Bei Nichtbeachtung droht vielleicht irgendwann mehr als „Kunstverlust“…

„Ich habe miterlebt, wie Jugendliche, die noch nie etwas mit Kunst zu tun hatten, nie in einem Museum waren, durch einen Kunstworkshop angefangen haben zu strahlen. Sie wirkten plötzlich selbstbewusst, kreativ, individuell und interessiert an allem, was über ihren bisherigen ‚Tellerrand‘ hinausging. Aus diesem Grund müssen wir unseren Blick nach vorne richten und dieses Potenzial stärken, denn ohne Kunst würde unsere Gesellschaft eingehen.“ [Juliane Köhler]

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Warum ist es durch Kunst so niederschwellig möglich, Interesse, gar Selbstbewusstsein zu erleben?

Ich denke, weil jeder einen natürlichen Zugang zu ihr hat oder haben könnte, gerade in jungen Jahren. Mit zunehmendem Alter wird dieser natürliche Zugang immer mehr zugestellt mit Erwartungen der Umwelt, die in die jungen Menschen kriechen und irgendwann als eigene Haltungen erlebt werden. Auch Kunst hat in der Gesellschaft ein Gerüst, einen starren Rahmen, den man schon spürt, wenn man nur die Bezeichnung nimmt: Kunst. Der Begriff ist abstrakt; jeder füllt ihn anders. Ein Teil der Gesellschaft sieht ihn als Qualitätsbegriff an: alles, was so genannt wird, ist durch einen Filter gelaufen, hat „Tests“ bestanden, ist von „Experten“, deren Urteil wir vertrauen, für gut befunden worden, gut genug, diesen „Titel“ zu tragen. Junge Menschen, die mit dieser Begriffsdefinition aufwachsen und sie verinnerlichen, werden, wenn sie „offiziell“ einen zum Beispiel naturwissenschaftlichen Weg einschlagen, kaum wagen, auch noch „Kunst“ zu machen oder auch nur diese Neigung verspüren. Das eigentlich so leicht zu weckende Gefühl, das Juliane Köhler bei ‚KunstVerLust‘ beschreibt und das Menschen sich gut und zufrieden fühlen hilft – zu Frieden – wird leichtfertig weggegeben zugunsten eines Lebens im Wettbewerb.

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Und ist das nicht genau der richtige Ansatz, auch jenseits von Kunst? Zu welchen Themen könnt Ihr Euch Workshops vorstellen, die bereits im Jugendalter ihren Anfang nehmen und über reine „Beschäftigungstherapie“ hinausgehen können? Wie könnten sich Jugendliche – selbstverständlich freiwillig! – einbringen können, ohne ihre kostbare Frei- oder Schulzeit zu opfern; vielleicht gekoppelt an den Unterricht? Kann Unterricht nicht generell anders gestaltet werden? Wie erreicht man Schüler, die ihrer Herkunft (Sprachbarriere, Kulturbarriere) oder Wohnsituation nach benachteiligt sind, wenn man den Maßstab unserer Gesellschaft anlegt?

Wodurch wird der erste Funke für Beteiligungswunsch entzündet?

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http://www.kunstverlust.de/galerie/2015/12/23/juliane-khler

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Und – was hältste eigentlich von Mandy?

 „Stellt man die Frage danach, welche Arbeitsweisen und Inhalte von Unterricht und speziell Kunstunterricht für Schüler/-innen relevant sein könnten, begibt man sich auf vages Terrain.

Mit Methode Mandy rücken wir das Wissen und Können von Schüler/-innen abseits vonschulischen „Abfragesituationen“ in den Fokus. Wir wollen erfahren, über welche Kenntnisse und Interessen die Schüler/-innen verfügen und was davon sie anderen vermitteln wollen würden. Davon ausgehend interessiert uns, inwiefern dieses Wissen und Können der Erweiterung eines jetzigen Kunstunterrichts dienen kann. Wir arbeiten in verschiedenen Phasen gemeinsam mit 25 Schüler/-innen an möglichen und nötigen Formen des Könnens in Anbetracht uns unbekannter Zukünfte. Was werden wir können müssen oder was sollten wir in der Lage sein zu tun und zu denken?

Mandy ist in der Logik von Schule ein Name, der nicht unbedingt mit Attributen wie „freundlich“ und „leistungsstark“ in Verbindung gebracht wird. 2012 wurde der Name im Kontext des Bundeskongresses der Kunstpädagogik (BuKo12) von einzelnen Akteuren/-innen als Hashtag und Code verwendet, wobei Mandy in den Tweets als „Geist der zukünftigen Kunstpädagogik“, aber auch als „bissig“ beschrieben wurde.

Obgleich es kein einheitliches Verständnis von „Code Mandy” gab und gibt, wurde der Name für „unterschätzte Teilhabe“, „ungehörte Stimmen“, „diskursferne Inhalte“ und ein gewisses Verständnis von Widerstand gegen den derzeitig gängigen Diskurs im Fach Kunstpädagogik verwendet.

Methode Mandy ist ein Projekt im Prozess und dabei als Forschungswerkstatt zu begreifen, die über verschiedene Phasen explorativen Vorgehens Material und Informationen zu erheben sucht, um bisher Marginalisiertes (mitbe)denken zu können.

In unserem Vortrag gaben wir einen Einblick in das Projekt zum Bundeskongress der Kunstpädagogik 2015 in Salzburg und beleuchteten den Begriff „Können“ exemplarisch sowohl in seinen historischen Dimensionen als auch aktualisiert durch gegenwärtige Tendenzen. Daran schlossen sich Überlegungen zu den Begriffen Kompetenz und Kanon an und damit einhergehend zu Chancen und Herausforderungen dieser Begriffe und ihrer institutionellen Rahmenbedingungen. 

Wie kann sich Methode Mandy nun weiterentwickeln? Welche Zumutungen bringt die Erhebung für Lehrende und Schüler/-innen (und für die institutionalisierte Bildung)? Wie kann implizites Wissen und Können explizit werden? Wie kann das Wissen um das “andere” Können sich als dauerhafte Variable in die Institution Schule einschreiben bzw. was bedeutet es, wenn man davon ausgeht, dass Schule sich parallel zu gesellschaftlichen Veränderungen immer wieder aktualisieren muss? – Ein Widerspruch?

Methode Mandy ist ein Raum des freien Programmierens von Handlungen und Kommunikation, von Können, von Wissen und von möglichen zukünftigen Gegenwarten. Und letztlich ist es auch ein Denk- und Erprobungsraum für alle Beteiligten.

Methode Mandy: Annemarie Hahn, Robert Hausmann, Kristin Klein, Gila Kolb, Matthias Laabs, Konstanze Schütze“

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Ab welchem Alter…

… verliert man das bedingungslose Mitgefühl seiner Mitmenschen? Und wie alt muss ein Mensch sein, dass man ihm nicht mehr zuhört, egal, welche Ausdrucksmöglichkeit er anwendet?

In diesem Alter

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geschieht es noch nicht; da deutet man jedes Brabbeln, jeden Gesichtsausdruck und jede Körperregung, um den kleinen Menschen bestmöglich zu deuten; von „verstehen“ kann noch keine Rede sein.

Babies, die in Kriegsgebieten oder Armutsländern geboren werden, bedauert man von Herzen, so man zu Empathie fähig gemacht worden ist. Man weiß: Chancen für das neue Leben sind in jedem Bereich klein bis nicht vorhanden; elterliche Zuwendung beschränkt sich auf das Notwendigste, weil man mit größtem Hunger, Perspektivlosigkeit und/oder Bomben- oder sonstiger Geschossflucht nicht an besondere Kindesförderung denken kann. Theoretisch versteht das jeder…

Auch Kleinkinder genießen noch Welpenschutz.

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Wie alt muss ein Mensch sein, dass seine Mitmenschen ihm diesen Schutz nicht mehr zugestehen, dass sie alle Verantwortung bei ihm sehen?

Etwa in diesem Alter?

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Wohl noch nicht. Da wird dem Heranwachsenden eher zur Last gelegt, wenn die Noten zu schlecht sind und er sich nicht mit anstrengt, etwas zu verbessern. Wenn er oder sie denn zur Schule gehen kann

Wenn er oder sie nicht zur Schule gehen kann, weil es der Familien-Clan nicht erlaubt, die Schule weggebombt wurde oder er in einem Landstrich der Erde lebt, wo keine Schulbildung vorgesehen ist oder er nach vierstündigem Joggen das Unterrichtshaus erst erreicht (und das ist nur der Hinweg, und die schulische Ausbildung beschränkt sich auf Lesen, Schreiben und Rechnen), was kann man ihm oder ihr dann zur Last legen? Mit 12, 13 Jahren?

Und was ist, wenn der Mensch ungefähr 20 Jahre alt ist?

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Vielleicht hatte er das Glück, nicht in einem Kriegsgebiet oder Armutsland zur Welt gekommen zu sein, konnte zur Schule gehen und hat neben Rechnen und Schreiben eine gewisse analytische Art zu denken gelernt, die ihn befähigt, sich und sein Umfeld zu hinterfragen. Vielleicht hat sich durch diese Art der Erziehung ein Interessenfeld aufgetan, in dem er sich zuhause fühlt, und dadurch, dass er jede Nacht sicher in einem physischen Zuhause schläft, kann er die Dinge weiter pflegen, die ihn interessieren, sich menschlich weiterentwickeln und weiterbilden. (Menschlich weiterentwickeln kann sich selbstverständlich jeder; mir geht es darum, die Bedingungen aufzuzeigen, unter denen das geschieht, aufzuzeigen, wie wir urteilen, was wir von Mitmenschen im Grunde verlangen, ohne auch nur ein Fitzelchen dazu berechtigt zu sein. Wodurch oder durch wen soll eine solche Berechtigung jemals ausgesprochen worden sein oder werden?)

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Kommen Schicksalsschläge, federt ein solcher geborgener Mensch sie sicher anders ab als jemand, der unsicher und ungeborgen aufgewachsen ist, vielleicht viele Menschen hat sterben sehen, vielleicht auf grausamste Art, vielleicht die nächsten Angehörigen… und ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass sich unter dieser Art Stress – und Hunger und Perspektivlosigkeit reichen da vollkommen aus; das für diejenigen, die lediglich Kriegsflüchtlingen zugestehen, eine halbwegs richtige Entscheidung getroffen zu haben – auch Verhalten ändern kann? Es geht mir nicht um ein übermäßiges Täterverständnis, wo ein Mensch zum Täter geworden ist; es geht mir um unser inneres Beurteilungssystem und um den Wunsch, meine Mitmenschen mögen doch bitte mit mir an einer Gesellschaft arbeiten wollen, in der Menschen empathisch miteinander umgehen, das heißt zum Beispiel auch Traumata in eine solche Beurteilung eines anderen Menschen mit einfließen lassen. Dann bleibt ein Vergewaltiger ein Vergewaltiger und ein Mörder ein Mörder, aber die gesellschaftlichen Bedingungen für solche Taten werden eventuell ein bisschen wichtiger genommen, die gemeinsame Arbeit an einem sozialen Zusammenleben unter fairen Bedingungen wird eventuell irgendwann ein bisschen wichtiger genommen.

Ab welchem Alter verurteilen wir Mitmenschen, die aus Krieg und Armut fliehen? Wie alt sind sie, wenn wir beginnen, sie zu beurteilen, zu beurteilen, was wir nicht alles „an ihrer Stelle“ anders gemacht hätten (zum Beispiel AUF JEDEN FALL in der zerbombten und zerrüteten Heimat bleiben, weil diese ja auch wieder aufgebaut werden muss – welche Unterstützung die Menschen dort dazu bekommen, ist uns dann wieder egal –, AUF JEDEN FALL in der tiefsten Perspektivlosigkeit bloß ja in der Wellblechhütte bleiben, weil ja nicht jeder sein Land verlassen kann, bloß, weil er arm ist), sie zu verurteilen dafür, dass sie nicht privilegiert geboren wurden?

Wenn wir schon da unsere Herzen, Augen und Ohren zu machen, wenn die Hilfeschreie aus den Ländern, vom Mittelmeer, aus den Wellblechbehausungen aller Welt eigentlich nicht überhört werden können: wie können wir, wie kann ich erwarten oder auch nur hoffen, dass einem künstlerischen Ausdruck eines Mitmenschen auch nur ein Bruchteil Aufmerksamkeit zuteil werden möge?

Aber ich erwarte es weiterhin und ich werde es weiterhin geben. Jedweder Ausdruck eines jedweden Menschen ist ein wichtiger Bestandteil unserer Gesellschaft, ein Hinweis, in welche Richtung es gerade läuft und die Grundlage für eventuell wichtige Neuverhandlungen der Weltgesellschaft.

Viele können derzeit nur um Hilfe bitten, und wenn die praktisch nicht gegeben werden kann oder politisch nicht in ausreichendem Maße gegeben werden soll, wenigstens um das Verständnis ihrer glücklicheren Mitmenschen. Das ist das Mindeste. Weil sich kein Mensch unabhängig von seiner Umgebung entwickelt, von der Gesellschaft, in die er zufällig hineingeboren ist.

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Vision

Ich kann und möchte niemanden benennen und einzelne Personen „bewerben“ – ich bewerbe die Idee, dass man offen durchs Leben gehen sollte. Niemand ist in allem, was er künstlerisch tut, eine Bereicherung für jeden, aber jeder kann eine Bereicherung für JEMANDEN sein. Mir ist bewusst, dass sich das nicht mit einem Ausschluss-System decken kann und auch die Versorgungsfrage nicht beantwortet. Mir reicht – bezüglich Duchamps Urinal-Beispiel aus „Benennung und Inhalt“, dem Beitrag vom 20. Juni – dass nicht ich und auch niemand anderes tatsächlich vollkommen ausschließen kann, dass es solche Ideen außerhalb des Kunstmarktes geben KANN.

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Ich möchte das ganzheitliche Denken, das ich nicht von Jugend an hatte, nicht mehr aufgeben, eher noch weiter trainieren. Gerade der künstlerische Bereich bietet sich dafür an, da er eine Sache behandelt, die so unmittelbar zum Menschen gehört: seine Freiheit im Denken, sein Ausdruck.

Wie könnte ich, wenn ich einmal damit angefangen habe, einzelne Bereiche vom ganzheitlichen Denken ausschließen? Wenn man zum Beispiel Lehren und Lernen auch vollkommen anders begreifen und aufziehen könnte (was man könnte!), hätte das Auswirkungen auch auf die Kunst.

Vielleicht so:

Meinetwegen würde irgendwann keiner mehr „Künstler“ genannt, weil jede Arbeit eines jeden gleichwertig nebeneinander stünde. Es gäbe keine „Berufskünstler“.

Unter anderem das, was heute in künstlerischer Hinsicht in Therapien gemacht wird, um Menschen in Heilungsprozessen zu unterstützen, wäre Teil eines wichtigen Schulfachs, um den Kontakt zu sich selbst nicht erst finden zu müssen, sondern stetig aufrechtzuerhalten mittels kreativer Ansätze.

(Ach ja: das Fach „Religion“ wäre komplett durch Ethik-Unterricht ersetzt, und Fächer solcher -humanistischer- Art könnten kombiniert unterrichtet werden, wie auch die Naturwissenschaften untereinander.)

Lehrer wären angesehen und würden anders ausgebildet (zum Beispiel nicht so allein gelassen bezüglich didaktischer und sozialer Fragen), und die Berufe, die die Schüler später in künstlerischer Hinsicht ergreifen könnten, wären wieder „Lehrer“, oder es ginge in Richtung „Therapie“. Es wäre niemand gezwungen, aber ganz viele würden gewohnt sein, sich künstlerisch auszudrücken. Ein diesbezüglicher Hype um etwas oder jemanden wäre geradezu lächerlich.

Für alle die, die die Schätze der Kunstwelt in Gefahr sähen: alles gäbe es noch, und es würden auch weiter neue Dinge entstehen (zum Beispiel Netzkunst, die es vor wenigen Jahrzehnten noch nicht gab, nicht geben konnte). Weil der Hype um Einzelnes wegfiele und es stattdessen viel, viel mehr gäbe, müsste man neue Wege ausprobieren, Kunst zu zeigen und erfahrbar zu machen, was tatsächlich das Museum, wie es jetzt noch existiert, in Frage stellte.

Auch andere Berufe wären von den Änderungen betroffen; die Arbeitszeit wäre reduziert; Menschen hätten mehr Zeit für ihre Selbstbestimmung, und Sozialdienste wären eine Art Pflichtprogramm, das, vielleicht kommunal verwaltet, jeder nach seinen Neigungen und Fähigkeiten in seine Woche einbinden müsste. Die Hilfe bei der Pflege Angehöriger würde enorm ausgebaut; es gäbe keine finanziellen Einbußen deswegen.

Berufe, die rund um die Uhr besetzt sein müssen (wie zum Beispiel die Feuerwehr), hätten dafür genügend Personal, um das neue verkürzte Zeitmanagement stemmen zu können.

Und alle hätten ein Auskommen.

Einige Schulfächer blieben ganz ähnlich wie schon jetzt, zum Beispiel Fremdsprachen oder die Naturwissenschaften. Wie gute Denker in ihren Gebieten am besten gefördert würden, läge sehr in der jeweiligen Natur des Fachgebietes. Auf diesen Gebieten hielte ich auch Studiengänge wie heute angeboten weiterhin für sinnvoll, nur würde ich mir alles praktischer wünschen, von der Schule an. (In meiner Schule würden die Menschen nicht mit zehn Jahren in trennende Systeme einsortiert und müssten auch nicht mit siebzehn „fertig“ sein.)

Mir fällt keine bessere Methode ein, Menschen zu zeigen, „was alles mit ihnen zu tun hat“. Und auch keine bessere, jenseits unterschiedlicher menschlicher Charaktere Missbrauch vorzubeugen, z. B. im Umgang mit künstlicher Intelligenz oder Forschungsergebnissen, die Dinge möglich machen, die vielleicht aber nicht wünschenswert sind und/oder stetige öffentliche Diskussion und Begleitung erfordern.

Die Disziplinen müssten miteinander ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben. Diesbezügliche Arroganz würde ebenfalls als lächerlich empfunden, könnte sich aber auch nicht mehr gut entwickeln.

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Meine Gedanken erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit; ich fühle mich, als hätte ich gerade erst konkret darüber nachzudenken begonnen, und ich habe selbstverständlich keine Beweise für die daraus folgende Entwicklung einer „besseren Welt“. Aber ich glaube es, weil, wenn Dinge davon im Kleinen umgesetzt werden (spielerisches Lernen, Kunsttherapie, guter Ethik-Unterricht), man bei den Menschen direkt eine Veränderung bemerkt. Warum sollte man gute Ideen, Dinge, die für den Menschen funktionieren, nicht lostreten und in einem stetigen Prozess weiterentwickeln?

Dass so vielen Menschen Kunst nicht nah ist (was so ist), halte ich für eine Fehlentwicklung unseres politischen und gesellschaftlichen Systems (neben vielen anderen Dingen).

Ich führe es unter anderem auch darauf zurück:

http://www.alphabet-film.com/ :

Mit erschreckender Deutlichkeit wird nun sichtbar, dass uns die Grenzen unseres Denkens von Kindheit an zu eng gesteckt wurden. Egal, welche Schule wir besucht haben, bewegen wir uns in Denkmustern, die aus der Frühzeit der Industrialisierung stammen, als es darum ging, die Menschen zu gut funktionierenden Rädchen einer arbeitsteiligen Produktionsgesellschaft auszubilden. Die Lehrinhalte haben sich seither stark verändert und die Schule ist auch kein Ort des autoritären Drills mehr. Doch die Fixierung auf normierte Standards beherrscht den Unterricht mehr denn je.“

In der sehenswerten Diskussionsrunde https://www.youtube.com/watch?v=lk98IRFTWNs , die zum Thema hat, ob der Mensch ein Feindbild braucht, spricht Rüdiger Lenz so ab ca. Stunde 2:20:… „das ganze Spektrum von Bildung“ an. „Wir brauchen Menschen, die an sich selbst reifen […] wir brauchen Menschen, die Gestalter werden.“

Ich kann mir nicht vorstellen, dass, wenn solche Gedanken in der Gesellschaft ehrlich ernst genommen würden, das keine enormen und vor allem guten Auswirkungen auf alle Bereiche des Lebens hätte…

und eben deswegen auch auf die Kunst.

 

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Wenn ich Kunstlehrerin geworden wäre…

Wenn ich Kunstlehrerin geworden wäre…

Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen: ich hatte das nie vor. Aber ich denke immer häufiger, dass das, was ich in einem Schulfach „Kunst“ gerne vermitteln würde, was ich als eine Lehrerin für die Kunst gerne vermitteln würde, nicht so verkehrt wäre – obwohl das Kultusministerium das vielleicht anders sähe 😉 .

Wenn ich mir wiederum ansehe, wie die www.schulentwicklung.nrw.de die Aufgaben und Ziele des Fachs beschreibt, dann ist das nicht weit entfernt von meinen Wünschen und Zielen für eine ganzheitliche schulische Erziehung. Ich lese das und denke: das muss doch Spaß machen! Und zwar sowohl als Schüler als auch als Lehrkraft! (Voraussetzung ist natürlich, dass Etat für Material, genügend Raum für alle und alles da ist und genügend KollegInnen für das Fach an der Schule sind, damit nicht Frust die Fantasie erstickt, und die KollegInnen der anderen Disziplinen an einer fächerübergreifenden Schulbildung für die gemeinsamen Schutzbefohlenen interessiert sind. Und dass die sich nicht in Konkurrenz zueinander fühlen. Und dass die Direktion mitzieht. Und dass der Dezernent mitzieht. Und und und und und. Und dann:) Ring frei für einen im wahrsten Wortsinn fantastischen Kunstunterricht!

Glücklicherweise muss ich mich bei meiner Kunstvermittlung nicht mit den in der Klammer lauernden möglichen Problemen herumschlagen, unglücklicherweise hört mir kein Klassenverband zu, der geradezu erwartet, dass ich ihm etwas beibringe (oder auch nicht; noch ein „Klammerproblem“ 😉 )…

Meine Kunstvermittlung – das klingt erstmal laut; im Grunde ist es bescheiden. Mein Schwerpunkt läge in jedem Fall darin:

[…] Im Besonderen erkennen sie, dass unterschiedliche Bildkonzeptionen – auch vor dem Hintergrund ästhetischer Normen und möglicher geschmacklicher Vorprägungen – gleiche Gültigkeit haben können. […] Dadurch werden sie in die Lage versetzt, auch über Zwischenergebnisse und unerwartete Lösungen zu reflektieren und Lösungen anderer wertzuschätzen. […]“

Das ist nichts anderes als die Anleitung zur Offenheit, einer Öffnung zum Menschen hin, und ich meine das weder moralisch noch abstrakt. Ich möchte es so verstanden wissen, dass diese Öffnung immer den Menschen direkt betrifft, dem du gerade gegenüber stehst, und dass nicht nur er etwas davon hat, sondern auch du.

Ist es nicht so, dass die allermeisten Leute ihre Mitmenschen schon vor einer beurteilungsfähigen Begegnung klassifizieren, inwiefern das, was diese gleich erst sagen werden, ihnen etwas sagen, etwas „bringen“ wird? Wäre es nicht schön, selbst immer so angehört zu werden, als hätte unser Gegenüber nicht vielleicht schon vor Jahren ein negatives Urteil über uns gefällt, das wie ein Regenwölkchen über jeder Aussage hängt, die wir machen und alles, was wir je von uns geben, im Sinne dieses Urteils einfärbt? Wäre es nicht wünschenswert, dass, wenn wir nicht sofort in unserem Sinn verstanden werden, wir uns nicht unmittelbar verständlich machen können, unser Gegenüber nachfragt statt abwinkt?

Kunst kann nur gelebt werden, wenn wir nicht abwinken. Dafür einzustehen und zu werben für offene Augen, Ohren, Herzen und Hirne, dazu trete ich an.

http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplannavigator-s-i/gymnasium-g8/kunst-g8/kernlehrplan-kunst/aufgaben-und-ziele-des-faches/aufgaben-und-ziele.html

 

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