Beuys, Teil 3

Max Bense will von Beuys wissen, ob es für ihn auch Kunstwerke gäbe, die nicht politisch motiviert sind, und die aber genauso Kunstwerke seien. Beuys schließt – wie zu erwarten war, wenn man vorher zugehört hat – jede menschliche Produktion, also auch alle entstandenen und entstehenden Kunstwerke, ein, da der Mensch seines Erachtens nicht unpolitisch sein kann. Alles „macht“ etwas, alles macht etwas aus. Ich pflichte ihm absolut bei. Bense gibt die Frage weiter an Max Bill; dieser antwortet: „Ich bin der Auffassung, dass jeder Mensch politisch denken soll, sich politisch engagieren soll. Ob er sich als Künstler, wenn er das ist, politisch engagieren soll, das ist eine ganz andere Frage. Ich bin der Auffassung, dass Kunst genau so gut wie Physik oder irgendetwas anderes etwas ist, was man […] erarbeitet, ein Problem weiterentwickelt […]“

Arnold Gehlen, dem nach einigem Hin und Her, u. a. gekennzeichnet durch Wiederholungen das Wort erteilt wird: „Es gibt kein ungeeigneteres Instrument zur Revolution als die Kunst“, weil eine eindeutige Revolution durch Kunst kunstgeschichtlich nicht nachgewiesen worden sei. Wirkmächtiger sei da Literatur, „Brecht zum Beispiel.“ Ja, denke ich, die Literatur Brechts ist vielleicht konkreter als manche Bildende Kunst, und genau so wie Beuys‘ aktuell bis in die heutige Zeit, aber wo sind die Erkenntnisse und ihre Weitergabe bei dem einen wirkmächtiger als beim anderen? Sind nicht bisher alle, die versucht haben, soziale Missstände für die, die ihr Opfer sind, zu verbessern, gescheitert an den herrschenden Geld- und Machtverhältnissen? Nein, ich glaube nicht, dass das irgendwann ausgestanden sein wird; jede Generation muss erneut für Freiheit und Gleichwertigkeit ihrer Spezies eintreten.

Gehlen sagt, es fiele ihm schwer, in der Gesellschaft ein „drängendes Bedürfnis nach Kunst“ zu entdecken; ja, das glaube ich für damals so, wie ich es heute empfinde. In Gesellschaften, in denen zunehmend ein nicht-kommerzieller künstlerischer, ein nicht-kommerzieller kreativer Ausdruck verdrängt wird zugunsten des Geldwettbewerbs, wird dieses „drängende Bedürfnis nach Kunst“ niemals für eine sicht- und hörbare Mehrheit gelten. Und die Minderheit, die es verspürt, lebt ihr Bedürfnis in Nischen. Ihr Bemühen, freie Kunst als einen wichtigen und schützenswerten Bestandteil unseres Menschseins zu verankern, wird lächerlich oder gar zunichte gemacht, wenn die künstlerische Arbeit nicht augenfällig „schön“ ist oder sich nicht sofort erschließt.

Bei Beuys läuft der Schweiß mittlerweile in Strömen. „Instinktiv weiß jeder Mensch, dass ein Mensch nicht lebensfähig ist ohne Kunst […] dass also ein Mensch ohne eine künstlerische Erziehung wahrscheinlich verdorren würde […] von welchen Kräften wird er [der Mensch] ernährt? […]“ Durch diese geistige Nahrung gestärkt, würde der Mensch „besser rationalistisch denken können“, was nach ein paar weiteren Sätzen verdienten Applaus gibt. Selbstverständlich ist da die Beweisführung schwierig! Ein Beweis ist kurz gedacht und ohne langzeitige und kritische Betrachtung der Gesellschaftsentwicklung gar nicht zu erbringen! Der Kunst und dem Menschen wird kein Gefallen getan, indem das zwischendurch immer und immer wieder gefordert wird.

Das Podium kommt langsam zur Schlussfolgerung, dass Kunst und Antikunst keine Gegensätze seien und man den Begriff der Antikunst eigentlich streichen könnte – ich klatsche innerlich Beifall.

Beuys möchte den Begriff noch nicht so schnell streichen, weil viele noch nicht begriffen hätten, „dass sie in einer Kultur leben, die nicht abgeschlossen ist; dass wir uns in eine Kultur hineinbegeben werden, die ganz andere Fragen zur Diskussion stellt, zum Beispiel […] dass man nicht nur physisch die Mondfahrt begeht“, sondern man auch psychisch die Bewegung, die sich körperlich nach außen vollzieht, nachvollziehen müsse. Für mich ein ganz wunderbarer Vergleich, gerade wo im Augenblick Alexander Gersts im Juni anstehende ‚Horizon‘-Mission zur Internationalen Raumstation in aller Nachrichten-Munde ist… und die Erkenntnisse derer, die die Erde mit Abstand betrachten, wieder kein Umdenken im Beuys’schen Sinne auslösen werden…

„Ohne Kunst verarmt die Menschheit als Ganzes“, sagt auch Max Bill. Er geht davon aus, dass man sich nicht entscheiden könne, ob man Kunst konsumiert oder nicht, sondern dass der Mensch es ganz selbstverständlich, wenn auch manchmal unbewusst tut. Das kann ich teilen. Dann stellt auch er allerdings die Qualitätsfrage mit dem guten Hinweis, dass man sich darüber „sehr schlecht unterhalten“ könne, „weil wir einfach diese Qualitätsmaßstäbe nicht ohne Weiteres anlegen können.“ Man müsse den Künstlern quasi vertrauen, dass sie aufrichtig, „aus einem Verantwortungsbewusstsein heraus“ arbeiteten, „dann wird es wohl wirken.“

Max Bense ist „noch nicht soweit zu akzeptieren, dass es eine Kunst lediglich als ihren Prozess gibt“, er will die Arbeiten, will Ergebnisse sehen und diese als solche bewerten. Kunst als Produkt oder als Prozess – ob es so oder so zu betrachten ist, verdichtet Wieland Schmied als Frage. Dadurch, dass die Kunst immer offenere Werkkunst geworden sei, die Werke unabgeschlossen geworden seien, wäre dadurch die Rolle des Betrachters gewachsen; er würde immer mehr einbezogen. Das sei vielleicht, anders als Arnold Gehlen sagt, kein „Spiel“, sondern der Versuch, „dass Kunstwerke geschaffen werden […] die erst, wenn ein Betrachter auftritt, alle ihre Qualitäten enthüllen können“. Jawohl; genau so empfinde ich es.

„An welchem Punkt entsteht die Imagination und wodurch entsteht sie?“ fragt Beuys. Ist der Mensch größer als die irdischen Verhältnisse, die ihn umgeben, kann er weiter, kann er über sich hinaus denken? Die Kunst stelle die erkenntnistheoretischen Fragen, die die Wissenschaft nicht stelle, empfindet Beuys. „Um etwas wirklich aussagen zu können über den Menschen – erst dann kann man wissen, wie soll man einen Menschen erziehen. Soll man einen Menschen […] nach den politischen praktischen Notwendigkeiten erziehen, die die Politiker festlegen, ja? So wird es doch heute wohl gemacht im Großen und Ganzen! Warum haben wir kein freies Schulwesen? Die Politiker glauben heute festlegen zu können, was der Mensch braucht, um erzogen zu werden.“

Der Widerspruch von Max Bill, Beuys glaube es also „besser zu wissen“ und dessen Ausruf, dass „in diesem Gespräch alles doppelt gesagt“ würde zeigen langsam die Ungeduld, die es mit sich bringen kann, wenn Positionen grundlegend unterschiedlich sind. „Ich habe nicht gesagt, die Politiker sind ‚nichts wert‘; so einfach habe ich es mir wieder nicht gemacht. […] Ich habe eingangs gesagt, wenn man nach dem politischen und revolutionären Programm gefragt wird, handelt es sich um Selbstbestimmung. Um Selbstbestimmung, zu jedem einzelnen Punkt! Es handelt sich nicht darum, dass irgendeine revolutionäre Gruppe […] wieder eine Regierung bildet; das ist doch das Dilemma, dass wir immer Regierungen bilden wollen!“ Bei „Es darf gar keine Regierung mehr geben!“ folgt der erwartete Protestaufschrei aus dem Publikum; mir wird immer klarer, warum Joseph Beuys damals von der eigenen Partei fallen gelassen wurde. Klar zu radikal, aber auch zu radikal klar seine Haltung der eigenen Spezies gegenüber… mir fällt ein Wort ein: unbestechlich.

„Der Mensch ist soweit, sich heute selbst zu verwalten; der Mensch ist soweit, sich selbst zu bestimmen.“ Beuys möchte die Verhältnisse so vieler Menschen nicht durch eine Minderheit bestimmt wissen, die, einmal gewählt, sich weder den Bürgern gegenüber verantworten muss noch schnell wieder abgewählt werden kann.

Max Bill schätzt das eine „Gebiet, auf dem wir wirklich die Freiheit haben, […] und das ist das Gebiet der Kunst.“ Es wird zunehmend deutlich, dass Beuys‘ Gegner – und sicher nicht nur die am Tisch – den Gedanken, dass menschliche Disziplinen nicht zu trennen sind, grundsätzlich ablehnen und sich das Gespräch daher im Kreis dreht. Selbst, wo man aufeinander eingehen kann, sich beipflichten kann, bleibt der gravierende Unterschied in der grundsätzlichen Haltung dem menschlichen Zusammenleben gegenüber: „nur“ geführt von einigen Wenigen, die selten aus hehren Gründen und mit hehren Zielen an die Weichenhebel gelangt sind oder sich mit allem, was man denkt, sagt und tut verantwortungsvoll einbringen als genau so gestaltendes Gesellschaftsmitglied wie jedes offiziell gewählte.

Joseph Beuys stellt als Künstler die Grundsatzfrage nach einem für alle funktionierenden Gesellschaftssystem, „um auf der Welt bessere Verhältnisse zu erarbeiten.“ Dabei sieht er den Menschen als zwar individuelles, aber eben auch Gemeinschaftswesen in ständiger Verhandlung mit den umgebenden Mitmenschen: „Das ist mein Vorschlag; wie stehst du dazu?“

Er spricht beispielhaft die Notstandsgesetze an, die die Grundrechte aushebeln; der Bürger lässt es geschehen. „Er muss doch allmählich erkennen, dass er sich selbst bestimmen kann, dass er also das, was im Grundgesetz steht, auch anwenden kann. […] Er muss allerdings auch wissen, dass er Gleichberechtigung praktizieren muss, dass also nicht eine Revolution sein darf, die sozusagen wieder eine Minderheit zum Zuge kommen lässt, und die Besiegten dann sozusagen an die Wand stellt, wegputzt, sondern dass Gleichberechtigung herrscht für jede Meinung, und das muss sich bewähren.“

Als nach anderthalb Stunden die Gesprächsrunde zum Ende kommt, fragt Beuys: „Soll das Publikum sich nicht an der Diskussion beteiligen?“ Aber die Zeit ist um; Max Bill murmelt mit leicht verschmitztem Gesicht etwas von „Licht aus, Scheinwerfer aus“. „Sollen wir nicht Rücksicht nehmen auf Menschen, die sich melden aus dem Publikum und etwas zu sagen haben?“ fragt Beuys erneut.

Es folgt eine Überblendung, durch die man nicht sieht, ob die Publikumsfragen gehört wurden; Wieland Schmied schließt die Diskussionsrunde.

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Andres Veiel zeigt den Künstler in seiner mit Hilfe unzähliger Bilder montierten „Beuys“-Dokumentation geprägt von Natur- und Kriegserlebnissen, wobei ich es entgegen einer ZEIT ONLINE-Rezension aus dem vergangenen Jahr tatsächlich unerheblich finde, ob, wie viel oder was der Kriegsheimkehrer erfunden hat – er musste Kriegserlebnisse verdauen. Ob alles eine „Lebenslüge“ war, weil er Hitlerjunge war, wie es andernorts heißt… ich wage kein Urteil, ebenso wenig darüber, warum jemand, der Kriegsgräuel gesehen hat, später nicht darüber erzählt. Joseph Beuys hing Rudolf Steiner an, heißt es, und Rudolf Steiner war einer, an dem sich die Geister schieden. Ich weiß zu wenig über beide, um da eindeutig eine völkische Gesinnung zu diagnostizieren (die ich ablehnen würde). Ich kann mir aber vorstellen, dass einiges an menschlich nachvollziehbaren Anregungen so von Steiner zu Beuys geflossen ist, wie jetzt von Beuys zu mir. Ob der Künstler ein guter oder schlechter Pädagoge war – ich kann es nicht sagen, genau so wenig, wie der „Mythos Beuys“ entstanden ist; warum ihm einige geradezu jüngerhaft folgten, wie es immer wieder heißt.

Der Film zeigt einen Menschen, durchlässig und beinahe durchsichtig, eine „offene Wunde“. Rhea Thönges-Stringaris, eine mit Beuys befreundet gewesene deutsch-griechische Kunsthistorikerin, sagt an einer Stelle, wie vernünftig Beuys ihr sofort erschienen wäre: „[…] der erste vernünftige Mensch, den ich überhaupt treffe […] auf den kannst du dich total verlassen.“

Vielleicht ist die angestrebte Durchlässigkeit der Disziplinen das, was Joseph Beuys ihr so vernünftig erscheinen ließ, und vielleicht haben seine Gegner, die das als „Verwässerung“ empfunden haben und empfinden – der Begriff muss gar nicht negativ sein; Adrienne Goehler nennt ihr 2006 erschienenes Buch zum gleichen Thema „Verflüssigungen“ – nur noch nicht das schon damals geltende Gebot der Stunde begriffen: Zusammenhalt und Mitgestaltung. Das politische System der Parteien-Demokratie halte ich mit Beuys für überholt; es zeigt sich jetzt schon jahrzehntelang, wie die Gesellschaften länderübergreifend mit neoliberaler Grundrichtung in Führung und Teilen der Bevölkerung wegdriften von der Idee, es für alle immer besser zu gestalten. Das, was unsere Vorfahren erwirtschaftet und errungen haben kommt weder in Produktionsgütern noch Geldmitteln all ihren Nachfahren zugute, aber das scheint die Meisten nicht zu stören. Es geht sogar so weit, dass schon diejenigen als die mit der exotischen Meinung gelten, die das immer weiter fortschreitende abgehängt-Sein so vieler Menschen nicht als vollkommen natürliche Entwicklung sehen, weil, so das Gegenargument „es immer welchen schlechter gehen muss und eine totale Gleichberechtigung aller Menschen nie zu erreichen“ sei. Es wird aber auch nicht genug für tatsächliche Aufklärung getan, weil tatsächliche Bürgermündigkeit von den Herrschenden offensichtlich nicht gewollt ist. In den Schulen würden nicht mehr die Geschichtsbücher gewälzt, von denen geschrieben, die die Kriege gewonnen haben, sondern es würde neben dem, was in Erinnerung bleiben muss, sehr konkret die heutige Weltpolitik angesprochen, deren Teil unser Land ist. Die Rolle der Medien, hierzulande größtenteils durch nur wenige reiche Familien vertreten, die der Regierung mindestens nahe stehen, hätte eine sehr viel größere Betrachtung nötig, als es offensichtlich der Fall ist; kein Lehrer dürfte irgendjemanden, der zur Aufklärung beitragen möchte, als „VerschwörungstheoretikerIn“ abtun, sondern müsste die unterschiedlichen Ansichten wertfrei diskutieren und die heranwachsenden Gesellschaftsverantwortlichen zum selbst-Denken und sich-Einbringen animieren. Stattdessen wird offensichtlich gerne hingenommen, dass große Teile der Bevölkerung scheinbar auch kein Interesse an einer für sie positiven Veränderung haben – und/oder den Glauben an ihre Wirkmächtigkeit verloren haben.

Es heißt immer, es ginge nicht „von jetzt auf gleich“. Aber wie viele Anläufe sind schon gemacht und verworfen, verraten, verkauft worden? Die Grünen, die Beuys mitbegründet hat, haben sich und ihre Wähler verraten, indem sie von der Friedenspolitik und in Umweltfragen nicht nur abgewichen sind, sondern sogar die Kehrtwende vollzogen haben. Ich bezeichne diese Partei als die für mich bislang größte politische Enttäuschung, nachdem sie so hoffnungstiftend begonnen hat.

Ja, ich verstehe Politikverdrossenheit gut. Aber sie ist nicht die Lösung für eine Gesellschaft, egal, ob man daran glaubt, dass Wahlen etwas verändern oder nicht. Es beginnt bei der Auseinandersetzung jedes Einzelnen und endet nicht bei der Stimmabgabe alle paar Jahre.

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Ich würde selbst nicht – weder bei der Kunst von Joseph Beuys noch der eines anderen – von Antikunst sprechen, genau so wenig von Provokation. Zwar „darf“ sich jedeR selbst das Etikett anhängen, das er oder sie treffend findet, aber ich deute die Begriffe anders als er. Beuys provoziert mich nicht, er stößt mich an, fordert und fördert das Hinterfragen. Das, was er Antikunst nennt, ist einfach nur Kunst in der damalig neuen erweiterten Form. Der Begriff „Antikunst“ schafft eine Trennung, die nicht im Beuys’schen Sinne gewesen sein kann, da sie eben – sie hat’s im Wort – gegen etwas gestellt ist und so scheinbar nicht miteinander etwas schaffen will. Die Verantwortung zu Co-Kreativität ist heute dringender denn je, und Joseph Beuys‘ Anliegen könnten nicht aktueller sein.

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https://www.erziehungskunst.de/artikel/standpunkt/seele-richte-dich-auf/

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http://www.michaelluethy.de/scripts/arnold-gehlen-mensch-maengelwesen-kunst-funktion/

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http://www.deutschlandfunkkultur.de/neu-im-kino-beuys-andres-veiel-schafft-meisterhaftes.2150.de.html?dram:article_id=386448

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https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=1813576485360023&id=100001230675879

(„Die Aachener Grünen unterstützen unseren Protest gegen Emmanuel Macron NICHT. Heute ist in der AN zu lesen ‚Die Grünen … wollen hingegen nicht zur Teilnahme an den Protesten aufrufen.‘ ‚Wir begrüßen die Preisverleihung an Macron‘, sagt Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig, wobei man sich vor allem Macrons Europapolitik verbunden fühlt.“ – so ‚Stop Tihange‘ auf ihrer facebook-Seite. Das wird eingeleitet durch folgenden von mir geteilten Kommentar: „#Bündnis90/#DieGrünen – Atomkraft – nein danke! Der Kampf für den Atomausstieg ist doch bis heute das Kernthema der Grünen. Hat sich daran irgendetwas geändert, was unbemerkt an mir vorbeigegangen ist?“)

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https://www.nachdenkseiten.de/?p=40414

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https://kenfm.de/von-krieg-zu-frieden-vortrag-eugen-drewermann/

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Beuys, Teil 2

Ich gehe nicht unbedingt mit Joseph Beuys konform – ohne zu behaupten, dass ich ihn da richtig verstehe – dass Provokation „nichts anderes“ sei als Produktion. Und er stellt die Qualitätsfrage, was ich durchgehend als schwierig empfinde beim Kunst-Thema. Er sagt, dass „alles Spekulieren mit Schocks […] unsinnig“ sei, und fordert „beschreibt also ganz genau, was Ihr politisch wollt“, was nach meiner Provokations-Definition den Begriff mindestens relativiert. Und er relativiert weiter, indem er ausführt, dass viele voraussetzen, dass Menschen durch Provokation einfach nur ihre (negativen) Gefühle auslebten und nicht „das bewegende Element“ im Sinn hätten. Er hält in diesem Sinne das Provokative, wie er es definiert, für „dringend erforderlich“.

Die Frage Wieland Schmieds an Gehlen, ob er sich von der Kunst, der Provokation Beuys‘ als „bewegendes Element“ angesprochen fühle, muss so gestellt ins Leere laufen. So unterbricht Beuys an dieser Stelle und möchte weggehen von der konkreten Arbeit („Wir unterhalten uns doch über eine Theorie […] Schmeißen wir doch meine Werke mal zum Fenster raus! […] Beginnt doch mal, hier zu denken und demonstriert, dass der Mensch in jedem Augenblick in die Lage gesetzt ist und ermöglichen kann, einen Schritt weiter zu tun! Gemeinschaftlich auch etwas zu tun, nicht einer gegen den anderen!“).

Schmied konkretisiert daraufhin: wenn das Publikum Kunst nicht mehr als Provokation erlebe, und Beuys setze Provokation mit Produktion gleich, dann sei die Funktion der Kunst doch zu einem Ende gekommen… und erteilt Arnold Gehlen das Wort. Diesem muss ich immer noch insofern recht geben, als dass auch ich Provokation und Produktion rein von der Begriffsdefinition her nicht gleichsetzen kann. Er findet, dass die Kunst keinen „Gegner“ mehr habe und empfindet es für die Künstler „schwierig, eine kämpferische Haltung einzunehmen und der Gegner ist weg.“ Er argumentiert, dass die Künstler das Wort Provokation deswegen umdeuten in Produktion, weil Provokation niemanden mehr als solche träfe.

„Wollen Sie eine Revolution ohne Lachen machen?“ fragt Beuys, weil Gehlen „belustigt“ gewesen sei über die von Beuys installierten Schlitten, die scheinbar aus einem VW-Bus quillen, und fragt seinerseits: „Warum haben Sie keine Kinderwagen genommen?“ Joseph Beuys Antwort spricht mir aus der Seele meiner Kunst-Definition: „Warum? Ich würde sagen, weil ich doch das Thema bestimmt habe […] die Kinderwagen sollen Sie nehmen und mal versuchen, ob Sie da was mit hinkriegen, was die Menschen interessiert!“ Zwar begibt er sich mit diesem letzten Zusatz wieder auf das dünnere Eis – Gegner wären sicher schnell mit der Frage, woher Beuys denn wissen will, dass seine Arbeit „die Menschen interessiert“ – aber die Kernaussage ist für mich, dass Fragen der Art, wie Gehlen sie formuliert hat, nie treffen, es sei denn wieder, man möchte nicht ernsthaft wissen, „warum keine Kinderwagen“, sondern möchte lediglich demonstrieren, wie angeblich willkürlich künstlerische Materialien und Umsetzungen gewählt sind.

Max Bill spricht etwas Wichtiges an: wie wird Qualität von Provokation gemessen und: ist das überhaupt möglich? „Wer ist in der Lage, das zu messen?“ Und klug sagt er weiter, dass auch er dafür ist, die „humanen Fragen“ in den Mittelpunkt zu stellen, aber man ja nicht davon ausgehen könne, zu wissen, was der jeweils andere darunter verstehe. Beuys stellt die Sinnfrage: „Was hat es für einen Sinn, aus der Kunst heraus zu entwickeln: es muss in einem Verhältnis stehen zu dem, was die Menschen brauchen, sonst ist es tatsächlich sinnlos, Kunst zu machen.“ Bills Frage, woraus abgeleitet werden könne, dass Kunst dazu Sinn mache, ist meines Erachtens wieder müßig, noch bevor ich eine Antwort eines an der Diskussion Beteiligten kenne. Sie ist nicht zu beantworten. Den Menschen – nicht allen, ich weiß, aber den meisten auf ihre individuelle Weise mit ihren individuellen Themen – wohnt der Drang zum kreativen Ausdruck nun mal inne, und genau so wenig ist zu beweisen, dass dieser Ausdruck keinen Sinn macht. Seine Kreativität aber in den Sinn einer allgemeinen, immer verhandelbaren Weiterentwicklung zu stellen, halte ich nicht nur für nachvollziehbar, sondern für sehr vernünftig.

„Der Mensch ist selbst die Ästhetik, der Mensch ist selbst das Kunstwerk.“

„Wie kommt ein Mensch in die Welt und wie verlässt er diese; das sind doch schließlich alles wichtige Fragen für den Künstler.“

Aus jeder Beuys’schen Äußerung spricht der Wunsch und Wille (auch) zu (innerer) Auseinandersetzung und Verantwortung. Diese wichtigen Fragen für den Künstler – sind das nicht relevante Fragen für jeden Menschen? Ich kann verstehen, wenn man es müßig findet, zu fragen, woher man kommt und wohin man geht, weil es höchstwahrscheinlich keine alles erklärende Antwort jemals gibt, aber ich finde die Auseinandersetzung mit der Frage, wofür man sich im Leben einsetzt niemals müßig, sondern unerlässlich.

Max Bill gefällt mir mit seinen Äußerungen. So besonders auch diese: „[…] dass […] Herr Beuys […] ein so glücklicher Mensch ist, dass er glaubt, wirklich Kunstwerke zu machen. Dann bin ich wirklich sehr zufrieden darüber. Ich weiß es nämlich über mich nicht. Ich mache etwas, das mich interessiert, von dem ich irgendwie den Eindruck habe, es bringe ein Problem, das ich mir gestellt habe, das vielleicht auch von außen kommt, weiter, und dieses Problem werde zu irgendeiner Lösung entgegengebracht, und es hätte nachher vielleicht irgendwelche Auswirkungen; vielleicht hat es keine. […] Es kann generell Kunst Auswirkungen haben, aber ob das, was ich mache, Auswirkungen hat oder nicht, das spielt dabei gar keine Rolle. Das hat übrigens Herr Beuys bis zu einem gewissen Grad auch gesagt“, und dieser antwortet. „Ja sicher; kann ich nur bestätigen. […] Man kann doch sicher voraussetzen, dass jeder […] sich bemühen sollte, dass er eine Arbeit […] gewissenhaft macht, also nach allen Seiten hin durchdenkt. Denn sonst kann er der Menschheit kein Produkt vorlegen, was er verantworten kann. Ich glaube, zumindest sagen zu können, dass, was ich gemacht habe, ich verantworten kann. […] Ich stelle nur fest, dass es unterschiedliche menschliche Begabungen gibt, und es ist ganz klar, dass eines Tages vielleicht Menschen da sein werden, die das alles für außerordentlich unzulänglich betrachten, was ich gemacht habe. Und auch etwas hinstellen, was mich überzeugt als wesentlich besser. Es ist also sogar jeder aufgerufen, das zu korrigieren, was ich falsch mache […]“

Wieder: Beuys fordert lediglich Auseinandersetzung ein vor dem Urteil und zwingt damit alle Menschen zu Verantwortung. Dass das als unbequem empfunden wurde (und wird!) glaube ich gern… Er glaubt an die Eigenverantwortung der Menschen, er glaubt an die mögliche erfolgreiche Umsetzung direkter Demokratie.

Er liest eine Frage vor, die ihn aus dem Publikum erreicht: „Da steht: ‚Können Sie definieren, was Sie konkret unter Revolution verstehen?‘ Ja, sicher: unter einer Revolution verstehe ich, dass der Mensch in diesem Sinne wie ich geschildert habe, sich selbst betrachtet nach seinen Möglichkeiten hin, dass er aber über diese philosophischen Fragen, über diese Menschenerkenntnisfragen hinaus nicht vernachlässigt, was […] am Tage geschieht. Dass er also, indem er sich ausbildet und danach fragt: wie kann ich mich zu einem besseren Instrument innerhalb der Welt machen, danach zugleich fragt, wie geht es meinem Nebenmann, wie geht es meinem Bruder? Also einfach zu fragen: wie sind die Verhältnisse in der Welt? Wer ist hier der Benachteiligte, wie kann ich ihm helfen? Also ist da doch nach zu fragen: was ist los in unserem politischen System? Was kann ich vorschlagen? Und da könnte ich sehr Vieles vorschlagen. Ich könnte zum Beispiel vorschlagen, dass es dringend notwendig wäre, die parteipolitischen Bürokratien zu überwinden, durch direkte Befragung des Volkes zu jedem einzelnen Punkt. Da könnte ich nennen, dass es sehr wichtig ist, dass die Grundgesetze ernstgenommen werden; dass ernstgenommen wird zum Beispiel, dass der Mensch sich selbst bestimmt, dass er selbst bestimmt, was gemacht wird in der Welt, dass er gefragt wird: wollen wir eine Bundeswehr haben oder wollen wir keine haben. Dass also direkte Volksbefragungen stattfinden. […] Dass weiterhin ernst gemacht wird mit der Frage der Gleichberechtigung der Menschen, der absoluten Gleichberechtigung. Dass es aufhört, dass es gewisse Menschen gibt, die privilegiert sind. Dass es aufhören muss mit der Verstaatlichung von Produktionsmitteln und ebenfalls mit dem privaten Besitz von Produktionsgütern usw. usf. – nur ein kleiner Ausschnitt […]“

(3. Teil folgt in ein paar Tagen)

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https://www.erziehungskunst.de/artikel/standpunkt/seele-richte-dich-auf/

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Offenheit

Buntstift und Öl-Pastellkreide auf Skizzenpapier

DIN A 5

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Beuys, Teil 1

Klar, dass jemand so erzkonservatives wie der 1904 geborene Anthropologe und Soziologe Arnold Gehlen im „Bildungsforum“ mit Joseph Beuys aneinander gerät.

Das Motto: „Provokation – Lebenselement der Gesellschaft“

Der smb-webshop, der u. a. die DVD dazu vertreibt, formuliert:

„Die am 27. Januar 1970 im Düsseldorfer Bildungsforum veranstaltete Diskussion mit Joseph Beuys, Max Bill, Max Bense und Arnold Gehlen, moderiert vom Kunsthistoriker Wieland Schmied, ist nicht nur ein kulturhistorisches Dokument, das unterschiedliche ästhetische und philosophische Konzepte diskursiv aufscheinen lässt. Es stellt im Sinne des Werkbegriffs Beuys’, der das Sprechen oder die Sprache allgemein als Kunstwerk sieht, auch ein Sprachwerk des Künstlers dar.“

Es stellte sich dort und stellt sich bis heute die Frage: ist Kunst (nur) das, was nicht provoziert? Manche meinen das auch heute noch und definieren Kunst zu sehr nur über die Ästhetik – selbstverständlich meist die des Bewerters.

Meinen Text verstehe ich nicht als Alternative, die Diskussion anzusehen und zu -hören; die ist wirklich amüsant und lohnenswert für die Auseinandersetzung, auch für die Frage, wo man sich selbst verortet. Ich möchte die Argumente nur mit meiner Sichtweise verknüpfen, ein wenig kommentieren und den Begriff der Provokation im Kunstzusammenhang meinerseits zur Diskussion stellen. Damit es nicht überlang wird, gliedere ich den Beitrag in drei Teile. Dabei zitiere ich genau, aber nach Gehör.

Beuys antwortet auf die Frage Schmieds, ob er beim Kunstmachen jemals in Kategorien wie „Kunst“, „Antikunst“, „Provokation“ gedacht hätte, dass er sich schon theoretische Gedanken gemacht habe, warum er was täte. Er geht auf den Frager ein und wirkt auf mich kein bisschen provokant, obschon seine Kunst oft diesen Anstrich hatte. „Ich habe also versucht, den Kunstbegriff so zu erweitern, dass er jede menschliche Tätigkeit zu umgreifen in die Lage gesetzt wird.“ Er möchte auch den Wissenschaftsbegriff erweitert sehen und sagt, dass bei seinem Antikunst-Begriff „die Frage nach dem Menschen gestellt“ sei.

„Wie ist es berechtigt zu sagen, jeder Mensch ist Künstler? […] Jeder Mensch ist ein kreativer. In jedem Menschen kommt etwas heraus von einem Ursprünglichen, von einem Schöpferischen, von einem Element, was sozusagen an diesem Punkt des Denkens – hiermit setze ich den Begriff des Denkens als den wichtigsten Punkt in meinem Antikunst-Begriff – durch das Denken etwas völlig Neues in die Welt, was wieder hinüberleitet und klarstellt, den Begriff der Freiheit. […] Hier steht der Begriff der Freiheit zur Diskussion, und an diesem Problem steht die Menschheit ja in einem ganz akuten Sinne, indem sie fragt: ist der Mensch Gesellschaftswesen, das heißt, ist er gebunden, abhängig von den Stoffesverhältnissen, oder ist er ein freies Wesen? Hier ist selbstverständlich eine differenzierte Untersuchung notwendig insofern als man selbstverständlich sehen muss, dass der Mensch ein Gesellschaftswesen ist, hier ist aber ganz besonders wichtig zu erkennen, dass er darüber hinaus ein freies Wesen ist, was für den Teil, da, wo er gesellschaftlich gebunden ist – also mit anderen Menschen zusammenarbeiten muss – neue Denkmodelle, neue Substanzen in die Erde einführen muss, also in die Stoffesverhältnisse einführen muss, um sozusagen für das Soziale, für die Entwicklung der Menschheit ein neues Modell zu erarbeiten. […] Provokation wäre eine andere Sache; die müsste man jetzt daran anschließen.“

Joseph Beuys ist dort anfangs nicht provokant. Er redet deutlich und bestimmt; man spürt seine Authentizität und Konzentration. Auf mich wirkt er, als wüsste er einfach, wovon er spricht.

Als er nach wahrnehmbarem Gemurmel im Publikum und guten 11 Minuten vorschlägt, „bis zum Morgengrauen“ zu diskutieren, anstatt nach anderthalb Stunden Podiumsdiskussion „ins Wirtshaus“ zu gehen, merkt man daran, wie ernst er die Auseinandersetzung nimmt. So bekommt Max Bense, der im ersten Satz von der „Verwässerung des ganzen Themas“ spricht, sofort einigen Applaus. Beuys‘ erster Diskussionsgegner ist zumindest launig: „Meinen Sie, Sie hätten keine [Gegner]? Ich hab‘ auch welche!“ Von Bense gedrängt, was er konkret wolle, antwortet Beuys: „Ich will das Bewusstsein der Menschen erweitern; ich will es vor allen Dingen ausweiten auf die reale politische Situation […] Ich bin nicht der Ansicht, dass wir zum Beispiel in einer Demokratie leben, ich bin nicht der Ansicht, dass wir zu freien Menschen erzogen werden durch unsere parteipolitische Bürokratie […]“

Arnold Gehlen: „Ich möchte den sehen, der sich noch von Kunst provozieren lässt.“ Er möchte vom Provokations-Begriff weg und wieder hin zum Begriff der Kunst bzw. Antikunst. Sein Vergleichen mit einem Spiel an sich, woran ihn die Kunst erinnert, die zum Mitmachen, zur aktiven Teilnahme einlädt, und die Tatsache, dass ein Spiel eben nicht gut oder schlecht ist, führt er als Argument gegen den erweiterten Kunstbegriff an; für mich ist es aber genauso ein Argument dafür. Er meint jedoch: „Je umfangreicher ein Begriff wird, umso inhaltsleerer.“ Manche, die dadurch ins Straucheln kämen, auch manche Künstler, suchten „dann schnell eine Tür in die Politik; da hat man dann wieder den gewohnten schwankenden Boden unter den Füßen.“

„Wollen Sie weiter den schwankenden Boden unter den Füßen behalten, oder wollen Sie daran arbeiten, diesen schwankenden Boden in eine sichere Basis für die Menschen aufzubereiten?“ fragt Beuys. Er sieht die Kriterien des klassischen Kunstbegriffes als Basis („unter Umständen im pädagogischen Prozess eine gewisse Basis für den Unterricht“), die aber erweitert werden sollten um Begriffe, „die tatsächlich den Menschen betrachten als einen, der sich entwickelt, der ganz andere Dinge […] anzusteuern beginnt.“

„Kann ich mit dieser Kunst noch etwas bewirken für das Leben?“ sei die entscheidende Frage. „Ist diese meine Kunst zum Beispiel politisch relevant? Sie dürfen jetzt den Begriff der Politik nicht lächerlich machen und sagen hier wäre der übliche schwammige Begriff! Wir wollen doch gerade sehen, dass in der Zukunft für alle Menschen etwas erarbeitet wird, was brauchbar ist, was zum Beispiel pädagogische Modelle erarbeitet, und ich glaube, dass aus einem erweiterten Kunstbegriff heraus, aus einem erweiterten menschenkundlichen Begriff heraus, der damit verbunden ist, selbstverständlich sich etwas Gewissenhaftes sagen lässt über die Pädagogik. Das ist selbstverständlich auch damit verbunden, dass man Modelle erarbeitet, dass man also Projektwissenschaft betreibt, denn nichts ist dringender gerade für uns Mitteleuropäer als uns über unsere Zukunft im Klaren zu sein. Ob es unsere Aufgabe ist, zum Beispiel, mit wirtschaftlichen Größen zu konkurrieren, ob es für uns interessant ist, mit den Großmächten im Osten und im Westen auf wirtschaftlicher Basis, also technologisch zu konkurrieren, ob nicht gerade das der Weg ins Fellachentum [sic] ist für uns; ob es nicht vielleicht für Mitteleuropa viel interessanter wäre, die humanen Fragen in den Mittelpunkt zu stellen […] als ein Fruchtbares für die ganze Welt […]“

„Ich habe nie von […] Materialien geredet; ich habe von der Idee gesprochen“, sagt Beuys, als er zu einer bestimmten künstlerischen Aktion Stellung nimmt. Das erlebe ich, seit ich mich mit Kunst auch theoretisch auseinandersetze, immer wieder: es werden bestimmte Aktionen oder Werke herangezogen, um mit der Umsetzung oder dem Ergebnis zu argumentieren, dass das nun Kunst oder eben keine Kunst sei. Da sich der eine Mensch so und der andere anders ausdrückt, trifft diese Art Auseinandersetzung für mich nie den Kern, es sei denn, man spricht anderen ihren persönlichen Ausdruck schlicht ab. Arnold Gehlen verstehe ich nach ungefähr einer halben Stunde so, dass er sich nicht provozieren lassen möchte, und das kann ich nachvollziehen. Ich selbst bin auch nur sehr schwer zu provozieren, wenn überhaupt. Dieses nicht oder kaum provozierbar sein bedeutet in meinen Augen nicht unbedingte Unverletzlichkeit, sondern den Wunsch, sich vernünftig, wertschätzend auszutauschen, allen Gesprächsteilnehmern Zeit einzuräumen, sich wirklich anzuhören, aufeinander einzugehen usw.; ansonsten ist ein sich-Erreichen schwierig. Erlebt man Kunst als reine Provokation – ich glaube, hier ist nur wichtig, es individuell zu betrachten, also wer sich wodurch provoziert fühlt – glaube ich nicht an ein erreichen-Können (aus Künstlersicht) oder ein erreicht-Werden (aus Rezipientensicht). Provokation verschließt beinahe immer. Wenn nicht, trifft vielleicht der Begriff nicht richtig… Und umso trauriger, dass viele – sicher damals wie heute – Beuys nur als Provokateur wahrnehmen.

(2. Teil folgt in ein paar Tagen)

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https://www.erziehungskunst.de/artikel/standpunkt/seele-richte-dich-auf/

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Die NachDenkSeiten über „fühlen“ und „mitnehmen“

Was hat dieser politische Beitrag, den man hier hören kann, mit Kunst zu tun?

Nun, zum einen geht es um Sprache, und Sprache war immer schon auch ein Mittel des künstlerischen Ausdrucks. Die Analyse von Marcus Klöckner macht anhand von Beispielen deutlich, dass Sprache – neben dem Wunsch nach Verständigung und dem Mittel zu ästhetischem Ausdruck – auch als Manipulationsmittel verwendet werden kann, schon immer wurde und wird.

Hier ist sozusagen das offene und wache Ohr gefragt:

http://www.nachdenkseiten.de/?p=40414

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Was wir alle draus machen

http://www.xing-news.com/reader/news/articles/1079689?cce=em5e0cbb4d.%3AeE_8hx4se20pYOOiFbfnAF&link_position=digest&newsletter_id=28960&toolbar=true&xng_share_origin=email

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Ist es nicht, was wir alle draus machen?

Ich sehe die facebook-Situation so ähnlich wie meine übrigen Sozialkontakte: wenn mehr oder weniger offene Ablehnung stattfindet, setze ich mich sachlich auseinander oder bleibe friedlich weg; es gibt Smalltalk, der richtig nett ist und durchaus nützlich für ein grundsätzlich wohlwollendes Miteinander, und es gibt tiefer gehende, sehr konstruktive Äußerungen, aus denen manchmal – vielleicht zu selten – äußerst fruchtbare Gespräche entstehen.

Mir ist völlig klar, dass facebook ein gewinnorientiertes Unternehmen ist, das unsere Daten abgreift und nicht an einer „besseren Welt“ interessiert ist. Ich empfinde es aber als schwierig, eine Sache, die alles sein kann, die man als Nutzer so oder anders ausgestalten kann, in Bausch und Bogen zu verurteilen. Insofern klingt Palihapitiyas Bedauern in meinen Ohren überzogen:

„Ich denke, wir haben Tools geschaffen, die die Struktur unserer Gesellschaft auseinanderreißen […] Die kurzen, von Dopamin gesteuerten Feedback-Schleifen, die wir kreiert haben, zerstören, wie die Gesellschaft funktioniert.“

Und weiter heißt es auf Xing: „Durch die Pseudo-Interaktion auf die geposteten Inhalte finde kein ziviler Diskurs und keine Kooperation mehr statt; stattdessen dominierten Fehlinformationen und Unwahrheiten [als] ‚ein globales Problem‘.“

Sind wir nicht alle gefragt, das mitzugestalten? Wie stellen wir uns zu den Dingen; wie leiten wir beispielsweise Kinder und Jugendliche an? Wie gehen wir damit um, dass es überall um Profit geht und alle dem ausgesetzt sind; wie gehen wir beispielsweise mit Werbung für Kinder und Jugendliche um, die legal jeden Tag stattfindet, ob mit oder ohne facebook?

Was tun wir beispielsweise in Schulen dafür, dass es irgendwann vielleicht zwar genauso fies wie heute ist, es mit Social Bots zu tun zu haben, ihnen aber dadurch ein Stück ihrer Macht genommen wird, indem junge Menschen angeleitet werden, weniger impulsiv auf kurze Schlagsätze anzuspringen und das Auseinandersetzen nicht zu verlernen, immer wieder das selbst-Denken zu trainieren, um die Karren erkennen zu können, vor die sie gespannt werden sollen, wenn sie vor solche gespannt werden sollen? (Ich entschuldige mich aufrichtig für diesen Satz!)

Ob „ziviler Diskurs“ stattfinden kann, dazu schaffen doch wir die Bedingungen! Ob wir kooperieren, uns zusammenschließen, das entscheiden doch wir!

facebook ist und bleibt ein kapitalistisches Unternehmen. Ich stelle mir aber vor, wie viel gewonnen wäre, würden all die, die nicht an einer verbalen Prügelei interessiert sind, diese Stränge dort ver- und die Wort-Hooligans unter sich zurücklassen. Und möchte man bleiben: dass man in aufflammender Wut nicht in diesem Gefühl antwortet, sondern den oft wichtigen Zorn in Argumente und Sachlichkeit ummünzt. Wenn möglichst viele darauf achteten, würde das sowohl den Bots als auch den Trolls Macht entziehen. Ich stelle mir vor, dass jeder, der sich dort bewegt, es sowohl thematisch als auch im Umgang miteinander so ausreichend ernst nähme, als sei er nicht virtuell unterwegs, denn für viele macht das einen Unterschied. Doch: kaum jemand käme auf die Idee, sich im Bus in das Gespräch hinter ihm einzumischen, obwohl man jedes Wort versteht. Und machte es eine Einmischung nötig, drehte man sich ja auch nicht sofort mit den Worten ‚Sie Blödmann haben ja keine Ahnung!‘ um.

Es ist so viel Gutes mit diesem Medium möglich, ob Privatunternehmen oder nicht. Und höchstwahrscheinlich ist es nur als Privatunternehmen mit Gewinnerzielungsabsicht in diesem weltumspannenden Umfang realisierbar; wohlmeinende Einzelpersonen, die ein gemeinnütziges Unternehmen dieser Reichweite führten, kämen ja mit der Kontrolle gar nicht hinterher oder wären schon arm geklagt. Niemand würde das auf sich nehmen.

So bleibt uns nur der wache Blick, wieder einmal, wenn wir unsere guten Dinge nicht aus Scheu vor Eigenverantwortung opfern wollen.

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„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein“ 

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=70095

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„Ansichten eines Anarchisten“

Die christlichen Kirchen in Deutschland haben im Nationalsozialismus versagt und sich schuldig gemacht; darunter leidet der gläubige Heinrich Böll.

Es ist geradezu ekelhaft, wie Widerständler als Gegenargument ins Feld geführt werden, die sich allerdings (nach Böll) ihrem Gewissen und nicht der Kirche gegenüber verpflichtet fühlen.

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„Ich hasse den Krieg […] er ist so völlig sinnlos.“

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Welche Rolle spielen die tragenden Säulen/wichtigen Köpfe der Gesellschaft nach dem 2. Weltkrieg? (Stichwort Funktions“eliten“; es sind nicht auf einmal alle demokratisch gestimmt…) 

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Böll stellt sich gegen Aufrüstung und Wiederbewaffnung, Kanzler Adenauer ist dafür; dieser argumentiert mit Freiheit, und die Kirchen unterstützen ihn, weil sie sich gegen den eher atheistischen Osten behaupten wollen. Es ist also für die Kirche eine Frage der Macht und nicht die einer ethisch korrekten Haltung.

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Die Kirchensteuer verrechtlicht das Verhältnis zur Religion, und Böll verurteilt auch das. Und er kritisiert die „sinnentleerten Rituale“ der Kirche.

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Dass Konsum zur Entsolidarisierung des Menschen führt, nahm in den Wirtschaftswunderjahren seinen Anfang, und diesbezügliche Warnungen wurden wahrscheinlich nur allzu gerne in den Wind geschlagen. Ich will nicht „heute“ sagen, aber durch die Zeit sieht man, was Konsum als „neue Gottheit“ angerichtet hat. Die Entsolidarisierung geht über einzelne Personen hinaus, ergreift ganze Länder und lässt die ganze Welt in ein immer stärkeres Ungleichgewicht kippen.

Wo die Ungleichheit, die soziale Ungerechtigkeit – Lebensentscheidungen in jungen Jahren können sich auch in reichen Ländern später als in diesem Sinne falsch herausstellen, selbst, wenn sie an sich nichts „Falsches“ haben (soziale Berufe: Alten- und KrankenpflegerInnen, Berufssparten, die sich verändern: Verlagswesen, Berg- und Autobau, Versicherungs- und Bankangestellte, um nur ein paar Beispiele zu nennen) – mit Händen zu greifen ist, haben Politiker, die eine totalitäre Haltung vertreten, wieder Chancen.

Bölls Warnung vor Totalitarismus ist hochaktuell; für mich ist wünschenswert, wenn man es als wichtige Warnung begreift und danach spricht und handelt; Stichwort (heutiger möglicher nötiger) Widerstand, der oft als übertrieben gehandelt und daher manchmal an Stellen vermieden wird, wo er hingehört. Als kontraproduktiv empfinde ich dabei allerdings, wenn Menschen sich in Gesprächen weder aussprechen lassen noch dem anderen zuhören; so ist die „rechte Ecke“, die es leider selbstverständlich gibt, ein gern genommener Sammelort auch für Menschen, die unbequeme Wahrheiten ansprechen. Die Kunst liegt darin, echte Fremden- gleich Menschenfeindlichkeit zu erkennen und davon zu unterscheiden. Je länger ein Gespräch dauert, je mehr Zeit man sich nimmt, desto klarer werden menschliche Grundhaltungen.

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„Die Sprache kann der letzte Hort der Freiheit sein“, sagt Heinrich Böll.

Ihm wird Terrorismusempathie unterstellt, weil er die Werte des Grundgesetzes auch auf Terroristen angewandt sehen will, dem Wort also für alle Menschen dieselbe Bedeutung zugesteht. Wie kann er es mit diesem Argument in Diskussionen schwer gehabt haben…? Wie argumentierten seine Gegner?

Vielleicht würde „ein Böll“ heute ganz gut tun, sagt Wolfgang Niedecken, und ich sage: selbstverständlich! Aber ich sage auch: wir hatten immer Mahner und haben sie; der letzte, der mir spontan einfällt und an den ich mich lebhaft erinnere, war Roger Willemsen. Man muss die Mahner nur sehen und hören, wenn sie da sind, und nicht jedes Mal das Gleiche beklagen, als wäre es neu.

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http://signaturen-magazin.de/heinrich-boell–die-sprache-als-hort-der-freiheit.html

Auszug aus einer Rede von 1958:

„Es mag Ihnen merkwürdig erscheinen, daß einer, der sich als leidenschaftlicher Liebhaber der Sprache bekannt hat, hier eine Rede hält, die nur düstere politische Prognosen zu enthalten scheint, aus Vergangenheit und Gegenwart Worte auswählt, die tödlich gewirkt haben oder tödlich wirken können, die Zukunft aus Worten beschwört; aber der politische Akzent solcher Beschwörungen und Erinnerungen, das Mahnende und Drohende, kommt aus dem Wissen, daß Politik mit Worten gemacht wird, daß es Worte sind, die den Menschen zum Gegenstand der Politik machen und ihn Geschichte erleiden lassen, Worte, die geredet, gedruckt werden, und es kommt aus dem Wissen, daß Meinungsbildung, Stimmungsmache sich immer des Wortes bedienen. Die Maschinen sind da: Presse, Rundfunk-Fernsehen, von freien Menschen bedient, bieten sie uns Harmloses an, beschränken sich aufs Kommerzielle, Werbung, Unterhaltung – aber nur eine geringe Drehung am Schalter der Macht, und wir würden erkennen, daß die Harmlosigkeit der Maschinen nur eine scheinbare ist.“

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Rainer Mausfeld: Wie Machteliten Meinung und Demokratie steuern: https://www.youtube.com/watch?v=LBndWYhld40

Philipp Möller: „Ohne Religion wäre die Welt besser dran“: https://www.youtube.com/watch?v=PV8tUv-6X8Q

Iris Radisch zu Roger Willemsens: „Wer wir waren“: http://www.zeit.de/2016/51/roger-willemsen-wer-wir-waren

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Rainer Maria Rilke – Wenn Weihnachten naht

Wenn jemand etwas vom Werk Rainer Maria Rilkes kennt, so ist es meist eins seiner sogenannten „Dinggedichte“ aus seiner mittleren Schaffenszeit – Der Panther ist geradezu genial gelungen. Wer ihn noch nicht kennt: nachlesen oder -hören; ich verspreche nicht zu viel…

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Der Lyriker lebte von 1875 bis 1926. Zu seinem literarischen Vermächtnis gehören auch seine Briefe, von denen ca. 7000 (!) veröffentlicht wurden.

Auszüge aus einigen von diesen finden sich in dem kleinen Band Rainer Maria Rilke – Wenn Weihnachten naht, erschienen im Insel Verlag, ausgewählt und mit einem Nachwort von Hella Sieber-Rilke, der Ehefrau von Rilkes Enkel Christoph. Darin geht es in erster Linie um die Freude rund um das Weihnachtsfest, die Rilke als besondere empfunden und eher in seinen privaten Korrespondenzen als in Werken ausgedrückt hat.

Die Schriftstellerin Ursula Krechel gab 2010 auf ZEIT ONLINE zu bedenken, dass die familiäre Zugehörigkeit Frau Sieber-Rilke nicht objektiv genug auf den Großvater ihres Mannes schauen ließe, die Auswahlen der Briefe an die Mutter schon für damals erschienene Bücher nicht in ausreichendem Maße das ambivalente Verhältnis der beiden spiegelten. Diese Einschätzung wird zwar durch Sieber-Rilkes Nachwort des hier vorliegenden Buches bestätigt, aber mich hat Rainer Maria Rilkes uneindeutige Haltung zu Glauben und Religiosität stärker interessiert.

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Geprägt wird das Verhältnis zu einem religiösen Fest in der Kindheit, und Rilke konnte wohl erstaunlich viel weihnachtliche Verzauberung hinüberretten ins Erwachsenenalter. Einige seiner Äußerungen zeugen von ständiger Auseinandersetzung mit Widersprüchen, wenn zum Beispiel davon die Rede ist, dass er „gegenüber […] dem Jesus-Geschehen immer eine gewisse Skepsis behält“. Auf den ersten Blick scheinen die Empfindungen unvereinbar, denn gerade Kirchenfeste wie Ostern oder eben Weihnachten sind doch aufs engste mit „dem Jesus-Geschehen“ verknüpft…

Rilke sucht zeitlebens Kirchen auf, auch um Stille zu erfahren, und Weihnachten ist für ihn „das stillste Fest“. Sein Stille-Erleben ist mit Naturerfahrung vergleichbar: „Da es hier keine Wälder gibt, sind die Kirchen wie Wälder“, schreibt er einmal von einer Reise an Lou Andreas Salomé. Dogmatismus in Religionen lehnt er ab, schätzt dagegen Vielfältigkeit religiöser Traditionen. „Schon mit vierzehn Jahren kritisiert Rilke in einem Schulaufsatz ein Gottesbild, das Gott funktionalisiert und als Erfüllungsgehilfen menschlicher Interessen missbraucht.“

Seiner gesunden Kritik, auch im Denken und der Sprache gegenüber, seinem vorsichtigen, respekt- und demutsvollen Herantasten an eine im Grunde doch undenkbare „Höhere Macht“ ist es vielleicht zu verdanken, dass er Weihnachtsfreude immer noch nachspüren und beschreiben kann, wenn sie sich in einem Jahr aus sehr nachvollziehbarem Grund nicht einstellen will. 1914 schreibt er an seine Mutter:

Da ist nun wirklich das heilige Fest herangekommen unbeirrt durch die trübe schwere grausame Zeit, und steht vor allen Türen […] Etwas von Frieden lag immer in der Winterluft gegen diesen Abend zu, läge doch auch heuer dieses Unsagbare fühlbar da und überzeugte, überführte, überwältigte die erregten heftigen Menschen, die den Tod in die Hand genommen haben und das Unheil wider einander gebrauchen. […] Christus selbst kann nichts wider diese Völker –, und doch ist eine Macht über der Welt, die auch das umfaßt, was jetzt geschieht […] was hülfe es dem Menschen, wenn Gott ihn aufhielte und ihn an sich zum Stehen brächte; der Mensch soll merken daß, wie weit ers auch treibt, er an keine Grenze Gottes kommt, wohl aber an sein eigenes Ende.“

Rainer Maria Rilke entlässt den Menschen nicht aus seiner Verantwortung und spricht so sowohl für gläubige als auch für nicht gläubige Personen.

Im Deutschlandfunk-Artikel von Burkhard Reinartz heißt es: „Diese ambivalente Erfahrung war ihm wichtig, weil wir die Wirklichkeit auch in dieser Doppelartigkeit erleben. Wir erleben die Welt in ihrer Schönheit und in ihrer Schrecklichkeit. Und der religiöse Impetus sollte dem Menschen ermöglichen, dass er die Schönheit und den Schrecken annehmen kann, denn sie sind eben nur in dieser Doppelheit erlebbar und erfahrbar.“ Diese Sätze beschreiben für mich eine der vielleicht größten Herausforderungen des Menschen, vielleicht gerade in der Weihnachtszeit.

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Quellen:

Rainer Maria Rilke – Wenn Weihnachten naht, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2016

http://www.deutschlandfunk.de/rainer-maria-rilke-das-musst-du-wissen-dass-dich-gott.886.de.html?dram:article_id=320773

http://www.zeit.de/2010/03/L-B-Rilke-Briefe

http://www.rilke.de

 

Der Panther, gesprochen von Fritz Stavenhagen:

https://www.youtube.com/watch?v=cRuWSRjioos

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