzelne können sich abwenden, sowohl auf Seiten der Rezipienten als auch auf Seiten der Erschaffer, aber grundsätzlich wird der Mensch wohl nie auf seinen freiheitlichsten Ausdruck verzichten – auf diese Art Demonstration.

Das Abwenden oder die Ausgestaltung ist jedem selbst überlassen. Ich möchte zu denen gehören, die sich Zeit ihres Lebens an der Mitgestaltung desselben und der Welt beteiligt fühlen, und dabei ist tatsächlich der Weg das Ziel, und auf meinem Weg liegt auch die Kunst. Vermutlich wird niemand an einem vorgestellten Ende „gewinnen“ im Sinne von „sich ein für alle Mal gegen andere durchsetzen“. Es wird alles immer stete Verhandlung bleiben, weil es den „guten“ Weg für alle eben nicht gibt. Aber wenn viele mitverhandeln und über „ihre“ Wege sprechen, nähert man sich vielleicht tatsächlich einmal einem Ideal für viele. Es gilt, dafür zu kämpfen, dass eben viele mitverhandeln. Auch und gerade über einen offiziellen Auftrag hinaus, denn offizielle Aufträge sind meistens an sehr viele Auflagen gebunden und schließen so viele potenzielle Gestalter aus.

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Kaum einer Sache tut es gut, wenn nur ein paar Wenige die Deutungshoheit haben; das gilt es überall in der Welt und in jedem Bereich zu hinterfragen. Denn meistens spielen dabei Dinge eine Hauptrolle, die mit der Sache, um die es eigentlich gehen müsste, einmal ging oder behauptet geht, nicht mehr viel zu tun haben. Eine gute Sache verkommt so unter Umständen zum Karrenzieher für Machtausübung, Prestige-Jagd und ähnliches. Dem gilt es zu begegnen. Immer wieder. Mit möglichst vielen, jedeR auf seinem eigenen Weg.

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Benennung und Inhalt

Benennung und Inhalt

1. als Feedback und Antwort zu: http://thinglabs.de/2016/06/kunst-oder-kunsttheorie/ , dem ’seminar‘ von Stefan Beck vom 10. Juni 2016, und seinem ThingLabs-Beitrag http://thinglabs.de/2016/05/welchen-sinn-hat-kunst/

2. als eigenständig zu lesender Text, wenn man über die persönliche Ansprache hinweg liest

Wichtig zum Einstieg ist vielleicht das, das, seit ich es kenne, für mich klar in Worte (und Bilder; siehe Video!) fasst, worauf meine eigene Ansicht fußt. Danke Katrin Herzner und wieder einmal Stefan Beck, der mich darauf gebracht hat: http://www.perisphere.de/werke/wie-alles-wirklich-funktioniert-grosse-kunst

Stefan, Du schreibst in den Kommentaren zu Katrins Beitrag Folgendes:

Ich glaube nicht, dass Kunst “da draußen”, quasi a priori, einfach so existiert. Vielmehr wird Kunst immer schon und vorab unter der Prämisse gemacht, dass sie im Kunstbetrieb erscheinen könnte. Peter Weibel sagt daher: “Wer Kunst macht, will auch Kunstgeschichte schreiben.” Kunstbetrieb (ob Ausstellung oder Handel) ist dem individuellen Schaffen nicht nachgeordnet, sondern soweit mit ihm verwoben, in es hineinreichend, dass eine Trennung kaum möglich ist. Auch Kunst, die es nie in den Ausstellungsbetrieb oder den Kunsthandel schafft, hat seine Prinzipien verinnerlicht und auf ihn ausgerichtet. Genau darin liegt auch ihre Tragik. Es gibt einige Ausnahmen, aber sie sind sonderlich rar. Moderne Kunst entsteht mit dem Moment, mit dem sie sich entschließt, der Logik der Sammlung und damit des Museums (von dem Du gar nicht redest) zu entsprechen. Und infolge kann nur der Kunst entdecken, der den musealen Blick akzeptiert. Darüber hinaus gibt es keine (oder kaum) Kunst.“

Für den akademischen Weg, das „Fach Kunst“ zu beschreiten, stimme ich Dir zu; alles andere machte womöglich für diejenigen, die diesen Weg einschlagen, überhaupt keinen Sinn. Sie wollen irgendwann einmal in das „System Kunst“, das bis heute so gewachsen ist, wie es jetzt existiert, passen und in diesem natürlich auch erfolgreich sein. Sie investieren Zeit und Geld in ein Studium, das der Staat anbietet, inklusive zertifizierendes Etikett. Für alle anderen Wege in der Kunst, die es auch noch gibt, die ich sehe und von denen auch Katrin spricht, gilt das eben nicht. Da will nichts einer bestimmten Logik entsprechen außer einer persönlichen und muss es auch nicht. Ein wie auch immer geartetes Etikett ist nicht vonnöten. Ein Museum wie einen Betrieb muss es nicht geben.

* Definitionen

Seit Jahren bin ich – aus Gesprächserfahrung gewachsen – der Ansicht, dass man seine Definitionen des Kunstbegriffes vor dem Gespräch klären müsste, um sich überhaupt ansatzweise erst einmal nur zu verstehen, geschweige aufeinander antworten zu können. Wir beide fragen uns nun auch schon seit etlichen Jahren, ob wir einander beantworten können (dass der eine recht gut versteht, was und wie der andere es meint, das glaube ich grundsätzlich). Eine wichtige Frage ist daher schon länger für mich: dürfen alle Menschen das Wort „Kunst“ benutzen, wie es ihrer persönlichen Definition entspricht, wo es durch ein mögliches Studium doch sozusagen eine staatliche Definition gibt?

Wenn Du von „Kunst“ sprichst, redest Du von Arbeiten, die innerhalb des „Systems Kunst“ entstanden sind, wenn ich von „Kunst“ (als Dachbegriff) spreche, rede ich über jegliche kreative Transformation des Menschen. Du siehst bestimmte kreative Transformationen (zum Beispiel Malerei) als überwunden an, ich sage: wenn es gerade passt für das, was ich schaffen möchte, was ich ausdrücken möchte, darf ich das selbstverständlich auch mit einem „alten“, einem veralteten Mittel (zum Beispiel Malerei) tun. Für Dich ist „Kunst“ unmittelbar an deren Wahrnehmung „als Kunst“ gekoppelt, für mich hat das eine mit dem anderen insofern zu tun, als dass ich sage, dass sich Kunst erst im Falle der Wahrnehmung ereignen kann; ansonsten bliebe es kreative Transformation, ein Ausdruck wie die Sprache oder Musik, die auch geschaffen wird und existiert ohne unbedingte Zuhörerschaft. So komme ich darum herum, darüber zu streiten, was Kunst „ist“ und was nicht. Ich komme um eine Bewertung herum, die für mich unmöglich ist, da es keine allgemeingültigen Kriterien gibt und jegliche Kriterien daher nur persönlich sein können. Das „System Kunst“ braucht Bewertung und Selektion, da es im System um Bewerbung und Förderung geht und es letztlich sogar um das ganz große Geld gehen kann – jedem Systemeinsteiger ist die Erfolgsgeschichte Gerhard Richters bewusst, um nur einen großen Namen zu nennen. Und allen ist die Uneinigkeit in diesem System bekannt: mit denselben Worten werden Arbeiten in den Himmel gelobt oder verrissen, je nach Standpunkt des Sprechers, der entweder Künstler oder (mitsprachewürdiger) Rezipient, Sammler oder Kurator, Galerist oder Kritiker, Museumsdirektor oder oder oder ist. Das System müsste diese Uneinigkeit erklären (was es nicht tut); außerhalb wird jede Uneinigkeit locker ausgehalten, auch jede „Unbegründbarkeit“.

* Willkür und Freiheit

Du schreibst: „Claus Borgeest versteht unter ‚Begründung‘: Für eine angemessene Anzahl von Kunstwerken gilt, dass sich ihr Kunststatus nicht aus ihren Eigenschaften herleiten lässt.“

Genau. Sie werden, unabhängig ihrer Form oder ihres Inhalts, von den jeweiligen Machtinhabern des „Systems Kunst“ in diesen Status gebracht (um nicht „gehoben“ zu sagen). Viel besser und kürzer kann man die Willkür dieses Systems nicht beschreiben. Außerhalb des Systems ist das Zitat genau so wahr, bedeutet aber Freiheit. Der entgrenzte Kunstbegriff muss dort nicht zu Eifersüchteleien oder (ich hoffe nur verbalen!) Prügeleien führen. Dass es das Urinal einmal im Baumarkt und einmal auf dem Kunstmarkt gibt, ist Beispiel dafür. Du kannst auf die Gedanken und Intention des kreativen Erschaffers (oder Readymade-Bringers) eines Kunstwerks nicht verzichten. Das macht das Urinal nicht als Kunstwerk lächerlich, sondern diejenigen, die außerhalb eines solchen Betriebes jedem mit Duchamps Idee die Stirn gefühlt hätten. Entweder/Oder, oder?

* Es geht um Deutungshoheit und damit Macht. Da mit Macht.

Ich fand interessant, wie Du die Begriffe „Kunst“ und „Kunsttheorie“ gegenüberstellst. Auch, wenn eine Arbeit in der Kunst nicht unbedingt und unmittelbar die kunsttheoretische Einstellung des Erschaffers zeigt und umgekehrt eine kunsttheoretische Abhandlung nicht unbedingt und unmittelbar darauf schließen lässt, was und wie genau der Schreiber als Künstler arbeitet, so gehe ich doch mit Dir konform, dass das trotzdem zusammenhängt. Warum muss man das aber selbst und für sich so auseinanderdividieren? Es muss ja nicht beides in einem Menschen zusammenkommen, aber es kann doch! Wo liegt der Gewinn des klaren Einsortierens? Läuft eine Vermischung einer (vielleicht sehr erwünschten) Wiedererkennung zuwider? Ist das wirklich eine Neufindung oder Neuerfindung? Oder soll nur das Etikett an derselben Person (die gut so ist, wie sie ist) ausgetauscht werden, weil die alte Etikettierung keinen (äußeren) Erfolg gebracht hat?

Für mich fließt da die Energie in Äußerlichkeiten, nicht ins (was auch immer) Tun. Würdest Du, wenn „Kunsttheoretiker“ und nicht „Künstler“ auf Deiner (vorgestellten) Visitenkarte stünde, anders agieren und arbeiten als jetzt?

Im überarbeitungsbedürftigen Eintrag der Wikipedia heißt es:

Als ‚Theorie der Kunst‘ können alle diskursiven Abhandlungen verstanden werden, die das Wesen, die Voraussetzungen sowie möglichen sachimmanenten Gesetzmäßigkeiten von Kunst (im weiten Sinne: Bildende Kunst, Literatur, Musik, Darstellende Kunst, Angewandte Kunst) theoretisch zu bestimmen versuchen.

Kunsttheorie ist ein umfassender Begriff, der sich mit der Genese, dem Wesen und der Funktion der Kunst, vorwiegend der bildenden Kunst, in Geschichte und Gesellschaft beschäftigt.

Es bestehen Verwandtschaften und Überschneidungen zur Kunstgeschichte, Ästhetik, Kunstkritik und neuerdings zu den Kulturwissenschaften, aber auch zur Philosophie, Psychologie, Medientheorie und zur Wahrnehmungsforschung.

[…]

Viele Künstler, zum Beispiel Paul Cézanne, Kasimir Malewitsch, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Joseph Beuys, Marcel Duchamp, Andy Warhol, John Heartfield, Wolf Vostell,[2]John Steinbeck, Jackson Pollock,[3] Jean Cocteau, verfassten selber Theorien ihrer Kunst.“

Jenseits einer akademischen Herangehensweise empfinde ich mich als kreative Transformatorin, durchaus mit einer Kunsttheorie oder – vielleicht besser – Kunstphilosophie. Das interessiert niemanden, womit wir schon wieder bei Machtfragen sind. „Da draußen“ geht es ständig darum, wer sich Gehör verschaffen kann, dann auch angehört wird und auf den dann auch gehört werden kann. Du sagst, Du möchtest keine Macht ausüben, aber Dir ist doch bewusst, dass in einer wirklich angehörten Kunsttheorie jede Menge Macht liegt…? Damit geht klar Verantwortung einher, und jetzt komme ich wieder mit etwas, das mir immens wichtig ist und für mein Gefühl und Denken unbedingt diskussionswürdig: Verantwortung gegenüber wem oder was? Meine Antwort und gerne Einstieg in jeglichen Dialog: allem und jedem gegenüber. Die klassische Frage muss gestellt werden, immer, in jedem Bereich: wem nützt was? Hier: Welche Kunsttheorie ist „gut“ „wofür“? Die „Verwandtschaften und Überschneidungen“, von denen im Wikipedia-Eintrag die Rede ist, sind diese und noch mehr (oder sollten es meines Erachtens sein).

* Verantwortung

Von Verantwortung spricht auch Juliane Rebentisch in der anhörenswerten Diskussion https://www.youtube.com/watch?v=pm1eYaP7JIM :

Ich find‘ schon dass wir in einem Moment der Kunstwelt leben, wo’s überhaupt nicht mehr so ist, nicht, dass das Gegenüber so ’ne bürgerliche… so’n Formalismus ist, nicht, der auf seine Autonomie beharrt in dem Sinne, dass die Gesellschaft draußen gehalten wird, sondern im Gegenteil: man muss schon sagen, die Anrufung des Politischen ist der… sozusagen das Schmiermittel überhaupt – derzeit – um die Kunstwelt am Laufen zu haben, nicht… also jede Biennale überbietet sich wechselseitig an Polizitätsanrufungen, und man muss sich natürlich fragen… sozusagen… in welchem sozialen Moment taucht das eigentlich auf, nicht… also ich finde da haben wir auch die Verantwortung, tatsächlich zurückzutreten und zu fragen: was trifft denn da aufeinander, und ich hab‘ den Eindruck, es gibt da so’n bisschen so ’ne unheilige Allianz mittlerweile zwischen… sozusagen so ’nem sehr kurzgegriffenen Verständnis der künstlerischen Avantgarde, nicht… dass es das Ziel der Avantgarde sei, sich selber im Leben aufzuheben auf der einen Seite und dieser neoliberalen Impact-Forderung, nach der sozusagen die Kunst und die Geisteswissenschaften sozusagen die Aufgabe haben, ihren unmittelbaren Einfluss in der Gesellschaft zu beweisen, ja – und das ist natürlich das Ende der Kunst in gewisser Weise. […] in welcher Weise macht sich die Differenz der Kunst zur Politik geltend […] dass es nicht schlicht darum geht, politische Erkenntnis zu gewinnen […] […] materialführende Auseinandersetzung für unterschiedliche Perspektiven […] für einen Diskurs gewissermaßen bereitzustellen […] Aussagen macht man in verschiedenen Sphären, aber nicht unbedingt in der Kunst.“

Das ist zum Beispiel ein für mich unnötiges Auseinanderdividieren: selbstverständlich muss ein Künstler nicht seine ureigene (politische) Ansicht verarbeiten – aber er kann doch. Ich glaube – wie bei „Kunst“ und „Kunsttheorie“ – dass sich die Bereiche überschneiden dürfen, vielleicht idealerweise sogar überschneiden sollten. Es geht um Dialoganstoß; „dass Konflikt auf öffentliche Bühnen kommt und dass er ausgetragen wird“, sagt Juliane Rebentisch an einer Stelle, hält sie für wichtig und einen „konstitutionellen Bestandteil demokratischen Lebens“. Heutzutage kann beinahe jeder jede Diskussion anstoßen, und ich bin in meinem Leben politisch, ohne für den Stadtrat zu kandidieren. Ich bin es mit jeder Äußerung und jeder Handlung, die ich als Privatperson vornehme, denn ich bewege mich mit anderen in einer Gesellschaft.

Das Problem ist das Erkämpfen der Aufmerksamkeit und damit wieder – im weitesten Sinne – das Macht- bzw. Ohnmachtsproblem.

Ich glaube aber nicht, dass Einschränkungen, die von vornherein auferlegt werden (zum Beispiel „Als Künstler ist es nicht deine Aufgabe, Aussagen zu machen.“), in der Kunst funktionieren, weil Auflagen für diesen freiheitlichsten Ausdruck des Menschen meines Erachtens nicht sinnvoll wären. Die individuelle Herangehensweise an ein Thema – womöglich egal in welcher Disziplin – ist immer eher Bereicherung. Und sollte übrigens auch nicht für mehr Aufmerksamkeit anderer geopfert werden. Wir brauchen alle jeden Ausdruck; Mainstream haben wir satt und genug.

* Kunst und Politik und …

In der Politik begrüße ich, dass zum Beispiel Begriffe wie „links“ und „rechts“ nicht mehr gut funktionieren ohne weitere Ausführungen. Am liebsten würde ich ganz auf sie verzichten (wie übrigens auch auf Parteien), halte das aber für schwierig in der Kommunikation. Auf der einen Seite bekämen die Inhalte einen größeren Raum und könnten eher auf ihr Gewicht hin untersucht und hinterfragt werden, auf der anderen Seite würde viele der Zwang zur Beschäftigung mit eben diesen Inhalten abschrecken. Mündigkeit wäre noch mehr gefragt, das verstehen-Müssen, das mitgestalten-Wollen. Die Individualität der agierenden Personen würde gestärkt dadurch, dass diese eventuell (eben ohne Parteien) keiner Parteiräson mehr unterlägen, aber natürlich könnten weiterhin sozial geschickt agierende Personen mit demagogischem Talent unabhängig von ihren Inhalten Menschen auf ihre Seite ziehen. Wenn Intransparenz herrschen soll, würde sie weiterhin herrschen.

Du kannst jedes System fair oder unfair gestalten. Mir wäre wichtig, dass es für die Allermeisten gut funktioniert. Jedes System, in dem es wenige Nutznießer gibt, wäre für mich in die Richtung zu verändern, dass es möglichst viele Nutznießer gibt. Dass es möglichst allen Menschen damit gut geht nach vernünftigen Maßstäben, ohne sie gleichzuschalten. Möglich wäre es; umsetzbar ist es erst, wenn sich alle auch Gehör verschaffen könnten, das erst einmal wollten. Milo Rau nennt es „die dunkle Seite der Demokratie“: dass Minderheiten in ihren Ansichten untergehen, jenseits von „Recht“ oder „Unrecht“. Unstrittig ist aber ja: zieht man sich raus, weil man meint, dass man erst an einen Schalthebel ran müsste (an den man so, ohne jegliches politisches Vor-Engagement ja auch nie käme), dann unterschlägt man die erste kleine dünne Stimme, die etwas (zumindest subjektiv) Wichtiges äußert. Erst nach einer ersten Äußerung kommt es eventuell irgendwann zum Dialog.

[Kunst] kann weniger als der allerkleinste Herrscher im allerkleinsten Lande“, aber sie „kann neu nachdenken lassen über etwas, das scheinbar abgeschlossen scheint“, sagt Rau. Ich halte das für ein immens großes Können, egal, ob an der Aktion, an dem Film, dem Text, dem Theaterstück, der Installation, dem Bild „Politik“ oder „Kunst“ dran steht oder irgendetwas anderes. Vielleicht brauchen wir einfach neue Begriffe für einige „Zwischendinge“.

Ich möchte also mit anderen Worten meine Machtlosigkeit nicht akzeptieren; ich glaube nicht an meine Belanglosigkeit. Beides ist nicht dadurch gegeben, dass ich nicht an den Schalthebeln der einen oder anderen Macht sitze, sondern es wäre gegeben, wenn ich mich nicht mehr zu Wort meldete, wenn ich nicht mehr daran glauben würde, dass viele kleine Stimmen zu einem hörbaren Chor werden können. Mir ist unwichtig, wie der Chor heißt. Zwar kann man ohne einen Namen, ohne eine Benennung kein Werbebanner aufhängen, aber indem ich mich mit dieser Frage der Bewerbung beschäftige, übe ich beispielsweise weder, noch trete ich auf. Um beim Bild des Chores oder des Orchesters zu bleiben: ich empfinde mich als ein Teil einer größeren Idee (den individuellen kreativen Ausdruck eines jeden Menschen zu unterstützen und jeden darin, sein Gegenüber anzusehen und anzuhören), jederzeit zum Flashmob bereit. Manchmal bedarf es größerer Organisation, um gehört zu werden, aber öfter werden kleine Sessions stattfinden, die manchmal sogar vollkommen ungeplant sind und auch mit wenigen MitmacherInnen wirken (z. B. Weblogs, Kommentare, öffentliche Diskussionen mit auch nur drei Beteiligten usw.). Es kostete dagegen unsagbar viel Mühe, viele „offizielle“ Mitglieder zu werben, die sich nicht irgendwann – wie in beinahe jedem Verein – über das KleinKlein verzetteln und schlimmstenfalls zerstreiten, was die Idee des Vereins unglaubwürdig machte. Ich ziehe meinen Karren allein, was mich unabhängig macht, kann aber jederzeit auch Teil eines Konvois sein.

Missversteh‘ es nicht als Rat; der steht mir nicht nur nicht zu, den brauchst Du auch nicht.

Sieh‘ es als meinen Wunsch an:

Es ist doch egal, wie es heißt. Bring‘ Dich einfach ein.

Alles findet gerade statt.

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