#kultblick

http://blog.amh.de/blogparade-verloren-und-wiedergefunden-mein-kulturblick-kultblick

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▪ Wie erfährst, siehst und bewertest Du Kultur?

▪ Was hast Du vergessen, das dir beim Kulturgenuss plötzlich in den Sinn kommt? Hast Du Kindheitserinnerungen oder besondere Situationen, an die Du plötzlich denken musst, während Du dich auf Kultur einlässt?

▪ Gibt es dabei Aha-Erlebnisse, Geistesblitze oder besondere Erkenntnisse für dich?

▪ Was empfindest Du, wenn Du dich auf Kultur und Kunst einlässt? Was ist dir dabei wichtig?

▪ Gab es jemanden, der deine Neugierde für Kulturelles geweckt hat? Und wie informierst Du dich über Neuigkeiten?

▪ Welche Kulturerlebnisse sind dir warum die liebsten? Hast Du besondere Favoriten?

▪ Fehlt dir etwas? Gibt es einen Wunsch, den Du schon immer bei Kulturinstitutionen äußern wolltest? Was können Kulturinstitutionen für dich tun, damit Du gerne zu ihnen kommst?

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#KultBlick

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Liebe Tanja Praske, Katrin Schröder und liebes Archäologische Museum Hamburg,

welch ein schönes Projekt! Ich stolpere mit der Begeisterung gleich durch zu Eurer vorletzten Anregungsfrage: meine favorisierten Kulturerlebnisse sind genau so beschaffen wie das, in dem ich gerade stecke: ich darf nachdenken über das, was mich mit Kunst verbindet und mit anderen in Dialog treten.

Dabei ist ohne Frage mein Vater „schuld“ an meinem Kunstvirus. Da er als Musterzeichner (ja, so schlicht war die Bezeichnung damals für die kreativen Köpfe der Textilindustrie) tätig war und schon als Jugendlicher gezeichnet und gemalt hat, lagen bei uns zuhause immer jede Menge spannender Utensilien herum; Papiere in allen Beschaffenheiten und alle möglichen Stifte, Pinsel und Farben. Schon als Kind bewunderte ich erstaunt, wie mit wenigen prägnanten Strichen schon bald etwas zu erkennen war, eine Blüte… oder der Kopf eines Löwenbabys.

Er konnte wunderbar zeichnen, aber nichts lag meinem Vater ferner, als es „künstlerisch“ zu sehen; für ihn war es immer Handwerk. „Gut gemacht“ – das habe ich öfter mal gehört, wenn er andere Mal-Arbeiten begutachtete. Die Gedanken desjenigen, der da malte, Skulpturen schuf oder sonst wie tätig war, traten für ihn hinter der Umsetzung zurück. Ich war da bald anders. Ich wollte und möchte bis heute am liebsten jede Künstlerin, jeden Künstler nach eben diesen Gedanken fragen – sie sind für mich das, worum es eigentlich geht.

Daher kann ich Kunst und Kultur nur „abstrakt“ bewerten als immens wichtigen Bestandteil unseres Menschenlebens. Ohne den Freiraum, den Kunst uns schafft, würden wir immateriell verarmen. Und diesen Freiraum möchte ich mithelfen zu verteidigen, indem ich auch die Kunst selbst möglichst frei wissen möchte: frei von Diskriminierungen gleich welcher Art, frei von Bewertung, im Grunde frei von einem System, vor dessen Karren sie gespannt werden kann und wird. (Ich komme mit dieser Haltung in Konflikt, wenn mich eine Institution um Partizipation bittet; dazu werde ich zum Schluss noch etwas ausführlicher.)

„Besondere Erkenntnisse“ sind nur in dieser Freiheit möglich, denn sie sind persönlich – immer. Mir fällt spontan John Irvings Roman „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ ein, den ich in meinen Zwanzigern las und der meine Denkwelt gründlich auf den Kopf gestellt hat. Die Einsicht, dass es immer mehr als eine Perspektive braucht, um sich mit einem Thema differenziert auseinanderzusetzen, begleitet mich seither.

Ich verstehe mich als Botschafterin für Offenheit, bin als solche viel im Netz unterwegs und beziehe die meisten Anregungen und Informationen daher, gehe aber auch mit offenem Blick durch die nicht-virtuelle Welt.

Der „besondere Favorit“ ist bei mir immer der aktuell Betrachtete, die Arbeit, mit der ich mich gerade auseinandersetze. Ich weiß, dass es auch ungesund festlegen kann, sich seiner Favoriten bewusst zu sein – man sieht dann oft nur noch das, was man schon kennt. (Obwohl ich die Farb“landschaften“ von Conny Roßkamp, die informelle Exaktheit eines Peter Busch oder alles, was mit Licht zu tun hat wie bei manchen Arbeiten von Ólafur Elíasson, Heinz Mack oder William Turner gern einmal „favorisiere“. Ich finde wunderbar, wie Hetty Krist Menschen zeichnet und Salvador Dalís „anthropomorphen Kabinettschrank“, den ich besuchen muss, wenn ich im K20 bin. Stefan Becks Konversationskunst spricht mich an und alles, was vergänglich ist und erst im Zusammenspiel von Werk und Rezipient entsteht und manchmal auch nur solange besteht, um dann anders, transformiert weiter zu wirken. Ich liebe zufällige Kunstbegegnungen, wie sie sich zum Beispiel durch Streetart ereignen.)

Mir gefiel die Idee der Ausstellung „Der Schatten der Avantgarde – Rousseau und die vergessenen Meister“, die 2015/2016 im Essener Museum Folkwang zu sehen war. Ich versprach mir – und ich muss zugeben in erster Linie für andere 😉 – ein eventuelles Zulassen der Arbeitshypothese, dass zumindest nicht unbedingt die akademische Ausbildung den Künstler/die Künstlerin „macht“. Die unbekannten MeisterInnen sind „auf Augenhöhe mit den besten Künstlern des 20. Jahrhunderts“, wie es im Begleitheft heißt, und obwohl die Aufteilung in „gute“ und „schlechte“ Kunst für mich nicht funktioniert und ich sie daher vermeide, wünschte ich mir, dass die Erkenntnis daraus das Kunstverständnis der Menschen nachhaltig veränderte. Sicher hätte das Auswirkungen auf den offiziellen Kunstbetrieb, dem ich aber durchaus zutraue, sich auch noch einmal neu zu erfinden…

Die Kunstvermittlerin Anke von Heyl, durch deren Beitrag zur Sache ich auf die Blogparade aufmerksam geworden bin, sagt, dass sie durch ihre „Job-Brille“ bei der Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur „meistens […] gleich noch eine Metaebene mit [denke]“. Mir geht es so, dass ich eine Metaebene mit denke, wenn über Kunst gesprochen wird (und noch nicht, wenn ich sie frei betrachten darf). Ich erlebe mich dann in verschiedenen Facetten: als eine Person, die Kunst als eine zusätzliche Ausdrucksmöglichkeit des Menschen sieht und diese als solche verteidigen will, als eine Person, die diese Ausdrucksmöglichkeit diskriminierungsfrei selbst, für sich nutzen möchte, als eine Person, die das ur-persönliche Moment in der künstlerischen Arbeit sieht und einem eventuell angestrebten allgemeingültigen Verständnis misstraut und als eine Person, bei der all diese Punkte auch in der „offiziellen Kunstvermittlung“ berücksichtigt werden müssten. Das konstruktive Sprechen über Kunst kann aus diversen Gründen öfter scheitern als stattfinden. Ich frage mich und in die Welt, aufrichtig den Dialog suchend, ob Museen meine Wünsche berücksichtigen können, die Kinder in Aktionen auffordern, in Museen zu werkeln und sogar (selbstverständlich ganz stolz und befeuert durch ihre Umgebung) auszustellen, (manchmal) aber dieselben Menschen später belächeln, sollten sie sich neben ihrem erlernten Beruf auch noch als KünstlerIn fühlen. Jede/r füllt den Begriff „Kunst“ anders. Und auch, wenn es hier um den Begriff nicht gehen soll: ich kann nicht anders, als das ständig mit zu bedenken, zumindest beim Sprechen über Kunst.

Wofür ist Kunst gut?

Das habe ich rhetorisch oft gefragt, wenn ich den Eindruck hatte, dass das Ausschlussverfahren im System Kunst nur einer ausgesuchten Menschengruppe dient. Für mich geht es immer und überall um ein gemeinsames Weiterkommen, um das bestmögliche Zusammenleben und Weiterentwickeln von Menschen; bestmöglich in jedem Bereich. Da kann Kunst gar nicht alleine stehen und eifersüchtig abschirmen, wen oder was auch immer.

Dass man sich frei begegnen, interdisziplinär austauschen und sich starren Denkmustern entziehen möge, wünsche ich mir als Entwicklung für alle Kulturinstitutionen der Zukunft. Dass Partizipation nicht in erster Linie „Projekt“ der Institution ist, sondern dass Grenzen wirklich durchlässig werden, jeder, der teilnehmen mag, sich einbringen darf und nicht nur im Lippenbekenntnis ernst genommen wird. Dass Modelle entwickelt werden, wie Teilnahme honoriert werden kann, so dass auch nach außen die Wertschätzung von Partizipation demonstriert wird.

Indem ich hier schreibe, merke ich, wie viel wieder mit berührt wird: Menschenbild, Bildungschancen, Bildung und Erziehung als solche, Versorgungsmodelle, Utopien des Zusammenlebens… Wodurch auch immer ich aufgefordert bin, weiter mitzudenken: dankeschön. Und im Sinne der Sätze davor: bitteschön. 🙂 

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https://www.tanjapraske.de/

http://www.kulturtussi.de/kultur-ist-mein-geschaeft/

http://john-irving.com/

http://www.conny-rosskamp.de/bilder.php

http://www.ars-etcetera.de/Galerie/Zeichnungen-2013-heute.html

http://www.art-magazin.de/kunst/14218-rtkl-olafur-eliasson-versailles-der-meister-der-illusion

http://www.mack-kunst.com/

https://de.wikipedia.org/wiki/William_Turner

https://de.wikipedia.org/wiki/Hetty_Krist

https://de.wikipedia.org/wiki/Salvador_Dal%C3%AD

http://www.stefanbeck.de/

http://www.sabinepint.de/kommentar.htm

https://sabinepint.wordpress.com/2017/08/26/bei-nichtbeachtung-droht-vielleicht-irgendwann-mehr-als-kunstverlust/

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Bei Nichtbeachtung droht vielleicht irgendwann mehr als „Kunstverlust“…

„Ich habe miterlebt, wie Jugendliche, die noch nie etwas mit Kunst zu tun hatten, nie in einem Museum waren, durch einen Kunstworkshop angefangen haben zu strahlen. Sie wirkten plötzlich selbstbewusst, kreativ, individuell und interessiert an allem, was über ihren bisherigen ‚Tellerrand‘ hinausging. Aus diesem Grund müssen wir unseren Blick nach vorne richten und dieses Potenzial stärken, denn ohne Kunst würde unsere Gesellschaft eingehen.“ [Juliane Köhler]

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Warum ist es durch Kunst so niederschwellig möglich, Interesse, gar Selbstbewusstsein zu erleben?

Ich denke, weil jeder einen natürlichen Zugang zu ihr hat oder haben könnte, gerade in jungen Jahren. Mit zunehmendem Alter wird dieser natürliche Zugang immer mehr zugestellt mit Erwartungen der Umwelt, die in die jungen Menschen kriechen und irgendwann als eigene Haltungen erlebt werden. Auch Kunst hat in der Gesellschaft ein Gerüst, einen starren Rahmen, den man schon spürt, wenn man nur die Bezeichnung nimmt: Kunst. Der Begriff ist abstrakt; jeder füllt ihn anders. Ein Teil der Gesellschaft sieht ihn als Qualitätsbegriff an: alles, was so genannt wird, ist durch einen Filter gelaufen, hat „Tests“ bestanden, ist von „Experten“, deren Urteil wir vertrauen, für gut befunden worden, gut genug, diesen „Titel“ zu tragen. Junge Menschen, die mit dieser Begriffsdefinition aufwachsen und sie verinnerlichen, werden, wenn sie „offiziell“ einen zum Beispiel naturwissenschaftlichen Weg einschlagen, kaum wagen, auch noch „Kunst“ zu machen oder auch nur diese Neigung verspüren. Das eigentlich so leicht zu weckende Gefühl, das Juliane Köhler bei ‚KunstVerLust‘ beschreibt und das Menschen sich gut und zufrieden fühlen hilft – zu Frieden – wird leichtfertig weggegeben zugunsten eines Lebens im Wettbewerb.

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Und ist das nicht genau der richtige Ansatz, auch jenseits von Kunst? Zu welchen Themen könnt Ihr Euch Workshops vorstellen, die bereits im Jugendalter ihren Anfang nehmen und über reine „Beschäftigungstherapie“ hinausgehen können? Wie könnten sich Jugendliche – selbstverständlich freiwillig! – einbringen können, ohne ihre kostbare Frei- oder Schulzeit zu opfern; vielleicht gekoppelt an den Unterricht? Kann Unterricht nicht generell anders gestaltet werden? Wie erreicht man Schüler, die ihrer Herkunft (Sprachbarriere, Kulturbarriere) oder Wohnsituation nach benachteiligt sind, wenn man den Maßstab unserer Gesellschaft anlegt?

Wodurch wird der erste Funke für Beteiligungswunsch entzündet?

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http://www.kunstverlust.de/galerie/2015/12/23/juliane-khler

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„Es geht um das kollektive Verständnis unseres vergangenen, aktuellen und künftigen Verhältnisses zur Welt.“

Die französische Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy schreibt in der deutschen Ausgabe von ‚LE MONDE diplomatique‘ von August 2017 darüber, wie wenig sich die meisten Museen mit der Geschichte ihrer Objekte auseinandersetzen.
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„Wilhelm von Humboldt schreibt über die Bedeutung der Bildung für den Menschen: ‚Je mehr Mannigfaltigkeit er in Einheit verwandelt, desto reicher, lebendiger, kraftvoller, fruchtbarer ist er. Eine solche Mannigfaltigkeit aber gibt ihm der Einfluss vielfältiger Verhältnisse.‘ Indem sie jedes Artefakt in ein vielschichtiges Koordinatensystem von Raum und Geschichte, Sein und Zeit, Ästhetik und Politik verankert, trägt dokumentierte Provenienz [Herkunft] im Museum zu dieser Mannigfaltigkeit bei. […] Es geht […] um das kollektive Verständnis unseres vergangenen, aktuellen und künftigen Verhältnisses zur Welt.“

Ein Satz, der mir beim ersten Lesen schon so wichtig war… er beinhaltet Vernunft, Herz und Verantwortung; er drückt die Möglichkeit zu echter menschlicher Weiterentwicklung aus; Verständnis ist Chance.

„Die Provenienzforschung ist historische Wissenschaftsforschung. Sie gilt der Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit und ist für die Museen das, was für die Dresdner Bank oder Daimler Benz die Aufarbeitung ihrer Unternehmensgeschichte im Dritten Reich gewesen ist: die Erfüllung einer historischen Verantwortung, die Selbstbefreiung von allzu bequemen Mythen und ein Akt des Anstands gegenüber den Opfern und Nutzern ihrer Sammlungspolitik.“

„Was noch bitter vermisst wird, ist die Bereitschaft der meisten Museen, diese [Sammlungs]Geschichten dem Publikum offen und verständlich zu erzählen.“

Savoys Erfahrung korrespondiert mit vielen meiner Erfahrungen, wenn ich mir verschiedene Lebens- und Gesellschaftsbereiche ansehe: Erkenntnisse, einmal gewonnen, müssen nicht als diese dauerhaft wirken, und Einsichten führen nicht unbedingt zu mehr gewollter Transparenz und Weitergabewunsch an die Menschen.

Den meisten Museen stellt sie ein schlechtes Zeugnis aus („offenbar überfordert“), aber es sei auch schwierig. Welche Instanzen können es leisten, „für Millionen von Objekten […] die Herkunft zu ermitteln?“

Sie macht deutlich, dass das sich-Auskennen in der Kunst an sich dabei lange nicht reicht, „nur bedingt weiterhilft“. Vielmehr sei umfangreiche Recherche in Polizeiarchiven, ein sich-Auskennen in Verwaltungsstrukturen von Ländern zu bestimmten Zeiten, „in der Wissenschaftsgeschichte der Ethnologie und der europäischen Militär- und Missionsgeschichte“ notwendig.

„Provenienzforschung kann, muss aber nicht im Museum stattfinden. Sie erfordert freien Zugang zu vielen in aller Welt verstreuten Archiven, Teamgeist und methodische Transparenz, universitäre Verankerung und die Bereitschaft zu grenzüberschreitender Kooperation.“ Wunderbar: disziplinübergreifendes Leben und Arbeiten! Wir brauchen noch viel mehr Rufe danach.

„Auch für Museen muss gelten: Erst Provenienzen systematisch erforschen (lassen) und ‚on display‘ stellen. Und dann, irgendwann, darüber nachdenken, was die Rückgabe von Objekten und Objektgruppen in symbolischer, politischer oder diplomatischer Hinsicht bewirken kann und soll“ – die Wiedergutmachung (die nie eine ist) im juristischen Sinn (Restitution = Rückerstattung geraubter, enteigneter und zwangsverkaufter Kulturgüter).

Das Unterlassen dieser Bemühungen beziffere sich nicht nur „in Dollar oder Euro. Es sind gesellschaftliche und politische Kosten, die entstehen, wenn sich eine Gesellschaft ihrer Vergangenheit nicht annehmen will und kann.“

Und sie bezeichnet die gebotene Aufklärung als „die geringste Höflichkeit, welche Europa den Menschen und den Orten, aus denen die Objekte kommen, erweisen kann.“

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Zum Beispiel:

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Frau_in_Gold_(2015)

https://de.wikipedia.org/wiki/Adele_Bloch-Bauer

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-135214503.html

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„Analoges“ contra Digitales?

Heute möchte ich Euch den Text von Hubertus Kohle empfehlen. Er beleuchtet sehr anschaulich die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn Digitalisierung in Konkurrenz zu herkömmlicher Vorgehensweise ohne Computer-Unterstützung geht, und zeigt andererseits die Chancen, die es hat, wenn man beides in seinen jeweiligen Stärken unterstützt:

https://www.perlentaucher.de/essay/museen-und-digitalisierung-zukunftshoffnung-oder-selbstaufgabe.html

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Gefaltete Zeit

Klickt man den Link, kommt man auf die komplette Westart live vom 29.08.2016, man kann die Themen aber auch einzeln „anwählen“.

Heute möchte ich besonders hinweisen auf

Gefaltete Welt: Der Künstler Erwin Hapke

„… das ist natürlich auch ein Teil des Zaubers, dass in jeder Figur Lebenszeit dieses Menschen noch anwesend ist und spürbar wird. […] Es ist gefaltete Zeit“, sagt Matthias Burchardt, der Neffe des verstorbenen Erwin Hapke.

Was denkt Ihr darüber, über die Arbeit, das Gesamtwerk, darüber, was an Lebenseinstellung durchschimmert, über die Akribie auch in der Katalogisierung und die Verfügung, Werk und Haus als Museum zu erhalten? Was sind Eure spontanen Gefühle und Gedanken zur „gefalteten Zeit“?

 

http://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/westart-live/video-westart-live-112.html

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Jede Welt

In Bezug auf Anke von Heyls dankenswerten Blog-Beitrag

http://www.kulturtussi.de/gemeinsam-kunst-geniessen-museumsprogramme-fuer-menschen-mit-demenz-teil-1/

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Tanja Praske schreibt dazu in den Kommentaren:

[…]

Gerade das Museum als sozialer Mediakit für die Gesellschaft, für ihre positiven wie negativen Facetten, finde ich sehr wichtig! Hier können Museen viel bewirken. Nur müssen ihnen dazu auch die Mittel zur Hand gegeben werden, in Form von Weiterbildung, Geld, Personal, aber auch, und das finde ich elementar, die Möglichkeit sowie den Willen die eigene Rolle in der Gesellschaft zu überdenken. Sammeln, bewahren, erforschen ist eine wichtige Facette, die andere ist für mich der Bezug zu den Menschen, zu der Gesellschaft, für die Museen integrativ wirken können.

Gesellschaftspolitische Unterstützung ist gefordert, aber auch das Umdenken des Museums mehr auf die Menschen und ihre Bedürfnisse einzugehen. Das hat dann für mich nichts mit einer Verflachung des Niveaus à la Banalisierungsdiskurs zu tun, sondern mit der gelebten Aufwertung von Kunst und Kultur als wichtigen, integrativen und ethisch bildenden, ernst gemeinten Austausch. Wissenschaft und Vermittlung sind keine Antipoden, sondern können sich bereichern, so wie es von den von euch genannten Museen gelebt wird.

[…]“

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Ich habe das Zitat mal um die Fettformatierung erweitert, denn das hat mir außerordentlich gut gefallen, wie schon der eigentliche Blog-Beitrag und das anschließende Gespräch.

Die zentrale Frage zielt für mich nämlich über das Museum hinaus: welche Rolle soll Kunst in der Gesellschaft bekleiden? Die eines elitären Spielplatzes, den aufzusuchen die meisten Menschen keinen Grund sehen? Oder als wertvollen Bestandteil des Zusammenlebens, unverzichtbar zum Ausbilden wichtiger sozialer Funktionen im Miteinander?

Ich glaube, dass, wenn sich das Ansehen (im wahrsten Wortsinn!) von Kunst im Alltag ändert, sich das Selbstverständnis einer „Szene“ (und damit auch die Museumslandschaft) automatisch mit ändern wird, aber es ist natürlich auch nichts dagegen zu sagen, dass die etablierte Kunstwelt die ersten Schritte macht.

Persönlich glaube ich eher an einen diesbezüglichen Erfolg in der Erziehung von Kindern zu offenen, hinschauenden, hinhörenden, empathischen Menschen, die nicht nur einen Sommer lang in einem Museumsgarten werkeln und ausstellen dürfen, sondern sehen, dass auch nach ihrer Kinderzeit und jenseits eines solchen Studiums Kunst zu ihrem Leben gehört – als allgemein gebräuchlicher kreativer menschlicher Ausdruck.

Wenn wieder mehr ganzheitlich auf den Menschen geschaut würde und Eltern keine Sorge mehr haben müssten, dass ihr Kind auf der Strecke bleibt, wenn es nicht mit 20 schon ein Diplom in der Tasche hat, wenn das „niemand wird zurückgelassen“ wirklich gelebt würde, änderte sich die Welt. Jede Welt.
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