„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein“ 

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=70095

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„Ansichten eines Anarchisten“

Die christlichen Kirchen in Deutschland haben im Nationalsozialismus versagt und sich schuldig gemacht; darunter leidet der gläubige Heinrich Böll.

Es ist geradezu ekelhaft, wie Widerständler als Gegenargument ins Feld geführt werden, die sich allerdings (nach Böll) ihrem Gewissen und nicht der Kirche gegenüber verpflichtet fühlen.

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„Ich hasse den Krieg […] er ist so völlig sinnlos.“

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Welche Rolle spielen die tragenden Säulen/wichtigen Köpfe der Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg? (Stichwort Funktions“eliten“; es sind nicht auf einmal alle demokratisch gestimmt…) 

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Böll stellt sich gegen Aufrüstung und Wiederbewaffnung, Kanzler Adenauer ist dafür; dieser argumentiert mit Freiheit, und die Kirchen unterstützen ihn, weil sie sich gegen den eher atheistischen Osten behaupten wollen. Es ist also für die Kirche eine Frage der Macht und nicht die einer ethisch korrekten Haltung.

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Die Kirchensteuer verrechtlicht das Verhältnis zur Religion, und Böll verurteilt auch das. Und er kritisiert die „sinnentleerten Rituale“ der Kirche.

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Dass Konsum zur Entsolidarisierung des Menschen führt, nahm in den Wirtschaftswunderjahren seinen Anfang, und diesbezügliche Warnungen wurden wahrscheinlich nur allzu gerne in den Wind geschlagen. Ich will nicht „heute“ sagen, aber durch die Zeit sieht man, was Konsum als „neue Gottheit“ angerichtet hat. Die Entsolidarisierung geht über einzelne Personen hinaus, ergreift ganze Länder und lässt die ganze Welt in ein immer stärkeres Ungleichgewicht kippen.

Wo die Ungleichheit, die soziale Ungerechtigkeit – Lebensentscheidungen in jungen Jahren können sich auch in reichen Ländern später als in diesem Sinne falsch herausstellen, selbst, wenn sie an sich nichts „Falsches“ haben (soziale Berufe: Alten- und KrankenpflegerInnen, Berufssparten, die sich verändern: Verlagswesen, Berg- und Autobau, Versicherungs- und Bankangestellte, um nur ein paar Beispiele zu nennen) – mit Händen zu greifen ist, haben Politiker, die eine totalitäre Haltung vertreten, wieder Chancen.

Bölls Warnung vor Totalitarismus ist hochaktuell; für mich ist wünschenswert, wenn man es als wichtige Warnung begreift und danach spricht und handelt; Stichwort (heutiger möglicher nötiger) Widerstand, der oft als übertrieben gehandelt und daher manchmal an Stellen vermieden wird, wo er hingehört. Als kontraproduktiv empfinde ich dabei allerdings, wenn Menschen sich in Gesprächen weder aussprechen lassen noch dem anderen zuhören; so ist die „rechte Ecke“, die es leider selbstverständlich gibt, ein gern genommener Sammelort auch für Menschen, die unbequeme Wahrheiten ansprechen. Die Kunst liegt darin, echte Fremden- gleich Menschenfeindlichkeit zu erkennen und davon zu unterscheiden. Je länger ein Gespräch dauert, je mehr Zeit man sich nimmt, desto klarer werden menschliche Grundhaltungen.

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„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein“, sagt Heinrich Böll.

Ihm wird Terrorismusempathie unterstellt, weil er die Werte des Grundgesetzes auch auf Terroristen angewandt sehen will, dem Wort also für alle Menschen dieselbe Bedeutung zugesteht. Wie kann er es mit diesem Argument in Diskussionen schwer gehabt haben…? Wie argumentierten seine Gegner?

Vielleicht würde „ein Böll“ heute ganz gut tun, sagt Wolfgang Niedecken, und ich sage: selbstverständlich! Aber ich sage auch: wir hatten immer Mahner und haben sie; der letzte, der mir spontan einfällt und an den ich mich lebhaft erinnere, war Roger Willemsen. Man muss die Mahner nur sehen und hören, wenn sie da sind, und nicht jedes Mal das Gleiche beklagen, als wäre es neu.

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http://signaturen-magazin.de/heinrich-boell–die-sprache-als-hort-der-freiheit.html

Auszug aus einer Rede von 1958:

„Es mag Ihnen merkwürdig erscheinen, daß einer, der sich als leidenschaftlicher Liebhaber der Sprache bekannt hat, hier eine Rede hält, die nur düstere politische Prognosen zu enthalten scheint, aus Vergangenheit und Gegenwart Worte auswählt, die tödlich gewirkt haben oder tödlich wirken können, die Zukunft aus Worten beschwört; aber der politische Akzent solcher Beschwörungen und Erinnerungen, das Mahnende und Drohende, kommt aus dem Wissen, daß Politik mit Worten gemacht wird, daß es Worte sind, die den Menschen zum Gegenstand der Politik machen und ihn Geschichte erleiden lassen, Worte, die geredet, gedruckt werden, und es kommt aus dem Wissen, daß Meinungsbildung, Stimmungsmache sich immer des Wortes bedienen. Die Maschinen sind da: Presse, Rundfunk-Fernsehen, von freien Menschen bedient, bieten sie uns Harmloses an, beschränken sich aufs Kommerzielle, Werbung, Unterhaltung – aber nur eine geringe Drehung am Schalter der Macht, und wir würden erkennen, daß die Harmlosigkeit der Maschinen nur eine scheinbare ist.“

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Rainer Mausfeld: Wie Machteliten Meinung und Demokratie steuern: https://www.youtube.com/watch?v=LBndWYhld40

Philipp Möller: „Ohne Religion wäre die Welt besser dran“: https://www.youtube.com/watch?v=PV8tUv-6X8Q

Iris Radisch zu Roger Willemsens: „Wer wir waren“: http://www.zeit.de/2016/51/roger-willemsen-wer-wir-waren

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Rainer Maria Rilke – Wenn Weihnachten naht

Wenn jemand etwas vom Werk Rainer Maria Rilkes kennt, so ist es meist eins seiner sogenannten „Dinggedichte“ aus seiner mittleren Schaffenszeit – Der Panther ist geradezu genial gelungen. Wer ihn noch nicht kennt: nachlesen oder -hören; ich verspreche nicht zu viel…

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Der Lyriker lebte von 1875 bis 1926. Zu seinem literarischen Vermächtnis gehören auch seine Briefe, von denen ca. 7000 (!) veröffentlicht wurden.

Auszüge aus einigen von diesen finden sich in dem kleinen Band Rainer Maria Rilke – Wenn Weihnachten naht, erschienen im Insel Verlag, ausgewählt und mit einem Nachwort von Hella Sieber-Rilke, der Ehefrau von Rilkes Enkel Christoph. Darin geht es in erster Linie um die Freude rund um das Weihnachtsfest, die Rilke als besondere empfunden und eher in seinen privaten Korrespondenzen als in Werken ausgedrückt hat.

Die Schriftstellerin Ursula Krechel gab 2010 auf ZEIT ONLINE zu bedenken, dass die familiäre Zugehörigkeit Frau Sieber-Rilke nicht objektiv genug auf den Großvater ihres Mannes schauen ließe, die Auswahlen der Briefe an die Mutter schon für damals erschienene Bücher nicht in ausreichendem Maße das ambivalente Verhältnis der beiden spiegelten. Diese Einschätzung wird zwar durch Sieber-Rilkes Nachwort des hier vorliegenden Buches bestätigt, aber mich hat Rainer Maria Rilkes uneindeutige Haltung zu Glauben und Religiosität stärker interessiert.

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Geprägt wird das Verhältnis zu einem religiösen Fest in der Kindheit, und Rilke konnte wohl erstaunlich viel weihnachtliche Verzauberung hinüberretten ins Erwachsenenalter. Einige seiner Äußerungen zeugen von ständiger Auseinandersetzung mit Widersprüchen, wenn zum Beispiel davon die Rede ist, dass er „gegenüber […] dem Jesus-Geschehen immer eine gewisse Skepsis behält“. Auf den ersten Blick scheinen die Empfindungen unvereinbar, denn gerade Kirchenfeste wie Ostern oder eben Weihnachten sind doch aufs engste mit „dem Jesus-Geschehen“ verknüpft…

Rilke sucht zeitlebens Kirchen auf, auch um Stille zu erfahren, und Weihnachten ist für ihn „das stillste Fest“. Sein Stille-Erleben ist mit Naturerfahrung vergleichbar: „Da es hier keine Wälder gibt, sind die Kirchen wie Wälder“, schreibt er einmal von einer Reise an Lou Andreas Salomé. Dogmatismus in Religionen lehnt er ab, schätzt dagegen Vielfältigkeit religiöser Traditionen. „Schon mit vierzehn Jahren kritisiert Rilke in einem Schulaufsatz ein Gottesbild, das Gott funktionalisiert und als Erfüllungsgehilfen menschlicher Interessen missbraucht.“

Seiner gesunden Kritik, auch im Denken und der Sprache gegenüber, seinem vorsichtigen, respekt- und demutsvollen Herantasten an eine im Grunde doch undenkbare „Höhere Macht“ ist es vielleicht zu verdanken, dass er Weihnachtsfreude immer noch nachspüren und beschreiben kann, wenn sie sich in einem Jahr aus sehr nachvollziehbarem Grund nicht einstellen will. 1914 schreibt er an seine Mutter:

Da ist nun wirklich das heilige Fest herangekommen unbeirrt durch die trübe schwere grausame Zeit, und steht vor allen Türen […] Etwas von Frieden lag immer in der Winterluft gegen diesen Abend zu, läge doch auch heuer dieses Unsagbare fühlbar da und überzeugte, überführte, überwältigte die erregten heftigen Menschen, die den Tod in die Hand genommen haben und das Unheil wider einander gebrauchen. […] Christus selbst kann nichts wider diese Völker –, und doch ist eine Macht über der Welt, die auch das umfaßt, was jetzt geschieht […] was hülfe es dem Menschen, wenn Gott ihn aufhielte und ihn an sich zum Stehen brächte; der Mensch soll merken daß, wie weit ers auch treibt, er an keine Grenze Gottes kommt, wohl aber an sein eigenes Ende.“

Rainer Maria Rilke entlässt den Menschen nicht aus seiner Verantwortung und spricht so sowohl für gläubige als auch für nicht gläubige Personen.

Im Deutschlandfunk-Artikel von Burkhard Reinartz heißt es: „Diese ambivalente Erfahrung war ihm wichtig, weil wir die Wirklichkeit auch in dieser Doppelartigkeit erleben. Wir erleben die Welt in ihrer Schönheit und in ihrer Schrecklichkeit. Und der religiöse Impetus sollte dem Menschen ermöglichen, dass er die Schönheit und den Schrecken annehmen kann, denn sie sind eben nur in dieser Doppelheit erlebbar und erfahrbar.“ Diese Sätze beschreiben für mich eine der vielleicht größten Herausforderungen des Menschen, vielleicht gerade in der Weihnachtszeit.

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Quellen:

Rainer Maria Rilke – Wenn Weihnachten naht, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2016

http://www.deutschlandfunk.de/rainer-maria-rilke-das-musst-du-wissen-dass-dich-gott.886.de.html?dram:article_id=320773

http://www.zeit.de/2010/03/L-B-Rilke-Briefe

http://www.rilke.de

 

Der Panther, gesprochen von Fritz Stavenhagen:

https://www.youtube.com/watch?v=cRuWSRjioos

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Pfingsten

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Karten-Set

Buntstift auf Klappkarte DIN A 6, farblich passender Umschlag DIN C 6

Motiv nach einem Kirchenfenster von Wolfgang Franken, St. Bonifatius, Mönchengladbach

(Auftragsarbeit) 

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Kunst und Pfingsten

Ich bin geneigt, an eine Höhere Macht zu glauben, aber mein Glauben schwankt. Meine Konfession war römisch-katholisch, aber religiös bin ich gar nicht, und ich gehöre keiner Kirche mehr an. Ich kann an keines dieser menschlichen Konstrukte wirklich glauben.

Trotzdem haben mich manche Kirchenfeste mehr angesprochen als andere. Das war zum einen das Osterfest, und zum anderen das, das gläubige Christen heute begehen: Pfingsten.

„Vom Heiligen Geist erfüllt zu werden“ oder zu sein habe ich schon als größeres Kind für mich interpretiert, und vermutlich nicht ganz im Sinne der Kirche. Buße und Taufe sind Wege einer Religion, aber es müsste doch auch für Atheisten oder Agnostiker Wege zu dem geben, was gemeint ist, wenn man diesen Ausdruck braucht: „vom Heiligen Geist erfüllt“. Vermutlich steht dieses Gefühl jedem Lebewesen offen, nur wird es ein jedes anders benennen.

Am besten gefiel mir immer diese Stelle:

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ – Apg 2,1-4 EU

Nicht nur, dass ich das schön dramatisch fand und ein bisschen gruselig – die Fähigkeit, sich auf einmal verständlich machen zu können und andere verstehen zu können, wo das vorher unmöglich war, das war für mich der Kern, das war für mich schon immer die Essenz von „Pfingsten“.

Die Bemühung dazu und den Wunsch ‚ja, so möge es sein!’ habe ich hinübergerettet ins Erwachsenenalter. Ich glaube, ich lebe den Pfingst-Gedanken, wie ich ihn – jenseits religiöser Vorgaben – schon als Kind interpretiert habe: seid und bleibt offen füreinander, für die vielen Ausdrucksformen und –möglichkeiten eines jeden Lebewesens.

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Quadro Nuevo & Cairo Steps

Wir hatten am vergangenen Wochenende das Vergnügen, zwei wunderbare Bands mit ihren emotional vortragenden und mitreißenden Gastsängern im Düsseldorfer Savoy-Kino/Theater hören und sehen zu können.

„Zwei renommierte Bands – das mehrfach mit dem ECHO ausgezeichnete Ensemble Quadro Nuevo und Cairo Steps, ein internationales Sufi-Weltmusik-Ensemble – begegnen einander in einer spannenden Mischung aus klassisch arabischer Musik, Tango Oriental, hypnotischen Grooves, Jazz und Improvisation.“

Mulo Francel, der großartige Saxophon- und Klarinettist von Quadro Nuevo, führte zusammen mit Basem Darwisch, dem Oud-Virtuosen der Cairo Steps, gekonnt und unterhaltsam durchs Programm, aufgelockert durch kurze improvisierte Gespräche mit den BandkollegInnen.

Das regelmäßige Zusammentreffen in voller Besetzung zu Konzerten sei gar nicht so einfach zu realisieren, da der „chaotische Haufen“ aus Musikern besteht, die auch solo oder in anderen Gruppierungen unterwegs sind und zudem aus verschiedenen Bundes- oder eben Weltländern kommen.

Quadro Nuevo und Cairo Steps lernten sich bei einem gemeinsamen Auftritt in der Alten Oper Frankfurt kennen, und der kreative Funke sprang über. Sie beschlossen, gemeinsame Projekte zu verwirklichen. Im Januar 2017 reisten die Musiker durch Ägypten, spielten in den Opernhäusern von Kairo, Alexandria und Damanhur und veröffentlichten anschließend ihr Musik-Album Flying Carpet. „Musik als fliegender Teppich – hinweg über die Grenzen von Zeit, Politik und Religion.“ So lag auch in Düsseldorf vorne auf der Bühne ein Teppich, der den Band-Zusammenschluss als „Kult-Gegenstand“, so Francel, auf den Touren begleitet. Er liegt dort stellvertretend für die musikalische Brücke. So ist laut Darwisch die Mission der Cairo Steps auch, eine Verbindung zwischen Orient und Okzident, Muslimen und Christen zu schaffen. Und Matthias Frey, der Ursprungspianist der Steps, erklärt dazu ganz richtig: „Wenn man sich verstehen will, muss man erstmal hören.“

Und so hörte man neben den uns hier geläufigen Instrumenten das Holzblasinstrument Duduk, die Längsflöte Nay, die Kastenzither Kanun und eben die arabische Kurzhalslaute Oud. Und man konnte die schöne Kennenlerngeschichte der Quadro Nuevo-Harfenistin Evelyn Huber mit Matthias Frey hören, die sich nach E-Mail-Kontaktaufnahme trafen und erst einmal zwei Stunden musizierten, ehe sie sich unterhielten.

Auf der Website von Quadro Nuevo ist zu lesen:

„Das Projekt Flying Carpet ist jedoch mehr als die Summe seiner einzelnen Teile. Meditativer Klang und kraftvolle Unisono-Passagen erzeugen einen Auftrieb, dem man sich nur schwer entziehen kann. Der Teppich hebt ab. Getrieben zwischen östlichen und westlichen Winden schwebt er durch neue Klanglandschaften. Er trägt uns hinweg: Über den Bodennebel trivialer Alltagsprobleme. Über die Grenzen von Kulturen und Ideologien. Über die Gräben scheinbar unlösbarer Konflikte.“

Über ihre Konzerte sagen sie:

„Obwohl wir aus unterschiedlichen Kulturräumen kommen, stehen wir voller Respekt füreinander als Freunde auf der Bühne. Wir haben die Vision, mit unserer gemeinsam entstehenden Musik Momente zu schaffen, welche eine Brücke zwischen dem Abend- und dem Morgenland spannen. Ein gemeinsamer Ritt auf dem fliegenden Teppich!“

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https://www.youtube.com/watch?v=MMI6XNpqFKw

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„… da berühren sich Himmel und Erde…“

Liebe MitleserInnen,

ich habe lange überlegt, ob ich den Text veröffentliche, und mich letztendlich dafür entschieden. Als Brief ist er zwar persönlich, aber mit den Gedanken darin gehe ich offensiv um, und sie könnten eventuell der einen oder anderen Person dienen, die auf einem speziellen Entscheidungsweg ist:

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Liebe Anna,

ich bin römisch-katholisch getauft, bin mit zur Kommunion gegangen und bin gefirmt. Mit neun Jahren hatte ich es sicher noch nicht hinterfragt, habe im Gegenteil alle Feste, die sich boten, sehr gerne begangen. Ich habe gebeichtet und die Eucharistie gefeiert. Ich mochte auch den durch Ethikfragen geprägten Religionsunterricht, nahm nur zunehmend eine Diskrepanz wahr zwischen der Theorie der Dinge und ihrer Realität. Zur Zeit der Firmung, also mit sechzehn Jahren, war diese Diskrepanz noch gut auszuhalten, zumal ich immer auch mit Menschen befreundet war, die sich in ihrer Gemeinde engagierten und bei denen ich die „gute Seite“ der Religion sehen und teilweise mit erfahren konnte. Denn diese – die gute Seite – gibt es tatsächlich. Es gibt das Helfen, den Zusammenhalt, die tröstende Gemeinschaft.

Menschen in meiner ungefähren Altersklasse heirateten, vorwiegend auch kirchlich, und so auch ich; da war ich sechsundzwanzig. Dass die Ehe nicht gehalten hat, geht aber nicht zu Lasten von Religion 😉 ; das lag an unserer individuellen Entwicklung, und mit [x] verstehe ich mich heute besser als in unserer letzten gemeinsamen Zeit. Ich habe Eheschließungen offiziell und gerne bezeugt. Freunde und Bekannte bekamen ihre Kinder und tauften sie, und zwei Familien haben mich vertrauensvoll um die Patenschaft für eines ihrer Kinder gefragt. Eins davon bist Du, Anna, und Du wirst heute gefirmt.

Es ist schwierig, die passenden Worte zu finden, denn einerseits feiere ich gerne mit Dir dieses kirchliche Fest, andererseits gehöre ich keiner Religionsgemeinschaft mehr an; ich bin unmittelbar nach unserer Scheidung aus der Kirche ausgetreten. Bei mir hat das Gefühl der Diskrepanz, seit Jugendtagen stetig gewachsen, gesiegt. Diskrepanz zwischen christlichem Anspruch und dem Umgang mit Frauen (gerade in der katholischen Kirche), Diskrepanz zwischen christlichem Anspruch und dem Umgang mit Homosexualität oder Scheidung, Diskrepanz zwischen christlichem Anspruch und fehlendem Verantwortungsgefühl in den bekannt gewordenen Kindesmissbrauchsfällen bis hin zu Vertuschungsversuchen, Diskrepanz zwischen dem Reichtum der Kirche und der Armut mancher Teile der Welt und zwischen Friedensanspruch und Instrumentalisierung mancher Gottheiten zum Machterhalt bis hin zum Krieg. Jede Religion ist menschengemacht, und jede Religion verabsolutiert ihren Glauben und meint zu wissen, „was Gott will“. Das konnte ich guten Gewissens nicht mehr mittragen.

Aber: obwohl mein Glaube schwankt, ist er noch da. Ich bezeichne mich immer noch als gläubigen Menschen, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass es nichts Größeres „über uns“ geben soll. Für mich bedeutet dieses „Größere“ aber auch, dass wir uns nicht nur keine Vorstellung machen sollten von dieser Höheren Macht, sondern es als Menschen auch gar nicht können. Niemand von uns kann behaupten, er oder sie wisse, „was Gott will“. Aber: wir können immer noch helfen, zusammenhalten, einander tröstende Gemeinschaft sein.

Das möchte ich Dir immer sein, Anna; ob Du davon Gebrauch machst oder nicht: das Angebot gilt! Als Deine Mama mir gesagt hat, was meine Aufgabe in der Kirche sein würde – hinter Dir stehen, meine Hand auf Deiner Schulter – da habe ich dieses Bild vor mir gesehen, und es hat mich sehr berührt. Da wird heute jemand anderes stehen, der es nicht minder ernst mit Dir meint und seine Sache in jeder Beziehung gut machen wird, und es kann sein, dass ich ein Tränchen verdrücke. Sei versichert, dass auch ich immer hinter Dir stehen werde und, wenn Du es möchtest, Dich allezeit in Deinem Sinn begleite.

Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit sind neben dem Glauben Wertebegriffe der Christenheit. Ich denke heute, dass man sie sehr glaubwürdig innerhalb wie außerhalb einer Religionsgemeinschaft leben kann, und in diesem Sinne – wenn auch nicht mehr in den Augen der Kirche – bleibe ich also

Deine Patentante Sabine

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Kunst als Religion?

Borgeest war schon einmal Thema zum Thema auf: http://thinglabs.de/2015/10/warum-fragen-wir-die-kuenstler-nicht-einfach/ ; ein Gespräch dazu gibt’s bei den Kommentaren,

http://thinglabs.de/2015/11/kunst-als-religion/ ,

und das Thema auch beim ’seminar‘: http://www.stefanbeck.de/das-seminar/mp3/das_seminar_13-11-2015_live_RadioX.mp3

und auf der facebook-Seite des ’seminar’s https://www.facebook.com/dasseminar/?fref=ts :

Stefan: „Wenn es keine rationale Begründung für Kunst geben kann, ist die Kunst eine der Religion ähnliche Glaubenssache.
Was sind die Folgen?
Können wir uns eine Zeit nach der Kunst vorstellen?“

Sabine: „Ich kann es verstehen, dass man solche Vergleiche zieht… Wenn in 100 Jahren keiner mehr erklären kann (unabhängig davon, dass er es rein physisch nicht kann, weil er tot ist 😉 ), was ihn mit Kunst verbunden hat, dann bleibt der Charakter des Statussymbols (Marktwert) und – eventuell daher rührend – der Modeerscheinung (als gesellschaftlicher Zwang; die und die Ausstellungen dieser und jener Berühmtheiten der Szene muss/te man gesehen haben).
Das, was man auch in 100 Jahren noch verstünde: persönliche Begeisterung aus persönlich erklärter gleich begründeter Betroffenheit, wird ohne die Menschen, die das erzählen, weit nachfolgenden Generationen kaum vermittelbar sein.“

 

Mich hat das Bild, das Stefan bei seiner Radiosendung auf den Borgeest’schen Essay bezogen verbal gemalt hat, beschäftigt: Es könne sein, dass in 100 Jahren nicht mehr nachvollzogen werden könnte, warum Menschen in ein Museum gegangen seien, um sich ehrfürchtig Exponate anzusehen, und ebenso wäre es denkbar, dass man kein Verständnis mehr hätte für eine private Sammlung heute als wertvoll geltender Bilder.

Auch ich kann mir dieses Szenario vorstellen, aber nicht ohne eben dieses „aber“, das schon in meiner facebook-Antwort angeklungen ist.

Man stelle sich das Bild einer Warteschlange vor den Toren eines Museums vor; die Ausstellung ist eine international stark beworbene Tournee. Nun zoomt man näher ran und befragt stichprobenartig, aber in regelmäßig unregelmäßigen Abständen die Wartenden, warum sie die Ausstellung gerne besuchen würden. Für mich ist es relativ unvorstellbar, dass nicht alles an Antworten dabei wäre, das man sich vorstellen kann; es wird die komplette Bandbreite sein zwischen dem „mitlaufenden Laien“, der sich anguckt, was da auf Plakaten, in der Zeitung, im Fernsehen usw. groß beworben wird und ansonsten erst einmal keine Erwartung hegt, vielleicht auch nur gerade vor dem beginnenden Regen flüchten will, und dem neugierigen Kunstverständigen, der noch dazu einen Platz im „System Kunst“ besetzt.

Bildwechsel: eine vollbesetzte Kirche. Erst einmal steht nur eine Sache fest: alle derzeit sichtbaren Menschen befinden sich in dieser Kirche. Zoomt man näher ran, wird bald klar: ein Agnostiker begleitet seinen Enkel, der bald zur ersten Kommunion geht, ein junges Paar ist gerade erst wieder einer Religionsgemeinschaft beigetreten, weil es kirchlich heiraten möchte, einer ist dort jeden Tag und überlegt, in ein Kloster einzutreten, jemand ist dort, weil er ein Fan von Holzschnitzereien ist; er ist zufällig in die Messe geraten und wartet sehnsüchtig auf deren Ende…

Erst der Zoom zeigt, ob und wie jemand seine derzeitige Gruppenzugehörigkeit mit Leben füllt, und erst dieses Leben zeigt, zeitigt Authentizität oder eben nicht.

Gäbe es in 100 Jahren nur noch Bilddokumente von riesigen Warteschlangen vor Museen, und gäbe es keine Menschen mehr, die ihre Begeisterung für Kunst für andere Menschen mit Leben füllen, wären diese Bilddokumente in der Tat skurril.

Für mich ist eher vorstellbar, dass sich die Menschen in Jahrhunderten durch zunehmende Aufklärung und Säkularisierung zumindest vom Zwang einer gemeinschaftlichen Gottesanbetung befreien als dass sie aufgeben, sich untereinander auszutauschen, und Kunst ist für mich die freiheitlichste Idee eben dieses Austauschs. Dieser ist eine der rationalsten Begründungen, die ich überhaupt denken kann. Die Bedingungen des „Systems Kunst“ können noch oft geändert werden; ich kann Kunst auch denken ganz ohne den Betrieb um sie. Deswegen ist es nicht mal Zuversichtlichkeit zu nennen, dass ich der Überzeugung bin, dass es immer Kunst geben wird. Vielleicht – hoffentlich – eines Tages ohne jegliche zusätzliche Etiketten.

 

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Kunst und Pfingsten

Kunst und Pfingsten

Ich bin geneigt, an eine Höhere Macht zu glauben, aber mein Glauben schwankt. Meine Konfession war römisch-katholisch, aber religiös bin ich gar nicht, und ich gehöre keiner Kirche mehr an. Ich kann an keines dieser menschlichen Konstrukte wirklich glauben.

Trotzdem haben mich manche Kirchenfeste mehr angesprochen als andere. Das war zum einen das Osterfest, und zum anderen das, das gläubige Christen heute begehen: Pfingsten.

„Vom Heiligen Geist erfüllt zu werden“ oder zu sein habe ich schon als größeres Kind für mich interpretiert, und vermutlich nicht ganz im Sinne der Kirche. Buße und Taufe sind Wege einer Religion, aber es müsste doch auch für Atheisten Wege zu dem geben, was gemeint ist, wenn man diesen Ausdruck braucht: „vom Heiligen Geist erfüllt“. Vermutlich steht dieses Gefühl jedem Lebewesen offen, nur wird es ein jedes anders benennen.

Am besten gefiel mir immer diese Stelle:

„Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen zerteilt, wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem heiligen Geist und fingen an, zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.“ – Apg 2,1-4 EU

Nicht nur, dass ich das schön dramatisch fand und ein bisschen gruselig – die Fähigkeit, sich auf einmal verständlich machen zu können und andere verstehen zu können, wo das vorher unmöglich war, das war für mich der Kern, das war für mich schon immer die Essenz von „Pfingsten“.

Die Bemühung dazu und den Wunsch ‚ja, so möge es sein!’ habe ich hinübergerettet ins Erwachsenenalter. Ich glaube, ich lebe den Pfingst-Gedanken, wie ich ihn – jenseits religiöser Vorgaben – schon als Kind interpretiert habe: seid und bleibt offen füreinander, für die vielen Ausdrucksformen und –möglichkeiten eines jeden Lebewesens.

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