Die Tiefen der Menschenseele

„Unser Leben mit all seinen Geschichten gleicht in seiner kunstvollsten Ausprägung vielleicht mehr einem Novellenroman als einem Roman.“

So sagt es Jean-Claude Lin im Vorwort des ‚a tempo‘-Magazins in der August-Ausgabe 2017.

Er bezieht sich dabei auf Leo Perutz‘ Novellenroman „Nachts unter der steinernen Brücke“; ich verlinke unten einen Artikel, in dem er liebevoll besprochen wird.

Ein Roman also, der sich aus Novellen zusammensetzt.

Friedrich Spielhagen definiert in „Novelle oder Roman?“ 1876: 

„Der Unterschied zwischen Novelle und Roman hat den Aesthetikern schon viel Kopfzerbrechen verursacht. Indessen, man hat sich im ganzen und großen doch geeinigt und braucht keinen erheblichen Widerspruch zu fürchten, wenn man jenen Unterschied ungefähr so charakterisiert: die Novelle hat es mit fertigen Charakteren zu thun, die, durch eine besondere Verkettung der Umstände und Verhältnisse, in einen interessanten Konflikt gebracht werden, wodurch sie gezwungen sind, sich in ihrer allereigensten Natur zu offenbaren, also, daß der Konflikt, der sonst Gott weiß wie hätte verlaufen können, gerade diesen, durch die Eigentümlichkeit der engagierten Charaktere bedingten und schlechterdings keinen anderen Ausgang nehmen kann und muß. […] Der Roman hat es weniger auf eine möglichst interessante Handlung abgesehen, als auf eine möglichst vollkommene Uebersicht der Breite und Weite des Menschenlebens. Er braucht deshalb – und gerade zu seinen Hauptpersonen – nicht Menschen, die schon fertig sind, und, weil sie es sind, wo immer sie eingreifen, die Situation zu einem raschen Abschluß bringen, sondern solche Individuen, die noch in der Entwicklung stehen, infolgedessen eine bestimmende Wirkung nicht wohl ausüben können, vielmehr selbst durch die Verhältnisse, durch die Menschen ihrer Umgebung in ihrer Bildung, Entwicklung bestimmt werden, und so dem Dichter Gelegenheit geben, ja ihn nötigen, den Leser auf großen, weiten (allerdings möglichst blumenreichen) Umwegen zu seinem Ziele zu führen.

Natürlich ist dieses Ziel für den Novellisten und Romandichter im Grunde dasselbe: die Einsicht in die Tiefen der Menschenseele;[…]“ [Friedrich Spielhagen: „Novelle oder Roman?“ (1876). In: Ders. Beiträge zur Theorie und Technik des Romans. Leipzig (Staackmann) 1883, S. 245 – 257, hier S. 245 – 248.]

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Ich mag beide Genres, und ich stimme Lin und Spielhagen zu: die Ereignisse bilden am Ende den „Lebensroman“. Es ist dasselbe Leben, das man einmal als Ganzes, aus der Ferne, „von oben“ betrachten (und das in groben Zügen durch Daten und Lebensabschnitte strukturiert ist und in seiner Entwicklung grob verfolgt werden) kann. Und zum anderen wird man einem Leben, einem Menschen erst durch „Heran-Zoomen“ wirklich gerecht, kann so manche Entwicklung besser nachvollziehen, im besten Fall verstehen.

Es braucht die Betrachtung der Details, das genaue Hinschauen, das bewusste Lesen, das Innehalten auch – vielleicht gerade – in Zeiten, in denen alles so schnell vorangetrieben wird, wo ein schneller kurzer Erfolg einem langfristig angestrebten guten Ergebnis vorgezogen wird. Wo heute in derselben Sache Hype und morgen „Sau-durchs-Dorf-Treiben“ angesagt ist. Wo Menschen von ihrer Erfahrung berichten, dass Aufklärung nicht so „interessant“ ist wie manche Falschmeldung und daher weniger Gehör findet.

Wir brauchen, denke ich, sowohl die Übersicht über die Epochen und ihre Entwicklung, um die Dinge in Relation zu bringen, aber müssen uns trotzdem zu den Ereignissen positionieren (und manchmal auf sie reagieren), die unser Hier und Jetzt bilden. 

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https://www.welt.de/welt_print/kultur/literatur/article8997757/Nachts-unter-der-steinernen-Bruecke.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Perutz

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Die mögliche Verbindung zum individuellen Wesentlichen

https://www.taz.de/!5396305/

Zitat aus dem Interview: „Wenn sich ein Werk auf Malewitschs Schwarzes Quadrat bezieht, muss man erstens Malewitsch kennen und zweitens wissen, dass er sich auf Ikonenmalerei bezieht. Man muss drei Ebenen erklären. Wir überlegen gerade, wie wir das geknackt kriegen. Im Idealfall hätte man den Multimedia-Guide für jedes Exponat. Das ist ein kostspieliges, langfristiges Ziel.“

Dazu Anke von Heyl am 12. April auf ihrer facebook-Seite:

„Sehr spannendes Interview mit dem Chef der Hamburger Kunsthalle. Ich wage mal die These, dass ein Multimedia-Guide nicht zwingend die Lösung für das Vermitteln äußerst komplexer Zusammenhänge sein muss. Die Frage ist, ob man als Vermittlungsziel das Wissen um alle historischen Bezüge in den Vordergrund stellen sollte.“

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Inspiriert durch Anke von Heyls Beitrag auf ihrer facebook-Seite und das dortige gute Gespräch dazu, aus dem ich hier nichts wiederholen möchte, steige ich gleich steil ein: Wenn Kunst für alle Menschen ist – wovon ich ja ausgehe – kann Kunstvermittlung dann überhaupt zielgerichtet funktionieren, wenn das Ziel ständig umdefiniert werden muss nach Gruppe und Einzelperson, Alter, Wissensstand, kultureller Herkunft, Interesse (Stichwort „Schülergruppen“) …?

Ist der geringste Anspruch dann der, dass der Mensch, dem vermittelt werden soll, überhaupt erst mal bleibt und weiter zusieht und zuhört, und liegt die Kür dann darin, einem best-vorgebildeten, wissensdurstigen, kunstinteressierten Menschen, der alle Zitate versteht, noch mehr Wissen zu geben in einem „Fach“, das in seinen Inhalten keine allgemein menschliche Objektivität hat, sondern die bestimmt werden durch die jeweiligen Machthaber der einzelnen Kunst-Bereiche und Institutionen, ungeachtet der vielen Einflüsse und Eindrücke drumherum? Ungeachtet der Tatsache, dass das, was innerhalb des Kunstbetriebes, -marktes, -kanons entsteht, für „Kunst“ befunden wird und in diesem Begriff verbleiben darf, immer auch außerhalb gedacht und gearbeitet werden kann und, setzt man dieses voraus, dann sicher auch wird?

Vielleicht liegt der Gewinn von „Vermittlung“ ja gar nicht im (ohnehin überschätzten) „Verständnis“ für eine künstlerische Arbeit. Vielleicht liegt der Gewinn schlicht darin, Menschen, denen das fremd ist zu zeigen, dass Menschen sich über Kunst ausdrücken und das genau so „normal“ ist wie der Ausdruck über jede andere Sprache. Vielleicht bringen Gespräche auf den unterschiedlich möglichen Niveaus, vielleicht bringen die Fragen der Menschen auf den unterschiedlich möglichen Niveaus die – ich glaube, ebenfalls allen – mögliche Verbindung zu ihrem individuellen Wesentlichen.

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KunstvermittlerInnen leisten gute Arbeit – innerhalb des Systems.

Ich komme immer wieder dazu, mich zu fragen, ob ich in der Ansicht und in der Diskussion radikaler sein muss, was mir total widerstrebt.

Kann ich gleichzeitig sagen:

o.k., das ist der Kunstbetrieb, der so funktioniert, wie er eben funktioniert, mit all seinen Kreativschätzen und dem Bemühen um deren Vermittlung, aber eben auch mit den negativen Auswirkungen: Ausschluss Vieler im Erschaffen und Rezipieren (auch wider alle Vermittlungsversuche), Entwicklung krimineller Energien (Stichworte „Handel“ und „Fälschung“) usw. (die Liste ist beliebig verlängerbar)

und

ich wünsche mir ein co-kreatives Herangehen an Kunst, und zwar an jegliche Kreativarbeit eines jeglichen Menschen?

Passt das? Geht das? Und wenn ja: wie geht das?

Oder geht das einfach nicht zusammen, weil ein co-kreatives Herangehen an jegliches Thema Bewertung verbietet, Belehrung verbietet, und „Lehre“ und „Lernen“ da einfach anders funktionieren…?

Ich habe immer gesagt: die Arbeiten, die heute offiziell zu „Kunst“ zählen, und die wir alle schätzen und bewundern, gehen doch nicht verloren, und sie entstehen auch weiterhin neu.

Aber was ist, wenn wir uns das neu-Entstehen unter anderen, unter co-kreativen Vorzeichen vorstellen? Wie funktioniert dann zum Beispiel Aufmerksamkeit ohne geförderte Bewerbung, wie funktioniert dann überhaupt Förderung – gibt es sie dann überhaupt noch? Muss es sie dann noch geben? Wenn Kunst überall und frei auftreten kann, ohne in den Kontexten gefangen zu sein, in denen wir sie erwarten: Museen, Auftritte, Vernissagen, Midissagen, Finissagen, Konzerte, Ausstellungen, … wie stehen wir dann zum kreativen Ausdruck von Menschen? Wie wird dann geplant, wie wird dann bezahlt (Hallennutzung, Museumsunterhaltung, Technik, Strom, Personal, …)? Wie werden die Kreativen entlohnt? Werden sie entlohnt, oder kann man sich „Bezahlung“ für eine „Leistung“ auch ganz anders vorstellen, auch jenseits von Tauschhandel? Was passiert mit hochpreisigen Umsetzungen von Kunst? Denken Künstler durch etwaige Beschränkung (die ja andererseits durchaus vernünftig sein kann) anders, ohne ihre Idee verraten zu müssen?

Was wäre, wenn „Kunst“ ein „ganz normaler“ zusätzlicher Ausdruck der Menschen wäre?

Vielleicht unterstützte es sie ja im Finden ihres individuellen Wesentlichen, das, wie ich es empfinde, ein wichtiger Beitrag für inneren und äußeren Frieden ist.

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Wege

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Kunst geht über einen direkten Nutzwert hinaus, soll aber im Gegenteil diesen manchmal sogar sofort beweisen.

Das ist so wenig möglich wie die theoretisch denkbare Gegebenheit, nach einer Demo – zum Beispiel gegen die herrschende Klimapolitik – träfen die pseudoverhandelnden Politiker wieder zusammen, um den oftmals sehr vernünftigen Vorschlägen der Bürger sofort Folge zu leisten. Aber trotzdem bleibt ja die Wortmeldung, das sich-Zeigen wichtig, gerade gegen Widerstände, gerade wenn sich Wenige gegenseitig stärken müssen.

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Kunst geht über einen direkten Nutzwert hinaus. Man sieht nicht oder selten, was sie mit Menschen macht. Das macht sie frei. Es gibt kein „Endziel“, das irgendjemand einmal formuliert hätte und das es zu erreichen gölte, und danach müsse es keine Kunst mehr geben. Das ist die Begründung dafür, dass in der Kunst beinahe alles erlaubt ist und lässt überdies die Schlussfolgerung zu, dass es sie immer geben wird.

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Einzelne können sich abwenden, sowohl auf Seiten der Rezipienten als auch auf Seiten der Erschaffer, aber grundsätzlich wird der Mensch wohl nie auf seinen freiheitlichsten Ausdruck verzichten – auf diese Art Demonstration.

Das Abwenden oder die Ausgestaltung ist jedem selbst überlassen. Ich möchte zu denen gehören, die sich Zeit ihres Lebens an der Mitgestaltung desselben und der Welt beteiligt fühlen, und dabei ist tatsächlich der Weg das Ziel, und auf meinem Weg liegt auch die Kunst. Vermutlich wird niemand an einem vorgestellten Ende „gewinnen“ im Sinne von „sich ein für alle Mal gegen andere durchsetzen“. Es wird alles immer stete Verhandlung bleiben, weil es den „guten“ Weg für alle eben nicht gibt. Aber wenn viele mitverhandeln und über „ihre“ Wege sprechen, nähert man sich vielleicht tatsächlich einmal einem Ideal für viele. Es gilt, dafür zu kämpfen, dass eben viele mitverhandeln. Auch und gerade über einen offiziellen Auftrag hinaus, denn offizielle Aufträge sind meistens an sehr viele Auflagen gebunden und schließen so viele potenzielle Gestalter aus.

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Kaum einer Sache tut es gut, wenn nur ein paar Wenige die Deutungshoheit haben; das gilt es überall in der Welt und in jedem Bereich zu hinterfragen. Denn meistens spielen dabei Dinge eine Hauptrolle, die mit der Sache, um die es eigentlich gehen müsste, einmal ging oder behauptet geht, nicht mehr viel zu tun haben. Eine gute Sache verkommt so unter Umständen zum Karrenzieher für Machtausübung, Prestige-Jagd und ähnliches. Dem gilt es zu begegnen. Immer wieder. Mit möglichst vielen, jedeR auf seinem eigenen Weg.

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Wenn ich Kunstlehrerin geworden wäre…

Wenn ich Kunstlehrerin geworden wäre…

Nur, damit keine Missverständnisse aufkommen: ich hatte das nie vor. Aber ich denke immer häufiger, dass das, was ich in einem Schulfach „Kunst“ gerne vermitteln würde, was ich als eine Lehrerin für die Kunst gerne vermitteln würde, nicht so verkehrt wäre – obwohl das Kultusministerium das vielleicht anders sähe 😉 .

Wenn ich mir wiederum ansehe, wie die www.schulentwicklung.nrw.de die Aufgaben und Ziele des Fachs beschreibt, dann ist das nicht weit entfernt von meinen Wünschen und Zielen für eine ganzheitliche schulische Erziehung. Ich lese das und denke: das muss doch Spaß machen! Und zwar sowohl als Schüler als auch als Lehrkraft! (Voraussetzung ist natürlich, dass Etat für Material, genügend Raum für alle und alles da ist und genügend KollegInnen für das Fach an der Schule sind, damit nicht Frust die Fantasie erstickt, und die KollegInnen der anderen Disziplinen an einer fächerübergreifenden Schulbildung für die gemeinsamen Schutzbefohlenen interessiert sind. Und dass die sich nicht in Konkurrenz zueinander fühlen. Und dass die Direktion mitzieht. Und dass der Dezernent mitzieht. Und und und und und. Und dann:) Ring frei für einen im wahrsten Wortsinn fantastischen Kunstunterricht!

Glücklicherweise muss ich mich bei meiner Kunstvermittlung nicht mit den in der Klammer lauernden möglichen Problemen herumschlagen, unglücklicherweise hört mir kein Klassenverband zu, der geradezu erwartet, dass ich ihm etwas beibringe (oder auch nicht; noch ein „Klammerproblem“ 😉 )…

Meine Kunstvermittlung – das klingt erstmal laut; im Grunde ist es bescheiden. Mein Schwerpunkt läge in jedem Fall darin:

[…] Im Besonderen erkennen sie, dass unterschiedliche Bildkonzeptionen – auch vor dem Hintergrund ästhetischer Normen und möglicher geschmacklicher Vorprägungen – gleiche Gültigkeit haben können. […] Dadurch werden sie in die Lage versetzt, auch über Zwischenergebnisse und unerwartete Lösungen zu reflektieren und Lösungen anderer wertzuschätzen. […]“

Das ist nichts anderes als die Anleitung zur Offenheit, einer Öffnung zum Menschen hin, und ich meine das weder moralisch noch abstrakt. Ich möchte es so verstanden wissen, dass diese Öffnung immer den Menschen direkt betrifft, dem du gerade gegenüber stehst, und dass nicht nur er etwas davon hat, sondern auch du.

Ist es nicht so, dass die allermeisten Leute ihre Mitmenschen schon vor einer beurteilungsfähigen Begegnung klassifizieren, inwiefern das, was diese gleich erst sagen werden, ihnen etwas sagen, etwas „bringen“ wird? Wäre es nicht schön, selbst immer so angehört zu werden, als hätte unser Gegenüber nicht vielleicht schon vor Jahren ein negatives Urteil über uns gefällt, das wie ein Regenwölkchen über jeder Aussage hängt, die wir machen und alles, was wir je von uns geben, im Sinne dieses Urteils einfärbt? Wäre es nicht wünschenswert, dass, wenn wir nicht sofort in unserem Sinn verstanden werden, wir uns nicht unmittelbar verständlich machen können, unser Gegenüber nachfragt statt abwinkt?

Kunst kann nur gelebt werden, wenn wir nicht abwinken. Dafür einzustehen und zu werben für offene Augen, Ohren, Herzen und Hirne, dazu trete ich an.

http://www.schulentwicklung.nrw.de/lehrplaene/lehrplannavigator-s-i/gymnasium-g8/kunst-g8/kernlehrplan-kunst/aufgaben-und-ziele-des-faches/aufgaben-und-ziele.html

 

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„Man muss ständig aufrüsten, hat aber am Ende nichts davon.“

„Man muss ständig aufrüsten, hat aber am Ende nichts davon.“ (Cornelia Koppetsch)

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Ich überlege, wie ich diesen Text beginnen soll; wahrscheinlich wird es wieder ein Gedankenfluss-Experiment…

Ausgang war die Frage an mich selbst, was mich davon abbringt (obwohl auch ich zum Beispiel für Auftragsarbeiten Geld nehme), alles und jedes unter dem „Verkaufsgebot“ zu betrachten?

Warum denke ich (obwohl ich andere sonst gerne selbst denken und für sich bestimmen lasse), dass es für alle besser wäre, von rein kapitalistischen Beweggründen abzusehen? Warum werde ich zunehmend wütend über bestimmte diesbezügliche Vorgehensweisen in der Welt?

Mir scheint es tatsächlich so, als ob alle alles nur noch verkaufen. Ich hatte Euch um Eure Gedanken dazu gebeten, und die zweier Kollegen – wie ich langjährig auf dem künstlerischen Parkett unterwegs – kann ich mit einfließen lassen; vielen Dank Euch beiden!

Trotzdem bleibt der Text schwierig zu beginnen, denn ich habe das Gefühl, mich schon zu Anfang und dann zunehmend zu wiederholen, gerade weil ich mich mit bestimmten Überlegungen immer wieder neu, nur in Variationen, auseinandersetze. Das kann auf Dauer eintönig werden! Ich selbst werde müde, mich immer wieder die bekannten Argumente sagen zu hören… – aber vielleicht lerne ich mit jeder Auseinandersetzung und jetzt mit der Arbeit an diesem Text einen anderen Aspekt des Themas kennen… oder eine andere Facette meiner Person…

Dann frage ich mich, ob ich anfangen kann, ohne mit ein paar Grundüberlegungen zu Kapitalismus und Sozialismus zu beginnen – und verwerfe den Zweifel: zu langweilig, und vielleicht kann ich später im Text noch auf bestimmte Dinge eingehen, die mir wichtig sind. Also setze ich jetzt das voraus, was man in der Schule dazu lernt – ich hoffe, immer noch!

Einer der beiden genannten Kollegen fragte, ob denn die bloße Verwendung von Geld schon kapitalistisch sei, denn das Geld sei doch nur der Gegenwert des Tauschhandels, wenn man etwas anderes als Tauschgegenstand entweder nicht brauchen oder nicht bekommen kann… – ja, so denke ich eigentlich auch. Es ist doch praktisch, dann für sein Angebot einen Wertgegenstand zu bekommen, der als Gegenwert zu wirklich allem funktioniert. Was macht es denn dann verwerflich oder besser gefragt: was lässt es denn dann kippen? Oder wann kippt es? Wann schlägt es in etwas für den Menschen Ungesundes um? Macht es eventuell der Wettbewerbscharakter, der in den kapitalistisch ausgerichteten Ländern vorherrscht…?

Ich stelle durch die Jahre fest, dass sich Wettbewerb da ausbreitet, wo er meines Erachtens wenig oder nichts verloren hat: in Schulen (es können nicht alle eine „eins“ bekommen, selbst dann nicht, wenn im sehr unwahrscheinlichen Fall trotzdem alle eine verdient hätten; es gibt große Unterschiede zwischen den Kindern, und ungleiche Startvoraussetzungen machen Wettbewerb unfair), im Rennen um die Uni-Plätze, wo es teilweise um Bruchteile im besagten Einser-Bereich geht – aber in die Richtung zur Null, nicht zur Zwei! Später im Wettlauf um die Jobs, dann innerhalb der Jobs, bis hin zu Konkurrenzdenken in Freundschaft und Liebe… – ist es das, was Geld zu etwas macht, das nicht mehr als reiner Gegenwert im Tauschhandel empfunden wird, sondern als Belohnung, als Preis, als Auszeichnung für das Erreichen der vorderen Plätze…? Und dann muss man diesen Platz ja auch noch verteidigen… und jagt nach dem nächsten „Pokal“, der die erfolgreiche Verteidigung demonstriert… Ich erinnere das Gefühl, dass mir persönlich zu viel Wettbewerb herrscht und dass eigentlich unvergleichbare Dinge oder gar Menschen verglichen werden, schon früh in meinem Leben.

Und ich stelle noch etwas anderes fest: die Menschen diskutieren immer weniger die Sachlagen sachlich, und sie suchen immer häufiger eine Schuld bei den Betroffenen. „Wieso bist du denn nicht einfach bei deinem Mann geblieben?“ „Das hättest du dir aber denken können, dass du jetzt unterhalb deiner Qualifikation arbeiten wirst… du kannst froh sein, dass sie dich zurück nehmen!“ „Sie lässt sich ausnutzen; jetzt pflegt sie sogar seine Eltern…“ „Hättest du damals was anderes gemacht, hättest du jetzt auch mehr Geld!“ „Dann musst du deine hohen Ansprüche eben etwas runterschrauben.“ Es geht nicht darum, warum der oder die Einzelne sich so entschieden hat; es geht nicht um Verständnis für persönliche Beweggründe; es geht darum, das System zu rechtfertigen und zu verteidigen gegenüber jenen, die es in Frage stellen durch ihr Scheitern darin, selbst, wenn sich überhaupt keine „Schuldfrage“ stellt. „… und jetzt beklagt sie/er sich auch noch!“

Mein Kollege sagt, dass nicht das Geld an sich schlecht ist, sondern „nur die Nebenwirkungen und Vergewaltigungen der Idee abzulehnen“ sind – also der Missbrauch. Dieser findet nur da statt, wo Geld ist. Entweder direkt ein dicker Batzen (Stichwort Korruption bei den großen Fischen in Politik und Wirtschaft; jedem fallen sicher sofort mehrere Beispiele ein), oder in den Fällen, in denen das Kleinvieh den Mist macht. Dabei denke ich zum Beispiel an die um sich greifende Unsitte, dass Ärzte von Kassenpatienten Geld nehmen, um diesen vielleicht doch den (unter Umständen lebensnotwendigen) früheren Termin zu geben. Die zwei (oder mehr) Klassen-Gesellschaft war nie überwunden, und wo an der unbedingt erforderlichen Gleichheit der Menschen an einer Stelle gearbeitet wird, wird an einer anderen ein umso größeres Loch gerissen…

Ist es nötig, dass Frauen, die sich gemeinsam mit dem Ehemann für die klassische Rollenverteilung entscheiden (nicht selten, weil es immer noch so ist, dass in den meisten Fällen der Mann den besserbezahlten Job hat), in Altersarmut fallen, wenn nach den Erziehungsjahren der Kinder die Ehe nicht mehr funktioniert? Oder sie nicht mehr in die Arbeit zurück finden, selbst wenn sie es wollen, weil es nahtlos weiter geht mit der Pflege, diesmal der Eltern? Oder weil sie nach den Jahren der Pause (die keine Erholungspause war!) nicht mehr Fuß fassen, weil man heute auch schon mit vierzig zu alt sein kann, wenn die Fünfundzwanzigjährigen von der Uni kommen und selbstverständlich einen Anspruch empfinden, jetzt loslegen zu können…?

Ist es nötig, dass Menschen sich dafür rechtfertigen müssen, dass sie auf der Suche nach für sie bezahlbarem Wohnraum fast verzweifeln? Ist es nötig, dass es immer weniger diesbezügliches Angebot für Otto Normalverdiener oder gar Otto Prekärverdiener gibt…?

Ist es nötig, dass Menschen aus ihrem Wohngebiet und ihrer dortigen Arbeit vertrieben werden, weil es zufällig Regenwaldgebiet ist, dass man gewinnbringender für Palmölanbau nutzen kann?

Warum decken Länder ihre Dopingfälle nicht auf bzw. sind an Aufklärung nicht interessiert? Weil sie an den Sport-Stars mit verdienen. Ist so etwas nötig?

Warum gehen manche Politiker nach nur wenigen Jahren als „Volksvertreter“ (die Anführungsstriche sind bewusst gesetzt) in die Wirtschaft? Weil sie es können; weil es keine Kontrollgremien gibt, die ihre Kontakte, die sie vorher geknüpft haben, obwohl sie es nicht durften, verurteilen und ahnden. Und warum das nicht? Weil jeder, der ein solches Gesetz erlassen und für seine Durchführung eintreten würde, sich damit gegebenenfalls ins eigene Fleisch schnitte.

Warum wird in einem Regionalblatt nur noch aus Gefälligkeit berichtet über Menschen, die jemanden kennen, der jemanden kennt, oder gegen Geld?

Muss es Anwälte geben, die Geld dafür bekommen, dass sie Personalchefs Seminare anbieten, wie diese am effektivsten Krankheit ihrer Mitarbeiter als Kündigungsgrund nutzen können?

Heißt „Kapitalismus“, dass einkalkuliert wird, dass sogar dazugehört, dass Menschen durch die Maschen fallen?

Geld macht die Wichtigkeit von Inhalten kleiner bzw. hebt sie ganz auf. Der sportliche Vergleich von Menschenkörpern und diesbezügliche Medaillenvergabe hat keinen Sinn, wenn es eigentlich nicht mehr darum geht, dass sich Menschen in ihren puren sportlichen Leistungen vergleichen. Und dass im Hintergrund eine Maschinerie in Kraft ist, die den Missbrauch bewacht, treibt die Sache auf die Spitze der Perversion. Wie bei allen Dingen, in denen viel Geld den Missbrauch deckt und bewacht, um noch mehr Geld zu verdienen.

Mir fällt die Geschichte vom „klugen Fischer“ ein, jetzt als Bilderbuch neu erschienen und 1963 von Heinrich Böll unter dem Titel: „Anekdote zur Senkung der Arbeitsmoral“ zum Tag der Arbeit mitten im bundesdeutschen Wirtschaftswunder geschrieben. Ein Tourist trifft einen Fischer am Hafen, der auf seinem Boot in der Sonne döst, und schlägt ihm vor, das schöne Wetter doch zum erneuten Rausfahren zu nutzen, um noch mehr Fisch und noch mehr Fisch zu fangen, schließlich einen Kutter haben zu können und dafür Leute anzustellen, ein Kühlhaus zu bauen, eine Marinadenfabrik usw. usf. Und wozu das alles? Damit er irgendwann genug Geld hätte, in Ruhe und Zufriedenheit mitten am Tag in einem Boot am Hafen zu dösen…

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Aus den Köpfen verschwindet die Bandbreite des Angebots und Geschehens, weil Geld vorgibt, was wir zu sehen und zu hören kriegen. Im Guten wie im Schlechten. Inhalte spielen immer weniger eine Rolle, niemand will sich mehr mit ihnen auseinandersetzen. Zuerst einmal muss sich der Einsatz finanziell lohnen, sonst fängt man gar nicht erst an, ob mit Auseinandersetzung oder erstmal nur Kopfheben. Alles das hat mit Wertschätzung von Menschen, von menschlichen Inhalten nicht das Geringste mehr zu tun; es hat nur noch mit der Wertschätzung dessen zu tun, das als Gegenwert zu beinahe allem anderen funktioniert. Aber eben nur beinahe. Der Moment, in dem es kippt, ist der, in dem uns das Tauschmittel wichtiger wird als der Inhalt, mit dem es getauscht wird.

Alles das macht mich wütend und treibt mich an, ein Gegengewicht zu setzen, zumindest, indem ich es benenne.

Ist es möglich, dass der Missbrauch des Geldsystems schon mit dem Wettbewerbsgedanken beginnt?

Ich habe immer dringender den Wunsch, mich aus Wettbewerbssystemen auszuklinken. Daher kommt, dass ich den „verkaufbaren“ Teil meiner Kreativarbeit nicht bewerbe, zumindest nicht aggressiv. Der Homepage ist zu entnehmen, dass ich auch verkaufe, und damit ist es gut. Im Internet pflege ich keine Plattform mehr, auf der es um solche Verkäufe geht, und entdecke ich eine neu, die sich zuerst als reine Ausstellungsfläche tarnt und zwei Klicks später entlarvt, bin ich mit dem dritten Klick da weg. Ich definiere mich zunehmend über die Aspekte meiner kreativen Arbeit, die gar nicht verkäuflich sind, jedenfalls nicht unmittelbar. Wenn ich im sozialen Netzwerk eine Diskussion starte oder mich an einer beteilige, in der ich für den unverstellten, offenen Blick plädiere, und dort (ja: ganz bewusst und auch mir) kostbare Zeit verbringe, dann ist es mir – allein schon durch die Form – überhaupt nicht möglich, das zu „verkaufen“! Und wäre es möglich und ich würde es tun, würde ich die Freiheit des Zugangs verraten und damit einen Wert, der so dermaßen eng verknüpft ist mit meiner Herangehensweise ans Thema, dass ich dieses gleich mit verriete und damit mich. Genau so und nicht anders möchte ich in der Hauptsache mein Thema vertreten – völlig nebensächlich, was oder wie ich male, wenn ich male, oder was oder wie ich schreibe… sogar dass ich auch male oder schreibe, soll dann und dort kein Thema sein. Das ist für viele unglaublich schwer nachzuvollziehen. Will ich denn kein Geld? Brauche ich etwa keines? Doch, selbstverständlich. Ich brauche Geld für die Lebenshaltung, solange unser System so funktioniert, wie es funktioniert. Aber ich brauche es nicht unbedingt im direkten Gegentausch und Gegenwert zu meinen Arbeiten, wenn für meine Lebenshaltung anders gesorgt wäre. Ich brauche es nicht als Sternchen, Fleißkärtchen oder als Pokal. Gefällt jemandem mein Bild, darf er es gerne auch kaufen; es gibt bislang keine unmissverständlichere Art, Wertschätzung zu zeigen, weil allen Geld als Gegenwert zu allem anderen so viel wert ist. Aber in erster Linie sehe ich meine Aufgabe darin, Menschen eine andere Sichtweise anzubieten, und die liegt unter Umständen ja sogar gerade darin, ein Gegengewicht zum Profitdenken anzubieten.

Nun möchte ich zu dem eingangs erwähnten anderen Kollegen kommen, mit dem ich schon jahrelang über’s Netz kommuniziere und diskutiere, einmal im ganz direkten und einmal im übertragenen Sinn. Er gab zu bedenken, dass es „ja schon sehr viele Angebote des Leihens, Tauschens, Schenkens“ gäbe, „auch der gemeinsamen Benutzung, z. B. von Autos, Fahrrädern und Werkzeugen“, so dass nicht immer alles gleich gekauft oder in Geld ausgeglichen werden müsse. Das stimmt, und ich begrüße es sehr! Allerdings ist er auch derjenige, der sich für ein geregeltes Künstler-Einkommen stark macht, während ich eine allgemeine Bezahlung aller kreativ Tätiger, unabhängig von preislich festlegbaren konkreten Arbeiten, eher schwierig finde und als Alternative zum Bedingungslosen Grundeinkommen tendiere.

Cornelia Koppetsch hat sich im Magazin der Süddeutschen Zeitung in Heft 32/2015/Politik in dem von Gabriela Herpell geführten Interview »Freiheit ist kapitalistischer Mainstream« sehr lesenswert geäußert. Unter anderem sagt sie, dass Ideale wie „Kreativität“ dergestalt vom „kapitalistischem Mainstream“ vereinnahmt worden wären, dass sie „kein Widerstandspotenzial mehr“ enthielten. Indem jeder Arbeitgeber „Kreativität“ nun als selbstverständlich geforderte Tugend voraussetze, würde das sogar zu ihrer Ablehnung führen… wobei ich selbst glaube, dass man nicht „die Kreativität“ ablehnt, sondern ihre Annexion durch ein vielleicht nicht feindliches, aber früher eher gegensätzliches Terrain. Ich musste sehr an meinen Kollegen denken, als Koppetsch ausführte, dass sich Künstler selbst schwächten, indem sie ihre Freiheit und Unvergleichlichkeit betonten und damit ihren Zusammenschluss verhinderten: „Die Künstler sagen: Jeder ist anders und hat sein individuelles Feld. Dadurch verbaut man sich die Möglichkeit, kollektiv gegen schlechte Arbeitsbedingungen oder Unterbezahlung vorzugehen.“ Das ist sicher so. Aber vielleicht muss man sich auf diesem Gebiet einfach nur konsequenter als in anderen Arbeitsbereichen entscheiden: Inhalt oder Versorgung. Denn wenn es stimmt, was ich weiter oben befürchtete: dass Geld (mittlerweile!) die Wichtigkeit von Inhalten kleiner macht bzw. manchmal ganz aufhebt, dann ist gekaufter Inhalt (und diese Entwicklung wäre genau wie in allen anderen Bereichen nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich, wenn nicht schon Realität) der Tod der Kunst. Ist es nötig, dass etwas, das zur Erbauung, Weiterentwicklung und Austausch des Menschen geschaffen worden ist, an der Börse gehandelt wird…?

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Ich stelle einen Unterschied fest zwischen freigebigen und „Ich hab‘ nichts zu verschenken!“-Menschen, der über den Inhalt ihres Portemonnaies hinausgeht.

Wer sich erlaubt, auch mal zu schenken, hilft leichter, weil er nicht immer einen Gegenwert erwartet; vielleicht gerade ein besonders aktuelles Thema. Die Kehrseite der Medaille ist das mögliche ausgenutzt-Werden: wer einmal etwas „umsonst“ gemacht hat, von dem wird das vielleicht immer wieder erwartet… Auf der anderen Seite gilt der als unsympathisch, der immer alles umsonst zu bekommen erwartet…

Jeder muss selbst das Maß finden und seine Entscheidung sachlich und deutlich vertreten.

Was ist also für mich die Lösung, was ist mein Maß? Die Lösung ist, dass es selbst für mich als Einzelperson, selbst wenn ich nur für mich selbst verantwortlich wäre, die Lösung nicht gibt. Es gibt nicht das Maß aller Dinge. Es gibt kein deutliches Entweder/Oder. Aber es gibt eine Haltung, die mein versorgt-Sein und ein Zukunftsdenken zum Wohle aller, über mein Leben hinaus, nicht ausschließt.

Für mich wäre es vorstellbar, eine Gesellschaft zu haben, bei der die Mitglieder nicht auf den Lebensentwürfen der anderen herumhacken. Natürlich habe ich mir den meinen ausgesucht, zumindest in der groben Richtung, so wie jede und jeder sich den ihren und seinen mehr oder weniger ausgesucht hat, aber es lässt sich doch alles verbessern! Warum sollen wir uns denn nicht fragen, was wirklich allen zu Gute kommt? Sollen wir uns das vielleicht nicht fragen…?

Ich wünsche mir eine Politik, in der die Volksvertreter (dass diesmal keine Anführungsstriche da sind, ist ebenfalls bewusst) genau dafür eintreten: dass es allen gut und es für alle fair zu geht. Eine Politik, die Ungerechtigkeit und Ungleichheit bekämpft, weil sie sie nicht mehr braucht… für Stimmungen, für Unfreiheiten, die man zuerst gar nicht als solche begreift, weil man nicht begreifen soll. Eine Politik, die eben nicht vom Geldgedanken bestimmt wird, sondern von Zusammenhalt und Zusammenarbeit aller Länder dieser Erde. Die ohne Ausbeutung auskommt.

Wenn das mit dem Kapitalismus nicht zu haben ist, dann muss ich ihn ablehnen.

Was ist mir jetzt, in diesem Moment, auch noch wichtig für die Zeit, wenn ich nicht mehr da bin…? Was wäre wichtig für die Personen, die noch bleiben, wenn wir gehen? Ich finde, ich sollte das, was mir dazu als Antwort einfällt, mit meinem Leben stärken.

Ich frage mich ja in den letzten Jahren verstärkt bei allen Themen, die ich besser verstehen und durchblicken möchte, „wer hat etwas davon?“ Also… wer hat etwas davon, dass es keine sozial gerechte Wirtschafts- und Sozialordnung gibt?

Die Kameradschaftlichkeit, die im Wort „Sozialismus“ steckt… – wer hat etwas davon, dass diese nicht in Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität gelebt wird, sondern als hohle Phrase verkommt?

Philipp Holstein hat am 13.08.2015 in der Online-Ausgabe der Rheinischen Post über den Kabarettisten Volker Pispers gesagt: „Pispers ist nicht der Wahrheit verpflichtet, obwohl er das behauptet, sondern etwas, das größer ist: einem Zustand, der erreichbar wäre, wenn alle gut miteinander umgingen.“

Wenn das mit dem Kapitalismus nicht zu haben ist, dann muss ich ihn ablehnen.

 

 http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/43404/2/1

http://www.rp-online.de/kultur/kabarett-dass-volker-pispers-aufhoeren-koennte-mag-man-nicht-glauben-aid-1.5309954

http://www.hanser-literaturverlage.de/buch/der-kluge-fischer/978-3-446-24298-2/

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