Kunst für soziale Arbeit

Ein schöner Bericht über die wichtige Arbeit meiner Kreativkollegin Katrin:

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http://m.rp-online.de/nrw/staedte/krefeld/kunst-heilt-geschundene-kinderseelen-aid-1.7311552

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Betreff: Kontakt von Frau Schneider

Gestern fragte eine Galerie an, ob ich nicht Interesse hätte, meine „großARTigen“ Bilder bei ihnen auszustellen; sie würden wunderbar in ihre April-Ausstellung passen. Oder in die von Mai. Oder in irgendeine andere zukünftige, alle schon terminiert und betitelt. Oder ich solle mir doch einfach auf ihrer Website eine aussuchen.

Früher hätte ich geantwortet. Nicht zustimmend, wie manche Leser jetzt vielleicht meinen könnten, nicht in freudiger naiver Erwartung kommender Unterstützung und Wertschätzung, sondern ich hätte gerne ausführlichst erzählt, warum ich mich auch gut selbst verarschen kann. Dazu brauche ich Frau Schneider nicht (die übrigens das Schreiben auch nicht durch ihre Unterschrift geadelt, sondern das man als ansonsten namenloses „Team“ unterschrieben hat).

Heute finde ich meine Antwort im Blog besser aufgehoben.

Was mich am meisten empört, ist die womögliche Geldschneiderei (wie passend!), die mit Menschen versucht wird, die eh keins haben, und wenn, dann sicher nicht durch ihre Kunst. Stellt man als No-Name im Internet aus, ist das einer der allerersten Schritte, sich von künstlerischer Seriosität zu verabschieden. Es wird Kreative geben, die das überrascht; den allermeisten wird diese Erkenntnis aber nicht neu sein. Und über eben diesen Weg habe besagte Galerie mich „zufällig“ gefunden. Man stelle sich das mal vor: zufällig! Und dann passen meine Bilder auch noch zufällig genau in die Ausstellung von April! Oder Mai. Oder in eine der übrigen zukünftig geplanten.

Ob sie tatsächlich Geld nehmen, weiß ich nicht; das geht aus der Website nicht hervor. Man muss aber davon ausgehen, und zwar nicht auf die Art, wie man es kennt: erst muss verkauft werden, ehe Geld geteilt werden kann. Und am Anfang steht eben das Vertrauen einer Galerie in den potenziell Ausstellenden, dass überhaupt Geld aus Kunden-Portemonnaies ins Haus fließt, weil der Kunde/Sammler sich etwas vom Kauf des Werkes verspricht. Und würde keine Arbeit dieser ganzen No-Names je verkauft: wie finanziert die Galerie wohl ihre Räumlichkeiten, den Strom, eventuelle Events, die dazugehören, will sie ihre KünstlerInnen wirklich „betreuen“ (Präsentation, Organisation – inkl. steuerlicher und rechtlicher Fragen – und Vermarktung)? Die Antwort kann nur sein: die armen Naivlinge, die auf bekannter-Werden hoffen, müssen monetär bluten.

Wenn man der Galerie mal zugutehalten will, dass es sich um eine sogenannte Primärmarkt-Galerie handelt, die durchaus neue, unbekannte KünstlerInnen ausstellt und verkauft, bleibt immer noch das Problem, dass sie mit mir jemanden angesprochen haben, der a) 50 Jahre alt ist, b) keine akademische Ausbildung hat, c) von dem sie nicht wissen, wie verlässlich er in welchem Turnus und in welcher Quantität „liefert“ – ja d): sie die Person eben überhaupt nicht kennen! Ich ziehe also das Fazit: weder die Galerie vertraut mir noch ich ihr, Geld ist weder für mich noch für sie zu erwarten, aber wenn, dann eher für sie, nämlich erst mal von mir. Und ich wäre gespannt, zu erfahren, wie diese Galerie potenziellen Käufern gegenüber meine „Marktentwicklung“ einschätzte – was absurd lustig ist, da es diese Entwicklung selbstverständlich nicht gibt, so dass auch potenzielle Käufer dieser Galerie zumindest nicht vertrauen dürften.

40 % der Galerien im deutschsprachigen Raum machen Verluste. Mich würde überraschen, gehörte diese hier nicht dazu. Ernsthaft interessieren würde mich, durch welche Finanzierungsart sie besteht; es steht nicht zu erwarten, bei Nachfragen eine ehrliche Antwort zu erhalten.

Was mich zusätzlich empört, aber worüber ich durch die ganzen Über’n-Tisch-Zieh-Versuche, denen man ausgesetzt ist – ob persönlich, per Telefon oder Mail/Brief – mittlerweile gelassener hinwegsehe, ist die dreiste Unpersönlichkeit der Ansprache.

Man kann nur hoffen, dass den allermeisten Angeschriebenen das auffällt und die dubiose „Galerie“ ihnen gestohlen bleiben kann.

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Unabhängig von all dem stelle ich durch die Jahre fest: es ist nicht planbar, ob, wie oder wann einen anderen Menschen meine ur-persönliche kreative Arbeit anspricht. Egal, ob sie sich in real existierenden oder in virtuellen Räumen zur Ausstellung befindet. Ob ich seriös, unseriös oder überhaupt nicht beworben werde beziehungsweise mich selbst bewerbe. Ob mich noch so viele loben oder mich monatelang weder Lob, noch Kritik, noch lediglich eine Frage zu meiner Arbeit erreicht.

Mein Bedürfnis, auszustellen, schwand mit dieser Erkenntnis zusehends. Die Menschen, die mich immer mal wieder fragten, „wann ich nochmal ausstelle“ waren sehr oft nicht die, die mir zur Zeit dieser Ausstellungen besonders viel Interesse entgegenbrachten, so dass ich die Frage nicht oder lediglich als Smalltalk verstehen konnte.

Ich habe immer öfter festgestellt, dass es die tatsächlich zufälligen Begegnungen waren, die eine gewisse Auseinandersetzung und manchmal sogar einen kleinen Austausch brachten. Ich bin sicher, dass, wenn etwas in der Erinnerung haften bleibt, es Bilder und Gespräche sind, die durch ein freiwilliges sich-Einlassen aus persönlicher subjektiver Motivation heraus betrachtet und geführt werden.

Ich denke nicht, dass ich noch einmal im klassischen Sinn ausstellen würde.

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Mönchengladbacher Kanon der Literatur

Mönchengladbacher Kanon der Literatur

100 Mönchengladbacher zwischen 11 und 80 Jahren haben auf Initiative der Buchhandlung Degenhardt nach der Idee der Edition Schmitz den MÖNCHENGLADBACHER KANON DER LITERATUR mitgestaltet. Ich freue mich, dabei zu sein und damit die Offenheit gegenüber Vielgestaltigkeit und Gleichwertigkeit des persönlichen Ausdrucks mit unterstützt haben zu können.

Der Kabarettist Jochen Malmsheimer hadert auf seiner facebook-Seite angesichts der aktuellen Terroranschläge in Paris mit seinen berufsbedingt humorigen öffentlichen Auftritten und erhält in den Kommentaren viel Unterstützung im Gefühl und Ansporn, weiter zu machen.

Hilflosigkeit und Ansporn – das war sicher bei allen Anwesenden dabei, als gestern die kleine nette Buchvorstellung bei Degenhardt war, liebevoll vorbereitet und umgesetzt.

Wir können alle gar nicht anders, als weiter zu machen und solange es uns gibt, uns mit Gleichgesinnten einzusetzen für Lebewesen, deren friedliches Miteinander und Vielfalt im Ausdruck. „Das Gute“ gewinnt vielleicht nie. Nicht dafür zu kämpfen mit allen friedlichen und kulturellen Mitteln, die wir haben, kann allerdings keine Option sein.

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Wer kommt, der kommt

Der Tag danach

„Wer kommt, der kommt“

Vorgestern jährte sich zum 25sten Mal mein typisches untypisches Geburtstagsfest, denn seit ich nach meiner Ausbildung damals zuhause ausgezogen bin, begehe ich es so.

Dabei halte ich es eigentlich mit denen, die sich fragen, was es an einem Geburtstag schon zu feiern gibt; nicht aus Frust über die Jahre, sondern weil du an einem für dich zufälligen Tag in die Welt geworfen bist, was erst einmal nicht dein Verdienst ist und keine besondere Rolle spielt, außer, dass es dich jetzt gibt. Dann darf man noch ein Weilchen verantwortungslos vor sich hin leben, bis es irgendwann heißt: jetzt mach was draus! Und bei diesem „was draus machen“ ist dieser Tag jedes Jahr nur einer von 365 Tagen.

Was mir diesen allerdings besonders macht, sind die möglichen Begegnungen, nicht nur die der Gratulanten mit mir, sondern alle möglichen Begegnungen. Ich muss sagen, dass ich dafür äußerst gern eine „Plattform“ biete; zu früheren Zeiten wäre ich bestimmt Salonnière gewesen, auch unadelig und mit sehr kleinem „großen Saal“ 😉 .

Ich mag, wenn sich Menschen treffen, die sich unter anderen Umständen nicht begegnen würden oder die in freier Wildbahn vielleicht keinen Grund sähen, sich miteinander zu unterhalten, und dabei jeder die Chance auf eine besondere Begegnung, auf ein besonderes Gespräch hat. Und selbst, wenn sich alle nur über das Wetter unterhielten, böte ich gerne den geschützten Raum für eine friedliche Zusammenkunft. (Gestritten werden darf natürlich auch, solange es respektvoll geschieht.)

Soweit das Typische an meinem Geburtstag. Untypisch wird er jedes Jahr dank meiner Gäste. Das ist gar nicht spektakulär gemeint, sondern erfrischend: es ist immer anders. Und es ist immer besonders für mich.

Das, was ich meine Familie nenne, bildet einen nur ganz kleinen harten Kern, der sich für mich aber beinahe unverzichtbar anfühlt. Und drum herum sitzen, stehen, essen, trinken, unterhalten sich durch die Jahre verschiedenste Menschen, die an diesem Tag, zu dieser Stunde Lust und Zeit haben, mich zu besuchen und in Gemeinschaft zu sein. An so einem Tag entscheidet sich nicht, wer mit dir befreundet ist; es zeigt sich über’s Jahr oder aufgrund von Entfernungen auch schon mal über Jahre. Aber das Zeichen des Besuchs – eben gerade auch des, wenn auch erwünschten, ja „uneingeladenen“ Besuchs – ist für mich ein sehr schönes!

Freiheit und Freiwilligkeit spielen mir in allen Lebensbereichen, in denen das möglich ist, eine große Rolle; ich drücke es so aus, weil mir die Grenzen, z. B. in einem Angestelltenverhältnis arbeitend, – überhaupt meine Arbeitskraft verkaufen müssend, weil unsere Gesellschaft so funktioniert –, sehr bewusst sind und noch immer bewusster werden.

„Wer kommt, der kommt“ ist wie Kunst – es ist die Freiwilligkeit, es sind die Möglichkeiten, es ist das offene aufeinander-Zugehen mit nur einer gegenseitigen Erwartung, Ehrlichkeit, was mir gefällt.

Ich möchte mich sehr herzlich bei allen bedanken,

die sich darauf einlassen,
mir ihre Zeit um ihret- und um meinetwillen schenken,
deren Interesse aufrichtig ist und nicht bloß Neugierde,
denen mein „Status“ in der Gesellschaft unwichtig ist,
die sich mit mir für meine Idee begeistern können (und die mich durch ihre Begeisterungsfähigkeit inspirieren),
versuchen, meinen Gedanken aus meiner Sicht nachzuvollziehen, auch, wenn sie meine Ansicht nicht teilen (und dann trotzdem zu mir stehen können, was eine wahrlich schwere Übung ist),
nicht vorschnell (oder überhaupt nicht) urteilen, sondern mit mir über ihre – vielleicht vorhandenen – Zurückhaltungen sprechen,
sich mit mir freuen und mit mir feiern können,
mich an sich heranlassen und mir erlauben, sie wirklich kennenzulernen und zu unterstützen,
wissen, dass sie mir Dinge anvertrauen können, auch, wenn sie es nicht „nutzen“ „müssen“,
umgekehrt auch mir zuhören und mir verzeihen, wenn ich manchmal zu abstrakt rede, weil für mich „persönlich“ nicht „gleich privat“ ist und sich ein Gepräch über das, was mich interessiert oder bewegt, oft erst durch interessiertes Nachfragen meines Gegenübers ergibt.

Freundschaft fließt, verändert sich, vergeht auch manchmal. Manchmal ist sie ausschließlich virtuell und keinen Deut weniger wert. Sie hat so viele Gesichter – Eure 🙂 . Allen Gratulanten ganz herzlichen Dank!

Sabine

„… das Wort „Freund“ hat auch ’ne schöne Bandbreite… es gibt neue Freunde, es gibt Freundschaften, die sich über Institutionen bilden, es gibt Freundschaften, die ein Leben lang andauern […], und es gibt welche, die leider so’n bisschen versanden, ohne dass man’s will…“ [Götz Alsmann]

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