„… aufpassen, dass es nicht zu schön wird.“ 

http://www.vera-lossau.com/projects.html

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„Der Dokumentarfilm begleitet die Künstlerin Vera Lossau ein Jahr lang in ihrem Schaffensprozess.
Im Mittelpunkt des Porträts stehen ihre unmittelbaren bildhaften Wahrnehmungen und deren künstlerische Formgebung. Zu entdecken ist dabei die Haltung eines Menschen im Ringen um die Gestalt eines Kunstwerks.
Der Schaffensprozess steht bei Vera Lossau unter einem exemplarischen Außendruck: Fremderwartungen und die ‚Gesetze des Kunstmarktes‘ drohen Einfluss auf den künstlerischen Prozess zu nehmen. Vera Lossau nimmt diese Konflikte sehr bewusst wahr und findet Wege, sie in ihre Arbeit zu integrieren.“

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… obwohl sie klar sagt, dass das Arbeiten ohne Druck, „dass es was erfüllen müsste“, mehr Freude macht. 

Was mich beim Betrachten der Doku über Vera Lossau fasziniert hat, war ihre Einstellung zum „Scheitern“:

„Also manchmal geht’s, und manchmal geht’s gar nicht, weil man irgendwas vergessen hat, vorher, und genau dann ist es so, dass man nicht aufhören will, bis es irgendwas geworden ist. Und dann denk‘ ich: ja, das ist eigentlich genau dein Thema: irgendwas, was so kurz vor’m Scheitern ist, nochmal umzudrehen.“

Diese Offenheit der eigenen Arbeit gegenüber, die Erfahrung des Vertrauens, dass „immer noch etwas draus werden kann“, das „manchmal sogar besser als vorher“ ist, finde ich zum einen sehr kreativ, zum anderen hilfreich: ich weiß nicht, wie viele Menschen in einem Schaffensprozess nicht abwarten, ob „es noch etwas wird“, weil sie im sich-Bewerten feststecken… oder weil es vielleicht immer noch ein Tabu ist, wenn etwas Künstlerisches (auch) zufällig entsteht und nicht von vorne bis hinten durchgeplant ist – und nach eben dieser Planung dann natürlich auch eins zu eins in der Umsetzung gelingt!

Vera Lossau macht deutlich, dass es ihr um den Prozess geht, der in der fertigen Arbeit durchaus noch sichtbar sein soll. 

Ich mag es sehr, eineN KünstlerIn über den Arbeitsprozess erzählen zu hören, und ich liebe Atelier-Besuche, live und im Film. Ich kann nachvollziehen, dass Vera Lossau das für „so privat“ hält, obwohl sie es zeigt. Ich bin nicht sicher, ob ich, selbst, wenn ich darüber berichten, meine Gefühle und Gedanken halbwegs mitteilen kann, vor einer Kamera so arbeiten könnte, als sei sie nicht da… und ein Kamera-Team, das einen ein Jahr lang begleitet – ein furchtbarer Gedanke 😀 !

Lossau spricht aber auch von den Grenzen, Kreativität zu dokumentieren, da „die Zeit, die es arbeitet und reift“ nicht darstellbar ist: „Das kommt aus ganz anderen Quellen.“

Ein spannender, aufschlussreicher Blick auf die Herangehensweise dieser Kreativarbeiterin! 

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„Jetzt bin ich bei mir.“

https://www.youtube.com/watch?v=sT62_1ffv6U&sns=fb

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Die c/o-Kunstförderung der Stadt Mönchengladbach präsentierte zum parc/ours, dem Wochenende der offenen Ateliers und Kunstorte am 16./17.09.2017, vier Filmportraits von beteiligten Künstlerinnen und Künstlern. Dieses von Claudia Tronicke, Lisa Königs, Leila Matzke und Kanaan Berlin stellt die Mönchengladbacher Künstlerin Menia vor.

Hier lässt sie sich an ihrem Rückzugsort besuchen und erzählt von ihrer Motivation zur Kunst und den Vorteilen des freien Arbeitens.

Wenn man wie sie schon als Kind verschiedene Interessen entwickelt, braucht es etwas Verbindendes:

Das ist so toll an Kunst: egal, womit man sich beschäftigt oder wofür man sich interessiert: man kann alles einbauen. […] Nachdenken über Menschen; wie die sind, was sie machen, warum… warum sie das Schöne zerstören am laufenden Band […] eigentlich Zerstörung des Paradieses […] Ich glaube, Empathie ist etwas sehr Wichtiges und sollte viel mehr zum Thema werden […] Das ist der Grund, warum ich mich damit beschäftige.“

Ihre Aussagen zeigen für mich einmal mehr, dass Kunst nichts Abgehobenes sein muss; dass sie ein Ausdrucksmittel, eine Sprache mehr ist für die Dinge, die Menschen beschäftigen.

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Kunst und Gewalt 2/2017

http://www.arte.tv/guide/de/066296-000-A/otto-dix-der-schonungslose-maler

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Der Maler Otto Dix war eine facettenreiche Persönlichkeit. Ehrgeizig, eitel, gesellschaftskritisch inszenierte er sowohl sich selbst, als auch – neben den sehr bekannten Portrait-Arbeiten – Kriegsbilder zu zeichnen, die bei aller Brutalität detailliert und mit feinen Strichen geschaffen sind. Es ist mir ein Rätsel, wie jemand im Schützengraben des 1. Weltkriegs auch nur Vorarbeiten zu den später ausgearbeiteten Radierungen und Gemälden fertigen konnte!

Dix gilt als Mitbegründer der Neuen Sachlichkeit, einer Kunstrichtung, die zum Ziel hatte, die „greifbare Wirklichkeit kühl und vermeintlich objektiv“ wiederzugeben. Im Fall der Kriegsstudien für mich ein sehr, sehr nachvollziehbarer Wunsch. Vielleicht denke auch ich – man hört, ich schwanke ein bisschen – dass man menschliche Gräueltaten nicht irgendwie ästhetisch— ja: wiedergeben sollte

„Der Krieg ist eben etwas so Viehmäßiges: Hunger, Läuse, Schlamm, diese wahnsinnigen Geräusche. […] Der Krieg war eine scheußliche Sache, aber trotzdem etwas Gewaltiges. Das durfte ich auf keinen Fall versäumen! Man muss den Menschen in diesem entfesselten Zustand gesehen haben, um etwas über den Menschen zu wissen“, sagte Dix 1961 über seine Erfahrungen.

Das K20 am Düsseldorfer Grabbeplatz zeigt noch bis zum 14. Mai die Ausstellung Otto Dix – Der böse Blick.

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Alfred Schroeders in der Stadtteilbibliothek Rheydt

http://www.focus.de/regional/moenchengladbach/moenchengladbach-landschaften-und-portraits-bibliothek-rheydt-zeigt-arbeiten-von-alfred-schroeders_id_6581686.html

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Beim Dienst in der Zweigstelle sprangen mich die Portrait-Arbeiten Alfred Schroeders geradezu an; selten sah ich derart intensive gemalte Gesichter in der letzten Zeit. Ein Besuch lohnt sich!

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Björk

Wenn man sich – wie die isländische Künstlerin Björk – immer wieder neu erfindet, braucht man ein Publikum, das diese Wandlungen mit geht. Ich glaube aber, dass ihre Fans genau das auch mögen und dass immer wieder neue Menschen sie entdecken, gerade weil sie so viele Facetten hat.

Für mich ist das unter anderem die Bestätigung, dass man vor solchen Veränderungen nicht nur keine Angst haben muss, sondern positiv im eigenen Fluss bleiben sollte und nachspüren, wohin es einen führt.

In der WDR-Dokumentation

http://www.ardmediathek.de/tv/WDR-DOK/Bj%C3%B6rk/WDR-Fernsehen/Video?bcastId=12877260&documentId=36100202

konnte ich Neues entdecken, aber Vieles hat mir auch gefehlt, besonders die Erwähnung ihres Schauspiel-Talents und des bei mir bis heute nachwirkenden Lars von Trier-Films „Dancer in the Dark“.

(Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=53vr9EiOH7g )

Selbstverständlich kann man alles auch nachlesen, also der (sicher unvollständigen!) Vollständigkeit halber:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bj%C3%B6rk

Vor ein paar Jahren habe ich das Bedürfnis gehabt, in meine Portrait-Reihe von Persönlichkeiten, die mich stärker berühren als andere – wobei ich auch da weit entfernt von Vollständigkeit bin – Björk aufzunehmen.

Die Auseinandersetzung mit ihr lohnt sich!

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Buntstift, Öl-Pastellkreide und Acryl auf Skizzenpapier

DIN A 5 (nicht mehr zu haben)

extravaganz

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„Der Weltblick der Gleichberechtigung“

Ein wunderbarer Einblick in das Leben und Schaffen des Fotografen August Sander; sehr, sehr sehenswert.

Für mich, die ich Portraits sowohl beim Betrachten als auch beim „Herstellen“ spannend und bereichernd finde, ist die Dokumentation ein bisschen Offenbarung und ein Großteil Inspiration. Und ich mag, dass sowohl „Portrait“ als auch „Dokumentation“ hier „Teekesselchen“ sind 🙂 .

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/wdr-dok/video-das-auge-des-jahrhunderts—das-vermaechtnis-des-fotografen-august-sander–100.html

[Der Link wird beim Anklicken als fehlerhaft angezeigt. Sucht man allerdings „Das Auge des Jahrhunderts“ in der WDR-Mediathek, wird man fündig und kann den Film – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt noch – sehen.]

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